Ausgabe 
15.3.1888 Erstes Blatt
 
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Amtlich wird bekannt gemacht: Se. Majestät der Kaiser und König haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 11. Mär- d. J-. zu genehmigen geruht, daß für weiland Se. Majestät den in Gott ruhenden Kaiser und König Wilh.lm eine Gedächtnißfeier am 22. März d. J-. in allen Lehranstalten and Schulen der Monarchie stattfindet.

Zu den Beerdigungs-Feierlichkeiten treffen sämmtliche commandirende Generäle, auch die der süddeutschen Armee-Corps, hier ein. Der General * la suite des See-Bataillons v. Stosch ist aus gleichem Anlaß hier bereits angekommev. Die Beisetzung der Leiche im Mausoleum zu Charlottenburg wird am Freitag Mittag um 12 Uhr stattfinden. Zur Leichenbefichtigung hat in den dafür angesetzten Stunden der nächsten drei Tage Jedermann ohne Ansehen der Person Zutritt. Die Kaiserin Augusta hat ausdrücklich verboten, daß besondere Zutritts« Vergünstigungen stattfinden; in Folge deffen war der Andrang zum Dome trotz des schlechten Wetters so außerordentlich groß, daß die Mehrzahl der anströmenden Menschen unverrichteter Sache zurückkehren mußte. Alle, welche den Kaiser zum letzten Male sehen wollten, waren in Trauerkleidung; im langsamen Schritt durchzogen diejenigen, welche nach der Reihenfolge in den Dom den Zutritt erlangten, da» Gotteshaus. Vom Auslande treffen aus allen Soden der Windrose Depeschen und Adressen ein, nicht nur von Deutschen, son­dern nicht minder von zahllosen Ausländern, welche eine Theilnahme der ganzen Welt bekunden, wie man fie nicht erwarten durste. Wir Deutsche haben allen Grund, dieses außerordentliche Zeichen der Sympathie, welches das Ausland unferm verstorbenen Heldenkaiser zollt, als eine ernste Mahnung zu betrachten, auf eine besondere Pflege und Entwicklung der bürgerlichen Tugenden Bedacht zu nehmen, die vor Allem den Kaiser ausgezeichnet haben: Gerechtigkeit, Menschenliebe, Pflichttreue, Arbeitsamkeit, ohne die ein Fortschritt in unserer Entwicklung un­möglich ist.

Berlin, 13. März. Die Abendblätter besprechen die Proklamation und den Erlaß de» Kaisers Friedrich. DiePost* sagt, fie seien wahrhafte Erquickungen für jeden Preußen und Deutschen. Sie rühmt dm Adel und die Klarheit der Gestnnung, vor Allem aber, daß der königliche Wille ohne Gegenzeichnung kundgegeben werde. So müsse es sein in Preußen. Auch die Kreuzzeitung" ist von dem Erlaß b-sriedigt. Die »Norddeutsche Allg. Zig." enthält fick eigener Aeußerung. (Fr. Ztg.)

Die Proklamation und der Erlaß de» Kaisers Friedrich finden hier, soweit fich bi- jetzt konstatiren läßt, begeisterte Ausnahme. Der streng konsti- tuttonelle Geist und die eminent friedliche Politik, die aus diesem Programm sprechen, erwecken weitest gehende Hoffnungen. Vor Allem aber findet die Energie des Willens Bewunderung, die den Kaiser unter dm jetzigen, so mannigfach schwierigen Verhältnissen ein so fest gezeichneter Programm auf« stellm ließ. (Fr. Ztg.)

München, 13. März. Der Erlaß de» Kaisers Friedrich an dm Fiir- stm Bismarck hat in der hiefigen Bevölkerung, wie in dm politischen Kreisen, eine lebhafte und freudige Erregung hervorgerusen. (Fr. Ztg.)

England.

London, 13. März. Der Prinz von Wales, deffen ältester Sohn Prinz Albert Victor und der Kronprinz von Dänemark, reifen heute Abend nach Berlin.

Im Unterhaufe erschienen der Sprecher, die Beamten und viele Abge­ordnete im Trauerkleide. (Fr. Ztg.)

Die beiden Erlasse des Kaisers.

In den in gestriger Nummer veröffentlichten ErlassenAn mein Volk" und Erlaß Sr. Majestät des Kaisers und Königs an den Reichskanzler und Präsidenten des Staats-Ministeriums" wendet sich Kaiser Friedrich zum ersten Male an das deutsche Volk, die Grundsätze, nach welchen er seine Regierung leiten wird, klar darlegend. Die deutsche Nation hegt zu ihrem neuen Kaiser ein rückhaltloses Vertrauen und sieht nut warmer Liebe und Verehrung zu ihm empor. Die Schmer-cnstage, die der könig­liche Dulder durchzumachen hatte, die heldenhafte Art, mit welcher er alle Schicksals­fügungen hinzenommen, haben ihn dem Herzen seines Volkes noch näher gebracht. Dach nicht allem in Deutschland, in ganz Europa erfreut sich unser Kaiser einer bet­spielslosen Sympathie. Die offene, maßvolle Sprache der beiden hochbedeutsamen Publikationen ist so recht geeignet das volle Vertrauen, welches die europäischen Völker zu der Friedenspolitik Kaiser Friedrichs hegen, zu bestärken. Besonders der Schluß­satz des Erlasses an den Reichskanzler: Unbekümmert um den Glanz ruhm- brrngender Großthaten werde Ich zufrieden sein, wenn dereinst von Meiner Regierung gesagt werden kann, sie sei Meinem Volke wohl- lyuttg, Meinem Lande nützlich und dem Reiche ein Segen gewesen, wird allseitig mit der größten Befriedigung ausgenommen werden. Machen uns doch diese Worte die geheglen Erwartungen zur Gewißheit, daß Kaiser Friedrich vor Allem seine Aufgabe darin sehen wird, die friedliche Wohlfahrt des Reiches, das Glück und die Zufriedenheit seiner Untertanen zu fördern und dem Volke ein ge­rechter, in frohen wie schmerzlichen Ereignissen fest zu ihm stehender Herrscher zu werden.

In der ProklamationAn mein Volk" widmet Kaiser Friedrich den Verdiensten des hochseligen Kaisers eine gerechte Würdigung. Das sind goldene Worte, die sich für immer in die Herzen aller Deutschen einschreiben werden und dem theuren Ver- evigten ein werthoollercs Andenken sichern, wie alle Denkmale von Stein und Erz Die Proklamation des Kaisers an das Volk ist von dem Geiste edelster Gesinnung dlktir t. Unbegrenztes gegenseitiges Vertrauen ist die Grundlage der Verbindung zwischen Fürst und Volk und die Brücke, welche die oft wettklaffenden Abgründe verbindet

Das größte Interesse der beiden Proklamationen beansprucht naturgemäß der Erlaß au den Reichskanzler, in welchem der Kaiser die Gesichtspunkte, die für die Haltung seiner Regierung maßgebend sein sollen, darlegt. Nachdem der Kaiser dem Reichskanzler seinen Dank für die dem hochseligen Kaiser und Reich geleisteten Dienste ausgesprochen wendet er sich der grundlegenden Frage, den Verfassungs- und Rechts- Ordnungen im Reiche, zu. Dieselben müssen in der Ehrfurcht und den Sitten des Volkes sich befestigen, alle durch den häufigen Wechsel der Staatseinrichtungen und der Gesetze veranlaßten Erschütterungen sind deshalb zu vermeiden. Die Rechte des Kaisers sowohl wie die der verbündeten Regierungen und des Reichstages sollen voll gewahrt bleiben, dabei ist aber im Auge zu behalten, daß dieselben nur zur Hebung der öffent­lichen Wohlfahrt dienen, diese bleibt das oberste Gesetz. Welcher Abstand zwischen dreien von der Liebe zum Volke diktirten und im Vertrauen auf dessen Tüchtigkeit und Gradheit ausgesprochenen Worten und dem frivolen Programm Ludwig xiv J/tot oest moig Zn gewisserhafter Beobachtung der Bestimmungen von Reichs- und

\ Landesverfassung will der Kaiser seine Negierung führen; sollen dieselben ihre Kraft und seginsreiche Wirksamkeit bethätigen, müssen sie allseitig geachtet werden. Den wüsten antisemitischen Bestrebungen wird hoffentlich durch den vom Kaiser ausgesprochenen Grundsatz der religiösen Duldung ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Kronprinz Friedrich Wilhelm hat wiederholt seine Abneigung gegen diese häßlichen Auswüchse kundgethan, es steht zu erwarten, daß Kaiser Friedrich denselben mit aller Schärfe entgegentreten wird. Der tiefgreifendsten Frage der Gegenwart, die Sorge, das wirth- schaftliche Gedeihen der verschiedenen Gesellschaftsklassen zu heben, die unvermeidlichen Mißstände zu mildern und die widerstreitenden Interessen zii ve>- sähnkn, wird der Kaiser besondere Aufmerksamkeit schenken. Das begonnene Werk der sittlichen und culturellen Hebung der ärmeren Klassen, wird unter seiner Regierung dieses volle Vertrauen haben wir, einen rüstigen Fortgong nehmen. Besondere »e_- atStung ocrinent der Passus, in welchem der Erlaß sich gegen die leider immer mcU nm sich greifende Halbbildung und Erweckung übertriebener, des gesunden Gefühls der Einfachheit und Zufriedenheit entbehrender Lebensansprüche richtet. Zwei wichtige neue Fragen, an deren Besprechung die zuständigen Kreise wohl bald heran- treten werden, regt sodann der Erlaß an. Di- Frag-, ob nicht das Recht der Steuer- Auflagen in den einzelnen Verbänden des Staates, den Einzelnen uno-rhältnißmäßig beschweren kann, und ob nicht durch eine Verminderung der Zahl der An­gestellten in den einzelnen Behörden -ine Erhöhung ihrer Bezüge ermöglichen würde. Das große Zntercsse, das Kaiser Friedrich an Kunst und Wissenschaft seit jeher g-nommen, wird dtesm edelsten Blüthen menschlichen Geistes im besonderen Maße bieiben und befruchtend aus ihre Erscheinungen cinwirken. Roch -in- froh- Hoffnung wird dem deutschen Volk durch diese aus dem Geist- w eifer Mäßigung, Vorurtheilo- losigkeit und gereister Anschauung h-rvorgegangen-n Kundgebung werden die ausgesprochen- Zuversicht Kaiser Friedrichs, daß cs ihm noch lange Jahre u-rgönnt'si n werde, die Regierung zu führen. Gebe Golt, daß sie sich bewahrheite, sich und d.ar deutschen Volke zum Heil und Segen.

Telegraphische Depesche«,

Wolff'S telegr. Tsnrspynderrz-Vvrearr«

Berlin, 13. März. Der Kaiser nahm Vormittags den Vortrag des General- F-7bm°rsch°"llM°l./-"L-N,-N i"5ürflen B'swarck und dem

bürg, um eine Beileidsabresse zu überreichen. °

öcr ®ro^erj00 DOn Sachsen und die schwedischen Herrschaften sind gestern Abend zum Thee bei der Großherzogin von Baden gewesen U Dom. Das Großherzoglich badische Paar stattete Mittags dem

Nachmittags^etn dncn besuch ab. Der Kronprinz von Griechenland trifft

H^dernehmen nach beabsichtigt der Kaiser sobald als b aut ?ie ^Eußtsche Verfassung zu leisten. Heber Ort und Zeit sind die Bestimmungen noch vorbehalten. In der nächsten Sitzung des Reichstages dürfte htm C hUn8?n fnmt>cn Parlamente |ür deren Theilnahme an dem Hinschelden Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm erfolgen. Heute Vormittag um Hoheit der Kronprinz das gefammte Offiziercorps der Garde-Husaren an der Leiche des Kaisers im Dome vorbei. Der Zufluß von Fremden ist bereits auverordenllich groß, jeher Bahnzug bringt neue Massen, welche den ver­ewigten Kaiser nochmals sehen oder der Beisetzung beiwohnen wollen

Die Adresse des Berliner Magistrats und der Stadt- ÄSb'Ä SuÄTw" 5otttenb,tf 0cftern ^°r»-n bem Kaiser Über- Allerdurchlauchtigster, großmächtigster Kaiser, allergnädigster Kaiser, König und >!^ ^bn Frieden ging des deutschen Reiches Schöpfer, im Sterben noch den Völkerfneden hütend. In Trauer versenkt sein Heimgang die Welt, Thränen heißeThränen seine dankbare Reichshauptstadt. Unauslöschlich nirt9CnfiMn er i" Kerzen:Mein ganzes Streben, meine unablässige Sorge

? meines geliebten Volkes." Der hochselige Kaiser schrieb es und

huldreich beim ätzten Jahres Anfang. An uns war es fein letztes Wort. Seine Feder war der ©riffel ber Geschichte. Allergnädigster Kaiser! Mit Ew. kaiserlichen Majestät Kin HeftbmireffcCr$ ietnc^ Vaters Abschied aus dem verklärten

2 m bem Feldherrn, wie er voll Wehrnuth die Palme auf den &artopl)ag des Kriegsherrn legt, wir fühlen mit den Hohenzollern die Trauer um den Hohenzollern-Kaiser. Ehrfurchtsvoll bitten wir, unserer innigen Gefühle schlichten Aus- druck gnädig aufzunehmen. Bewundernd sehen wir hinauf zu der GeisteSslärke, die N"7°^Leiden überwindet, vom Pflichtgefühl geleitet. Längst erworbene Liebe detz herzlich ergebenen Volkes begleitete Eure Majestät auf dem Zuge zur Heimath. In hAr,?anntr Ut?kn ? abt ft!bt an eutcr Majestät Thron das ernste Gelübde unroanbL ßVhrt rf?Hr?rCnmU- unfcr. Aller Herzen mit ihm ein inbrünstiges

Gesundheit, mit ihm der ehrfurchtsvolle Dank an Eurer Sfi »iw TOAbSK*? tfCue ^bsahrkin und Allerhöchste Gemahlin, mit ihm der Wunsch, daß Eure Majestät in langen glücklichen Tagen getröstet für datz Leid der Gegenwart regieren mögen als des Vaterlandes mächtiger Hort, seiner reichen Kräfte weiser Lenker t ^istaückelung gnädiger Beschützer! Eurer Kaiserlichen Königlichen Stad^ero?d^neten^gez""S^Iryck.^^^^"^ 5D}a9ift,at' flej' Di-

°uch di?Ankw°tt zu"°«l!f-n° wi/'W: "" b an $errn 8«*nb«r,.

Da ich zu meinem Bedauern noch nicht wieder in den vollen Besitz meiner Sprache gelangt bin, so sehe ich mich genötigt, in dieser Weise Ihnen, sowie den Ver- ApnHpV^aUPRt; Unb Residenzstadt meinen Dank für die Theilnahme auszusprechen, welche die Bewohner von Berlin mir in solchem Augenblick des Kummers und der 2RA»e\£arbrtn?*exn* ^gesichls des Schmerzes, der uns Alle erfüllt, gedenke ich zu- hPaH5\nmrnh0ne^ffit^n, ^ken Ereignisse, an welchen der Heimgegangene Kaiser inmitten ?1T 1 jährend seiner langen Lebenszeit theilgenommen, dann aber richte

td) meinen Blick auf die zahlreichen Beweise seines Wohlwollens gleichwie seiner regen Theilnahme am Ergehen Berlins, dessen Aufblühen in den letzten Jahrzehnten ihm zur ??^ichte. In nämlicher Weise verfolgte ich bisher die Entwickelung m i^ahl mir stets am Herzen log, für welches zu wirken mir eine theure w \ 1 Ct^ cinÖ?benC der Beweise treuer Anthcilsnahme, welche mir die

Refibenz m freudigen wie ernsten Augenblicken meines Lebens erwiesen hat." nnFna La Bublikation der Telegramme Bismarck's und Kal-

nokys sagt dasFremdenblatt"-. Treuer als in diesem Depeschenwechsel konnte die C" Reiben Reichen nirgends zum Ausdrucke kommen, öwischm betben Staatsmännern ausgetauschten Telegramme werden die Völker beider Reiche sowohl als die Europas belehren, daß Deutschland und Otsterreich- Ungarn ihre Kraft nicht aus den geschriebenen Verträgen allein schöpfen, sondern aus der Gemeinsamkeit der Gefühle und ihrer Interessen, welche durch keine noch so ergreifenden Zwischenfalle zu erschüttern sind. Wir stehen heute bereits vor einem sSÄtnWuS 3k5cJ?rMr veröffentlichten BÜndnißvertrage, dessen mächtige Beredttamkeit nicht allein durch die unmittelbaren Erklärungen beider Staatsmänner auih durch bas fe erliche, Europa tief bewegende Ereigniß gehoben wird. äu ber Proklaination Kaiser Friedrichs bemerkt dasFremdenblatt": In den Wortew in Erlaß des Monarchen an den Reichskanzler, den aCUe& «r ? öce ^en Rathgeber seines kaiserlichen Vaters, ist der Geist des neuen /In«ausgeprägt. Er drückt sich in dem Regierungs- programmt aus, dessen Ausführung das deutsche Volk mit begeisterter Zustimmung unb voller Hingebung an den Kaiserthron entgegensehen wird. Deutschlartd soll unter