Ausgabe 
15.3.1888 Erstes Blatt
 
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lern neuen Kaiser auf der festen Basis eigener Kraft mächtig bleiben im Rathe der Bötier, es soll des Gewonnenen tn friedlicher Entwickelung froh werden und ein Hort des Friedens sein, wie es dies unter dem verewigten Greise auf dem Katserthrone gewesen.

Pari-, 13. Marz. Präsident Carnot und seine Gemahlin haben den auf den Donnerstag lallenden Wochenempfang für diesmal abgesagt.

txl££3 - Eine Depesche an den Martnemintster bestätigt den Untergang des Kriegs- ^apot in den Gewässern von Madagaskar. Die Mannschaft, ausgenommen ttnen Matrosen, wurde gerettet.

Die oeutsche Boffchaft veranstaltet Freitag Mittag einen Trauergottesdienst in der protestantischen Kirche tn der Rue Chanchat.

Sottoon, 13. März. Die Proclamatton des Kaisers Friedrich wird von den Morgendlattern sehr beifällig besprochen und als ein Document des Friedens charakteristrt.Daily News" meint. Kaiser Friedrich wisse die Bedürfnisie seiner Naiton und seiner Zeitgenossen zu schätzen. DerStandard" preist den Geist des einfach reinen Ernstes, der nicht ermangeln werde, tiefen Eindruck zu machen.Times" hebt hervor, der Thronwechsel werde keinen Wechsel der auswärtigen Politik Deutsch­lands bringen. Die Bundesgenosien des Reichs könntm mit völligem Vertrauen rechnen, daß die Beziehungen unverändert blieben. Der Sohn werde dieselbe Stütze für den Frieden Europas sein, wie der Vater.

Darmstadt, 14. Marz, 12 Uhr Mittags. fPrioatdepesche.] Der Grobherzog, Erdgroßherzog, Prinzessin Irene, die Prinzen Heinrich und Alexander sind soeben nach Berlin abgereist.

L o f a 1 e.

Gießen, 14. März. Tie aus Anlaß des Ablebens des Kaisers Wilhelm auf gestern Nachmittag anberaumte außerordentliche Stadtverordneten-Sitzung wurde von Herrn Bürgermeister Bramm mit folgenden Worten eröffnet:

Meine Herren! Ich habe Sic zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen­berufen, damit wir Namens unserer Stadt den Gefühlen der innigsten und tiefsten Trauer um den schweren Verlust, welcher das deutsche Volk durch das Hinscheiden seines erhabenen Kaisers Wilhelm betroffen hat, Ausdruck geben. Es kann nicht meine Absicht sein, die großen und hohen Verdienste zu schildern, welche unser nun verewigter Kaiser sich um Deutschland erworben hat, da sie uns Allen wohl be­wußt und tief in unseren Herzen eingeschrieben sind. Sein Gedächtniß wird in alle Ewigkeit währen. Meine Herren! Von der Bahre des großen Kaisers wendet sich unser Blick nach dem Erben der deutschen Kaiserkrone, um dessen Gesundheit das deutsche Volk bange Sorgen trägt. Lasten Sie uns die Bitte zu Gott dem Allmächtigen richten, daß er unserem theuren Kaiser die volle Gesundheit wieder schenken möge, damit er noch lange Jahre die Geschicke Deutschlands zu des Vater­landes Heil und Segen lenke, indem wir zugleich geloben, ihm stets treu ergebene Untertanen zu sein."

Nach dielen Worten, welche von der Stadtverordneten-Versammlung stehend an- gehort wurden, verlas der Vorsitzende die nachfolgenden von ihm entworfenen Beileids- adresten, welche die einstimmige Annahme der Versammlung sanden:

Allerdurchlauchtigster Großmächtigster Kaiser! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

Nachdem es dem allmächtigen Gebieter über Leben und Tod gefallen hat, Seine Majestät Kaiser Wilhelm, Ew. Majestät Erlauchten Herrn Vater zu sich in sein himmlisches Reich zu berufen, wagt cs auch der allerunterthänigst unterzeichnete Stadtvorstand der Stadt Gießen, den Gefühlen der tiefsten Trauer, welche ganz Deutschland erfüllt, Ew. Majestät gegenüber Ausdruck zu geben. Wenn das deuffche Volk in diesem schweren Leid nach einem Tröste sich umschaut, so findet es solchen in dem Bewußtsein, daß der Erbe der deutschen Kaiserkrone, ausgestattet mit den höchsten und glänzendsten Eigenschaften des Geistes und Herzens, seine Geschicke in demselben Sinne leiten und fortführen wird, wie der erhabene, nun verewigte Begründer des Deutschen Reiches sie geschaffen hat. Möge der Allmächtige und Allgütige Gott hierzu seinen Segen geben und Eure Kaiserliche Majestät in seinen gnädigen Schutz nehmen.

In allertiefster Ehrfurcht verharrt

Ew. Majestät

allerunterthäuigster Stadtvorstand von Gießen und in dessen Namen

A. Bramm, Bürgermeister.

Gießen, im Großherzogthum Hessen,

den 12. März 1888.

Allerdurchlauchtigste Kaiserin!

Allergnädigste Kaiserin uud Königin!

Schmerzerfüllt und in tiefster Trauer umsteht das deutsche Volk die Bahre seines heißgelieöten Kaisers Wilhelm, seines guten, milden und gerechten Herrschers, welchem es seine Einheit und heutige Größe verdankt. Mit dem Schmerze und der Trauer um den Verewigten, welchem der gütige Gott ein so reich gesegnetes Leben bis in sein höchstes Alter beschieden hat, verbindet sich die innigste Theilnahme an dem herben Schmerze, von welchem Ew. Majestät durch das Hinscheiden des theuern Gemahls nach einer langen glücklichen Ehe betroffen worden ist. Dieser Theilnahme Ausdruck zu geben, wagt es der unterthänigst unterzeichnete Stadtvorstand der Stadt Gießen, sich Ew. Majestät mit der Hoffnung zu nahen, daß der Schmerz, welchen ganz Deutschland bei dem Heimgange seines allgeliebten Kaisers empfindet Ew. Majestät zum Tröste gereichen möge. Gott der All­mächtige wolle Ew. Majestät in diesem tiefen Leid beistehen und auch fernerhin das Leben Ew. Majestät gnädig beschützen.

In allertiefster Ehrfurcht verharrt

Ew. Majestät allerunterthänigster Stadtvorstand von Gießen * und in dessen Namen

A. Bramm, Bürgermeister. Gießen, im Großherzogthum Hessen,

den 12. März 1888. 1

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Uuch des Schreinermetsters Ferd. Wiedmeyer um Bauerlaubntß Desgl. des MetzgermeistelS Georg Möhl. ucuuuühib.

Ausbau der Oltanlage.

Tagesordnung für die Stadtv-rordnel-n-Sttzuno am

DorrirerStag den 15* März 1888, Nachmittags 4 Uhr. 8

o w "rn «^tndevoranschlag tür das Etaitzjahr 1888/89 bett.

A- '^"Bemerkungen zur Rechnung vom Jahre 1885/86.

jute Ausführung deS UnfalloerstcherungSgefetzes.

Düngung Der städtischen W.esen.

Anschaffungen für die Stadtknabenschulgebäude.

Kntdttm 6 Schmidt II. um Erlaubnis jur L-gung oon

", N°rz. Im amtlichen Th-il der heutigen Nummer unseres Blattes r £.blVJ et eme ^fugung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Abthei- ^c-!"Ic^"^^blegenheiten, zufolge diese Behörde am Beisetzungstage der irdischen Hülle des Hochftltgen und jedem Deutschen unvergeßlichen Kaiser Wilhelm eine Gedenkfeier m allen Lehranstalten und Schulen anordnet. Anschließend hieran mochten wir die Be- q-,»en T etGbt titten' ccfp-9nen die Frage an's Herz legen, auch ihrerseits als m a" btef $,*3e fid> iEbct geräuschvollen Arbeiten zu enthalten und

unsere Kaufleute ersuchen, namentlich während der Stunden der Beisetzung die Verkaufs- okale so geschlossen zu halten als es an Sonn- und Feiertagen üblich ist. Ein Beflaamn der Häuser aus Halbmast wie es in vielen anderen deutschen Städten angeregt worden würde auch hier der Trauer einen erhöhten Ausdruck verleihen.

, F, Gestern wurde dahier ein Taglöhner aus Hattenrod verhaftet welcher dem ^?teh?ner S|CIihCin*a^lßcn wahrend derselbe krank in der Klinik lag

Äft fatte 8 entoenbet »Nb solch- lh-ilwcts- schon für einig- Ps-nutg-

v. ^Jahresbericht des Großherzogl. Realgymnasiums und der R-°ls-bul° Schulnachnchten, denen wir Folgendes entnehmen. Der Schülerbestand Schuljahres beträgt 538, wovon auf das Realgymnasium 209 nur und auf die Vorschule 149 Schüler kamen. - e W

! i«mäffl°^n9eü Bestehens der Realschule schließt mit einem Dank an alle Diejenigen dw jum gelingen bes, öefteä in irgend einer Weise beigetrag.n haben. Tie RinfeiAre $e5ec=®onftein:Stiftung im Betrage von 65 werden in diesem Jahre zum ersten Male zu Prämien für fleißige und gewandte Schüler verwendet werden. Der Unterricht wird Nicht wie anfangs beabsichtigt, am Samstag, sondern schon am Freitag Ml einer Trau r feierlichleit für Seme Maiestät den Kaiser Wilhelm geschlossen werden.

,, 13- März. Die heute Abend um 7V, Uhr ihr Ende erreichende Sckwur-

gerichtsverhandtung zog die Derurtheilung des auf der Anklagebank sitzenden Mannes in eme Zuchthausstrafe von 1 Jahr 3 Monate nach sich ; auch wurden dem Anaeklaateil d e liche Kosten auferlegN$aUet °°" 5 S^en aberkannt und >hm°fämmt-

Der Angeklagie Johannes Zöckler IV. aus Kbddingen wurde vor etwa 6 Monaten D?eMabl^ia^ Uln*fte,n cincc Strafsache gegen Johannes Stein IX. von da wegen Diebstahls als Zeuge vernommen und nach feiner Vernehmung beeidigt. Er batte aus gesagt, daß Siem ihm zugestanden, einen Dachsparren gestohlen zu haben und auf Se- 'r°»°n habe er dies der Wittwe Stein, der Bestohlenen, mitgetheilt/Auch hatte ir b ' hauplet mit einem anderen vernommenen Zeugen am Morgen vor der schöflengerichtlichen Verhandlung Nicht über den Fall gesprochen zu haben und war Angeklagter trotz entäeaen gehaltener anderer Zeugenaussagen hierbei stehen geblieben. Tie Berdaftunq wegen Me n- e.d- vor dem Schoflengerichte war das Resultat. Bei der vorigen Schwurge"Ler^de simulkrte Slngeklagter Geistesschwäche und wurde von einem auswärtigen und hiesigen Arrre auf einen Gesundheitszustand beobachtet. Die heute vernomm neu Sachverständigen geben Erklärung dahin ab, daß Angeklagter, als er als Zeuge vernomn n Worten, ebemowemg als wie heute geistig gestört sei. Aus der Z-ugmvernehmunq g tu klar hervor, daß der Angeklagte Zockler die eigentliche Triebfeder de? gegen bürget Stein emgel-i eten Untersuchung wegen des Holzdiebstahls gewesen ist. Die Beiwb- lene hatte die Sache längst vergessen, als der Angeklagte an sie herantrat und her-eiben ben non ihm verhaßten Stein als den Thäler bezeichnete. Derselbe, habe es ihm a ae standen, sie muffe es an,eigen, wenn es auch schief ausgehe, der Staat müsse ja die Kosten wie auch d,e übrigen ihn belastenden Momente stellt Angeklagter in Abrede

mH fc"leu lchlechten Gedachtnißzustand zu verschanzen, was ihm, wie seine' letzte Bertheidigung vor den Geschworenen ergab, schlecht gelang. Er machte den Eindruck «nes Mannes, der gar nicht so schwach mit dem Gedächtniß bestellt war, und spra-ben di- Geschworenen nach halbstündiger Berathung das Schuldig. P $ 6le

on dem Berthe,diger deni Angeklagten zu Gunsten lautende Nebenfraoe ob sich Angeklagter wenn er damals als Zeuge die Wahrheit gesagt, einer strafrechtlichen Ver- olgung wegen Verbrechens oder Vergehens ausgesetzt hätte, wurde bejaht. Die Staats­behörde Beantragte 3 ^ahre Zuchthaus, die durch Bejahung der Nebenfrage auf 11/2 Satire zu reduciren sei. Die Vertheidigong beantragte gelindere Strafe und fällte der Gerichts Hof nach kurzes Berathung das Eingangs erwähnte Unheil. Daß der Angeklagte sich de^ Tragweite des Spruchs der Geschworenen wohl bewußt war, zeigte wie er mit 7inem Sanbämann im Gespräch heftig erregt war, diesem die Sache ordentlich auseinandersetzte und dabei mehrmals heftig auf das Gitter der Anklagebank schlug. - Mit klingender SS LS bQn U°n 5teUni,e und er Ä

Vermischte«.

Lübeck, 13 Mürz. Hafen und See sind, soweit sie oom Trav-münd-r Lenibl- thurm sichtbar, mtt einer festen Eisdecke überzogen. Nach hier elnaeaanaenen sind fast all- Ostse-Hllf-U blockirt. G-fl-rn wüthete tln%Cf ge^eGurm j n Norden werden «iel B-ik-brsst.ckung-n gemeldet. eajneqiurm. Von

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Kirchliche Antigen der eosngrl. Gemeinde

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m Sonntag, Vormittags 9Vr Uhr, wird darum auch in unserer

Gemeinde ein solcher Trauergottesdienst gehalten werden.

niesit ftoit-09hT heiligen Abendmahls findet an diesem Sonntag bft Beichte acht Tage spater, am Sonntag Palmarum, im Abendgottesdtenst oorgenommen werden.

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