Nr. 291 Zweites Blatt. Mittwoch den 12. December 1888.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Durcaur Schulstr-ß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Äf50
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Amtlicher Hheik.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Lokalgewerbverein zu Büdingen mit der bei Gelegenheit der Generalversammlung der Landesgewerbvereins daselbst im August künftigen Jahres stattfindenden Gewerbeausstellung eine Verloosung von ausgestellten Haus- und landwirthschasUichen Geräthschaften zu verbinden beabsichtigt. c „ u.
Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung erthellt, daß nicht mehr als 30,000 Loose ä 1 JL ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verlaus der Loose zum Ankauf von Gegenständen zu verwenden find. '
Grobherzogliches Ministerium hat zugleich den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.
Gießen, am S. December 1888. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Frutfchlaud
Literarische».
bewilligten das Wehrgefetz nur, damit Oesterreich-Ungarn auch allein militärisch stark sei, falls es sich einmal des Bundesoerhältnisses zu Deutschland zu entledigen wünsche. Nur dem Kaiser von Oesterreich als König von Böhmen bewillige seine, Gregr's, Partei das Wehrgesetz, sonst aber Niemandem, eine Wendung, von der Graf Taaffe vermuthltch nicht sehr angenehm erbaut sein dürfte. Die Erklärungen des jungczechi- schen Führers gewähren einen tiefen Einblick in gewisse Stimmungen und Strömungen im Donaureiche und die vom Abgeordnetenhause am Dienstag begonnene Special- berathung des Wehrgesetzes wird vielleicht noch weitere interessante Beiträge zu diesem Capitel liefern. ____________________________________________
Darmstadt, 10. December. Seine iÄönigl. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnadigst geruht:
Am 8. December die Kaufleute Ferdinand Burk, Georg Wortmann, Siegmund Heichelheim, Earl Wilhelm Ltebrich zu Gießen zu Handelsrichtern, Adolf Zintzer, Richard Scheel zu Gießen zu Ergänzungsrtchtern an der bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen gebildete» Kammer sür Handelssachen mit dem Sitze zu Gießen zu ernennen.
Darmstadt, 10. December. Durch Verfügung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz wurden für das Geschäftsjahr 1889 bestellt:
1) zu Vorsitzenden der Kammern für Handelssachen am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Landgerichtsrath Jost, am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Hofmann, am^Landgericht der Provinz Rheinhessen der Großh. Landgerichtsrath BedellS;
2) zu Stellvertretern dieser Vorsitzenden: am Landgericht der Provinz Starkenburg der Großh. Landgertchtsrath Dr. Gilmer, am Landgericht der Provinz Oberhessen der Großh. Landgerichtsrath Holzapfel, am Landgericht der Provinz Rheinhessen der Großh. Landgerichtsrath Steinem.
Berlin, 9. December. Eine Petition des Verbandes der deutschen Baugewerks- Berufsgenossenschaften, betr. Einführung eines Befähigungsnachweises zum selbstständigen Betriebe des Baugewerbes, ist am 4. d. M. an den Bundesrath, an den Reichstag und an daS Retchsamt des Innern abgegangen.
Gregr L.—, —_______________
zrur ein nothwendiges Hebel erblicken und offen erklärte er,
UniverfitätS-Ehronik.
— Im Studienjahre 1887—88 betrug die Gesammtzahl der Studtrendm der technischen Hochschule zu Darmstadt 204, wozu tndeß noch 75Hospitanten zu rechnen sind. Hiervon waren 19 aus dem Großherzogthum Hessen, 58 aus Preußen, 15 aus anderen deutschen Staaten und 12 Ausländer. Die größte Frequenz zeigt die elektrotechnische Schule mit 51 Studirenden und 31 Hospitanten.
Politische Rundschau.
Gießen, 11. December.
Das neueste parlamentarische Ereigntß ist die Vorlegung des auf die ost afrikanischen Angelegenheiten bezüglichen Weißbuche- im Reichstage. Es ist dies eine umfangreiche Sammlung von Actenstücken über die Entwickelung der ostafrikanischen Frage von dem Zeitpunkte an, wo die Deutsch-ostafrikanische Gesellschaft die Verwaltung des ihr vertragsmäßig überladenen Küstengebietes von Sansibar übernahm, bis zum heutigen, durch den Araber-Aufruhr gegebenen Stande der Dinge. Das Weißbuch enthält zunächst neben dem betreffenden Vertrage selbst, dessen Wortlaut somit zum ersten Male auch in weiteren Kreisen zur Kenntniß gelangt ist, eingehende Schilderungen und Darstellungen der Verhältnisse im Küstengebiet von Sansibar, der Vorgänge, welche sich an die Ausführung des Vertrages knüpften, und über die ersten Anzeichen der aufständischen Bewegung in den Kampfscenen von Pangani und Tanga seitens des deutschen GeneralconsulS in Sansibar, Michahelles. In diese Berichte des Generalconsuls hinein fällt ein Erlaß des Reichskanzlers an denselben, in_ welcher Kundgebung das Hissen der Flagge der oftasrikanischen Gesellschaft in den Sansibar- Häfen neben derjenigen des Sultans von Sansibar als ein voreiliger und nicht durch die Verhältnisse bedingter Schritt gerügt wird; es ist dies nach den Mtttheilungen des Weißbuches der einzige bedenkliche Fehler, den man der Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft zur Last legen kann. Die weiteren im Weißbuche veröffentlichten Documente beziehen sich zumeist auf die über die ostafrikanischen Angelegenheiten und speciell über t>te Sclaoereiftage auf Anregung Deutschlands gepflogenen diplomatischen Verhandlungen und zum Schlüsse enthält das Weißbuch die Mttthetlung der deutschen Admiralität über den Beginn der deutsch-englischen Blokade an der Festlandsküste von Sanfibar und die hierauf bezüglichen amtlichen Mittheilungen der deutschen Regierung an bie europäischen Cabinete.
Das Weißbuch gibt allerdings keine directen Aufschlüsse über die ferneren Abfichten der Retchsregierung in Ostafrtkä, aber dennoch läßt sich aus verschiedenen Stellen desselben darauf schließen, daß die Retchsregierung ihr Schutzgebiet in Ostafrika zu halten entschlossen ist, sobald sie hierzu die kräftige Unterstützung des Reichsparlaments findet. Sowohl über letzteren Punkt, als auch über die eventuellen Entschlüsse der RelchSregterung werden die parlamentarischen Verhandlungen gewiß volle Aufklärung bringen, welche über das Weißbuch noch vor den Weihnachtsferien des Reichstages, also noch im Laufe dieser Woche, stattsinden sollen. Sie werden sich unter dem Eindrücke der neuesten ernsten Meldungen von der ostafrikanischen Küste, der bei Baga- mayo stattgehabten Kämpfe der Deutschen gegen die aufständischen Araber, vollziehen und um so mehr steht von den Debatten über das Weißbuch zu erwarten, daß sie die vereinte Entschlossenheit von Regierung und Parlament zeigen werden, die Ehre der nationalen Flagge und des deutschen Namens auch im Osten Afrikas zu wahren. Mit den Debatten über das Weißbuch soll die Discufsion über den Centrumsantrag, wonach der Reichstag feine Bereitwilligkeit zur Unterstützung der Maßregeln gegen die Sclaoenjagden und ben Sclavenhandel ausspricht, verbunden werden.
Nach übereinstimmenden Mittheilungen aus parlamentarischen Kreisen gedenkt Ler Reichstag am kommenden Samstag seine Weihnachtsferien anzutreten und unmittelbar nach Hohneujahr seine Verhandlungen wieder auszunehmen. Es wird gehofft, daß das Haus, welches bislang die Generaldebatte über den Etat und über die Alt^s- und Jnvaltditätsversicherungs-Vorlage, bann zum Theil die Specialberathung über ben Militäretat und die Debatte über den die Wahlfreiheit betreffenden Antrag der Freisinnigen hinter sich hat, bis zu seiner Vertagung noch die übrigen Theile des Militäretats, die erste Lesung des Genossenschaftsgesetzes, Den Handelsvertrag mit der Schweiz und die Verhandlung über das Weißbuch erledigen werde. Nach Neujahr wird der Schwerpunkt der Reichstagsarbeit zumeist in ben Commissionen ruhen und bies ermöglicht eine öftere Pause in ben Plenarverhanblungen bes Reichstages, welche wiederum den Arbeiten des am 19. Januar zusammentretenden preußischen Landtages
zu Gute kommen wird.
Das österreichische Abgeordnetenhaus hat mit der Generaldebatte über das neue Wehrgesetz von voriger Woche eine hochpolitische Verhandlung hinter sich. Das deutsch-österreichische Bündniß spielte in derselben eine Haupttolle und unter dem Beisalle der deutschen Linken erklärte der liberale Abgeordnete Dr. v. Plener, daß seine Partei nur diesem Bündnisse zu Liebe und nur im Interesse der Machtstellung Oester- reich-Ungarns nach außen dem Wehrgesetze zustimmen, beileibe aber nicht, um hierdurch etwa ein Vertrauensvotum für das Ministerium Taaffe zu bekunden. Von besonderem Interesse war aber das Auftreten der beiden Czechen Dr. Rieger und Dr. Grcgr, jener , der Führer der Altczechm, dieser das Haupt der Jungczechen. Jener gestand unter i merkwürdigen Drehungen und Werbungen, daß das Bündniß mit Deutschland allerdings den Interessen Oesterreich-Ungarns voll entspreche, dagegen ließ sein Landsmann •
Lokales.
Gießen, 9. December. sGabelsberger Stenographen-Verein.j Am 6 December hielt der Gabelsberger Stenographen-Verein seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Dem Jahresbericht entnehmen wir, daß überall ein erfreulicher Fortschritt zu bemerken ist, sowohl in der Mttgliederzahl als auch in ben Leistungen der Einzelnen. Der Verein, welcher im vorigen Jahre 21 Mitglieder hatte, »ählt jetzt bereits 57 ordentliche Mitglieder. In der Generaloersammlrmg konnten allein wieder 10 neue Mitglieder ausgenommen werden. Die Sitzungen des VereKls wurden während des Jahres sehr gut besucht; es trat in ihnen et» großer Eifer für unsere Kunst an den Tag. Untrrrichtscurse wurden drei abgehalten mit starker Be- theiligung. Ein vierter Cursus wurde am 5. December eröffnet, derselbe wird voraussichtlich mindestens 15 Teilnehmer zählen. Im letzten Jahre wurde -in Lesezirkel eingerichtet, der von den Mitgliedern sehr stark benutzt wird. Auch an geselligen Veranstaltungen fehlte es nicht, so sind namentlich die Weihnachtskneipe, sowie die Ftter des Geburtstages Gabelsbergers am 9. Februar zu erwähnen. Das Stiftungsfest wurde am 11. und 12. August gefeiert. Nach Erstattung des Jahresberichts wurde das Budget aufgestellt und sodann zur Wahl des Vorstandes geschritten. Es wurden aewäblt als 1. Vorsitzender Herr Reallehrer Albach, 2. Vorsitzender Herr etud. phiL Pfaff, 1. Schriftführer Herr Kaufmann Wagner, 2. Schriftführer Herr Kaufmarm Vaubel, Kassier Herr Kaufmann Wiegelmann. Nachdem noch verschiedene Dereins- angelegenhetten erledigt waren, konnte die Generalversammlung um 12 Uhr geschlossen merben Eine aemüthliche Sitzung hielt bie Anwesenben nocv bis zu früher Morgenstunde zusammen. Wünschen wir, daß auch fernerhin die Bestrebungen des Vereins von der Bevölkerung anerkannt und unterstützt werden, möge er tm neuen Jahre ein ebenso großes Wachsthum zu verzeichnen haben, wie im vorhergehenden!
— Hrnst Challier, seit einem Jahr unser Mitbürger, ein in der musikalischm Welt bereits längst bekannter und geschätzter lexikalisch-bibliographischer Schristfteller, den Jnteresftn Oesterreich-Ungarns voll entspreche, dagegen ließ lein W“109"“"" I 'Si^eit^re^ia*tra0n0^ieteVt'*“33rr haben bis-
d-utUch durch!chtmmern, daß die Czechen in derAllianz^^^b-m^-ullchen R^ch. | Austeheir^^gt ^e, welches einen coloffalen Sammelfleifc verräth, keine


