Lokales.
Gießen, 6. Juli. Im Sitzungssaale der Stadtverordneten sind zum bleibenden Andenken an unsere verewigten Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. deren Büsten in Lebensgröße aufgestellt worden, als Pendants zu den bereits vorhandenen drei Büsten unserer verstorbenen Großherzoge.
Gießen, 6. Juli. Laut Stadtoerordnetenbeschluß soll das diesjährige Jugend fest vor Beginn der Schulferien (Monat August) stattfinden.
— Der von Herrn Dr. Gutfleisch gestellte Antrag auf Befreiung von Mehl und Backwaare vom städtischen Octroi wurde in gestriger Stadtverordnetensihung angenommen. (Das Nähere hierüber in nächster Nummer.)
Gießen, 6. Juli. Nach uns gewordener authentischer Mittheilung wird zufolge Cabinetsordre die Regatta in Ems bis nach Beendigung der Landestrauer verschoben. Die Regatta stndet indeß später sicher statt.
Univerfttitts - Ghronik.
— Die Gesammtzahl der Studirenden an den deutschen Universitäten betrug im Wintersemester 1887—88: 28,600. Davon entfallen auf die evangelischtheologische Fakultät 4673, auf die katholisch-theologische Fakultät 1174, auf die juristische Fakultät 5520, auf die medicinische 8284 und auf die philosophische Fakultät 8349 Studirende.
Zürich, 3. Juli. Professor Alexander Schweizer, berühmter Theologe und Kanzelreoner, ist gestorben. Dor drei Jahren feierte er sein fünfzigjähriges Docenten- Jubiläum.
Telegraphische pepeschen.
Wolff'S lelegr. Correspondenz - Bureau.
Berlin, 5. Juli. Der Kaiser traf um 8 Uhr 30Min. ein, er wird später das sächsische Königspaar empfangen und vorher dem Kronrath präsidiren.
Berlin, 5. Juli. Nach Aufhebung des Kronraths verblieb der Kaiser noch einige Zeit mit dem Reichskanzler allein, empfing dann den diesseitigen Gesandten in Rio Janeiro, Grafen Dönhoff, alsdann den außerordentlichen nrederlandijchen Gesandten Dersyck nebst Gefolgen, sowie den Minister des Innern, Herrfurth, und ertheilte Audienzen. Er empfing sodann auf dem Anhalter Bahnhof das sachfi^che Kontgspaar und begleitete dasselbe zum Schlosse, woselbst ein Dejeuner ftattfand. Er fuhr sodann mit den königlich sächsischen Herrschaften nach Potsdam zum Marmorpalais.
— Der Kaiser verlieh Dr. Gustav Freytag das Comthurkreuz des hohen- zollern'schen Hausordens. v o
Berlin, 5. Juli. Der Ausschuß des Versandes zur Forderung der überseeischen Interessen beschloß, einen Colonialcongreß in der Zeit vom 1. bis zum 9. September 1890 in Berlin zu veranstalten, zugleich mit einer Colonialausstellung, und Einladungen an alle colonialen Körperschaften Deutschlands und des Auslandes zu <en 5 $u(i Preetz gegen Dietz und Genossen wegen Landesverraths.
Die heutigen Plaidoyers der Reichsstaatsanwaltschaft und der Lerthetdigung fanden in geheimer Sitzung statt, dem Dernehmen nach, weil die Dertheidiger erklärt hatten, daß sie auf sekretes Material eingehen würden. _ .
Leipzig 5. Juli. In dem Processe gegen Dietz und Genossen wegen Landes- verraths beantragte der Oberreichsanwalt gegen Dietz 14 Jahre Zuchthaus, gegen Frau Dietz 7 Jahre und gegen Appell 8 Jahre Zuchthaus; außerdem bei allen Angeklagten auch Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Das Urthetl wird am Montag Mittag verkündigt werden.
Kopenhagen, 5. Juli. Das sächsische Königspaar trifft morgen Abend hier ein. Am Bahnhose werden zum Empfange des dänischen Königshauses Höhere Officiere und Hofstaatsbeamte anwesend sein. Auf der Fahrt nach dem Absteigequartier im Schloß Amalienborg eskortiren Gardehusaren den Zug. Am 7. Juli findet ein Ausflug nach Frederiksborg statt, am 8. Juli wird ein Diner beim König in Schloß Bern- storff und später der Thee beim Kronprinzen in Charlottenlund eingenommen. Am 9. Juli erfolgt die Weiterreise nach Schweden.
Paris, 5. Juli. Die Mitglieder der Senats-Commission für die Vorlage über die Nutzbarmachung des Pariser Kloakenwassers sind zum L-tudium der Rieselfelder nach Berlin abgereist und treffen Freitag oder Samstag dort ein.
Rom, 5. Juli. Die Kammer beendete die Debatte über die betreffs der Eisenbahnen zu ergreifenden Maßregeln; sie erledigte sämmtliche Artikel. Die Abstimmung über den ganzen Entwurf erfolgt morgen. Am Schlüsse der Sitzung interpellirte Paladini, ob die Nachricht, daß in Messina einige Cholerafälle vorgekommen seien, wahr fei. Crispi antwortete, die Meldung sei falsch; aus den dem Ministerium zu- gegangenen Berichten gehe hervor, daß der öffentliche Gesundheitszustanv im ganzen Königreiche ein ausgezeichneter sei.
Warschau, 5. Juli. Auf das von dem Großfürsten Wladimir an den Kaiser Wilhelm gesandte Telegramm, welches dem Kaiser den prächtigen Zustand des von dem Großfürsten inspicirten Regiments, dessen Chef der Kaiser ist, meldete, erwiderte der Kaiser telegraphisch: Er sei von dem Telegramm sehr gerührt und bitte den Großfürsten, dem Regimenle, dessen Uniform er trage und dessen Chef zu sein er stolz sei, zu grüßen. Der Inhalt der Depesche wurde dem Regiment mitgetheilt.
Lissabon, 5. Juli. Der englische Dampfer „Neweomen" segelte gestern Abend unweit Cap Roca die deutsche Barke „Luise" in den Grund. Die Mannschaft der „Luise" wurle gerettet.
Vermischtes.
©rüningen, 5. Jult. Der hiesige Gesangverein „AdamJsheimischeStiftung" Gott will, Sonntag den 15. d. M. das Fest seines 25jährigen Bestehens. Mochten wir in Wahrheit an diesem Tage singen und sagen können: „Ach, du klarblauer Himmel, und wie schön bist du heut!" 15 Vereine haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. _]
Bingen, 4. Juli. Für das Kriegerverbandsfest der „Hassia", welches nunmehr am 14.—16. Jult hier stattfindet, ist in den Hauptzügen jetzt folgendes Programm ausgestellt worden: Am 14., Nachmittags 6 Uhr: Concert auf dem Festplatz ausgesührt von der Capelle des 118. Infanterie - Regiments; am 15.: Empfang der auswärtigen Vereine, 9 Uhr Vormittags gemeinschafUicher Ausflug nach dem Nationaldenkmal, Huldigungsakt daselbst, 3 Uhr Mittags Festzug durch die Hauptstraßen zu Bingen nach dem Festplatze, Ansprache und Concert daselbst; am 16., 8 Uhr Morgens Ausflug nach dem Rochusberg und Scharlachkopf, von 10 Uhr ab musikalischer Früb-' schoppen, um 4 Uhr Concert und Volksbelustigung auf dem Festplatze.
Frankfurt, 5. Juli Heute um Nachmitternacht gegen 2 Uhr wurden die Bewohner der Fahrgasse durch Feueralarm erschreckt. Im Hause Nr. 39, neben dem em starkes Feuer aus, welches binnen einer Stunde den ^achstuhl, dre Mansarde, sowie das 3. Stockwerk einäscherte. Die Feuerwehr war schnell an der Brandstätte und ist es nur dem raschen und umsichtigen Einschreiten fünfen, daß der Brand nicht größere Dimensionen annahm und namentlich nicht auf die Nebengebäude übertragen wurde.
«Bei dem Brande in der Fahrgasse haben fünf Familien ihre Habseligketten eingebutzt, da sie nicht versichert waren. Der Besitzer des Hauses Nowotny, Gastwirth zur Goetheruh, hat einen Jmmobilienschaden von ca. 4000 <X ?on-f m un\*^ Stock des Hauses wohnenden Leuten wurden die Möbel rc durch die Waffermengen der Feuerwehr arg beschädigt. Den Brand soll ein Schirm- machergeselle, welcher in der Dachkammer wohnte, verursacht haben. Derselbe las angeblich bn einem Stearinlicht und schlief dabei ein. Das Licht, welches vermu tl ich umgelturzt ist ,-tzt- das Bett tn Brand. Der Geselle merkte dl- Gefahr erst, als ? mitten tm Flammenmeer stehend, erwachte und seine eigenen Kleider in Brand gerathen waren. ^lunu
„ , Frankfurt, 5. Juli. Gestern wurde wieder eine Anzahl Klagen gegen htestae Arbeitgeber verhandelt, welche ihre Arbeiterinnen, die allerdings nur wenige Tage bet
ihnen gearbeitet, nicht zur Ortskrankenkasse angemeldet hatten. Wenige Tage nach devr.' Austritt (in dem einen Falle mar das Mädchen nur 5 Tage beschäftigt) trat eine Lungenkrankheit ein, welche die Arbeiterin viele Wochen an das Spital fesselte und es mußte der Arbeitgeber der Stadt trotz seines Sträubens für jeden Tag, den das Mädchen im Spital verbrachte, 2,20 JL bezahlen.
— Heute Mittag gingen kurz nacheinander zwei Gewitter über unsere Stadt nieder. Das erstere war sehr kurz, aber ungewöhnlich heftig. Der Blitz schlug zweimal ein und zwar einmal in einen Baum in den Anlagen, das andere Mal in ein Haus in Sachsenhausen, indeß ohne zu zünden.
— Von dem Gerücht, daß ein Complice unseres berüchtigten Silberdiebes Langner verhaftet worden sei, machte ich Ihnen vor einigen Tagen Mittheilung, gab aber gleichzeitig meinem Zweifel an der Richtigkeit der Meldung Ausdruck. Nunmehr hat sich herausgestellt, wie begründet dieser Zweifel war. Nicht ein Complice Langner's, sondern ein Münzverbrecher ist in der Papageigasse inhaftirt worden. Derselbe hat hier und in Offenbach und Umgegend seine Falsifikate verausgabt.
— Die am 29. Juni dahier im Main geländete Leiche ist als die des Gemeinderechners Gimbel aus Butzbach rekognoscirt worden. — Die Wittwe eines Eisenbahn- betrtcbssekretairs stürzte sich gestern Abend aus dem Fenster ihrer im dritten Stocke gelegenen Wohnung auf das Pflaster herab. Die Wucht des Falles wurde durch Aufschlagen auf ein im ersten Stock angebrachtes Blumenbrett zwar gemildert, indeß sind die Verletzungen immerhin derart, daß an dem Aufkommen der Frau gezweifelt wird. Was sie zu dem Selbstmordversuch getrieben, ist bisher nicht bekannt geworden. — Am Petersthor wurde gestern Abend ein Herr von einem unbekannten Menschen angebettelt. Als er sein Portemonnaie zog, um dem Bittenden eine Gabe zu reichen, entriß dieser ihm die Börse mit 65 JL Inhalt und entsprang. Der freche Räuber entkam in den Anlagen.
Frankfurt, 3. Juli. Eine Kartenschlägerin hatte einer Küchenfee, die zur Schicksalsbefragung bei ihr oorgesprochen hatte, ernst und feierlich verkündet, der blonde Herr vis-ä-vis habe eines seiner blauen Augen auf sie geworfen und würde sie unfehlbar heirathen. Das Mädchen war überglücklich und wartete geduldig, bis der Versprochene- erscheinen und einen Heirathsantrag stellen würde. Inzwischen sah sie mehr als ncsth- wendig durch das Fenster und erfreute sich im Stillen der stattlichen Gestalt ryres Zukünftigen. Als sie nun eines Morgens wieder hinübersah, bemerkte sie einen Wagen,. es dauerte nur kurze Zeit, so erschien der blonde Herr mit dem blauen Auge, feierlich in Frack, weiße Weste und schwarze Hose gekleidet, in der Hand einen prächtigen Blumenstrauß und fuhr davon. Wohin? Die Küchenfee ahnte etwas Schreckliches und hatte ja so Recht. Der blonde Herr hatte sich verlobt und machte bei den Eltern der Braut Antrittsoisite. Der Schmerz wich bald dem Zorn, mit einem Prügel be$- waffnet eilte das Mädchen zur modernen Pythia, walkte sie weidlich durch und schrie dabei fortwährend: „Gieb mir meine hundert Mark zurück!" So viel ungefähr hatte ^i^.d^ophezeihang gekostet. Die Prophetin wollie aber oder konnte vielmehr das Geld nicht herausgeben. Der Skandal wurde immer größer und nahm erst durch die Inter-- vention Dritter ein Ende. Der Schlußakt der Komödie wird, nach der „Kl. Pr.", vor dem Gericht spielen, wo sich das Mädchen wegen Mißhandlung und Hausfriedensbruchs, dte Kartenschlägerin aber wegen Betrugs zu verantworten haben wird.
Halle a. d. Saale, 5. Juli. Das Schwurgericht verurtheilte heute den Arbeiter Joseph Steinig aus Hettstedt wegen Ermordung des Klempners Wernicke zum Tode.
— [Professor Nothnagel über das Rauchen.) Während seines letzten klinischen Vortrages sah sich Professor Nothnagel in Wien zu einigen Bemerkungen über das- Tabakrauchen veranlaßt. Die Folgen des mäßigen Tabakrauchens — sagt der allenthalben wohlbekannte Gelehrte — sind keine nachtheiltgen und können bei sonst gesundem Organismus bis an's Lebensende getragen werden. Es ist bemerkenswerth, wie sehv sich der Organismus an dieses Gift gewöhnt. „Wann kann man zu rauchen an- fangen?" Diese Frage wird häufig an mich gerichtet. Meine Antwort ist: Wenn man sich die Cigarre schon selbst verdienen kann. Sie ist ein Lebensgenuß und diesen soll, man fick selbst aus Eigenem verschaffen können. Je früher freilich, desto schlimmer, also schädlicher für das Nervensystem und für die ganze Entwickelung. Der Tabak wirkt anregend auf das Nervensystem und versetzt in eine behagliche Stimmung. Viele Raucher sind ungenießbar, wenn sie noch keine Cigarre geraucht haben, es leidet ihr Humor darunter. Die schädliche Wirkung des Tabaks auf das Nervensystem ist nicht so groß, als .man immerhin annimmt, und er ist in dieser Beziehung unschädlicher als. Kaffee, Thee oder Alkoholika. Welche schädliche Wirkungen hat an Gesunden das Tabakrauchen? Der ganze Verdauungs - Apparat leidet in höherem ober geringerem Maße. Raucher haben stets Rachen- und Mundkatarrh, selten findet man einen Raucher mit einer ganz reinen Zunge. Es kann sich tn weiterer Folge ein Kehlkopfkatarrh, entwickeln und die Verdauung gestört werden. Bei starken Rauchern liegt stets der Appetit darnieder und es ist bekannt, daß man den Appetit durch Rauchen vertreiben: kann. Viel schädlicher wirkt das Rauchen auf das Herz ein und es können von dieser Seite die schwersten Störungen erfolgen. Man bemerkt da Herzklopfen, Unregelmäßigkeiten im Pulse, es entwickelt sich später ein Zustand der Herzschwäche und Herzmuskel- Insuffizienz mit allen schweren Folgenerscheinungen. Ferner entwickelt sich bei Rauchern, die sogenannte Gesichtsschwäche und in vielen Fällen hat man eine komplette Blindheit bemerkt, welche jedoch verschwand, nachdem das Rauchen aufgegeben wurde. Relativ am unschädlichsten ist das Pfeifenrauchen, zumal aus einer langen und sauberen Pfeife allein die Pfeifenraucher sind in der Regel die hartnäckigsten Raucher und es bietet die Pfeife den dtachtheil, daß man die brenzlichen Produkte mit hinunterschluckt. Tas Rauchen der Cigarretten hat einen großen Nachtheil, daß der Rauch dabei hrnunter- geschluckt wird. Es kommen da die häufigsten Verdauungsstörungen und Rachenkatarrhe vor. weil der Rachen gefährdet wird durch die Manie, den Rauch durch dte Nase zu blasen. Unter den Cigarren sind die Havannahs entschieden die schädlrchsten,. da hier nicht nur Nikotin in größerer Menge vorhanden ist, sondern auch andere schädliche Bestandtheile und brenzlrche Produkte. Ich kannte einen Amerikaner, der 14 bi& 15 schwere Havannahs täglich rauchte, bei dem sich schwere Herzsymptome einftellten, und da er hinter dem Rücken des Arztes sich doch Cigarren zu verschaffen wußte, büßte er seine Leidenschaft mit dem Leben. Das Maßhalten ist das oberste Gesetz hier wie überall, das Maßhalten ist die erste Bedingung, um einen echten Genuß zu Haden.
— [Stiftungen und Vermächtnisse.) Wiederum wird über eine Reihe von Stiftungen und Vermächtnissen berichtet. In Oschatz hat der Rittergutsbesitzer und Stadtrath Gadegast der Stadt eine Schenkung von 10,000 JL. gemacht und den Wunsch daran geknüpft, daß recht bald eine Kleinkinder-Bewahranstalt eingerichtet werde. — In Chemnitz hat der Fabrikant Ferdinand Waldau dem Rathe 5000 JL mit der Bestimmung übersendet, daß dieser Betrag nebst den auflaufenden Zinsen für den geplanten. Erweiterungsbau eines Krankenhauses verwendet werde, und weitere 5000 JL zum Zwecke der Errichtung einer Stiftung zu Gunsten bedürftiger und unterstützungswürdiger Arbeiter und Arbeiterinnen des Weberfaches. Es soll aus derselben alljährlich am 22. März, dem Geburtstage des verstorbenen Kaisers Wilhelm, eine Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen, nicht unter zehn und nicht über zwanzig, mit den Zinsen des Stiftungskapitals beschenkt werden. — Ein in Wiesbaden verstorbener Rentner Schwerin aus Klausthal hat 136,000 JL zu wohlthätigen Zwecken den Gemeinden Klausthal, Osterode, Braunschweig, Hamburg und Wiesbaden vermacht. __
Der tn Braunschweig verstorbene Herr Adolf Henneberg hat der Stadt Gandersheim 150,000 JL zur Errichtung einer milden Stiftung behufs Unterstützung hilfsbedürftiger altersschwacher Einwohner vermacht.
— [Ein eigenthümliches Anliegen.) Der König von Italien erhielt vor einigen Tagen ein Gesuch zugestellt, welches den Mörder Torquato Renzi zum Verfasser batr der vor einigen Monaten zum Tode verurtheilt worden war. Renzi bittet darin den König, ihn nur hängen zu lassen und nicht vielleicht noch zu begnadigen, das Geld aber, das er im Gefängnisse kosten würde, seiner mittellosen Familie z,i übergeben. Der Mörder schreibt: „Ich bin ein junger Mann, kann mindestens noch ein halbes Jahrhundert leben; mit der Summe, die mein unnöthiges Dasein Ew. Majestät kosten würde, ist meiner Familie geholfen."
— Eine höchst etgenthümliche Strafe hat ein in der Wolgasterftrahe Nr. 1 in Berlin wohnender Arbeiter am Sonntag an seiner „besseren Hälfte" „vollstreckt". Der Kunstschlosser Schnell hatte schon wiederholt Veranlassung, über die Schwatzhaftigkeit seiner liebenden Gattin zu klagen. Als Frau Schnell am Sonntag Morgen beim „Einholen" wieder über Gebühr lange ausblieb, wurde ihr Gatte höchst ungemüthlich


