Ausgabe 
7.7.1888 Erstes Blatt
 
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und beschloß, an seiner redegewandten Frau fürchterliche Rache zu nehmen. Diesen Vorsatz har er denn auch in nachstehender Weise ausgeführt: Nach dem endlichen Ein­treffen stülpte Herr Schnell seiner Frau einen großen Getreidesack über den Kopf, schnürte denselben unten fest zu und ging dann, die Gemaßregelte ihrem Schicksal über­lassend, nach der nächsten Destillation. Vorerst glaubte Frau Schnell, ihr Mann habe sich nur, wie schon zu öfteren Maien, mit ihr einen Scherz gemacht, als derlang­ersehnte" Gatte aber nach stundenlangem Warten nicht heimkehrte, die Frau sich auch nicht selbst aus ihrer Zwangslage befreien konnte, schrie sie Zeler-Mordio und alarmirte die Hausbewohner. Man kann sich das Gelächter der Hausbewohner denken, als sie die eingeschnürte Dame vorfanden. An dem Sack hatte der Strafvollstrecker einen Zettel mit der Aufschrift angeheftet:Schnell heißt sie, langsam ist sie! Ob sie sich ändert /" Die Hausverwalterin machte der tragikomischen Scene ein Ende und gab Frau Schnell diebegrenzte" Freiheit ihrer Füße wieder; die lief nunschnell" ihren Mann aufzusuchen, doch hatte dieser sich, um den Zornesausbrüchen derBüßerin" zu entgehen, längst in Sicherheit gebracht.

Eingesandt.

Gießen, 6. Juli.

Sicherem Vernehmen nach feiert der durch seine stets so zahlreich besuchten Sommerfeste wohlbekannte Gießener Zitherclub (WohlthättgkeUsverein) auch in diesem Jahre wieder ein derartiges Fest imWiener Hof", welches jedoch alle bis jetzt abgehaltenen übertreffen wird, indem es ein wirkliches Volksfest werden soll, welches bereits Nachmittags beginnen wird und bis spät in die Nacht hinein dauert. Schau­buden verschiedener Art, wie Panorama, Kasperl-Theater rc. rc. bieten Gelegenheit für Jung und Alt, sich zu amüsiren. Während der ganzen Dauer des Festes findet Eoncert statt und zwar größtentheils Blechmusik, auch einige Vorträge für Zither und finden fick die neuesten und beliebtesten Stücke auf dem Programm. Abends findet große Illumination des ganzen Gartens statt und zwischen der ersten und zweiten Abthcilung Aufsteigen von noch nie hier gesehenen Luftballons (nämlich in Form eines Elephanten und des Teufels). Zum Schluß wird ein großes Feuerwerk, welches aus einer der renommirtesten Fabriken Deutschlands stammt, abgebrannt werden. Das @nti6 wird ein sehr geringes sein und wird denn auch hoffentlich das Fest recht gut besucht werden, da der Vorstand genannten Vereins alles aufgeboten hat, um den Be­suchern für ein geringes Geld viel zu bieten. Der Ertrag ist, wie überhaupt alle Einnahmen dieses Vereins, für Kleidung armer hiesiger Kinder am Weihnachtsfeste bestimmt. _____________X.

Landwirthschaftlich« Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

(Zur Geflügelzucht.) Die beste und einträglichste Hühnerart für den Land- wirth soll noch erst gezüchtet werden, da keine der bekannten Rassen allen Ansprüchen genügt.

Um dieses Zukunftshuhn zu erlangen, ertheilt Dr. Ruß folgende Rathschläge: Man kreuzt gute, breite, wohlgebaute deutsche Landhennen mit Italienern. Dieses Huhn ist sehr sparsam im Futter und legt viele und große Eier. Auf 5 bis 6 schwere und 10 bis 12 leichtere Hennen rechnet man einen Hahn. Die ersten 3 bis 4 Jahre ersetzt man den Hahn durch einen frischen, direct aus Italien gekommenen. So wird man allmälig einen Stamm Hühner bekommen, der die guten Eigenschaften beider Hühnerrassen in sich vereinigt, ausdauernd ist, das Klima verträgt, viele und große Eier legt und auch Fleisch liefert. Im Winter hält man das Huhn in einem geschützten, nicht zu warmen Stall, am besten im Viehstall. Die beste Zucht ist die Frühzucht. Hält man die Geflügelzucht für's Haus, so soll man alle 3 Jahre schlachten. Selbst gute Bruthühner sollen nicht älter als 4 bis 5 Jahre werden.

Unter den Gänsen nimmt die Pommersche Gans den ersten Rang ein. Wie die eingcführten Gänse sich bewähren werden, mutz erst der Erfolg zeigen. Doch dürften sich dieselben leichter accltmatisiren als die Hühner.

Von den Enten ist die möglichst grotz gezüchtete Hausente die beste.

Der größte Theil der übrigen Arten gehört dem Schmuckgeflügel an.

Von den Tauben sind wirthschaftlich die Feldflüchter die dankbarsten.

sZur Behandlung der Formobstbäume.) Für den Gartenbesitzer, der doch nicht gerade'immer gelernter Gärtner ist und nur zu seinem Vergnügen die Zucht von Formobstbäumen betreibt, die doch immerhin schwierig ist, wird es vielleicht von Nutzen

sein, einige Anweisung zur Vermeidung der bei dieser Zucht oft vorkommenden Fehler zu erhalten. Vor allen Dingen mutz man darauf zehen, datz das Auge des Leit­zweiges, auf weiches man geschnittin hat, auch in der Richtung des Zweiges weiter­treibt, also die Verlängerung des Zweiges in gerader Richtung übernimmt. Mancherlei Ursachen können aber ein Austreiben des Auges in eine ganz andere Richtung bewirken, als man es gewünscht hat. Dies läßt sich nun auf eine leichte Art verbessern, indem man an den vorjährigen Zweig einen Stab anbindet und den jungen Trieb an den Stab heranzieht und mit Bast festbindet.

Eine neue Feile sollte stets zuerst zur Bearbeitung von Messing oder Neu­silber rc. angewendet werden, da bei diesen Metallen nur eine solche mit Erfolg wirkt. Ist die Feile auf Messing nichts mehr werth, bann ist sie bei diesem Grad der Ab­nützung für Stahl die beste Feile und noch lange zu gebrauchen; sie wird somit auf diese Art aufs Aeußerste ausgenützt. Manchmal kann es jedoch nicht umgangen werden, daß mit einer neuen Feile Stahl gefeilt wird, bann muß dieselbe aber vorher gut ein­geölt werden, damit sich keine Feilspäne festsetzen können. Dieses Festsetzen der Feil- späne ist häufig die Ursache, daß bei neuen Feilen der HiSb ausbricht. Auch durch zu festes Ausdrücken geschieht das leicht und solches mutz deshalb bet neuen Feilen und für den Anfang vermieden werden, da sonst die äutzersten Spitzen im Hiebe, welche das Feilen besorgen, häufig abbrechen. Diese ausgebrochenen glasharten Zähne bleiben gewöhnlich im Metall fest sitzen und bewirken bann, daß bie darüber geführten Feilen noch mehr ruinirt werden.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

G o t t e s d i e n st.

Samstag den 7. Juli:

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey.

6. Sonntag nach Trinitatis, den 8 Juli: Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags OVa Uhr: Pfarrer Schlosser.

Feier des heiligen Abendmahls.

Kinderkirche, Vormittags 11V« Uhr, Pfarrer Schlosser. Nachmittagsgottesdienft fällt aus.

Am 7. Sonntag nach Trinitatis, 15. Juli, wird nach beiden Gottesdiensten eine Kollekte erhoben werden zum Bestendes Kirchenbaus in der Gemeinde Arnshain. Kreis Alsfeld.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 8. bis 14. Juli besorgt Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

7. Sonntag nach Pfingsten.

Von 6 Uhr an Beichte.

Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.

Um 1/28 Uhr: Hochamt und Predigt.

Die Nachmittagsandacht fallt aus.

GottesdicnK in der Synagoge.

Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Morgen 8°° Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 910 Uhr.

Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Lust 15, Wasser 14 Gr.

Gießen, den 6. Juli 1888. RÜbsamen.

Briefkasten.

Herrn H. H . . . , Cassel. Wenden Sie sich gefälligst an das dortige Postamt.

Exp. d. G. A.

mtnwiw awcBiiffliiiBem i ishj1 mwirrwniniin-rnMni v,-.-saas.......... I», IIII»

Allgemeiner Anzeiger.

Gerichtliche Versteigerung. Montag, den 9. dS. Mts., Nachmittags von 3 Uhr ab, werde ich im Psandlocal, Wehrdaerweg Nr. 10, das Inventar einer Restauration, be­stehend aus:

11 eichenen Wirthschaftstischen, 43 Wiener Stühlen, 2 Sophas, 2 eisernen Tischen, 10 eisernen Stühlen, 1 Porzellanosen, 1 Büffet, 1 eichenen Bierapparatschrank, 1 Eisschrank, 1 Commode, 1 voll­ständigen Bett, Hängelampen, zwei großen Spiegeln, 1 Regulator, Gläsern, Porzellan, Küchengeräth- schaften, Tischtüchern, Servietten, Handtüchern, Fahnen mit Fahnen­stangen und anderen Sachen

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Bemerkt wird noch, daß das In­ventar wenig gebraucht ist und sich noch in sehr gutem Zustande befindet.

Marburg, den 6. Juli 1888.

JbelShäuser,

5550 Gerichtsvollzieher.

Versteigerung.

Samstag, den 7. Juli 1888, Morgens 11 Uhr, werden im städtischen Pfandlokale

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Die Einführung der Quellwasser­leitung in das Justizgebäude und daL Provinzialarresthaus zu Gießen soll auf dem Submissionswege in Accord gegeben werden. Dieselbe ist für beide i Gebäude veranschlagt zu 1680 «M. Voranschlag und Bedingungen liegen bei unterzeichneter Stelle Vormittags von 9 bis 12 Uhr zur Einsicht offen, woselbst auch die Gebote bis zum 12. Juli l. I., Vormittags 11 Uhr> j verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei einzu­reichen sind.

Gießen, den 6. Juli 1888. Grobherzogliches Kreisbauamt Gießen. 5567 Walter.

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