Berlin, 3. August. Heute Mittag fand die Gedächtnißfeier der Universität für ihren Stifter Friedrich Wilhelm HL statt, welcher Finanzmintfter Scholz, Mintsterial- director Greiff und Unterstaatssecrelär Naffe beiwohnten. Die Festrede hielt der Rector Schwenderer über die Entstehung des hiesigen botanischen Gartens und die Bedeutung botanischer Gärten für die Pflanzenkunde. Hierauf folgte die Verkündigung der Resultate der Bearbeitung der Pretsausgaben, sowie bte Bekanntmachung der neuen Preisaufgaben. Die Feier begann und schlotz mit einem Feftgesang.
Warrnbrunn, 3. August. In Folge des anhaltenden Regens ist großes Hochwasser eingetreten. Brücke und Chaussee nach Hirschberg sind gesperrt. Der Verkehr findet auf Umwegen statt.
Hirschberg, 3. August. Die Eisenbahnstrecken Gretffenberg-Friedberg, Greiffen- berg-LÖwenberg, ^auban-Langenöls sind wegen Hochwassers gesperrt. Der Bahnhof Lauban ist überschwemmt.
München, 3. August. Dem Magistrat ging ein Telegramm der Stadtbehörden Roms zu, das anzeigt, die städtischen Collegien von Rom beschlossen die Aufstellung der Büste König Ludwigs I. auf dem Capitol.
Bern, 3. August. In Folge des anhaltenden Regens findet überall ein starkes Steigen der Gewässer statt. Die Linie Briens-Meirtngen der Brünigbahn ist zeitweise unterbrochen. Bei Granges (Unter-Wallis) konnte gestern der Eisenbahnverkehr nur mittels Umladung der Reisenden fortgesetzt werden. Dle Gotthardbahn ist bei Atting- Hausen überschwemmt, eine Brücke beschädigt, der Bahnoerkehr jedoch nach kurzer Unter; brechuna wieder hergestellt.
Paris, 3. August. Nach einer Meldung der „Ag. Havas" wird Gablet heute den Mächten eine Note bezüglich der Massauahfrage übersenden. In derselben wird ausgesührt, daß die Action Italiens bis zum 5. Febr. 1885 zurückreiche. Italien habe damals den Mächten erklärt, daß sein Vorgehen nur den Zweck habe, das Besitzthum der italienischen Staatsangehörigen zu schützen und daß keineswegs die Absicht einer territorialen Ausdehnung bestehe. Am 16. Februar 1885 fei die Unterzeichnung des Berliner Vertrages erfolgt. Italien habe indessen die Besitzergreifung nicht notifizirt, wie dies der Berliner Vertrag vorschrieb. Bis Ende 1885 habe die egyvtische Flagge fortdauernd neben der italienischen in Massauah geweht, wenn die egyptische Garnison alsdann zurückgezogen wurde, wenn Egypten aufgab, in Massauah thatsächlich die Polizei- Sewalt auszuüben, die ihm seitens der Türkei übertragen war. um zu vermeiden, daß ie in Arabien stehenden türkischen Truppen das rothe Meer überschreiten müßten, so erklärte die italienische Regierung doch noch 1887 in dem Augenblicke, als sie sich zur Blockirung Massauahs anschickte, daß die Souveränitätsfrage in der Schwebe bliebe. Es fei daher zweifellos, daß wenigstens bis zum Erscheinen der jüngsten italienischen Note die früheren Eapitulationen noch zu Recht beständen. Goblet's Note soll, wie es heißt, sofort nach Uebermittelung an die betheiligten Mächte veröffentlicht werden.
Paris, 3. August. Trotz verschiedener heutiger heftigen Versammlungen in der Arbeiter vor se ist die Mehrzahl Der Strikenden entmuthigt und hat bereits in großer Anzahl die Arbeit wieder aufgenommen.
London, 3. August. Das Reuter'sche Bureau ist zu der Mittheilung ermächtigt, daß das Gerücht, die Königin wolle sich im Herbst nach Baden-Baden begeben, unbegründet sei.
London, 3. August. Das Oberhaus nahm den Antrag Dunraven's, die Untersuchung über das Schwitzsystem auf das ganze vereinigte Königreich auszudehnen, an. — Lord Salisbury erklärt, daß Italien Massauah, wenn nicht mit der Zustimmung Englands, so doch mit dessen Dorwissen in Besitz genommen habe, wodurch England diesbezügliche Vertragsverpflichtungen übernommen habe. Er hoffe, ein Con- flikt werde vermieden werden. Nach dem früheren Mißerfolg der Vermittelung sei es unmöglich, aufs Neue eine Vermittelung anjubieten. England sei jedoch bereit, jede passende Gelegenheit zur Herstellung des Friedens zu ergretien.
— Im Unterhaufe erklärte Fergusson, der Sklaoenyandel in Mittelafrika und Ostafrika werde besser begrenzt werden, sobald englffche und deutsche Gesellschaften die ostafrikanifchett Küsten verwalten. England wirke mit anderen civilisirten Machten zur Unterdrückung und Bestrafung des Sklavenbandels zusammen, der neue Sultan von Zanzibar sei nach besten Kräften dabei behilflich.
Rom, 3. August. Die „Riforma" will nach einer Athener Mittheilung wissen, her griechische Minister des Auswärtigen habe, nachdem er Abschriften der ital'rnischen Boten in Betreff Massauahs erhalten, daraus die Zustimmung der Großmächte ersehen und sich denselben angeschlosfen.
Lofia, 3. August. Nach einer Meldung der „Agence Havas" sandte der italienische Eapitän Luccta durch den italienischen Consul seine Vollmachten an den Präfekten in Bagardjir, laut welchen er beauftragt ist, Sendboten an die Briganten abzusenden. Der Präfekt weigerte sich, ohne Befehl der Regierung dem Wunsche nachzukommen. Die Consuln Oesterreichs, Griechenlands und Italiens sandten eine Note an die bulgarische Regierung, in der der officieUe Charakter Cuccia's nochmals heroor- gehoden wird^ Die letztere antwortete, sie ziehe ihre Truppen aus den Gebirgsgegenden zurück, übernehme aber keinerlei Verantwortung für weitere Unternehmungen Cuccia's.
Lokales.
Gießen, 4. August. Ueber das am nächsten Donnerstag den 9. August statt- fmbenbe Jugenbfeft ist uns seitens bes Comiis's bas nachstehende Programm zugestellt worben: Donnerstag ben 9. Auaust, Mittags 121/» Uhr, stellt sich der Feftzug in Oswalbsgarten zum Abmarsch nach bem Philosophenwald auf. Der Zug nimmt seinen Weg durch: Neustadt. Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue und Grünbergerftraße. Aus dem Festplatze: Aufftellung der einzelnen Züge vor der Rednerbühne, Gesang des Liedes Nr. 1 (Tretet in die Runde rc ), Ansprache, Gesang des Liebes Nr. 2 (Deutschland, Deutschland, über Alles rc ). Zwei Böllerschüsse geben hierauf das Zeichen zum Abmarsch der einzelnen Züge nach den Spielplätzen. Nach Beendigung des ersten Spiels verkündigen zwei Böllerschüsse eine einstünbige Pause. Der Schluß der Pause und der Anfang des zweiten Spiels werden abermals durch zwei Böllerschüsse be- »eichnet. Nach Beendigung des zweiten Spiels: Verkeilung der Gaben auf den verschiedenen Spielplätzen, bei turnerischen Leistungen der Preise. — Abmarsch der einzelnen Zuge nach dem Trieb. Aufstellung, Gesang des Liedes Nr. 3 (Es braust ein Ruf wie Donnerhall rc-), geordneter Hetmzug und Auflösung des Zuges vor der Turnhalle.
Gießen, 4. August. Die Zahl der von ben Lanbarmenverbänben des Großher- zogthmns in Folge gesetzlicher Verpflichtung im Etatsjahre 1886/87 unterstützten Personen beträgt 1264, davon 626 mit bauernbem Aufenthalt im Kreis, 262 mit vorübergehenbem Aufenthalt im Kreis unb 376 ohne Wohnsitz ober Aufenthalt im Kreis. Die hierfür auf; gewendeten Summen bezifferten sich insgesammt auf JL 79121,30, wovon auf die Provinz Oberheffen JL 30 364,73, auf den Kreis Gießen JL 8870,54 kommen. Die Zahl der unterstützten Personen im Kreise Gießen betrug 102, davon besaßen 58 früher den Unterstützungswohnsitz im Kreise Gießen, 9 außerhalb des Kreises Gießen, 35 außerhalb des Großherzogthums. Von 12 in der Provinz Oberheffen mit JL 352,65 Unterstützten konnten deren Aufenthaltsverhältnisse überhaupt nicht ober doch bei Weitem nicht so genau ermittelt werden, daß sie einer bestimmten Kategorie Unterstützungsbedürftiger überwiesen werden konnten. Am meisten belastet erscheinen die Provinzen Starkenburg (mit 562 Personen und JL 32 017,92 Unterstützung) und Oberheffen imif379 Personen und 30 364,73 Unterstützung), wogegen die Provinz Rheinhessen bei 323 Unterstützten ben Betrag von dL 16738,65 auszuwenden hatte.
Gießen, 4. August. Der hiesige Schützenverein begeht am nächsten Montag, den 6. August, Nachmittags 4 Uhr, die feierliche Grundsteinlegung seines neu zu erbauenden Vereinshauses.
— Der Männenurnverein Gießen bekheiliat sich mit einer größeren Anzahl seiner Mitglieder an der morgigen Gauturnfahrt nach dem Hainig bei Lauterbach.
Gießen, 4 August. Ein hiesiger Schuljunge, welcher durch das Besorgen von Wäsche Zutritt in die Gesellenstuben verschiedener hiesiger Bäckereien hatte, plünderte schon längere Zeit die Hosentaschen der Bäckergesellen, wahrend diese ihr Mittagsschläfchen hielten. Einem derselben nahm der jugendliche Dieb vor einigen Tagen das Portemonnaie mit 25 Mark Inhalt und verjubelte das Geld bis auf einige Mark. Auch andere Gegenstände verschmähte das Kerlchen bet solchen Gelegenheiten nicht mitzunehmen.
— Eine Anzahl Lehrlinge der verschiedensten Berufsarten haben in letzter Zeit Hiesige Wirthe dadurch geschädigt, daß sie den an den Wirthschasten ausgestellten
Automaten statt ein 10-Pfennigstück für das bekannte Schächtelchen mit Chocvlade 'c. ein rund geklopftes Stück Blei biibrachten. Die Thäler sind ermittelt und zur Anzeige gebracht.
Gießen, 4. August. Ein junges Mädchen von Bersrod wurde unter dem Verdacht der Kindestödiung zur Anzeige gebracht. In Folge dessen begab sich das Gericht in Begleitung der Staatsanwaltschaft und Der Gerichtsärzte gestern nach Bersrod um den Thatbestand festzustellen.
Vermischtes.
Gießen, 2. August. (Inländische Gießereiroheisen-Erzeugung.) Es durfte nur wenig bekannt fein — schreibt das „Gewerbeblatt" — daß der Sitz der bedeutendsten Productionsstätte von Qualitäts-Gietzeretroheisen des Deutschen Reichs sich in unserem Lande und zwar zu Main-Weser-Hütte bet Lollar befindet. Die vier an den Stationen Lollar, Gießen, Wetzlar und Burgsolms gelegenen Hochofenwerke der Buderus'scheu Eisenwerke liefern mit ihren 7 großen Hochöfen — neben namhaften Quantitäten Puddlingsroheisen, das zu ben bevorzugtesten Qualitäten von Stabeisen, Draht und Blech verarbeitet wirb — im Gegensatz zu ben phosphorreicheki unb des- halb rninberwerthigen Zuschlageisensorten von Luxemburg und Lothringen, das sogenannte Qualitäts-Gietzeretroheisen aus Roth-, Braun- und Magnet-Eisenerzen der Provinz Hessen-Nassau, des Kreises Wetzlar und der Provinz Oberhessen zur Zeit in Hohe von ca. 80,000 Tonnen (8000 Doppellader) pro Jahr. Production und Absatz haben sich in den letzten Jahren jährlich um 10—15,000 Tonnen vermehrt und nehmen dieselben noch stetig zu, sie werden bald 100,000 Tonnen erreicht haben! Dcr Versandt erfolgt zur Zeit mit täglich 25—30 Doppellabern nach allen Consumtionsgebteten Deutschlanbs einschl. Elsaß-Lothringen, sowie der Schweiz unb in kleineren Quantitäten auch in das Ausland. Die Fabrikation hat vor etwa 10 Jahren begonnen, als die Roheisenpreise ganz erheblich höher standen als heute. Unstreitig ist diese erfreuliche Thatsache, wo bei Verwendung lediglich inländischer Bodenschätze das früher im- portirte ausländische (englt che) Fabrikat in gleicher Höhe verdrängt, die inländische Productioität um diese erhebliche Summe, ohne Benachtheiltgung der Consumeuten, erhöht wurde, eine gute Folge der heutigen wirthschafUichen Verhältnisse, allerdings auch der eifrigen unb umsichtigen Bestrebungen der Fabrikanten.
Offenbach, 3. August. Soeben, um 10 Uhr Abends, ist hier ein großer Brant» in der Seifenfabrik Naumann ausgebrochen. (F. Z.)
D Frankfurt, 3. August, lieber unseren erwischten Stlberdieb Bergmann,, der immer noch das größte Interesse erregt, kann ich Ihnen heute melden, daß man bis zur Stunde weder seinen wahren Diamen, noch seine Heimath kennt. Pseudo- Bergmann behauptet mit eisiger Ruhe, ben Namen mit Recht zu führen. Die an- gestellten Ermittelungen Haden inbeß ergeben, daß seine Geliebte eine Frau Bergmann geb. Schmitz, er aber nicht deren Mann ist. B.'s Schweigsamkeit in diesem Punkt ist in der That fast ein sicheres Anzeichen dafür, daß er weit mehr auf bem Kerbholz bat, als jene 4 Einbrüche, von denen man weiß, baß er sie verübt ober boch habet be- theiligt war. Er benimmt sich nach wie vor mit größter Ruhe unb sucht augenschein- lich gerabe baburch den Anschein zu erwecken, wie wenn er sich frei von aller Schuld fühle unb in ber That ber ehrliche, wohlsituirte Bürger wäre, für ben er sich gleich bei seiner Ststtrung ausgab. Wie ein soliber, harmloser Rentner freilich zu zahlreichen Dietrichen, Bohrern. Schraubstöcken, Seilen, Löthkolben u. dgl. Dingen kommt, ist eine anbere Frage, die Pseudo-Bergmann vielleicht genügend beantworten kann. Wegen ber oben erwähnten vier Einbrüche würbe er auch nicht mit 15 Jahren Zuchthaus bestraft, auf bie er sich angeblich gefaßt machen soll. Kurz, Alles beulet darauf hin, daß man einen alten geriebenen Verbrecher abgefaßt hat, ber seinem diebischen Gewerbe um so sicherer nachgehen konnte, als er es verstanden hatte, sich mit einem Schein von Biederkeit unb Wohlhabenheit zu umgeben, ber ihn vor jedem Verdacht lange geschützt hat. Wäre bas verräterische Spitzentuch nicht gewesen unb hätte nicht ber Zufall bie Eigenthümerin desselben in die Färberei, woselbst das Tuch feine violette Farbe mit einer schwarzen vertauschen sollte, geführt, Ehren-Bergmann säße noch heute vergnügt im Kreise feiner Bekannten, speiste fein und tränke gut und spielte den noblen Rentier, ber gern ein Goldstück für seine Freunde springen läßt. Die Angabe, Bergmann sähe auf der von ihm genommenen Photographie verbrechermäßig aus, ist der Wahrheit nicht entsprechend. Er macht vielmehr einen ganz guten Eindruck und sieht einem behäbigen Bürger weit eher als einem Stlberdieb ähnlich. B. hat ein volles Gesicht, einen starken, bei ab; hängenden Schnurrbart und dünnes, schon stark gelichtetes Haar. Er trägt eine Brille. So günstig ber Einbruck ist. ben B. auf bem Bild macht, so ungünstig, ja abstoßend ist jener, ben feine Geliebte hervorruft. Hier hat man eine echte Verbrecherphysiognomie vor sich, bie ben Beschauer mit Abscheu erfüllt. Der Blick ihrer Augen spricht berebter als alles Andere. Das Gesicht ist zwar entstellt, da die Bergmann bet allen bisher versuchten photographischen Aufnahmen Grimassen geschnitten hat; inbeß läßt es zur Genüge erkennen, mit wem man'S zu thun bat. Wenn gegen ihn weiter nichts spräche als ber Umgang mit biesem Weib, bann müßten schon erfahrene Polizeibeamte ben stärksten Verbacht hegen, unb es wird bte Untersuchung auch voraussichtlich ergeben, daß sich das edle Paar lediglich zu verbrecherischen Zwecken zusammen gefunden hatte. Mag Bergmann über seine Herkunft und feinen Warnen noch so hartnäckiges Schweigen beobachten, es wird ihm nichts nützen. Ermittelt wtrds boch, wer er ist und er verlängert eigentlich nur unnütz seine Untersuchungshaft. Daß er mit Langner in Verblnbung gestanden, wirb nach wie vor verrnulhet, es zu beweisen ist jedoch bis dahin nicht gelungen. Welcher Landsmann unser neuer Stlberdieb ist, läßt sich an feiner Sprache nicht erkennen. Er soll eintehie spezifisch rheinische Ausdrücke gebrauchen,, man glaubt aber trotzdem nicht, daß er Rheinländer ist. Die nächste Zeil wird hoffentlich Aufklärung über diesen und noch viele andere Punkte bringen.
F rankfurt, 3. August. Der bekannte Afrikareisende Dr. G. Schweinfurlh weilt zur Zeit in unserer Stabt. Von hier begiebt sich derselbe nach Berlin.
— Gestern Nachmittag gegen V26 Uhr ging über Frankfurt ein ziemlich heftiges Gewitter nieder, das, wie man vernimmt, nicht ganz ohne Nachtheil verlief. Einzelne Straßen sollen für kurze Zeit völlig unter Wasser gesetzt worben fein, da die Wassermaffen durch bie Kanalöffnungen nicht schnell genug abfließen konnten. Auch traf ein Blitzstrahl unb zwar bas bekannte Geschäftshaus, „golbene 144" in ber Fahrgasse. Glücklicherweise war es ein sogenannter kalter Schlag. Es wurde jedoch ein Gesimsstück losgeriffen und in die Erkerscheibe des gegenüber liegenden Labens geschleudert.
— Nächsten Sonntag Vormittag beträgt ber Eintrittspreis im Palmen- und zoologischen Garten nur 20 Psg. Es ist dies eine günstige Gelegenheit, bie schon erwähnten. Seelöwen zu sehen.
— Heute wurde hier ein falsches Thalerstück mit ber Jahreszahl 1848 und bem Münzzeichen A angehalten. Vermutlich ist bas nicht das einzige Falsifikat, so baß Vorsicht geboten erscheint.
— Professor Graef's Gemälde „Felicie", zu dem bie bekannte Bertha Rother, welche unlängst auf dem besten Wege war „gnädige Frau" zu werden, Modell gestanden hat, bleibt nur noch bis Sonntag Abend 8 Uhr ausgestellt.
Görlitz, 3. August. Wolkenbrüche im Gebiete der Neisse unb des Queis verursachten Hochwasser. Die Bahnstrecken Görlitz-Laudan unb Gorlitz-Zitlau sind in Folge eines Dammbruchs unterbrochen. Es herrscht große Bestürzung. — Die Wassersnoth ist bereits großer als im Jahre 1880. Neisse, Bober, Schöps, Queis und Willig sind theilweise uferlos. Besonders betroffen ist die Umgegend von Lauban, Greifenberg, Warmbrunn und Hirfchberg. Die Ernte ist vernichtet. (F. Z.)
— (Einige wichtige Zahlen für Mütter.) Im Jahre 1885 wurde in Berlin nachgerechnel, wie viele Kinder gestorben seien, die auf andere Weise ernährt worben sind. Dabei ist man zu folgendem Resultat gekommen. Es starben von je 10 000 mit Muttermilch genährten Kindern 88 Kinder, mit Thiermilch genährten Kindern 456, mit Milchersatzmitteln genährten Kindern 765, mit verschiedener Nahrung genährten Kindern 1102. Es starben also von den mit Thiermilch genährten Kindern über fünfmal so viel, als von denen, welche die natürlichste Nahrung erhielten, von denen mit Milchersatzmitteln genährten etwa neunmal und von denen die verschiedene, gemischte Nahrung erhielten, mehr als zwölfmal so viel. Diese Zahlen reden mehr als große Vorträge über die richtige Nährweise der Kinder.


