Paar auf das Herzlichste.
Rußland
Petersburg, 30. Juni.
mittag nach seinem gewöhnlichen Spazierritt Vorträge entgegen und arbeitete alsdann mit dem General v. Albedyll.
— Se. Majestät der Kaiser hat den Grafen Otto v. Stolberg-Wernigerode auf dessen Ansuchen von der Verwaltung des Ministeriums des Königlichen Hauses entbunden und den Regierungspräsidenten von Magdeburg, v. Wedell, zum Minister des Königl. Hauses ernannt.
Berti«, 29. Juni. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht folgenden allerhöchsten Dank-Erlaß:
Schwere Tage sind über Mich und Mein Haus gekommen. Von Neuem ist Mein kaum beruhigtes Gemüth tief erschüttert. Mit dem Heimgange Sr. Majestät des Kaisers und Königs Friedrich, welcher Meinem theuren Großvater so bald in die Ewigkeit folgen mußte, ist Mir der beste und liebevollste Vater, dem Lande der treueste und edelste Herrscher entrissen worden. Nur auf allzu kurze Zeit war es ihm durch ein hartes Geschick vergönnt, zum Heile seines Volkes, das er mit voller Liebe umfaßte, zu wirken. Die ganze deutsche Nation in erhabener Einmüthigkeit trauert mit Mrr um einen solchen Verlust und fremde Völker nehmen Theil an unserem gemeinsamen Schmerze. Prachtvolle Blumen und Kränze, welche von Nah und Fern dem hohen Entschlafenen gewidmet worden, zahlreiche Zuschriften und Telegramme, in denen Mir herzliches Beileid ausgedrückt wird, geben Zeugntß von der reichen Liebe und Verehrung, welche der Verewigte sich im Leben erworben hatte. Gemeinden, Vereine und einzelne Personen aus allen Theilen Deutschlands, insbesondere auch aus Elsaß- Lothrtngen. Deutsche auf fremdem Boden, selbst in fernen Welttheilen, soweit nur die Trauerkunoe drang, haben in solcher Weise ihr warmes Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. Es ist wahrlich rührend für Mich und gewährt Mir erhebenden Trost, Meinen geliebten Vater noch über das Grab hinaus so treu und innig geehrt zu sehen. Aus der Tiefe Meines Herzens sage Ich «daher für alle diese Zeichen wahrer Theilnahme, welche Mich in den Tagen der Trübsal aufgerichtet haben, Meinen herzlichsten und aufrichtigsten Dank mit der Versicherung, daß gleich Meinen Vorfahren auch Mein ernstes Bestreben nur darauf gerichtet sein wird, in ungestörter friedlicher Arbeit das Wohl des Landes zu fordern und zu befestigen. Möge Gott Mir seinen Segen dazu geben! Ick ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntnitz zu bringen.
Berlin, den 26. Juni 1888.
Wilhelm. An den Reichskanzler.
Danzig, 30. Juni. Die heute hier abgehaltene Jahresversammlung der deutschen Buchdrucker - Berufsgenossenschaft hat an Seine Majestät den Kaiser Wilhelm ein warmes Danktelegramm gesandt für die Aneignung der Botschaft des Kaisers Wilhelm I. vom 17. November 1881.
Kiel, 30. Juni. Ihre K. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Heinrich sind 10 Uhr 38 Minuten hier eingetroffen und am Bahnhofe von der Generalität, den Admiralen und dem Oberpräsidenten empfangen worden. Daselbst hatten auch die Spitzen der Ctoilbehörden, sowie das gesammte Officiercorps der Garnison und Marine
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz. Bureau.
Berlin, 1. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich heute Vormittag gemeinschaftlich nach der Friedensktrche, wo dieselben in stiller Andacht verweilten Spater nahm der Kaiser Vorträge und militärische Meldungen entgegen.
— Heute Mittag fand in dem Lichthof des Gewerbemuseums eine Feier zum Gedachtntß weiland Kaiser Friedrichs, des Protektors der kgl. Museen, statt. Derselben wohnten der Cullusminister v. Goßler, Ministertaldirector Greiff, General o Strubberg, Staatssecretär a. D. v. Hoffmann, die Geheimräthe Starke, Wehrenpfennia ferner die Herren Eurtius, Menzel, Anwers, Virchow, Bastian, Zöllner, Joachim' Helmholtz Jordan, Bertram, Weigert, Ministerresident Krüger, NUnifterialdirector Bötticher, Ernst Wildenbruch und viele andere Vertreter der Kunst und Wissenschaft sowie sammtliche Beamte der. Museen und der Königlichen Kunstschule bei. Geheimrath Dr. Schone hielt die Gedachtmßrede. Derselbe schilderte des Verblichenen Antbetl- nahme und Forderung der Kunstinstitute des Staates und verfolgte dabet die historische Entwickelung desselben von Friedrich Wilhelm III. an. Kaiser Friedrich habe den Gedanken des Großvaters weiter ausgebildet und der Vollendung entgegengeführt. Gesänae und Posaunenchorc eröffneten und schloffen die erhebende Feier. B
. Wien, 1. Juli. Das amtliche Blatt veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den -Botschafter in London, Grafen Karolyt, in welchem der Kaiser unter Ausdrücken ®a?fcä, ,unb bcr Anerkennung für die ausgezeichneten Dienste des Bot- schasters die von demselben erbetene Versetzung in den Ruhestand genehmigt und ihm das Großkreuz des St. Stefan-Ordens verleiht. M
„ . Der „Regierungsanzeiger" schreibt: An dem Diner, welches am Donnerstag zu Ehren des Generals v. Pape im Peterhof-Palaste gegeben wurde, nahmen sämmtliche Mitglieder der Kaiserlichen Familie, bte Minister Giers, Wannowski, Geheimrath Vlangali, mehrere hohe Hofchargen und Militärs Theil. Die Großfürsten waren in preußischer Uniform mit tiefen Trauerabzeichen, die Damen in schwarzen ausgeschnittenen Kleidern. Bet der Tafel saß General v. Pape rechts von der Kaiserin, während die Großfürstin Sergius rechts vom Kaiser ihren Platz hatte. Nach aufgehobener Tafel hielten die Majestäten Cercle. General v. Pape fuhr bet sämmtlichen in Petersburg und Umgebung wohnenden hohen Herrschaften vor und wurde gestern auch von der Königin von Griechenland empfangen. Heute tritt derselbe die Heimreise an, nachdem Minister v. Giers bereits gestern auf sein sinnländisches Gut zurückgekehrt ist.
— Der Kaiser verlieh dem außerordentlichen Gesandten des Kaisers Wilhelm, General v. Pape, den St. Andreas-Orden und den Alexander-Rewski-Orden, sowie dem Adjutanten des Generals, Major Grafen Eulenburg, den St. Annenorden 2 El mit Brillanten.
Aufstellung genommen. Nach huldvoller Begrüßung der zum Emvfange Erschienenen fuhr das hohe Paar durch die festlich geschmückte >L>tadl zum Schlosse und von da nach Bellevue. Auf dem ganzen Wege bildeten (Korporationen, Innungen, die Studentenschaft, sowie sämmtliche Schulen Spalier. Die ganze Bevölkerung begrüßte das hohe
A Main z, 1. Juli, lieber die bereits erwähnte blutige Scene zwischen mehreren jungen Leuten aus Mombach, welche mit dem Verschwinden eines der Behelligten endigte und mit Rücksicht auf verschiedene Gerüchte zu erfolgreichen Nach- wchungen m den Wallgraben führte, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Gerücht, daß der Vermißte ein 16jähriger Junge Namens Bär, von seinen Gegnern in dem Wallgraben ertrankt worden fei, veranlaßte den Bürgermeister von Mombach, der Staatsanwaltschaft von der Sache Anzeige zu machen, worauf alsbald Nacksiorsch- ungen in den Graben angeordnet wurden, die nach kurzer Zeit das Resultat hatten die Leiche des Vermißten mit vielen Stichen am ganzen Körper fand. Die nächste Folge war nun, daß die Staatsanwaltschaft zwei weitere in den Streit verwickelte iunge Burschen verhaften ließ, die aber, wie auch bereits die beiden Verhafteten, leugneten, das Verbrechen verübt zu haben, und behaupteten, daß sie mit dem Bar schon vor dem Mombacher Thor in Streit geralhen seien dorten habe Bär sein Messer gezogen und nach ihnen gestochen, worauf die Thor- wache eingeschritten fei und sie verhaftet hätten. Bär, so behaupten die Verhafteter weiter, sei unbehelligt durch das Thor gekommen und sie alsbald von der Wache entlassen worden, worauf sie den Bär verfolgt, ihn vor dem äußeren Festungswerk erwtscht und ihm daselbst, weil er zum Messer gegriffen, die Kleider vom Leibe gezogen und nachdem sie ihn gehörig geprügelt, auf der Erde liegen gelassen und weiter gegangen. Bei der vorgenommenen Sectton wurde conftatirr, daß Bär noch lebend in das Wasser gekommen ist; die Verhafteten, welche des Mordes und der Verhülfe angeschuldigt sind, sind die Taglöhner Dautcnheimer, Umhaus, Svitzlack und Schöning, sämmtlich aus Mombach.
Mainz, 1. Juli. Die Untersuchung in der Badehausangelegenheit hat bis jetzt das Resultat gehabt, daß die Träger an dem verhängnißvollen Badekasten nur eine Dicke von 4 mm hatten, nach der Meinung der Untersuchenden entschieden zu wenig für die Last des Kastens und der Badenden. Außerdem war auch noch schlechtes brüchiges Eisen dazu verwandt worden. Die Träger hatten drei Schraubenlöcher, es war aber versäumt worden eme Verbindung des Kastens mit dem Unterlagsbalken durch Schrauben herzustellen. Das Fehlen der Verschraubung war auch die Schuld, daß der Kasten allen Halt ueilor, nachdem einmal der eine Träger zerbrochen war. — Die eine der Leichen wird noch vermißt.
— Die hiesigen Gerichte haben demnächst die Frage zu entscheiden, wie groß der Werth eines Fingers ist. Bei einer Theilung eines elterlichen Nachlasses geriethen die Erben in Streit und soll einer der Betheiligten seinem Schwager den Zeigefinger der rechten Hand abgebissen haben. Der Verletzte hat hierfür eine Entschädigung von jt. 1000 emgeklagt. — Zur Besichtigung der neuaufgedeckten römischen Gräber machte gestern der historische Verein des Großherzogthums Heffen einen Ausflug hierher.
Mainz, 1. Juli. Unfern der Glashütte auf der Grüneburg wurde heute Morgen eine weibliche Leiche geländet. Die Persönlichkeit konnte nicht festgestellt werden. Daß dieselbe identisch mit dem in dem Badehause ertrunkenen Mädchen ist, ist ausgeschlossen, denn die Leiche befand sich in Kleidern und rührt von einer älteren Person her. Am Donnerstag hat sich hier em Mann erhängt, der bereits 83 Jahre hinter sich hat.
Aus Rheinhessen, 1. Juli. Ungeachtet der wenig günstigen Witterung hatte sich der heute in Budenheim stattgehabte 13. Verbandstag der rheinhessischen Feuerwehren eines sehr starken Besuches zu erfreuen.
, ™v Die zum großen Theile durch Feuer zerstörte, im schwedischen Norrland gelegene Stadt Sundsvall zählte 11,000 Einwohner und hatte einen bedeutenden Holzexport. Wie der „Hamb. Eorr." mittheilt, stehen von den Gebäuden der Stadt nur noch die in den Vororten Norrmalm und Stenhamaren gelegenen, sowie das Gymnasium, das Stationshaus der Eisenbahn, mehrere Brauereien, das Armenhaus und das Gefängnißgebäude, alles Andere und dazu noch verschiedene außerhalb der Stadt gelegene ländliche Gebäude liegen in Schutt und Asche. Nicht weniger als gegen 9000 Menschen sind durch das entsetzliche Unglück obdachlos geworden und viele Menschen sind umgekommen. Der Brand brach Vormittags halb 12 Uhr bei starkem Nordweststurm aus. Alle Löschversuche erwiesen sich als vergeblich, so daß das nach einigen Stunden von dem Bürgermeister nach Öfter hin b gerichtete telegraphische Ersuchen um militärische Hilfe die Meldung enthielt: „Die ganze Stadt Sundsvall steht in Flammen." Sundsvall, dessen Baulichkeiten einen tajirten Werth von 141/« Mill. Kronen besitzen, ist zum größten Tbeile aus Holz gebaut; es liegt in einem der bedeutendsten Holzausfuhrdistricte Schwedens und gilt nächst Geste für den wohlhabendsten
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... 2- Juli. Sicherem Vernehmen nach hat das Lokalbaustatut für
die Stadt G eßen nunmehr die Genehmigung des Ministeriums erhalten. Damit ist dem für die Lauluftigen so lästigen UebcrgangSzustand von der Gießener Lokal- bauordnung von 1845 zu der neuen Regelung der betreffenden Fragen ein Ende gemacht und es steht zu hoffen, daß nunmehr auch die städiifcherfeits bis nach Inkrafttreten des KÄ ßSd merL f“^Unßen' in§Monbere Trottoiranlagen rheinilch^'^ütz-nkundes^g-hL v^k-W cd X&ffi elften Festtage durch Mitglieder des hiesigen Schützenvereins erschossen: Ein Eon- currenzbecher au Feld von Carl Brück, ein Festbecher auf Feld von Wilh. Friedel' am zweiten Festtage ein Festbecher auf Stand von Hch. Kehrn. ü eOel'
zu * ^ännerquartett hat in dem am Samstag in Stein's
Garten abgehaltenen Concert seinen Ruf glänzend bewährt. Dieses Künstlerquartett scheint berufen zu ein, den deutschen Männergesang in seinen hervorragendsten Er- Beugnifien dem Publikumi m harmonischem Zusammenklang und allen Nüancirungen so recht ^usterhast zu Gehör zu bringen. Namentlich groß sind die Sänger im Vortrag der eigentlichen Volkslieder, in welchem besonders das prächtige Piano und das zartest? Pianissimo bestrickend wirken. Me herzigen Kärnthner Volkslieder von Koschat zumal rissen die Zuhörer zu lebhaftem Beifall hin, der Übrigens allen Programmnumm?rn gespendet wurde. Auch in den komischen Vorträgen zeigte sich die Sangessertiak^des Quartetts tn bestem Lichte Als Zugabe sangen die Wn^eineÖ
bte Dichtung über das geflügelte Wort unseres Reichskanzlers' Wir Deutsche fürcht.»™ '°nst Niemand auf der Welt! zu Grunde lag” Tu« BoS«?
zündender Wirkung. Das Zapf'sche Quartett, das in feiner ietuaen 4
künstlerisch Vollendetes bietet, Hot sich allen Zuhörern so recht in's Httz gff"n°en^ünd
tungsb?äf?e?'h-kf°L-?^E 3Ur Ausgabe gelangte Nr. 7 der Dermal-
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l , Darmstadt, 30. Juni. Herr Divisionspfarrer Strack ein in allen Greifen hoch geehrter und geachteter Geistlicher, begeht Sonntag benul en
25iahrigen Amtsthättgkeit als Divisionspfarrer. 9 11 1 btc $eler ^iner
st a d t, 30- Juni. sPostpersonalveränderungen.j Angestellt ist der Vost- aiftftent Strauß in Friedberg (Hessen). nßqicuI 111 0CT Vost-
PofU-sstr-E"' if‘ ber Ob°r-Postdtreetionsf-cr-tär Runk In Offenbach (Main) zum $ßorm§BerfCtSt *ft ber Ober-Telegraphenaffistent Nürnberg von Darmstadt nach $annffitOr6Cn Wt,ccretär unb ber Post-M-nt Anthes in »unl -1, ÄUH’ Monats-Bericht der Arbeiter - Kolonie pro
gesammt 61 Ulhmo 3um Und m der Colonie arbeits-, refp. stellenlos ins- Backer 3, Barbier- 2, Bergmann 1, Brauer 1, dfststbindcr 3, Condstor 1 Dachdecker 1, Eisengießer 1, Färber 1, Fleischer 1
I, Hutmacher 1 Kaufleute 2, Kellner 5 Musiker I, Nadler 1, Poizellankttter 1, Schmiede 2, Schneider 4, Schreiber 4 Schubmacher 4 Steindrucker 1, Techniker 1, Tuchmacher 1, Weber 1. ' ^"ymacyer 4, Stein-
niad) kommen auf: Großherzogthum Hessen 15, Thüringen 4, Bayern 5, Sachsen 1, Dcecklenburg 1, Württemberg 3, Hessen-Nassau 10. Von Preußen auf die Provinzen: Brandenburg 2, Hessen (Caffel) 5 Rheinland 9 Hannover 1, Sachsen 2, Schlesien 2, Posen 1, Westfalen 1. and 9,
Abgegangen sind im Laufe des Monats Juni 19
(5ntlaff?ngD2n 9^9^ auf ei0enen Wunsch 13, durch die Colonie in Stellung 4, durch ?cit- ®jofrnun0 der Anstalt ausgenommen 944 Coloniften.
Colonien hierselbst statt "ftC 6onfercn$ DOn 8eitem b°u'<ch-r Arbeiter
in--. 4?9lür f^mde Lun^geaLeistt^ ^r-fl-gungstage gezählt, an 1630 Tagen, r, k b-m Z-i-raume vom 1. Juli 1887 bis 30. Juni 1888 - 3. B-triebsjahr - 310 Go.I.ontfte?1 ausgenommen und 251 zur Entlassung gekommen. Ucber alles liahere verwegen wir auf den tn nächster Zeit erscheinenden Jahresbericbt.
In bem vorstehenden Monatsbericht sind 2 Mann aus dem Jahre 1886-87 mitgezahlt. '


