Ausgabe 
30.10.1887 Erstes Blatt
 
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Erschein! tftgli* mit «uknabmc des Montag«.

111001 Schutstr.he 7.

ist am Donnerstag und Beschlüsse dem Varna soll ein ein Attentat gegen

unter dem Eindrücke der unerquicklichen, anscheinend noch immer nicht gänzlich beseitigten Confiikt» zwischen dem Ministerium Taaffe und den Czechen beginnen und er ist nicht unwahrscheinlich, daß diese innerpolitische Krisis ihre Schatten auch aus die Delegationsverhandlungen werfen wird.

Die militärischen Kreise Oesterreich.Ungarns find durch die Gerüchte von Entwendung von Fortificationsplänen der wichtigen galizischen Festung Przemysl in nicht geringe Erregung versetzt worden. Russtsche Spione sollen hierbei eine Hauptrolle spielen, doch scheint sich die österreichische Regie­rung zu bemühen, die Affaire möglichst zu vertuschen.

Der Rücktritt des seitherigen belgischen Ministers des Innern und des Unterrichts, Thonissen, hat Verschiebungen im belgischen Cabinet Baernaert nöthig gemacht, von denen auch das Justizministerium betroffen wird. Die Personenfrage scheint noch nicht definitiv erledigt zu sein, doch gilt der Advokat am Brüsseler Caffationshose, Lejeune, mit Bestimmtheit als zum Justizminister defignirt; der bisherige Justizminister, Devolder, gedenkt das Portefeuille der Innern zu übernehmen. Der signalisirte Eintritt Lejeune'r in dar clerieale belgische Cabinet erregt Aufsehen, da Lejeune zur liberalen

Nachrichten eingetroffen.

Expedition gegen den 20. September ihr Ziel, Wadelai,

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Paschas, erreicht hat.

Die neugewählte bulgarische Sobranje eröffnet worden; hoffentlich gereichen ihre Verhandlungen vielgeprüften bulgarischen Lande nur zum Heil. In Individuum verhaftet worden sein, welches verdächtig ist, den Fürsten Ferdinand geplant zu haben.

Die Demonstrationen und Exceffe der LondonerBeschästigungs- losen" scheint jetzt zu Ende zu sein, nachdem die englische Hauptstadt hier­durch zwei Wochen lang in Beunruhigung gesetzt wurde. Es ist indessen nicht bekannt, ob die Londoner Behörden genügende Vorsichtsmaßregeln gegen die Wiederkehr ähnlicher Scenen getroffen haben.

Aus Zululand gehen wieder beunruhigende Nachrichten ein. Dml- zulu, der Sohn und Nachfolger Cetewayo's, nimmt eine drohende Haltung gegen die Engländer ein, so daß diese von Durban aus Truppen gegen Dini- zulu entsenden wollen.__

Frankfurt, 24. October. Eine interessante Wettfahrt fand gestern zwischen dem zwölfsitzigen Kriegsrad (Multicycle) und einem Bicyclisten über die Strecke Schwetzerplatz-Darmstadt statt. Der Start erfolgte um 2 Uhr; bereits an der Isen­burger Warte hatte das Bicycle einen Vorsprung von ca. 40 Meter; als das Multicycle sich nunmehr in Pace setzen wollte, ging ein Gummiring los, welches Malheur noch zweimal passirte, so daß der Bicyclist hinter Isenburg wohl einen Vorsprung von ca. 2 Kilometer erreicht hatte. Jetzt bot das Multicycle Alles aut das Verlorene wieder einzuholen. Es gelang dies auch brillant, so daß kurz hinter Sprendlingen das Bicycle bis auf ca. 10 Meter eingeholt war. Hier entspann sich jetzt em äußerst lebhafter und interessanter Kampf. Um jeden Zoll wurde gestritten. Am Ausgange fuhren beide Fahrzeuge dicht nebeneinander, es gelang jetzt dem Multicycle durch einen brillanten Spurt einen Vorsprung zu gewinnen, welcher sich fortwährend vergrößerte, so daß das Multicycle in 1 Stunde 23 Min. als erstes Darmstadt erreichte. Der Bicyclist kam 4 Minuten später an. . (Akf. 3 )

AuS dem Kreise Hanau. In unserer Landgemeinde Hochstadt ereignete sich Ende voriger Woche ein recht beklagenswerther Unglücksfall. Eine Kuh, welche von der Weide zurückkam, wurde scheu, rannte wie wüthend durch's Dorf, raste in einem großen Bauernhöfe herum und als sie wieder aus dem Hofe stürzte, überrannte sie einen sehr bejahrten Bauersmann und brachte demselben mit den Hörnern schwere Ver­letzungen bei, so daß derselbe sofort in ärztliche Behandlung genommen werden mutzte und nun in bedenklichem Zustande darniederltegt. . m

Wesel, 26. October. Wie wir vernehmen, soll die Branntwein-Nachsteuer im hiesigen Handelsamtsbezirk ca. 120,000 X aufbringen. Mehr als die Hälfte davon hat allein die Wellfirma H. Underberg-Albrecht in Rheinberg für vorräthigen Boone- kamp of Maag-Bitter und dazu gehörigen Spirituosen mit nicht weniger als 62,619 X 25 München, 24. October. Schon vor einigen Tagen ging die Notiz durch die Blätter, welche von einer Spannung zwischen den Eorpsstudenten der Universität München und Offizieren des 1. schw. Reiterregiments berichtet, die in einer Forderungs­angelegenheit ihren Grund habe. Dem Münchener Fremdenblatt" zufolge sei nunmehr von dem Cultusministerium im Einvernehmen mit dem Universttatssenat die Suspendirung der sämmtlichen demS. C. angehörigen Münchener Corps beabsichtigt. ' ..

Brüssel, 23. October. Im Antwerpener Hasen erregte gestern ein ungewöhn­licher Vorgang Aufsehen. Der DampferPennland" hatte die Anker gelichtet, um nach Newyork abzudampfen. Plötzlich erschien ein Offizier der Antwerpener Polizei und befahl dem Eapitän, nochmals anzulegen. Der Offizier, von Polizcimannschaften begleitet, musterte die sämmtlichen Fahrgäste und verhaftete schließlich den 28jährigen Commis Hermann Lehrmann aus Runkhausen, dessen Auslieferung die pieußrfche Regierung beantragt hatte. Derselbe hat umfangreiche Fälschungen sich zu Schulden kommen lassen. , t

Sehr beherzigenswerthe Warnungen vor der Auswanderung nach »merua enthalten die Berichte der dortigen Eonsuln angesichts der wieder zunehm enden^us- wandererziffern. Das Angebot der Arbeit in Nordamerika steht zu dieser Zunahme der Auswanderer in keinem Verhältniß. Sämmtliche Eonsularamter dort wetfen darauf hin, daß kein Mangel an Arbeitskräften bestehe, daß alle über-

füllt seien und daß es fremden Arbeitern ganz besonders schwer falle^ Beschäftigung zu bekommen, zumal die bestehenden Arbeiter-Associationen ^^"Sewan^rtm Berufs. genossen in jeder Art und Weise Hindernisse in den Weg legen. Die Einwanderung von arbeitsuchenden, mit keinen oder nur geringen Mitteln versehenen derMUchkttten trägt nur dazu bei, die socialen Gefahren für Amerika zu vermehren, weshalb die

Wochen - Ueberficht.

Gießen, 29. October.

Für Kaiser Wilhelm ist nach Beendigung seiner heurigen größeren «eisen nunmehr die Zeit der herbstlichen Jagdausflüge gekommen, aus welche der areise Herrscher trotz seiner mehr als 90 Jahre noch immer nicht verzichten will. Die diesjährige Jagdsaison des Küfer» wurde durch den zweitägigen Lutslug nach Wernigerode eröffnet und ist derselbe trotz der herrschenden rauhen M erung dem hohen Herrn so vorzüglich bekommen, daß der Monarch, am Mittwoch Abend vom Harz erst wieder in Berlin eingetroffen, schon am Freitag m einer neuen Jagd nach der Schorsheide abzureisen gedachte.

Endlich beginnen sich die Umrisse der Vorarbeiten zu der heran- nabenden Reichstags-Session etwas bestimmter zu zeigen. Im Bundes- ratbe bat mit dieser Woche die Vertheilung der Special-Etats für den Reichs- bausball pro 1888/89 begonnen. Es find zunächst die Etatsentwürfe für die Reichskanzlei, die Reichsjustiz-Verwaltung, das Reichs-Sisenbahnamt und den Rechnungshof zur Ausgabe gelangt und werden in denselben wesentliche For- derunaen nicht gestellt. Die einmaligen Ausgaben bei der Reichsjustiz-Verwaltung Men sogar einen Rückgang von 450,000 JL. veranlaßt durch den Minderbedarf bim Bau des Reichsgerichtsgebäudes. Es kann jetzt also in Bälde auch der «ffentlichung des gesammten Etats de» Reiche» entgegengesehen werden und dann wird sich ja zeigen, inwiefern die Gerüchte, welche von einem abermaligen nicht unbedeutenden Deficit wissen wollen, begründet find. Zur gleichen Zeit

für die vorläufige Berathung im Bundesrathe ein neuer Gesetzentwurf, betr. die Rechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, stgnalistrt. Der neue Entwurf bildet eine nothwendige Ergänzung des in der vorigen Reichstags- Sejston angenommenen gleichartigen Gesetzes. Der angekündigte Entwurf soll hauptsächlich Bestimmungen über die Staatsangehörigkeit der Deutschen in den drutscken Schutzgebieten enthalten, da sich in dieser Beziehung unhaltbare Ver- tjültn ffe herausgestellt haben. lieber den Stand der Alters- und Jnvaliditäts- Berficherung der Arbeiter verlautet jetzt endlich auch wieder etwas. Nach der

Zlg." hat sich die bayerische Regierung mit den Grundzügen des bezüg- lichen Entwurfes, wie sie ihr zur Begutachtung vorgelegen haben, im Allgemeinen einverstanden erklärt und soll diese» Einverständniß nächstens in Berlin ausge- otüdi werden; es ist demnach anzunehmen, daß nunmehr auch die Vorarbeiten zur Alters- und Jnvaliditäts-Versicherung ein beschleunigteres Tempo emschlagen werden. Ue'ver die der Re.chsregterung zugeschriebene Absicht, dem Reichstage wiederum eine Vorlage über die weitere Erhöhung der Getreidezölle zu machen, liegen von zuständiger Seite noch immer keine bestimmten Aeußerungen vor.

Von unserem Kronprinzen wird ein echt fürstlicher Zug berichtet. Ein reicher Franzose, dem in seinem Vaterlande manche Unbill widerfahren war, batte kurz vor seinem Tode sein ganzes, Millionen von Franc» betragendes Vermögen aus Haß gegen Frankreich dem deutschen Thronfolger rechtsgiltig vermacht. Von Letzterem ist aber auf eine Anfrage der französischen Polschaft in Berlin, ob er die Erbschaft anzutreten gedenke, eine verneinende Antwort ertheilt worven, mit dem Bemerken, da» niedrige Motiv des Erblasser» patz gegen da» eigene Vaterland verbiete dem Kronprinzen die Annahme des Vermächtnisses. ,, , Äf.

Die Frage nach der Regelung unseres zollpolittschen Veryatt- Nisse» zu Oesterreich-Ungarn wird allgemach zu einer brennenden. Dem österreichlschen Abgeordnetenhaufe ist vom Wiener Cabinet die Verlängerung de» Ende de» Jahres ablausenden Handelsvertrages mit Deutschland vorgefchlagen worden, und zwar bis zum 30. Juni 1888 und es ist an der Zustimmung des Abgeordnetenhauses nicht zu zweifeln. Bei uns in Deutschland haben aber die gesetzgebenden Faktoren des Reiches, also der Bundesrath und der Reichstag, bei einer Verlängerung schon bestehender Verträge nicht mitzureden und der R-ichst-g wird daher nicht in gleicher Weise wie dar österreichische Parlament seinen Einfluß aus die schwebenden zollpolitischen Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Regierungen geltend machen können. Bereit» sind aber d»e zoll' politischen Kämpfe zwischen Deutschland und dem Auslände derartig zugespcht, un) das Bedürfniß der großen Mehrheit der deutschen Industrie nach einer Be­endigung dieser Kämpfe ist ein so offenkundiges, daß da» Reichsparlament nicht umhin können wird, in der einen oder andern Form zu der bevorstehenden Ent­scheidung über die deutsche Handelspolitik Stellung zu nehmen.

Kleinere Wochen - Chronik au» dem Reiche: S-ldmar chall Gras Moltke feierte am vergangenen Mittwoch in erfreulichster Rüstigkeit feinen ^Di'?Deuts chf reis innigen der Rheinlande und Westfalen» hielten am vorigen Sonntag in Hagen einen Parteitag ab, aus welchem jedoch keine beson­deren Beschlüsse gefaßt wurden. , t

. In der Ostsee wüthete ein heftiger Orkan, in Folgedessenviele'Lchiffe th-:l« untergingen, theil« strandeten! der Verlast an Menschenleben ist leider

t»rti8en französischen Politik sind die sranzösisch-englischen Conventionen über die Neuen Hebriden und Uber die Neutralisation des Suez-Canals als zwei bemeckenswerthe Erfolge Frankreichs zu

^Jn^Pesth sind am Donnerstag die österreichisch-ungarischen Delegationen zusammengetreten, in denen für die nächsten Wochen der politische Sch punkt des Donaustaates ruhen wird. Die Delegationen muffen ihre Arbeiten

Partei gerechnet wird.

Von der Stanley-Expedition sind in Brüssel neue günstige Dieselben berechtigen ju der Annahme, daß die ......die Residenz Emir

288 Zweites Blatt. Sonntag den 30. October 1887.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.