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Politische Ueberficht.

GieHen, 29. August.

Wie Nachrichten aus London besagen, ist dar Befinden de» deut­schen Kronprinzen andauernd ein guter und hat Dr. Mackenzie auch nemrdingr erklärt, daß nach menschlichem Ermessen dar Halrletden der Kron­prinzen bald vollständig gehoben sein dürste. In letzter Woche machte der Kron­prinz auch einen Besuch im englischen Königrschloffe Balmoral.

Ueber Zeit und Ort der Zusammenkunft des Grasen Kalnoky mit dem Fürsten Bismarck ist noch keine Bestimmung getroffen. Da jedoch Graf Kalnoky den österreichischen Kaisermanövern in Siebenbürgen beiwohnen will, welche am 11. September beginnen sollen, so will man annehmen daß die Zusammenkunft vorher und zwar, wenn nicht in Kisfingen, so doch vielleicht an einem Orte aus der Rückreise de« Fürsten erfolgt.

Bon den Manöoern unserer Panzerslotte wird eine Thatsache gemeldet, welche der deutschen Küstenoerlheidigung alle Ehre macht. Dar Ostsee- Geichwader, bei welchem fich der Chef der Admiralität, t>. Caprivi, an Bord de» Panzerschiffe»Friedrich Karl" befand, unternahm in der Nacht vom 24. °us 25. August einen Angriff auf die Minensperre vor der Eckerniörder Bucht, i All- Versuche, die Sperre zu durchbrechen oder zu sprengen, blieben indessen erfolglos.

Betreffs der Spiritur-Coalition ist zu erwähnen, daß der An- melde^ Termin wahrscheinlich htnaurgeschoben werden wird, weil die Betheiligung vir zum 27. d. Mir. nicht ausreichend sein dürfte. Vorbereitende Schritte für blci.®A-ri^fun9 Don Genossenschasir-Brennereien, durch welche Vereinigungen Gast- und Schankwirtbe sich von der Coalition unabhängig machen wollen, werden I von mehreren Seiten gemeldet. In Gießen Hal auf Veranlassung der Vor- stände« der hessischen Zweigvereins der Verbandes deutscher Liqueurfabrikanten eine Schling stattgefunden, in welcher von den Anwssenben einstimmig beschlossen wurde, eine entschiedene Stellung gegen denSpiritusring" einzunehmen und nicht von den der Coalition beitretenden Brennereien zu kaufen. In der Ver- I fammlunz der Spiritushändler und Spritfabrikanten, welche am Mittwoch I n ii r m Central-Hötel in Berlin stattsand, wurde eine Uebereinstimmuna con- I i. ? ^Altch einiger technischen und redactionellen Fragen, den Vertrag mit der Monopolbank betreffend, kam es zu Erörterungen. Eine Einigung mit I den Händlern wurde erzielt. Dieselben erhalten nicht eine Provision von 2 Procent, wie früher irrig berichtet worden, sondern es wird ihnen im Allae- I meinen der bisherige Nutzen zugesichert für denjenigen Spiritus, bezüglich dessen

Spiritus-Brennern Verträge abgeschlossen oder worauf sie Vorschüsse geleistet haben und dessen Brenner der Coalition bereits am 28. August beige- I e" Die Bank für Sprit- und Productenhandel, vormals Wrede, hat ihren Beitritt definitiv erklärt. ' y

Nr. 200. Dienstag den 30. August 1837

Meßener Anzeiger

Amts- und AnzcigMlt für den Kreis Gießen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenr-Brrrearr.

I c Potsdam, 28 August. Seine Majestät der Kaiser wohnte gestern Nachmittag £nten ^""^tsdamer Neitervereins auf der Rennbahn zu Sperlings» bei der Ankunft von dem Vorsitzenden des Vereins, Maior Graf Hue de Grats und von dem Rittmeister o. Krosigk empfangen und unter xbc8 sna44<»DicI<n Tausenden zählenden Publikums nach seinem geleitet. Es fanden drei Rennen statt. Bei den beiden ersten Rennen bändtote pLQIttQt tic ^üerhöchstselbst den Siegern (Lieutenant v. Sanden U.

b.öfnt U- Mellenthin) aus Nach Beendigung des zweiten Rennens trat Se. Maiestat unter abermaligen enthusiastischen Kundgebungen der am Rennplatz ver­sammelten Menge die Rückkehr nach Babelsberg an. - Außer SVin^ Majestät Ao,"iglrchen Hoheiten der Prinz und die Frau Prinzessin Wtl- 9n,r«nh?r ? ? Prinzessin Friedrich Carl, Prinz Friedrich Leopold, Prinz K ' JOnLe 1er ^crA°ßnb bt,c Herzogin Johann Albrecht von Mecklen- 4Cr^Cta2>9 ®untbc,1 und die Prinzessinnen Amalie und Sophie von Schleswig-Holstein dem Rennen bei.

.. dotsdaM' 28. August. Se. Majestät der Kaiser sah gestern Abend nach der : Wettrennen bei Spertingslust mehrere Herrschaften bei sich ,um M kmt0\nt,C h-ut- Vormi,tag dem Gottesdienste in der Frtedensktrche

bei, ^Nachmittags findet bei dem Kaiser ein Familiendiner statt, zu welchem auch der Prinz Komatsu von Japan mit seiner Gemahlin geladen ist.

i28, ^?6ust. Das Ostsee-Geschwader ist heute Vormittag 11 Uhr nach Beendigung seiner Hebungen aufgelost worden. Der Chef der Admiralität, General Lieutenant o. Caprivi, ist nach Berlin zurückgekehrt.

Konstantinopel, 28. August. Der italienische Botschafter, Baron Blanc wurde von dem Sultan in einer längeren Audienz empfangen, in welcher dem Ver- nehmen nach auch die bulgarische Angelegenheit besprochen wurde.

Aeutschland.

Darmstadt, 27. August. Se. König!. Hoheit der Großberroa bpaab-» 9h?er%a?eübi Begleitung des Flügeladjutanten Oberstlieutenant Wernher nach dem Grieshe^ier Artillerie-Schießplatz, wo von Seiten des 3. Branden­burgischen Fuß - Artillerie - Regiments (General - Feldzeugmeister) ein böAft interessantes kriegsmäßiges Nachtschießen ausgesührt wurde. Dieser Uebuna wohnten auch Se. König!. Hoheit der Erbgroßherzog und eine größere Anrabl von Officieren der Garnison Darmstadt bei. 9 B W

Kommandeur des Regiments, Oberst Berendt, wurde die Ehre zu °^eltk n cen ^bauten Batterien herumzuführen und wäh- ®efe*t6ü.b.un9 bie bezüglichen Erläuterungen zu geben; besonders nnniP «r"xW ,Ieincn Mörser, die Revolver-Kanonen und das

Sirte ^reUnbatte® ^tUn9 S3orlertttinS durch eine auf dem Flügel h<>« nach ,Beendigung der Hebung einer Einladung

des Officier-Corps des Regiments zu einem einfachen Abendessen in das Oificier- fln dem auch Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog und die übrigen ~eu* der Garnison Darmstadt Theil nahmen. Um 11 Uhr begaben sich Se. Küntgl. Hoheit der Großherzog zu Wagen nach Darmstadt zurück^

?dn gl. Hoheit der Erbgroßherzog sind heule Morgen mit dem ersten ! DbSffen ^ ^^nt 115 »» den Manöoern nach

Irankreich.

Paris, 27. August. DerNational" schreibt, die Untersuchung wegen der vorzeitigen Veröffentlichung des Entwurfs für den Mobilmachuno»,Versuch fit im vollen Gange, es fei nahezu nachgewiefen, daß da» Bekanntwerden des «"/"urf, durch einen Beamten de» zum Kriegsministerium gehörigen typogra­phischen Bureaus verschuldet worden sei.

England.

- 27. August Ihre K. und K. Hoheit die Frau Kronprinzessin machte vorgestern einen Ausflug nach Portsmouth, um das dortige Marine- Hospital zu besuchen. Die Rückreise machte die Frau Kronprinzessin an Bord eines Torpedoboot«, das während einiger Evolutionen auf der Höhe von Cowe» mit dem WachtschiffJnvincible" zusammenstieß. Ihre K. u. K. Hoheit setzte fobann die Reise an Bord der in der Nähe befindlichen königlichen Yacht fort. Gestern besuchte die Frau Kronprinzessin mit den Prinzessinnen. Töchtern Plymouth.

In Pari» giebt sich eine bedeutende Verstimmung über die Haltung de» £;.nJe" oon Coburg in Bulgarien kund. Eine Anzahl revanchelustiger Blätter führen au», daß die Haltung de» Prinzen von Bulgarien Rußland "nd Oesterreichs genähert haben und ein russisch- ?nndmß vollständig in die Ferne gerückt sei. Aus Paris wird gemeldet, daß das 17. Armee-Corps nunmehr definitiv al» dasjenige bezeichnet S Im q?16«68 a1061^11 n,kb- Die Mobilisation dieses Armee-Corp« egmnt am 31. August und dauert bi» 15. September. Die Concentration der S um Castelnaudary statt. Der Ausstellung soll die Idee zu M k i"1 veinecauJ ,^°ulouse marschirende feindliche Armee in der Nähe »on Montgaillard aufzuhalten.

lonSUebe; »n angebliche» neue» Attentat auf den Kaiser von Ruß. SeriL? ümr, 20 611 ^meldet, daß nach einem in Petersburg umlaufenden S Ä iltt6ntQt auf b-n Czaren ant 20. August bei der Fahrt von IlÄi?^ detersburg durch einen al» Garde-Ossicier verkleideten Nthi. Se ibern nnbk: o*?6 m zweiten Revolverschuffe den Rock de» Czaren streifte. I tanl ül.??e cRa Lenn oor Aufregung krank fein. Eine anderweitige Bestä- da- betlc6;len °ug°blichen Vorgang ist bijher nicht erschienen. Ob

gestellt bleiben bai 5Cctearamm spricht, begründet ist, muß dahin-

.ai,le Nachrichten au» den europäischen Hauptstädten stim. Ergeben "bei b«e!n' ba6 fäom?tli<6; Großmächte, sowie auch die Türkei das uib ift qu» DOn Äob» 1ln Bulgarien für gesetzwidrig erklärt haben dem Prinzen von Koburg von der türkischen Regierung eine ent- über*^lteIt worden. Eine andere Nachricht will sogar wissen, I »erlaibn1* mntfben Robur<? birect aufgesordert habe , Bulgarien

'»et n lönnt, Vr Wt at5 6" Fürst diese- Lande- anerkannt nelen hm, \ ®er Aufforderung Rußland«, sich birect in die bulgarischen An- 1 er® ui ton T en; einen Ober-Commissar nach Sofia zu entsenden, i9ulflaren@en fl* 0<bk entfpt±n' ba dadurch der ganze Fanati-mu- der imabr wJo-u. ?? ei" "euer Krieg hervorgerufen werden könne. Wenn 'iese Rolle n bn" «n Bulgarien nicht spielen will, und Rußland "i»rinten ?In o t1nebmen ,m',fo bülfte e* an bem wirksamen Mittel sehlen, Linien inlL trbut8? Bulgarien zu entfernen. Die bulgarischen Staat«. k<t=u6t QemnrhJ^e, ne(nl ril5u bet fc6roieri9Cr gewordenen Lage ihre» Lande» auch ri®8 i« btottu 9 e " benn ^avlscheff hat e* abgelehnt, ein neue» Ministe-

,SW®inj, 27. August. Am Schluß einer Ucbung wurde gestern Mittag OsO'n Pionier-Bataillon Nr. 11 in Kastel von einem sehr bedauer- beimgesucht. Beim Uebersetzen eines ganz niederen Grabens stürzte dessen f;X 74^ s $ Hauptmann Haack ins Fallen kam und zwar so unglücklich, daß er mS en ^clPbr,V? ruzog. Das ganze Gewicht des Pferdes war auf das tn schiefer Richtung befindliche Bein des Hauptmanns gestürzt. Hauptmann Haacks der vor Kurzem seine Versetzungsordre nach Neisse bekommen hat, erlitt oor 2 Jahren einen ganz ähnlichen Unfall.

z-x t4r?a^eI (bei Mainz), 27. August. Ein in hiesiger Gegend ungewohnteS- ? r nx u nn man ^it der Eröffnung der Feldhühnerjagd in unserer Gemeinde jetzt tagtäglich beobachten, nämlich, daß Damen sich auch dem Waidmannsoergnügen hin- Seben. Es sind einige emancipirte Amerikanerinnen, Familienmitglieder des Jagd- pachttrs, die diesen Sport treiben. Gestern nahm an der Jagd auch eine zur Zeit in der Kur in Schwalbach weilende russische Fürstin Theil.