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A Mainz, 28. August. Die Thatsache, daß der preußischen Regierung das unbestrettbare Rechl zusieht, mit dem 1. Januar nächsten Jahres die Lheilstrecke Kelster- bach-Franksurt der Linie Mainz-Frankfuri der hessischen Ludwigsbahn käuflich zu über­nehmen, läßt immerwährend die Ansicht laut werden, daß sich die genannte Bahn- verwallung jetzt auf Gnade oder Ungnade der preußischen Regierung in ihren Kauf- nelüsten ergeben müsse. Von der Verwaltung der Ludwigsbahn sehr nahestehender Seite wird uns diese den Acttonären keine erfreuliche Perspective eröffnende An­schauung wiederholt als eine durch nichts gerechtfertigte Befürchtung bezeichnet. Zunächst sei es ein vollständiger Jrrthum, zu glauben, daß der preußischen Regierung mit der Uebernahme der gedachten Ludwigsbahnstrecke ein Recht erwachse, der Ludwigsbahn die Mitbenutzung und Ginfahrt in den neuen Frankfurter Centralbahnhof zu verwehren. Hierfür beständen für sämmtliche Ludwigsbahnlinien für die Dauer von einer langen Reihe von Jahren unantastbare Verträge, die vollständig unabhängig von den einzelnen Eoncessionen seien. Ebensowenig liege es in der Macht der preußischen Regierung, durch Uebernahme der Strecke Kelsterbach-Frankfurt der Ludwigsbahn ihre Linie Mainz- Frankfurt zu zerstören, indem es genannter Gesellschaft unbenommen sei, von Kelsterbach die Bahn rechls abzuzweigen und auf hessischem Gebiet nach der Station Goldstein zu leiten und von hier auf der Mannheimer Linie in Frankfurt einzufahren. Letztere Eventualität habe man Seitens der Verwaltung der Ludwigsbahn schon sehr ernst in's Auge gefaßt, zumal durch die Abzweigung nach Goldstein nur ein sehr verschwindender Umweg entstehe und deren Ausführung sich ohne jegliche Schwierigkeiten mit verhältniß- mäßig geringen Kosten bethätigen lasse.

A Mainz, 28. August. Nach einer Mittheilung desM. I." sind durch Ver­fügung des Großh. Ministeriums 64 Priester der Diöcese Mainz betreffs der Vor- Liloung von Art. 4 des Gesetzes vom 5. Juli dispensirt worden. Bei drei Priestern wurde die Dispens unter der Voraussetzung ertheilt, daß die noch fehlenden Zeugnisse nachträglich vergeben werden. Es steht demnach der Anstellung sämmtlicher Diöcesan- priester kein Hinderniß mehr im Wege.

Wie dasM. I." weiter mitthetlt, besteht die Absicht, das ehemalige Mainzer Knabenconvict wieder in's Leden zu rufen und zu diesem Zwecke einen Neubau auf- zusühren. Die Mittheilung verschiedener Blätter, daß das frühere Knabenconvict in Dieburg als bischöfliches Pensionat nach Bensheim verlegt werden solle, wird von dem M. I." bestritten.

sKinderraub.j Nach einer Bekanntmachung der Polizeibehörde in Basel wurde daselbst am 6. August die 5 Jahre alte Bertha Brunner, Tochter des Johann Brunner in Lauwyl (Canton Baselland), von einem fremden Manne an sich gelockt und ist seitdem verschwunden. Es liegt die Vermuthung nahe, daß das Kind bei einer herumziehenden Bande festgehalten wird oder auch das Opfer eines Verbrechens ge­worden ist. Die Verschwundene ist beschrieben als ihrem Alter entsprechend groß, kräftig, mit vollem, gesunden Gesicht, blauen Augen, hellblondes, ringsum abgeschnittenes Haar, stumpfe Nase, kleiner Mund, gute Zähne, auf der Stirne eine kleine Narbe, von einem Fall herrührend. Der Entführer ist ein jüngerer Mann, mittelgroß, mit schwarzem Haar, braunem Gesicht, kleinem Schnurbart, er war bekleidet mit langem dunklem Rock oder Mantel, braunen Hosen und weißem Strohhut mit schwarzem Bande und soll das Aussehen eines Seiltänzers oder Zigeuners haben. 300 Franken sind auf die Entdeckung und Wiedererlangung des lebenden Kindes ausgesetzt.

London, 24. August. sDurch die Zeitung.) Vor ungefähr drei Monaten brachten, wie dieW. A. Z." berichtet, mehrere Journale ein Inserat, nach welchem einjunger solider Mann, mit einem Jahreseinkommen von 600 Pfund Sterling, ein schönes und wohlerzogenes Mädchen zu heirathcn wünsche. Vermögen verlange man nicht, wohl aber eine Photographie". Die 26jährige Musiklehrerin Maud Thompson ließ sich mit dem Antragsteller in eine Eorrespondenz ein, sie sandte demselben ihr Eabinet-Portrait und erhielt als Antwort einen Diamantring, begleitet von einem Schreiben, in welchem siezärtlich geliebte Braut" titulirt wurde. Die Elavierlehrerin bekam jede Woche eine Anzahl Briefe und diverse schöne Geschenke. Ihr Bräutigam theilte ihr mit, welche Wohnung er für sie gemiethel, was er an Einrichtung gekauft, der Hochzeitstag war bestimmt, die Elavierlehrerin, welche sich überselig fühlte, von ihrem schweren Beruf erlöst zu sein, hatte nur einen Grund zur Klage und dieser bestand darin, daß ihr Bräutigam von keiner persönlichen Begegnung sprach, ja, selbst ihre Bitte um ein Portrait mit der folgenden scherzhaften Antwort abwies:Mein Liebling, ich bin groß und stark, habe schwarze Augen und weiße Zähne und habe ein Herz in der Brust, das zärtlich für Dich schlägt". Die Tante der Miß Maud tröstete -sie, indem sie sagte, daß die Ehen in fürstlichen Häusern unter den gleichen Beding­ungen geschlossen würden, und am 5. August machte sich Miß Thompson in Begleitung ihrer Tante auf den Weg nach Chelsea, um daselbst ihre Hochzeit mit Mr. Longchamp, dem mysteriösen Bräutigam, zu feiern. Ach, was derselbe über sich gesagt, war alles wahr! Dennoch aber fiel die Braut bei seinem Anblick in Ohnmacht, denn ihr Bräutigam war ein ebenholzfarbener Mohr. Heute klagt sie gegen denselben und sagt, er habe ihre Existenz zerstört, indem sie der Heirath wegen sämmtliche Zög­linge im Stich gelassen. Erbittert rief Longchamp:Und Sie haben mein Leben zer­rüttet, ich liebe Sie und Sie stoßen mich zurück!" Auf das Zureden des Richters Mr. Butt kommt ein Ausgleich zu Stande, Longchamp überläßt der Braut die Ge­schenke, die er ihr gemacht, und gibt ihr noch eine Entschädigung von 100 Pfund Sterling. Beim Abschiede ruft ihr der Bräutigam noch zu:Sie verschmähen einen Mann mit schwarzem Gesichte, möge Sie das rächende Schicksal an einen Mann mit schwarzem Herzen fetten." Die Tante betrachtet den Ausgang des Processes mit großer Betrübniß und äußerte laut mehrmals, daß sie viel lieber die Gattin eines schwarzen Mannes als Lehrerin weißer Kinder sein wollte.

sTriftige Ehescheidungsgründe.) Eine Newyorker Dame, Frau Slade, hat aus folgenden Gründen einen Ehescheidungsproceß gegen ihren Gatten eingeleitet: 1. weil sie, als mit Kurzsichtigkeit behaftet, nicht genau habe wissen können, was für ein Mann Herr Slave sei und daß sie erst nach der Heirath gesehen habe, daß ihr Gemahl eine Warze auf der Nase habe; 2. weil er während des Schlafes schnarche, was sie am Schlafe hindere; 3. weil Herr Slade seit dem Tage, als sie Heiratbeten, ihr keine Zärtlichkeit erwiesen, und 4. weil sie einen anderen Mann heirathen wolle.

sDer hölzerne General.) Im Anfänge des 18. Jahrhunderts waren die Portugiesen in großer Verlegenheit, wen sie als Feldherrn an die Spitze der Truppen stellen sollten. Um recht sicher zu gehen, wählte man den heiligen Antonius. Man ließ ihn in aller Geschwindigkeit von unten auf bienen, indem man dem hölzernen Heiligen heute einen Soldatenrock, morgen einen Unterosficiersrock, den folgenden Tag eine Officiersuniform anzog und ihn so in ungefähr 8 Tagen zum Generalfeldmarschall erhob. Man setzte ihn dann in eine Sänfte, trug ihn voran und die Soldaten folgten mit unglaublichem Muthe hinterdrein. Nach einigen Märschen lagerte sich das Heer unterhalb Badajoz am Ufer des Guadiana. Der Herzog von Berwick stand am jen­seitigen Ufer und begrüßte die Feinde mit einigen Kanonenschüssen. Am anderen Morgen meldeten die Vorposten dem Herzoge, der Feind habe sein Lager verlassen und sei in vollem Rückzüge. Von Gefangenen erfuhr derselbe dann später, daß der erste Kannonenschuß dem heiligen Antonius den Kopf abgerissen und dadurch sei die ganze Armee augenblicklich zum Rückzüge bestimmt worden.

Aus Hagen berichtet dieElberf. Ztg." folgende putzige Geschichte: Wir Hagener hatten in letzter Zeit viel Grund, uns zu amüsiren oder zu ärgern. Unsere Stadtverwaltung wird dem bisherigen lichtspendenden Dessau'schen Gasunternehmen Concurrenz machen. Die Leitungen sind jetzt gelegt, nur die Gasanstalt selbst ist noch

nicht fertig gestellt. Plötzlich spenden die städtischen Rohre auch Erleuchtuna <e,n t vögel unter den Arbeitern müssen wohl irgendwo die Occhselhäuser'schen den städtischen verbunden haben aber wo?Es weiß und räth es doch Wohl ober Übel muß sich die Stadl demnächst auf die Suche begeben unb imUr Straßen aufreißen. *crc

sHochzeitsaufschub in China.) Die neueste chinesische Post überbrinat hi, Meldung, daß die Vermählung des Kaisers von China wegen seiner mißlichen heit und der leeren Staatskasse um zwei Jahre verschoben wurde.

sVerständnißvoll.) Frau:Sie machen sich keinen Begriff, Herr Doeing was ich auszustehen habe. Mein Mann ist feit einiger Zeit so aufgeregt. Wob-r mag das wohl kommen?" Doctor:Hm, hm! Sagen Sie mal, ist vielleicht Frau Mama zum Besuch da?" ^rc

sAuch ein Wild.)Warum sind Sie denn beute gar so unrubia Schmidt?"Ja, wissen Sie, ich habe immer solche Angst, wenn mein Mann der Jagd ist."Sie meinen, es könnt mitm Schießen was passiven?" Ach»,^ mit den Bauernmädchen." . " w n,

[Unfehlbar.] Eine erfahrene Hausfrau bestand daraus, daß das beste Mittel

gegen knarrende Küchenthüren wäre, ein Mädchen zu miethen, das einen Sckak Stimmt's? 9 9aDr*

Hauptmann: Gnädiges Fräulein, wir kennen uns zwar erst kurze Rett trotzdem möchte ich Sie dringend um einen Kuß bitten. Fräulein: Aber verzeihen Sie, Herr Hauptmann, das ist denn doch--Hauptmann (unterbrechend): WoNen

Sie oder wollen Sie nicht? Ich bitte um kurzen Bescheid! Fräulein: Nun von Nicht wollen kann natürlich gar nicht die Rede sein, aber die Kühnheit empört mich!

sDie Concurrenz bei Gastwirthe.) Wirth eines Gasthauses in einem Bade­orte: Herr v. Schnitzelberger, wohnen thun S' bei mir, aber zum Mittagsessen geh'n S' zumgolbenen Faß" gegenüber . . . bös is aber nlt schön von an Herrn Studenten wie (an! Sckmihelberger: Aber verehrtester Herr Wirth, beimgoldenen bleib ich ja Alles schuldig! Wirth (schmunzelnd): Ah so! Das ist was anderes' Dann lassen S' Ihnen iiit stören!

Tchiff-nachrichteu.

Bremen, 26. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdamyser Saale, Capt. H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. August von Bremen und am 18. August von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Landwirthschaftliche Nachrichten.

[2Binterblumen.) In den Pflanzen, die sich für einen Winterflor eignen herrscht im Allgemeinen trotz der vielen neuen Einführungen keine große Abwechslung'. Um so mehr ist es zu bedauern, daß so manche dankbare Art nicht mehr kultivirt wird und schließlich in Vergessenheit geräth. Eine solche Gattung sind die OraUs-Arten, Verwandte unseres Sauerklees, auf die wir heute die Gärtner und Gartenfreunde auf! merksam machen. Die für die Wintercultur geeignetsten Arten sind Oxalis Bowiei (Blüthenschaft 30 Ctm. hoch, an jedem Schaft bis 10 rosenrothe Blüthen), Oxab's versioolor (Blüthe weiß, mit roth geränderten Blumenblättern), Oxalis purpurea Jacq. Um aus diesen einen schönen Winterflor zu ziehen, pflanzt man Ende August und Anfang September die Knollen ober Zwiebeln in Töpfe, bie oben ungefähr 12 Ctm. weit sind. Zur Cultur eignet sich am besten ein Gemisch von drei Theilen Rosenerde, einem Theil groben Sandes mit etwas Holzkohlenstückchen untermengt. Die Töpfe werden in einen kalten Kasten gestellt, nur mäßig begossen bis die Blätter sich zeigen, dann aber reichlich bewässert. Wenn sich die Blüthenknospen beginnen zu zeigen, kann man die Töpfe in's Zimmer nehmen, der Blüthenflor entwickelt sich dann sehr schön. Gärtner können die Töpfe sowohl im Kalthause wie im Warmhause möglichst dicht unter dem Glase aufstellen.

Haudei und Verkehr.

Grünberg, 27. August. (Fruchtpreise.) Wetzend 17.00, tom X 13.40, Gerste A 00.00, Hafer 10.90, Erbsen A 00.00, Linsen XL 22.00, Lein X 00.00, Samen Xl 21.40, Kartoffeln A 0.00, Wicken 00.00.

Frankfurt, 27. August. Auf dem heutigen Markt kosteten: Kartoffeln per Maltor A 0.00-0.00, das Gescheit» 12-15 Eier das Hundert A 5.00-7.00, das St. 46 Butter im Großen A 00.0000.00, im Detail das Pfund X 1.10 bis 1.20, Weißkraut per Stück 15-20 Rothkraut per Stück 25-30 Kohlrabi per Stück 34 Ochsenfleisch per Pfund 7000 H, Kuh- it Rindfleisch 45-60 X Kalbfleisch 4055 H, Schweinefleisch 6575 H, Hammelfleisch 5065 H, 1 Hahn A 0.701.50, 1 Huhn A 1.002.50, 1 Ente A 2.00-3.50, Gans Pfund 50-70 4 1 Taube 35-00 H, Welsche A 12 0000.00. _

Repertoir der vereinigten Stadttheater ;u Franksnrt a. M.

Opernhaus.

Dienstag den 30. August: Fidelio. Große Preise. r .,

Mittwoch den 31.August: Tannhäuser. Außer Abonnement. Große Preise Donnerstag den 1. September: Tell. Große Preise.

Freitag den 2. September: Carmen. Außer Abonnement. Große Preise.

Samstag den 3. September: Lohengrin. (Lohengrin: Herr de Grach ai Antrittspartie.) Große Preise.

Sonntag den 4. September: Mignon. Große Preise.

Schauspielhaus.

Dienstag den 30. August: Neu einstudirt: Bürgerlich und romantisÄ (Katharina v. Rosen: Frau Schönfeld als Gast.) Hierauf: Ein beltcater vun trag. Große Preise. ,, ,AWimw1

Mittwoch den 31. August: Vorletztes Auftreten des Fräulein Klinghamm Die Grille. Große Preise.

Donnerstag den 1. September: Abschiedsvorstellung des Fräulein Klmghamm Dorf und Stadt. Außer Abonnement. Große Preise.

Freitag den 2. September: Neu einstudirt: Sappho. (Sappho: üra

Kathi Frank als Antrittsrolle.) Große Preise. (Moraiifi

Samstag den 3. September: Bürgerlich und romantisch. V

Atzemer und sein Sohn. Große Preise. c . zurD&a

Sonntag den 4. September: Neu einstudirt: Schach dem König-

Preise.

Wärmegrade der Lahn und der Luft

nach Reaumur gemessen am 29. August, Mittags zwischen 11 und 12 or Wasser I6V2 Grad, Luft im Schatten 17 Grad.

L. Chr.

Allgemeiner Anzeiger.

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Nachdem nunmehr das August Mendelsohn'sche Haus verkauft und baldigst zu überliefern ist, sollen die noch

worriithigen Haare»

. noch billiger -

als seither abgegeben werden. 5732

Der Vormund: August Schleffinger.

Bingen « Bh»

Hotel zum deutschen Haus.

Vollständig neu hergerichtet.

Bei mässigen Preisen gute und reelle Bedienung. Reine euM

4952. Weber, Weinhandlung.