Paris, 26- Juli. Die Regierung beschloß, der Kammer nach deren Wieder- zusammenlrilt ein Gesetz, betreffend die Beendigung der großen Arbeiten an der Seine in Havre, vorzulegen. Die Kosten hierfür betragen 100 Millionen Francs, welche von der Handelskammer Havre beschafft oder vorgestreckt werden sollen.
— Nach Anordnung der Regierung soll das Theater „Gatte" provisorisch der Komischen Oper zur Benutzung überwiesen werden.
Petersburg, 26. Juli. Heute Mittag fand im Beisein des Kaiserpaares auf der hiesigen Marinewerft der Stapellauf des Panzerschiffes „Alexander II." statt. Das Schiff faßt 8440 Tons, führt vierzehn schwere Geschütze, darunter zehn Hotchkis- fanonen. ___________________________
Gegen das Trinkgeld.
(Eine Reisepredigt.)
Ein Deutsch-Amerikaner, welcher nach mehreren Jahrzehnten wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, hat sich jüngst über die in Deutschland inzwischen immer schlimmer gewordene Unsitte des Trinkgeldergebens bitter beschwert und versichert, daß ihm und vielen Amerikanern dadurch das Reisen in Deutschland ganz verleidet werde. In Amerika sei diese Unsitte fast überall verschwunden. Man würde dort selbst ein Dienstmädchen durch das Anerbieten eines Trinkgeldes beleidigen. Es seien ihm Fälle bekannt, daß sich Dienstmädchen bei ihrer Herrschaft über Gäste, welche Trinkgelder anqeboten, bitter beschwert hätten. Nur auf einer amerikanischen Eisenbahn sei das Trinkgeldgeben an Schaffner und andere Angestellte noch üblich gewesen. Darüber habe sich jedoch das Publikum und die amerikanische Presse so beklagt, daß die betr. Eisenbahngesellschaft kürzlich unter Erhöhung der Gehalte und Löhne der Angestellten das Trinkgeldnehmen streng untersagt und auch das Aufhören der Unsitte dadurch bewirkt habe.
Die Sitte des Trinkgeldgebens an Kellner haben wir Deutschen von den Franzosen und Oesterreichern angenommen. Die Engländer und Amerikaner sind darüber meist empört und halten das Trinkgeld für eine Herabwürdigung des Trinkgeld- nehiners. Im Grunde ist es auch eine Beleidigung des Wirthes und Gastgebers, von dem man doch voraussetzen sollte, daß er seine Angestellten anständig bezahlt und nicht auf Trinkgelder vertröstet. Unser wirthschaftltches Leben wird durch den Grundsatz von „Leistung und Gegenleistung" beherrscht. Der Wirth leistet dem Gaste Speisen und Getränke, Raum und Bedienung und der Gast har die Speisen und Getränke mit einem Aufschlag für Mitgewährung von Raum und Bedienung zu bezahlen. Das Trinkgeld verstößt ganz gegen den sonst doch überall herrschend werdenden Grundsatz der festen Preise. Wo der Kellner auf Trinkgeld angewiesen ist, wird dem Gaste ein in's Belieben gestellter Zuschlag zugemuthet. Kellner und Gast werden einer ganz unsicheren willkürlichen Abschätzung unterworfen. Nicht Verdienst und Leistung, sondern Zufall, Laune und oft auch Zudringlichkeit und noch andere Nebenrücksichten entscheiden. In den ganzen Reise- und Wirthshausverkehr wird durch das Trinkgeld unendlich viel Aerger und Verdruß hineingetragen, und es ist unbegreiflich, daß die Wirthe nicht schon lange in ihrem eigenen Interesse das Trinkgeld in ihren Gasthöfen und Lokalen durch würdige Besoldung oder Gewinnbetheiligung ihrer Kellner und Dienstboten abgeschafft haben. Alle unwürdigen Zumuthungen und Zurücksetzungen würden dadurch aufhören. Der Kellner würde die allgemeine Rücksicht auf seinen Beruf und auf seine Pflicht zur Richtschnur seines Handelns nehmen müssen und nicht die korrumpirende Spekulation auf zufällige Trinkgelder, welche so oft getäuscht wird und eine ganz falsche, unlautere, ungerechte Behandlung und Bezahlung des so wichtig gewordenen Kellnerstandes zur Folge hat.
Dreierlei Vereine werden hoffentlich die Abschaffung der Trinkgelder bewirken: Vereine der Kellner, Vereine der Gasthofs- und Schankbesitzer und Vereine von Reisenden und Wtrthshausbesuchern. Die deutsche Presse kann der Agitation gegen das Trinkgeld ebenfalls wesentlich nutzen und sie wird damit ein patriotisches Werk thun. Ein Deutschland ohne Trinkgelder wird ein größerer Anziehungspunkt für Fremde werden und wir Deutschen werden uns gegenseitig im öffentlichen Verkehr viel Aerger und übermüthiges Benehmen bei Gebern und Nehmern von Trinkgeld ersparen.
Es bestehen gegenwärtig schon mehrere Vereinigungen zu diesem Zwecke. Die von denselben seit mehreren Jahren betriebene Agitation zur Hebung des Kellnergewerbes namentlich durch Regelung des Einkommens der Gasthofbediensteten und Abschaffung der Trinkgelder scheint immer mehr Boden zu gewinnen. Der „Berliner Verkehrs-Verein" z. B. hat jetzt unter dem Titel „Gegen das Trinkgeld" ein alphabetisches Verzeichniß von Gasthäusern der meistbesuchten europäischen Städte und Ortschaften, mit besonderer Berücksichtigung aller Verkehrspunkte, Kurorte rc. in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz herausgegeben. In diesem sind mehrere Hundert Hotels, die sich den Reformvorschlägen des Vereins anschlossen, mit * bezeichnet, auch Preise für Zimmer, Mittagessen, Pension rc. angegeben, was in sehr willkommener Weise eine vorläufige Berechnung der ungefähren Reisekosten erleichtert. Nur der Hausdiener ist für Leistungen zu entschädigen. — Das Büchlein ist für 30 $ von A. Kießling in Berlin S, Brandenburgerstraße 64, zu beziehen.
Univerfitäts - Ghronik.
Marburg, 24. Juli. Heute fand die Wahl des Rectors unserer Universität für das Amtsjahr vom 15. October 1887 bis dahin 1888 statt. Gewählt wurde der Dr. phil. Herr Professor Ferdinand Justi, Lehrer der vergleichenden Grammatik und germanischen Philologie. Derselbe ist ein geborener Marburger.
— vr. Theodor Ziehen, Hausarzt derLandes-Jrrenhetlanstalt in Jena, hat sich in der medtcinischen Fakultät der dortigen Universität mit einer Dissertation über „Sphygmographtsche Untersuchungen an Geisteskranken" habilitirt.
— Der National - Oekonom Dr. Lujo Brentano, ordentlicher Professor in Straßburg, hat einen Ruf nach Wien erhallen, sich jedoch noch nicht für Annahme desselben entschieden.
Berlin, 26. Juli. Professor Schm oller hat den von der Universität Wien an ihn ergangenen Ruf abgelehnt.
Lokale-.
Gießen, 26. Juli. Am Freitag Abend gegen 10 Uhr traf bei dem Gewitter ein Blitzstrahl eine der höchsten Eichen im Philosophenwalde in der Nähe der Leib- schen Wirthschaft. Hoch interessant ist es zu beobachten, wie der Strahl vom Wipfel bis zur Wurzel an dem Baume herunterfuhr, einen daumendicken Spahn aus demselben herausretßend, als wenn solches mit einem Metsel geschehen. Herr Leib im Philosophenwald hat die Freundlichkeit, seinen Gästen diesen Baum zu zeigen. Auch dürfte für die Herren Lehrer die Gelegenheit eine günstige zu nennen sein, an diesem Objekt die ungeheure Gewalt eines Blitzstrahls ad ooulos ihren Schülern zu zeigen.
BrrratfchteS.
A Mainz, 26. Juli. Der Senior unseres Stadtverordneten - Collegiums, Professor Dr. Vogel, feiert heute sein 50jähriges Doctorjubiläum. Nicht nur Schüler und Zöglinge des sowohl als Mensch wie als Gelehrter hochgeschätzten Mannes brachten aus diesem Anlaß Dr. Vogel ihre Glückwünsche dar, sondern das ganze officielle Mainz wetteifert, zuerst als Gratulant bei dem greisen Gelehrten vorzusprechen. An der Spitze der Gratulanten standen der Bürgermeister mit den Beigeordneten, Bischof Haffner, Vertreter des Domkapitels, die meisten Stadtverordneten und sämmtltche noch lebende Lehrcollegen des Jubilars. Die philosophische Fakultät in Gießen, bei welcher Professor Vogel die Doctorwürde erlangte, übersandte Glückwünsche und erneuerte zugleich das Doctordiplom.
A Aus Rheinhessen, 26. Juli, lieber das Vermögen des vor Kurzem flüchtig gegangenen Stattonsgehilfen von Alzey ist auf Antrag der Gläubiger Concurs verhängt worden. Der inzwischen zurückgekehrte Beamte ist von der Verwaltung der Ludwigsbahn an die Güterexpedttton nach Sachsenhausen versetzt worden.
In Mainz wurde gestern ein Schneider wegen Bigamie verhaftet. Derselbe ist schon eine lange Reihe von Jahren mit der Zweiten verhetrathet, bis endlich vor einigen Tagen aus seinem Heimathlande Sachsen ältere Eheansprüche erhoben wurden.
— Man berichtet von der Elbe: „Im Beisein mehrerer Techniker, Sachverständiger und höherer Beamten veranstalteten die auf Steinwärder wohnhaften Ge-
— sBierprüfungen einst und jetzig Wenn zu unserer Altvordern 3e,ftcn,^ Brauer oder ein mit Braugerechtigkeit ausgestatteter Bürger ein neues Gebräu h l hatte und mit dem Ausstoß desselben beginnen wollte, dann hatte er jedesmal a ehrsamen Rathe der Stadt Anzeige davon zu machen. Alsbald erschien, unter Fuy Nh
Heute Vormittag öerlow i i uü raris. Ein junger WW Dieselbe behauptete, sie habe
Frankfurt a. M., 24. Juli. sUnangenehm.^j U- Steinweg eine vornehm aussehende Dame einen Cal de Paris, hob denselben auf und trug ihn der Dame nach. ,»
Ding nicht verloren. Der Finder erklärte jedoch unter dem Gelächter der Mng c » habe den Cul fallen sehen, sie solle ihn nur nehmen. In ihrer Verzweiflung eilt*®» Dame nach einer Droschke und fuhr davon.
brüder Lüders eine Probefahrt mit der erst kürzlich in der t
Schiffswerste von I. Reck auf Steinwärder erbauten, lediglich durck unbc Bewegung gesetzten Barkasse „Elektra". Das elegante Boot, welches ^rtzital inr Sitzplätzen versehen, Raum für 41 Passagiere bietet, hat eine Länae vön^ ^Memenr Brette von 9 Fuß und mitschiffs einen Tiefgang von 2,5 Fuß nmhrpnh eins Tiefgang 2,6 Fuß beträgt. Die Einrichtung für den electrischen Betrieb mer b nJcr® Ingenieur I. L. Huber in Hamburg geliefert und besteht aus mehreren Sitzbänken angebrachten Akkumulatoren, in welchen die zum Betriebe notbm-n^ bem trizität für eine fünfstündige Fahrtdauer ausgespetchert und nach Belieben Elek. werden kann. Die Speisung der Akkumulatoren geschieht jedesmal nnr durch eine an Land befindliche Dampf- und Dynamomaschine. Die Probesab^^,^'^ zur allgemeinen Zufriedenheit sämmtlicher Betheiligten; das graziöse wegte sich behend und geräuschlos durch das Wasser uni) schließt dabei was unterschätzen ist, jegliche Gefahr einer Explosion oder dergleichen absolui aus." iu
— sNeunter deutscher Turntag zu Coburgs Am verflossenen Dienste = Mittwoch tagten in unserer Stadt 259 Vertreter aus allen deutschen und österreichischen Turngauen behufs Abhaltung des neunten deutschen Turntaaes ov^ Stadt war reich beflaggt und bereitete den Turnern einen recht herzlichen * Am Montag Abend war gemüthliches Zusammensein in dem Garten der brauerei, wobei der Vorsitzende der hiesigen Turnerschaft, Herr Leuthäuser die geordneten an die historische Bedeutung Coburgs für das deutsche Turnwefen'erfi^ — es wurde hier im Jahre 1860 das erste deutsche Turnfest abgehalten — her?? begrüßte, wechselnd mit Ansprachen von Langer-Biberach, Kallenberg-Stuttgart £, ■ Eßlingen und prachtvollen Chören des Männergesangvereins. Der Turntag w, ? am Dienstag Vormittag um 91/« Uhr von dem Vorsitzenden der deutschen Turners2 Herrn Rechtsanwalt Theodor Georgi-Eßlingen, der die ganzen Verhandlungen fit eröffnet. Im Namen der Stadt begrüßte Herr Oberbürgermeister Muther die Turne!'' Nachdem alsdann die einzelnen Abgeordneten verlesen waren, erstattete der (MetoiE führer Dr. Götz den Jahresbericht, der fast nur höchst Erfreuliches enthielt % £ Kasse der deutschen Turnerschaft befanden sich am 18. d. M. 17118 41 1 sF
Stiftung für die Errichtung deutscher Turnstätten enthält einen Capitalstock «« 18 217 JL 10 H. Die Abrechnung wurde von Hoppe-Berlin, Bock-Frankfurt a M und Kietzlich-Prag geprüft, richtig befunden und dem Geschäftsführer dieserhalb Sn* lastung ertheill. Der seitherige erste Vorsitzende der deutschen Turnerschaft ßL"' hatte eine Wiederwahl abgelehnt; in Anerkennung seiner ungeheuer großen Perdünsy in einem Zeitraum von 27 Jahren um das deutsche Turnwesen wurde er einftimm a zum Ehren-Vorsitzenden ernannt. An seine Stelle wurde durch Zuruf Herr ftirpcd Alfred Maul in Karlsruhe gewählt und als Geschäftsführer Herr Dr. Ferdinand Gök aus Lindenau-Leipzig. Zu Beisitzern in den deutschen Ausschuß wurden Schmidl- Berlin, Zeitler-Chemnitz und Schmidt-Bonn gewählt. Als Kampfrichter für das Münchener deutsche Turnfest im Jahre 1889 gingen aus der Wahl hervor: Anaerftein- Berlin, Weber-München, Wüst-Tübingen, Hausmann-Weimar, Lion-Leipzig, Frohbera- Dresden, Leuenberg-Berlin, Buley-Linz, Puritz-Hannover und Dr. Euler-Berlin. £ wurde beschlossen: Vereine, welche mit den Beiträgen zwei Jahre im Rückstand bleiben und gegen die Gesetze des Gaues, des Kreises und der deutschen Turnerschaft verstoßen, können von dem betreffenden Kreisausschuß aus der deutschen Turnerschaft ausgeschlossen werden. Von jetzt ab wird auf 100 steuerzahlende Mitglieder ein Abgeordneter zum deutfchen Turntag gewählt. Vereine von 750 Mitgliedern und darüber haben das Recht, einen eigenen Abgeordneten zu wählen, jedoch wird deren Zahl an der Zahl des Kreises in Abzug gebracht. Die Steuern zur Kasse der deutschen Turnei- schaft müssen bis zum 1. Juli entrichtet sein. Der Antrag des Vorsitzenden, anstatt 4 Pfennige 5 Pfennige zu erheben und den fünften für die Errichtung der Turnstältm zu verwenden, wurde zurückgezogen. Ferner war beantragt worden, die 12 besten Musterriegen eines deutschen Turnfestes durch Diplome auszuzeichnen, derselbe sand aber nicht die Genehmigung des Turntages. Wer bei einem deutschen Turnfest fi$ am Ringen beteiligen will, muß beim Wettturnen mindestens 25 Punkte erlangt haben. Für die Folge geschieht der Stabhochsprung wieder ohne Sprungbrett, auch werden jetzt bei allen volkstümlichen Uebungsarten halbe Punkte gewerthet. Tci deutsche Ausschuß wurde beauftragt, an die zuständigen Behörden das Bittgesuch zu richten, den Vereinen die miethssreie Mitbenutzung der Schulturnhallen zu gestaltm. Sodann wurde noch beschlossen, die Turner möchten sich so viel als nur mögliH deutscher Ausdrücke bedienen und Fremdwörter thunlichft vermeiden, die Schriflleilunr der „Deutschen Turnzeitung" möge dasselbe tun. Die ganzen Verhandlungen air beiden Tagen währten ca. 14 Stunden. Von den Abgeordneten des Mitlelrhüns warm erschienen: Rothermel-Darmftadt, Demuth-Gießen, Geibel-Kesselstadt, Wchaur- St. Johann, Thierolf-Darmstadt, Pöpperling-Mainz, Bock-Frankfurt, Schmidr-Fiand surt, Knöcher-Kreuznach, Stahl-Offenbach, Jffland-Eltville, Roth-Bockenheim, Heivecker- Wiesdaden und Uhl-Gießen.
Am Dienstag Abend um 7 Uhr führten die drei hiesigen Turnvereine auf bei Anger ein großes und wohlgelungenes Schauturnen aus, nach dessen Beendigung ba Abgeordneten unter der Leitung des Kreisoertreters Bier-Dresden sich als praklisch Turner zeigten, indem sie Freiübungen Vornahmen. Ein Sonderzug brachte die Al- geordneten und Bürger am Mittwoch um 4 Uhr nach Schloß Rosenau, von wo an5 um 7 Uhr auf die Veste Coburg marschirt wurde, woselbst das Abschiedsfest ftattfan). Ein Theil der Abgeordneten reifte am Donnerstag ab, ein Th eil machte einen Ansslcg nach Kloster Vierzehn-Heiligen und Schloß Branz. Wohl befriedigt über den Verlars der Verhandlungen und ebensowohl befriedigt über das Entgegenkommen der Mrg«- schaft Coburgs haben die Herren Abgeordneten unserer Stadt Lebewohl gesagt, die hn verlebten Tage sicherlich nicht vergessend. (O. Z.)
— sWindhose auf dem RheinZ Die „K. Z." berichtet unterm 23. Juli: 5i< Passagiere des gestern Abend zu Thal fahrenden Halbsalondampfers „Hohenzollm* haben eine große Gefahr bestanden. Zwischen Bonn und Widdig entlud sich flt(P 9 Uhr ein furchtbares Gewitter mit strömendem Regen. Um den vielen auf D.k befindlichen Passagieren Schutz zu bieten, hatte der Capitan Castor einen Theil bs Sonnenzeltes ausspannen lassen. Der Rhein war vollständig ruhig. Plötzlich W-< der „Hohenzollern" von einer orkanartigen Windhose erfaßt, das Schiff krachte in ato Fugen und wurde durch die Gewalt des Windes gedreht und zur Seite geneigt. D? hierdurch unter den Passagieren eine furchtbare Angst entstand, ist felbfiöeiftänblt- Tifche, Stühle, Gläser, Lichter und die auf ersteren stehenden Speisen flogen zu oder wurden in den Rhein geschleudert. Es galt nun, die Passagiere von Deck in U Kajüten zu schaffen und den umsichtigen beruhigenden Worten des Capitäns Cat: und des Steuermannes Schelaski gelang dies schließlich, wenn auch mit vieler Mi* Auf der Treppe entstand in dem Dunkeln ein Gedränge von den nach Deck ftrömeroh Passagieren. Die Maschine arbeitete mit vollster Kraft gegen das Unwetter und 2 durch wurde ein schlimmeres Unglück vermieden. Nach langen bangen AugendlU i neigte sich das Schiff wieder zurück. Es wurde Anker geworfen und in den b.ajüu war schon wieder von den Insassen Licht angezündet worden. Verschiedene Fahrgih! ließen sich in Nachen an's Ufer fetzen, um in Widdig oder anderen Orten zu Ü l^ nachten. Der Capitän liefe, nachdem sich das Unwetter gelegt hatte, das Schift n® Widdig zurückfahren und ging dort vor Anker. Verschiedene eiserne Stangen, das Sonnenzelt hielten, waren gebogen und umgebrochen; auch die Traglatte des Zeü« brach ab. Nach Verlauf etwa einer Stunde setzte sich das Schiff wieder in BewM8 und fuhr nach Köln. Allen Betheiligten wird die Fahrt unvergeßlich fein; es iß Umsicht des Capttäns und feiner Leute zu danken, daß kein Menschenleben zu gegangen und Niemand verletzt wurde. Die Beschädigungen sind indessen bei nicht so erheblich, wie es auf die Passagiere den Eindruck machte und bereits wuc« ausgebessert, so daß das Schiff heute ^kachmittag um 4 Uhr seine Bergfahrt rvn*1 antreten kann.


