die durch ihre Häufigkeit verminderte Wichtigkeit der Ausstellungen und die Kostspieligkeit für die Betheiligung der Staaten hin; die Regierung habe deshalb beschlossen, fich an der Pariser Ausstellung ihrerseits nicht zu betheiligen, wovon die französische Regierung freundschaftlich verständigt worden sei. Einzelnen Unternehmern stehe eine Betheiligung frei, und würden dieselben, so weit dies ohne materielle Opfer möglich sei, die Protection der Regierung genießen. Die Antwort wird zur Kenntniß des Hauses genommen.
Italien.
Nom, 23. Mai. Wie verlautet, werden in dem morgen stattfindenden Konfistortum Monfignore Pallotti und Pater Bansa zu Kardtnälen, der neue Münchener Nuntius Ruffo Scilla zum Erzbischof in parlibus von Pietra, und der neue Wiener Nuntius Galimbert zum Erzbischof in parlibus von Nikäa ernannt werden.
Reichstag.
P. Berlin, 23. Mat 1887.
(34. Sitzung.)
Die internationale Literarconvention wird in dritter, die Declaration zum internationalen Vertrag zum Schutze der unterseeischen Telegraphenkabel in Verbindung mit dem Gesetzentwurf zur Ausführung dieses Vertrags wird in erster und zweiter Berathung debattelos angenommen.
Es folgt die zweite Berathung der Novelle zum Quartierleistungsgesetz, sowie zum Gesetz betr. die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden. (Referent: Abg. Baurschmidt.)
Abg. Rintelen (Centr.) wendet sich gegen die in S 7 enthaltene Bestimmung, wonach die Feststellung aller durch die Benutzung von Grundstücken zu Truppenübungen 2C. entstehenden Schäden, sofern über den Betrag eine Einigung nicht stattfindet, endgültig unter Ausschluß des Rechtsweges auf Grund sachverständiger Schätzung erfolgen soll.
Staatssecretär v. Bötticher erklärt, daß es sich bei dieser Bestimmung lediglich um die Feststellung der Höhe der Entschädigung handle. Im Uebrtgen soll der Rechtsweg nicht ausgeschlossen sein.
Abg. v. Köller (cons.) meint gleichfalls, daß die Frage, wer den Schaden zu tragen habe, durch diesen § 7 gar nicht berührt werde. Die Feststellung der Höhe des Schadens müsse unter Ausschluß des Rechtsweges erfolgen, da diese Feststellung unmittelbar nach der Beschädigung erfolgen müsse.
Die Vorlage wird hierauf in der Commissionsfassung angenommen.
Die Novelle zum Nahrungsmittelgesetz wird in erster Lesung debattelos erledigt. Verweisung an eine Commission wird nicht beliebt. Die zweite Berathung findet somit demnächst direct im Plenum statt.
Es folgen Wahlprüfungen.
Die Wahl des Abg. Dr. Reinhold (3. Arnsberg) wird beanstandet.
Die Wahlen der Abgg. Sabor (6. Wiesbaden), Günther (8. Merseburg), Brauer (8. Frankfurt a. O.), Leuschner (17. Sachsen), Lüders (9. Liegnitz) und v. Arnswaldt-Hardenbeftel (6. Hannover) werden einfach für gültig erklärt.
Die Wahlen der Abgg. Rickert (8. Potsdam), Schrader (3. Danzig), Ku le mann (3. Braunschweig), Dr. Drahna (Sondershausen), Fieser (10. Baden) und Lerche (1. Erfurt) werden gleichfalls für gültig erklärt, doch wird gleichzeitig die Anstellung von Erhebungen über in den Wahlprotestcn behauptete Thatsachen beantragt.
Morgen 1 Uhr: Rechnungssachen, Unfallversicherung für Bauarbeiter.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenr - Bureau.
Berlin, 23. Mai. Die Branntweinsteuer - Commission wählte Gamp zum Berichterstatter im Plenum und beschloß, die Nachsteuer unter Zurückziehung des Beschlusses auf Ausschluß der Oeffentlichkeit in der ersten Sitzung nach den Ferien zu berathen.
— Die Branntweinsteuer - Commission berieth die der Subcommission überwiesenen Paragraphen, nahm S 10 mit dem von der Regierung bekämpften Amendement Buhl an, wonach es dem Bundesrathe zusteht, ob und unter welchen Bestimmungen für den im freien Verkehr zwecks Eonsums weiter bearbeiteten Branntwein eine Rückvergütung einer niedrigeren Verbrauchsabgabe bis zu 5 pCt. für Schwund zu gewähren, ferner wurde S 18 mit dem Antrag, daß in den Fällen der SS 16 und 17, wenn Defraudation nicht stattfand oder nicht beabsichtigt war, nur eine Ordnungsstrafe eintreten solle, angenommen; ebenso § 25 und folgende mit den Amendements der Subcommission, daß der Brennereibesitzer nur dann strafbar sei, wenn die Defraudation mit seinem Wissen und Willen verübt wurde, ferner, daß der Höchstbetrag der Geldstrafe 10,000 JL nicht übersteigen dürfe und daß die Bestimmung der Gewerbeordnung wonach der Kleinhandel mit Branntwein von einer Erlaubniß abhängig ist, für denVer- kauf amtlich denaturirten Branntweins nicht platzgreift; die übrigen Paragraphen wurden theils unverändert, theils mit unwesentlichen, vorwiegend redactioncllen Aende- rungen genehmigt.
Danzig, 23. Mai. Sechs Arbeiter, sämmtlich Familienväter, machten gestern Nachmittag von Neufahrwasser aus eine Vergnügungsfahrt mit einem Segelboot in die See. Das Boot schlug in Folge des Sturmes um und sämmtliche Insassen ertranken.
Pesth, 23. Mai. In Südungarn richten die austretenden Flüsse große Verheerungen an. Das Hochwasser steigt noch. Großwardein ist zum Thetle überschwemmt.
Teme-var, 24. Mai. Die Gegend zwischen Paracz und Czebza ist gänzlich überfluthet. Petromary ist vollständig überschwemmt. Viele Häuser sind etnaestürzt und die Einwohner geflüchtet. Der Ort Mazedonia hat stark gelitten, Czebja ist gänflich vernichtet. ö
Paris, 23. Mai. Bei der gestrigen Wahl eines Deputirten des Seine-Devarte- ments wurde Mesureur (radikal) mit 220,000 Stimmen gewählt; 38,500 Stimmzettel trugen den Namen Boulanger's, obgleich derselbe nicht kandidirte.
berufen" Morgenblättern zufolge wird Greoy heute Vormittag Floquet zu sich ~ daris, 23. Mai. Rouvier hatte gestern Nachmittag noch Besprechungen mit Fallidres, Spuller, Naquet und de Heredia. Eine „Havas"-Note sagt: Rouvier wenn « °uch di-Ausii-b-der Bildung des C-bin-ts abl-hn-, fo übernahm er -s doch 7uf Ansuchen Grevy's, die Elemente für ein solches zu suchen. Derselbe besuchte Abends uCllU Unterredungen mit, welche er mit hervorragenden politischen P-rs°nlichkciten gehabt, wonach es möglich sei, ein Eabinct,u bilden, worin die revu- blikanischcn Kräfte unter der Leitung eines politischen Mannes concentrirt wären welcher bereits den Dorsch in einem derartigen Eabinet innegehabt habe. Grevy dankte Rouvier und erklärte, die Sache überdenken zu wollen, um die Lösung der Krise >u beschleunigen. ' b jU
,, dariS 23. Mai. Grevy empfing heute Vormittag Duclerc. Floauet beaab sich bish-r nicht ,u Freycinet IN der Meinung, daß eine Cabinetsbildung mit Duclerc beabsichtigt sei, obwohl auf Veranlassung Grevy's eine Besprechung zwischen «[nanef und Freycmet bereits verabredet war. 9 3 ' ,tn Floquet
6,864,00Ö“fÄ. 6CUtC bCCnbCtC 93erfauf d-r Krondiamanten ergab insgesanimt London, 23. Mai. Unterhaus. Howell kündigt an, er werde die Slufmerf- famfcit beä auf d°n Bericht des Ausschusses über den angeblichen Mißbrauch öffentlicher Gelder Seitens des Londoner Municipalraths lenken und bcantraaen dos Verfahren des Letzteren zu mißbilligen. Bradlaugh will beantragen, auszusprechen daß gewisse Beamte des Londoner Municipalraths dle Privilegien des Parlaments oirle?! hätten. - Bei Berathung des zweiten Artikels der Irischen^StrafteMsbill kündch Smith an, die Regierung nehme das Amendement an, wonach Verbrechen welche un er das Gesetz gegen die irischen Whiteboys fallen, von der summarischen Jurisdiktion ausgeschlossen werden sollen.
Petersburg, 23. Mai. Das Kaiserpaar und die Großfürsten sind gestern in Gatschina eingetroffen.
Mons, 23. Mai. Im Borinage ist der Strike jetzt allgemein. Gegen 13,000 Arbeiter striken.
— Gestern wurde eine Dynamitpatrone in das Erdgeschoß des „Hotels du Commerce" in Lalouoiere geschleudert. Ein Oberstlieutenant und ein Arzt wurden verwundet. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. — Drei Männer bedrohten die Schtldwache bei dem Telephonbureau mit Thätltchkeiten. Die Schildwache gab Feuer und tödtete einen der Angreifer.
Lüttich, 23. Mai. In Seraing und Umgegend fanden heute Morgen Arbeitseinstellungen statt. In Seraing wurden Ansammlungen von Arbeitern durch die Gensdarmerie zerstreut.
Lokales.
Gießen, 24. Mai. sT he ater.) Auf Anregung hiesiger Kunstfreunde findet zu Anfang Juli ein Ensemble-Gastspiel Casseler Hofschauspieler in Gießen statt. Die hervorragendsten Künstler der Casseler Bühne geben alljährlich mit größtem Beifall einen Eyklus von Vorstellungen in unserer Nachbarstadt Marburg und das allgemeine Interesse, welches man diesen Darstellungen entgegenbringt, war die Veranlassung, die Künstler auf einen Abend für Gießen zu gewinnen.
Gießen, 24. Mai. In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurde an der Einfriedigung des neuen Schlachthofes ein Schloßdrückcr gewaltsam abgeschlagen. — Schade, daß dergleichen Rohheitsstreiche statt mit behaglicher Haft nicht mit nachhaltigerer Züchtigung geahndet werden!
— mimischen Vorträge und Zauberkünste der Herren Borsdorf und Joung finden bei ihren Zuhörern reichen Anklang; wir wollen daher auf die heute Abend auf Lony's Bierkeller stattsindende Soir6e Liebhaber derartiger Vorträge noch besonders aufmerksam machen.
Universttäts - Ghrouik.
Qrf Freiburg i. Br., 21. Mai. Der Professor der Anatomie, Geheimerath Alexander Ecker, ist gestern gestorben.
DerMifchteS.
Frankfurt a. M., 23. Mai. (Vom Blitz erschlagen.) Trotz der abnorm niedrigen Temperatur kam heute Nachmittag über uns ein Gewitter mit heftigem Hagel zum Ausbrauch, das sich zwar nur in wenigen schweren Schlägen entlud, deren letzter aber ein Todesbote war. Wohl Niemand der Anwohner des Friedberger Thores ließ es sich träumen, als dieser jähe Blitzstrahl herniederkrachte, daß er ein hoffnungsvolles junges Leben aus unserem Kreise abberufen hat. Ein auf dem Wege nach der Musterschule begriffener 15jähriger Schüler, der Sohn des im Geschäfte von Holzmann u. Comp. thätigen Ingenieurs Ullmicher, ist, nur wenige Schritte vom Halteplatz der Trambahn, unter der großen nach dem Weiher führenden Allee, am sechsten Bäume derselben, linker Hand, vom Blitz erschlagen worden. Der Schlag traf den Knaben der mit aufgespanntem Regenschirm, die Bücher unter dem Arm, sorglos dahinwanderte' am Kopfe, fuhr die linke Wange hinab, die Uhrkette entlang in die Uhr und so fon durch den Körper des Unglücklichen. Von Passanten aufgehoben, wurde die Leiche auf die nächste Bank getragen, worauf die Behörde und durch diese der Vater des jungen Menschen benachrichtigt wurde, der sofort auf die entsetzliche Nachricht von dem jähen Ende seines Sohnes herbeigeeilt kam. Jene kleine Bank auf der Promenade hat da eine herzzerreißende Scene mit angesehen. — Die Leiche ist nach dem Sachsenhäuser Friedhöfe überführt worden.
cm • 2b- Mai. SBir haben letzter Tage eine Skizze von den neuen
aRatnaerJjjafenanlaflen gebracht; im Anschluß hieran dürften folgende Angaben über die maschinellen Einrichtungen von Interesse sein, die erst ein richtiges Bild von der Großart gkeit der Anlagen geben. Die Dampfmaschine, durch welche der Accumulator mit Wasser gespeist wird, hat 70 Pferdekräfte. Die Dampfkessel zu der Maschine haben eine Lange von 4000 Mm. und einen Durchmesser von 1500 Mm. Die Hebvorrichtungen, um die Maaren aus- und einzuladen, bestehen aus drei Portalkrahnen (Krahnen, welche die Durchfahrt von Etfenbahnwaggons gestatten), einem Wein- und einem Oelkrahnen und einem leichteren Krahnen mit einem sehr weit ausreichenden Arm. Die Oel- und Weinkrahnen stehen fest, dagegen lassen sich die übrigen Krahnen, dle, wie auch die beiden oben angeführten, sämmtlich Drehcylinder haben, auf Schienen hin und her bewegen. Die Tragfähigkeit der Krahnen ist eine dreifache und kann dieselbe je nach Bedarf auf 10, 20 oder 30 Gentner gebracht werden. Neben diesen Hebevorrichtungen, die sämmtlich mit Wasserdruck in Bewegung gesetzt werden, sind an verschiedenen Stellen vertheilt acht „Spill" oder Capständer, mit je 13 Pferdekrasten, angebracht, nut welchen schwerbeladene Schiffe oder Eisenbahnwaggons durch einen leichten Tritt mit dem Fuß bequem herangezogen werden können. Im Innern des Lagerhauses befinden sich, in den vier Ecken diSponirt, 4 Fahrstühle, die sich mit einer Tragkraft von 24 Centnern in 5 Etagen bewegen lassen. Ein gleicher Aufzug oder Fahrstuhl befindet fich in der Revisionshalle. Um Güter rasch von einem in das andere Magazin zu verbringen, functionirt im Hofe eine auf 15 Gentner Tragkraft berechnete transportable hydraulische Winde. Ohne die Fundamentirung haben die gesammten maschinellen Einrichtungen einen Kostenaufwand von 163 000 erfordert; ausgeführt wurden dieselben von der Firma G. Hoppe in Berlin in Gemeinschaft mit der Firma Gebrüder Schulz hier, welche zu der Oberleitung der Ausführung Ingenieur Schenk, eine fachmännische Autorität für derartige Anlagen, gewonnen hatten.
A Kastel, 22. Mai. Hier herrscht die Tiphteritis noch immer — schon über em halbes Jahr - unter den Kindern, es vergeht fast kein Tag, an welchem die Krankheit nicht etn neues Opfer fordert. Anfänglich hat die Epidemie nur Kinder von 2+-3 Jahren ergriffen, während sie jetzt unter den Kindern von 5—6 Jahren grassnt.
„ r - Die 60. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte findet in diesem Herbste m Wiesbaden statt. Es ist das dritte Mal, daß diese Versammlung in Wiesbaden tagen wird. Zuerst im Jahre 1852 und dann im Jahre 1873 ist sie dort zusammengetreten und beide Male ist Geh. Hofrath Professor Dr. R. Fresenius als erster Geschäftsführer thätig gewesen, der das gleiche Amt auch für die 60. Versammlung übernommen hat. Als zweiter Geschäftsführer steht ihm Sanitätsrath Dr. Arnold Pagenstecher zur e>eite.
r. Die Vorbereitungen befinden sich in vollem Gange. In einer Versammlung, zu welcher die Vertreter der Naturwissenschaften und des ärztlichen Standes in Wiesbaden von der Geschäftsführung eingeladen worden waren, wurde beschlossen, in gleicher Weise wie auf d-r voriahrigm Versammlung in Berlin, folgende 30 Seclionen zu bilbm' 1. Mathematik und Astronomie. 2. Physik. 3. Chemie. 4. Botanik. 5. Zoologie 6. Entomologie. 7. Mineralogie und Geologie. 8. Geographie und Gtbnoloflit 9. Anatomre und physische Anthropologie. 10. Physiologie. 11. Allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie. 12. Pharmakologie. 13. Pharmacie. 14. Innere Medicin. 15. Chirurgie. 16. Gynäkologie und Geburtshülfe. 17. Pädiatrie. 18 Neurologie und Psychiatrie 19. Ophthalmologie. 20. Otiatrie. 21. Laryngo- und Rhinologie. 22. Dermatologie und Syphilidologie. 23. Hygiene. 24. Medicinische Geographie, Klimatologie und Tropen-Hygiene. 25. Gerichtliche Medicin. 26. Militär-Sanitäts- we en’ oa ^"Heilkunde., 28. Veterinärmedicin. 29. Landwirthschaftliches Versuchswesen. 30. Naturwissenschaftlicher Unterricht.
Für jede Section ist ein Einführender und ein Schriftführer bestimmt worden und von diesen werden augenblicklich die Einladungen zur Betheiligung an den Seciions- fitzungen verschickt.
Für die allgemeinen Sitzungen ist der große Saal des Kurhauses vom Ge- memderath der Stadt Wiesbaden zur Verfügung gestellt worden, als Sitzungslokale für die Secttonen sind geeignete Räumlichkeiten in den beiden Königlichen Gymnasien und in den städtischen höheren Schulen in Aussicht genommen.
Mitte Juli werden die das Programm enthaltenden allgemeinen Einladungen zur Versendung kommen.
Berlin. Durch argen Skandal wurde die am Samstag Abend von Herrn Theo Böllert im Saale der Philharmonie abgehaltene, sehr gut besuchte hypnoiische SSance gestört. Der erste Theil der Vorstellung verlief programmmäßig, die Auswahl


