her italienischen Hauptstadt vollauf zufrieden sein. Denn in geradezu stürmischer Weise wurden die Vertreter dec bulgarischen Natron bei ihrer Ankunft in Rom von einer nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge begrüßt und der Enthusiasmus der Italiener für die Delegirten überbot noch weit den der Magyaren; die römische Polizei hatte große Mühe, die Ordnung auch nur einigermaßen aufrecht zu erhalten. Um so nüchterner dürste der Empfang der Deputation beim Minister Grafen Rodilant ausgefallen sein,^lach den schon vorher vom Stapel gelaffenen Erklärungen Robilant'S zu urtheilen und die bulgarischen Herren werden nun aus dem Munde de» Ministers selber ersahren haben, wie wenig sie auch von Italien für ihre Sache zu hoffen haben.
Der Brüsseler „Nord", bekanntlich ein Organ der russtschen Regierung, erklärt, wenn in Bulgarien eine frei und loyal gewählte Sobranje vorhanden sei und die Regenten vor der Wahl derselben zurücklreten würden, wenn ferner dann da» bulgar. Volk den Herzog von Leuchtenberg zum Fürsten wählen würde und der Sultan sowie die Mächte nichts gegen deffen Candidatur etnzu- wenden hätten, so würde der Czar wahrscheinlich aus der Wahl des Fürsten von Mingrelien nicht weiter mehr bestehen. Nun, Zeit wäre es wahrhastig, daß diese Schein-Candidatur endlich einmal verschwindet I
Der bulgarische Oppositions-Führer Zankoff ist am vergangenen Montag Nachmittag in Konstantinopel emgetroffen. Es handelt sich bei diesem Besuche bekanntlich um Unterhandlungen über den Eintritt Zau- koff's in das Cabinet von Sofia, wozu aber Zankoff selber keine allzu große Lust zu haben scheint, denn die Pforte hat ihn wiederholt zu diesem Besuche animiren müffen.
! -r cy Hiifererx näheren politischen Freunden aber rufen wir zu, daß diesmal vor Allem ein Jeder seine Schuldigkeit thue. uein
Unsere Stellung zu den großen Fragen der Reichspolitik bleibt diesen.» wie bisher. 1
Entscheidend aber ist heute die Sicherung des Landes, der Friede nach Auke» und nach Innen. UBtrt
Steht fest auf der Schanze, kläret das Volk auf, tretet den Keim schon der Mneren Zwietracht nieder, verhütet die Ermuthigung des Auslandes, wählet nur Manner, welche hierfür Sicherheit bieten! ur
Wir sind des Vertrauens, daß das deutsche Volk auch diesmal alle Lockungen und Versuchungen zum Rückfall in die alte Uneinigkeit und den inneren Hader, unter dem wir Jahrhunderte gelitten und verdarben, siegreich zurück- weisen wird." 8
Der Aufruf der deutschfreisinnigen Partei bat folgenden Wortlaut:
„Gesinnungsgenossen! Der Reichstag ist aufgelöst. Die Mehrheit der Volks-' Vertretung Hal der von der Reichsregierung geforderten Erhöhung der Fricdenspräsem- starke um 41000 Mann zugestimmt. Trotz schwerer Bedenken hat die freisinnige Parter tn entscheidender Weise zur Bildung dieser Mehrheit beigetragen. Jehl wird hierüber ein erbitterter Wahlkampf eröffnet, und dies geschieht, weil man es dem
^weigern will, nach drei Jahren wiederum eine Einwirkung auf das Maß ber Lasten auszuuben. dagegen wollen dem künftigen Reichstag das Recht mchc beschrankt wissen, eine Abkürzung der Dienstzeit und eine Erleichterung der Steuerlast zu erwirken. Die Ablehnung dieses Verlangens ist ein unberechtigtes Miß: trauen-svotum gegen das deutsche Volk. Unsere Gegner versagen dem Volk das Ver- daß es in den Reichstag Männer wählen werde, welche, so wie bisher, auch künftig das zum Schutze des Vaterlandes Rotbwendige zu gewähren bereit sind. Aber alle constitutronellen Einrichtnng-'n beruhen auf solchem Vertrauen. Ohne dasselbe ift nur em absolutes Regiment oder der leere Schein einer consiitutionellen Regierung denkbar. Erne ohnmächtige Volksvertretung würde gewiß jenen Plänen nicht Wider- lland leisten, deren Turchführung in den Augen unserer Gegner der wahre Preis des Sieges in dem bevorstehenden Wahlkampf sein soll: Branntweinmonopol, Tabaks- e"\ n’et^K Belastung der ärmeren Volksklass-n durch höhere Besteuerung
Verwirklichung unseres Vorschlages, im Jnleresse der ®cred)tl0feit die Wohlhabenderen durch eine Reichseinkommenfteuer zur Deckung des Mehraufwandes für die Armee heranzuziehen, wäre ausgeschlossen. Aus einet reactionaren Mehrheit wurden sicherlich, wenn auch heute verleugnet, die Pläne wiederum erstehen, welche sich gegen die volkstümlichen Grundlagen unserer ftbren^ ° UH0, n§6c^on^cre gegen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht
Wähler ! Gehen wir unbeirrt in den Kampf für die Vertheidigung von Freiheit, Recht und Verfassung durch selbstständige unabhängige Volksvertreter, in Treue zu Kaiser und Reich. 0
Das Leipziger Streichquartett.
Die Jllustrirtc Zeitung" brachte in einem Decernberheft des verflossenen wahrer b-,c'st-r-en «rtlkel über das neue Leipziger Streichquartett sammt den PorlrattS \el ter A b»pr-*8 eLbtar~ a s l>en wahren Erben der Florentiner. Es wäre fU' LubtS» Streit über diese Frage zu hadern. Hat doch heutzutage jede gröbere Itusikstadt ihr Kunstlerquartett. Berlin hat seinen Joachim, Wien seinen Hellmes- ~r0cIi ®°Jn ^tn berühmt gewordenen Heckmann, München seinen Walther Franksur den vorzüglichen G-'ger Heermann als Leiter von Musterquartetten. Warum also streiten, wo der wahre Erbe der Florentiner zu suchen ist? dienen daß sovielc treffliche Quartette erstanden sind, und freuen wir uns, datz wir eines der besten letzt hier zu Gehör bekommen werden. Wir haben seither so viel mE gehört al« Virtuosen für Clavie, und Violine, daß'Srin“»aljw SolunKf» heTeSnnEn^nh^a m ra"? ’ebtr ei^elne ’eille Individualität zu Gunsten
des Ganzen und des künstlerischen Gesammteindrucks zurücktreten lagt. Ist doch das Quartett die einfachste und schönste Vereinigung der Streichinstrumente.
Was d,e Leipziger Künstler betrifft, so interessiren vielleicht Einen und den Anderen einige Bemerkungen d e wir dem oben erwähnten Aufsatze entnehmen südlichen Rußland, in Taganrog, geboren, trat schon mit 9 Jahren in Odessa auf, ward dann Schüler von Hellmesberaer in ®cn g0?. ^orti?e.n Konservatoriums und spielte längere Zeit im Quartette seines Lehrers die zweite Geige. Nach erfolgreichen Kunstreisen in lliußland und Frankreich
Telegraphische Depeschen.
telegr. Correspondenz - Bnrsau.
ungünstche^t'terung"""^' CnflIifd,e$oft °°nLondon ist ausgeblieben. Grund . 19. Januar Lord Lyons theilte gestern Flourens mit, daß England
oin^iC^Ulkfiua D0,k,5,ltab °b,aberusen beschlossen habe, derselbe werde am 34. »s. Mts. abreisen. Flourens erklärte daraus, auch ber französische Eonsul Henm werde von Ze,lah abberuseri werden. Dem Vernehmen nach erfolgen diese Abberusungem um betreffs einer Action Englands und Frankreichs an der Somouliküste (westlich »om Kap Guardafm) ein Einverständnis anzubahnen. v J
mar,i) — Greoy hielt heute mit dem Großfürsten Nicolaus eine Jagd im Gehölz von
,^°pbon, 19. Januar. In der Ansprache Goschen's an die Wähler des Börsen- Wahlbezirks von Liverpool heißt es: Wie der deutsche Reichskanzler für den Frieden arbeite, so thue es auch England; England habe niemals daran gedacht, Europa in Verwirrungen zu br n0en nie8en einer Dynastie oder einer Persönlichkeii/die Negierung trat niemals für die Wiedereinsetzung des Fürsten Alexander ein. Für die neue Furstenwahl bilde der Berliner Vertrag die Grundlage der Regierungspolitik• bit ts!?r'lun0 roJrbtr?1\lll1!5 fbun, was sie von den Mächten trennen könnte, welche th,t- chchlt» an der Friedenssache arbeiteten. England sei gegenüber ber bulgarischen ergrdfentnt§n,£9S 6 cld,01[tl0 - ^gleich es nicht seine Sache sei, die Jnitiatioe zu k - Während ^ner Theatervorstellung, die gestern Abend in dem Locale des dramatischen Vereins Jrelie» ,m Stadtviertel Spitalfields stattfand, ertönte plötzlich ber Feuerruf, m Folge dessen eine olche Panik entstand, daß »ei- dem Dränaen na-b dem Ausgange 17 Personen, meist Frauenf gelobtet wurden. Drangen nach
19. Januar In der ersten Kammer erhob der ehemalige Minister T°k van Poortu ret Einsprache dagegen, daß die belgische Regierung die Dampfer des „Norddeutschen Lloyd rwn der Zahlung der Lootsengevühren auf der Schelde, welche gemäg dem niederländisch - belgischen Vertrage vom Jahre 1839 zu zahlen wären, be- sreite. Der Minister des Aeugern, Vankarnebeek, erklärte, daß er die Ansicht Tasis lheile und eine entsprechende Miliheilung bereits an die belgische Regieruna gerichtet Ä M rfUc6‘,C btn ^Mister, die aus obigem Vertrage stch7rgebenden Rechte^W i"- ”«•■«*«•
19. Januar. Die bulgarischen Delegirten statteten heute Nachmittag auch Depretls einen Besuch ab. Derselbe bezog sich durchaus auf die von Robilant abgegebenen Erklärungen, und sagte, die Schwierigkeiten, denen Bulgarien begegne, wurden mit Klugheit und indem man auf dem Boden der Verträge zu bleiben suche rhne Muhe überwunden werden. ’ w r
. - ®int Anzahl Studenten wollte zu Ehren der bulgarischen Delegirten heute Abend vor dem Hotel eine Demonstration veranstalten; die Delegirten waren nicht anwesend. Die Studenten wandten sich darauf in der irrigen Annahme, die Delegirten Lch L^Ltcb-^ant, nach dem answärtigen Amte; die Polizei zerstreute
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Loyale-.
(3an/Hör: r ^Personalien.^ Der seitherige stellvertretende Amtsanwalt dahrer, Großh. Gerichtsassessor Brill, wurde zum Amtsanwalt in Alsfeld JW^m^S^eX * fiC‘ber iR 2,1§felb in «'-ich» Eigenschaft an das
Brrli«, 19. Januar. Der Kaiser nahm heule Vormittag militärische Meldungen entgegen und Härte darauf den Vortrag WilmowLkffs. Abend» 7'/, Uhr findet im Palai, eine Sitzung de« Vaterländischen Frau'.nverein» f'att. Um 83/t Uhr nehmen die Allerhöchsten Herrschaften den Thee ein, «oru Drinz Älbrecht, Prinz und Prinzesfin von Hohenzollern, Statthalter Fürst Hohenlohe, der bayerisch- Minister v. Crailrheim und mehrere andere Persönlichkeiten Einladungen erhalten haben.
— Da« Abgeordnetenhau» üderwie« In der heutigen Sitzung den Antrag Lieber, Hitze und Letocha wegen Vermehrung der Zahl der mit Lrausfichtigunz der Fabriken betrauten Beamten nach unerheblicher Debatte an eine Commission von 14 Mitgliedern und erledigte einige Rechnungr-Vorlagen. Der Gesetzentwurf, betr. die Abgrenzung der Bezirke der ländlichen Bemsrgenoffeaschasten, gehl an eine Commission von 21 Mitgliedern, nachdem der Minister Luciu, denselben vertheidigt- Bei der Berathung des Gesetzentwürfe», betr. die Gewährung einer staatlichen Subvention an die Provinzial-Hülsrkaffe für die Rheinprovin, behufs Hebung des Grundkredit«, vertagte stch da« Hau« Am Freitag Etattberathung.
erlassen d"""' 18‘ J°nuar. Die großen Parteien haben ihre Wahlaufrufe
... baben folgenden Wahlaufruf erlassen. „Der Reichstag
ift autgelösL Die Wähler werden ihre Stimmen darüber abzugeben haben, ob sie die Wehrkrast Deutschlands auf unerschütterlicher Grundlage, welche allein die Sicheruna d.S Vaterlandes verbürgt, erhalten, oder ob sie die deutsche Armee dem Zufall wechtclnder Parlamentsrnajoritäten preisgeben wollen. Eine dreijährige Bewilligung bcttzi den Be,iand des Heeres bei jeder Reichstagswahl zum Gegenstände des Wahl- kampses machen. Se. Maiestat der Kaiser und die mit ihm verbündeten Regierungen baden es deßhalb angesichts Der überaus ernsten Lage Europas und bei den gewaltigen Rüstungen der Nachbarstaaten abgelehnt, die Armee-Organisation, den testen Grund- tL.Unmr-^n?t Oj?aIC.nJnmidtelunB' auf so kurze Zeitbewilliguiig stellen zu lassen.
Deutsche Wähler! Habt Ihr Vertrauen zu der Führung unseres Kaisers, der deutschen pursten und ihrer bewahrten Rathgeber, welche das deutsche Reich ausgerichtet haben, oder wallt Ihr durch dw Manner der Opposition Euch irre führen lassen? Soll, nur dem Herrschast-geluste einzelner Parteien zu dienen, die nachhaltige Sicheruna unseres Heeres in dem Augenblicke in Frage gestellt werden, wo unleugbare Gefahren und zwar aut lange Jahre hinaus, bedrohen? Wem des Vaterlandes Größe und Sicherheit am H-rzen liegt, der wähle nach dem Rathe Derer, welche die schwere Aus- 0a^b7: ®r^allu^. btS Friedens mit so vielem Erfolge seither erfüllt haben und «elche feierlich erklären, daß ohne die fernere Sicherung der nachhaltigen Schlag- fertiflfiit unferer Itimee dem Lande der Frieden nicht verbürgt werden kann. „Kein Parlamentsheer, sondern ein kaiserliches Heer" - das sei die Parole, mit welcher wir tu den Wahlkampf treten."
, „ 7 Der v°n sämmflichen bisherigen nationalliberalen Mitgliedern des Reichstags unterze chnete Wahlanfrus des nattonalliberalen Central-Wahl-Comitö's hat folgenden Wortlaut: '
... "^'u^S^licher Streit ist über unser Vaterland hereingebrochen. Die Aus- losung des Reichstags und die bevorstehenden Neuwahlen rufen alle Deutschen zu einer folgenschweren Entscheidung. 6 ""
Eine aus bunten Bestandtheilen der Opposition zusammengesetzte, nur in der Verneinung einige Mehrheit, wich zwar angesichts der Macht der Thalsachen und der Etimmung des deutschen Volkes vor dem anfänglichen Versuch, die Nothwendigkeit der Verslarkung unserer Wehrkraft offen zu bestreiten, zurück, weigerte sich dann
6 ' wie bisher auf sieben Jahre zu bewilligen
Sie brach die, selbst in friedlicher Zeit von allen Seiten für nothwendig erachtete mrd auf dieser Grundlage zwischen der Retchsregierung und dem Reichstage gefundene Einigung, welche sich zwölf Jahre hindurch den Anforderungen einer festen Heeres- »ährt hatte^ en bc5 Parlaments gegenüber als der beste Ausgleich be-
k .bcut$c umringt »on äußeren Gefahren, mußte erleben, daß die Mehrheit ferner Vertreter eine maßvolle, hinterher selbst von der Mehrheit des Reicks- ig zugestandene Erhöhung der Friedenspräsenz trotz der eindrina- luhsten Bitten un» Ermahnungen des großen Heerführers in feiner Mitte an Be- bingungen knüpfte, welche nach der Natur der Sache, nach den Erklärungen der Retchsregierung und den bestimmtesten Versicherungen aller bewährten Sachkenner un- vereinbar sind mit den festen Grundlagen der Heeresorganisation, und somit die durch <ine Erhöhung unserer Wehrkrast verstärkte Sicherheit unseres Landes gerade im aeatn- warttgen Augenblicke gefährden würden. 6 6
m Mehrheit des Reichstags hat so die Verstärkung unserer Heeresmacht rur Vertheidlgnng des Vaterlandes und zur Wahrung des Friedens in's Ungewisse verzögert und wenn die deutschen Wähler nicht helfen, verhindert. 8 11 Cr
«'"}»»“ Sä' ? Kz'LL fttÄt
ynr9 an alle Deutschen ohne Unterschied der Partei und m'r?ViriLf rU1 ?ic Zukunft des Vaterlandes, welche die
Sicherheit und Unabhängigkeit des neu erstandenen Deutschen Reiches höher achten als die rücksichtslose Geltendmachung von Fraktionsprogrammen, welche in dem Kampfe ST ^lf Grundlagen unseres deutschen Heeres, dieses Palladiums der Unab-
.«mwickclun^im Jnn-rn"?rbl?ck-m° ®tfübr für dne 0,bcif)Iid’e fortschreitende
^liägen siesich fest zusammenschaaren, möge ein Jeher obne Rückstckt nuk
ytfnn6Cnbtit <n ben ^usch°uu,<g-n der Fractionen


