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trat er 1882 im Leipziger Gewandhaus auf und ward daraufhin sofort am dortigen Conferoatorium als erster Lehrer seines Instruments engagirt. Ich habe ihn zweimal spielen hören, jedesmal das undankbare Vtolinconcert von Brahms, und rechne ihn unter die ersten Geiger.
Hans Becker (2. Geige), 1861 in Straßburg geboren, sollte ursprünglich nach dem Willen seines Vaters Jean B. als Bratschist in das Florentiner Quartett ein- treten, übernahm spater im Becker'schen Trio die erste Violine, studirte dann nach seines Vaters Tode bei Brodsky weiter, der ihn in seinen Bund aufnahm. Dor einigen Jahren ward er von seinem Vater sammt seiner talentvollen Schwester und seinem genialen Bruder Hugo im hiesigen Concertsaale eingeführt.
Hans Sitt (Bratsche),geb. 1856 in Prag, und Schüler des dortigen ConservatoriumS, Ist ein bedeutender Violinist und Componist. Sein erstes Violinconcert hat mir Arma Senkrah sehr gerühmt. In neuerer Zeit hat er als Dirigent der populären Concerte im Leipziger Krystallpalast neuen Ruhm gewonnen.
Julius Klengel ((fceUo), 1859 in Leipzig geboren, ist heute der erste Cello- virtuose und bedeutend als Componist für sein Instrument.
So verspricht das am Sonntag stattfindende Conccrt an Interesse hinter den seitherigen nicht jurückzubleiben.
B t i tu i f ife t t i
A Mainz, 19. Januar. Der Landtagsabgeordnete Jöst, einer der beiden Vertreter von Mainz in der zweiten Kammer, Hal heute dem Großh. Ministerium solgende Interpellation zugehen lassen:
„In der Sitzung des Großherzoglichen Schöffengerichts zu Mainz am 25. Septbr. vorigen Jahres in der gegen drei der Verbreitung verbotener socialistischer Schriften angeklagier Personen verhandelt wurde, machte der als Zeuge vernommene Criminal- schutzmann Lammersdorf zu Mainz die eidliche Aussage: Cin gewisser Karl Grimm in Hattingen bei Zürich sei der Verleger der periodischen Druckschrift „Der Socialdemokrat". Dieselbe Aussage wiederholte brr Crim nalschutzmann Lammersdorf in der Sitzung der Strafkammer des Großherzoglichen Landgerichts zu Mainz am 22. December vorigen Jahres, wobei ccnftatirt wurde, daß Lammersdorf diese seine eidliche Aussage in sehr leichtfertiger Weise gemacht hat. Ich erbiete mich zum Beweis, daß die Behauptungen des Criminalschutzmannes Clemens Lammersdorf unwahr find und richte an die Großherzogliche Regierung die Frage: Ist dieselbe geneigt, die Großherzogliche Staatsanwallschaft zu veranlassen, gegen den Criminalschutzmann Clemens Lammersdorf zu Mainz wegen dieser Handlungsweise einzuschreiten."
A Mainz, 19. Januar. Hiesige Blatter wollen wissen, daß in der hiesigen Garnison eben allerer Vorbereitungen getroffen würden, um jeder kriegerischen Eventualität begegnen zu können. So würden zur Zeit die Ambulanzen revidirt, die Krankenwärter werden geübt, unbelegte Kasernenräume werden bewohnbar gemacht und Anderes mehr.
A Vom Rhein, 19.Januar. Bezüglich des Brandes in Aachen, bei welchem drei Menschen um das Leben gekommen sind, erläßt die Bürgermeisterel in Gemeinschaft mit der Polizeidirection dorten eine Erklärung, in der es heißt, daß die amtliche Untersuchung unzweifelhaft ergeben habe, daß der initverbrannte Fabrikdirector Julius Brues in der ausgesprochenen Absicht, die zwei in den Flammen umgekommenen Kinder zu retten, das brennende Haus betreten und dort als das Opfer seiner Menschenliebe, als ein Vorbild von Mannessinn und Menschentugend den Heldentod in den Flammen gefunden hat. Morgen Nachmittag findet die feierliche Beerdigung der drei verbrannten Personen statt. Für die Frau und Kinder des Directors Brues tritt die Stadt Aachen als Versorgerin ein. — In Nievern fand man vorgestern Morgen am Ufer der Lahn die Leiche eines gut gekleideten Mannes im Alter von 50—60 Jahren. Bei der Leiche fand man eine schwere goldene Uhr mit Kette, sowie ein woblgefülltes Geldtäschchen. Papiere und Briefschaften, die über die Person Aufschluß hatte geben können, sind keine vorgefunden worden. In der Gegend des Herzens trug die Leiche eine große Wunde, die auf einen Selbstmordversuch schließen laßt.
— Von einem entsetzlichen Unglücksfall ist am Samstag Abend die Familie des Ober - Post - Directions - Secretärs Rank in Berlin betroffen worden. In dem Augenblick, ms Frau Rank Abends gegen 10 Uhr schlafen gehen wollte, hörte sie plötzlich einen markdurchdringenben Schrei und sand, instinktiv in bas Zimmer ihrer 15jährigen Tochter eilend, das Zimmer leer uib das Fenster desselben geöffnet. Aus dem Fenster sehend, gewahrte sie, daß ihr Kind laut jammernd auf dem Pflaster des Hofes lag. Augenscheinlich hatte das junge Müdchen beim Herabziehen der Fenster- Jalousie das Gleichgewicht verloren und war so aus der Höhe von zwei Stockwerken herabgestürzt. Mehrere sofort zu Rathe gezogene Aerzte constacirten, nachdem die Verunglückte in die Wohnung zurückgeschafft worden, ganz furchtbare Verletzungen. Der Unterkiefer war zerschmettert, der eine Arm zweimal gebrochen, desgleichen beide Beine, während die Corsetflangen dein unglücklichen Mädchen ebenfalls Verletzungen beigebracht hatten. Nach Anlegung von Nothoerbänden wurde die Aermste mittels Krankenwagens nach dem katholischen St. Hedwigs-Krankenhause geschafft. Nach Ansicht der Aerzte sind die Verletzungen derartige, daß die Verunglückte kaum den heutigen Tag erlebt haben dürfte.
Gottesdienst für die isrAelitifche Religio.isgeseUfchsst.
Freitag Abend 4^ Uhr, Samstag Vormittag 8» Uhr, Samstag Nachmittag 3 Uhr, Samstag Abend 525 Uhr. Der Vorstand!
Kein logenannter „Bitter" ist Widtfeldt's Magenbehagen, sondern ein Tafelltgueur ersten Ranges von seltenern Wohlgeschmack. Nieder!, u. A. b. Emil Fischbach. 512
<nnrm,,7 Di- °> -dkrholtc Ziehung der B-rl n-r Ausst-llungsl-tterie ist am Samstag rar Unf,aa 'bne, D-ftcit glücklich zum Abschluß gekommen. Als die lLcfS yo2nm:$, Ziehungstische bis auf einen unbedeutenden Rest geleert “2lb b-r letzte Abschnitt des eintönigen Geschäftes begann, machte sich -ine begrcif- lichc Spannung aus Aller Mienen bemerkbar. Der ernste Notar verließ seinen Platz die Vertreter der Akademie standen neben dem Glücksrade und blickten erwartuna-voll durch die blauen Glasscheiben der Trommel. Nur die C-mmissarien der Loiiene- drrection bewahrten ihre Ruhe bis zum letzten Augenblick. Plötzlich löste sich derAIp- druck der d.c G-muther der Hauptbcthetligten belastete, und auf ihren Mienen «täte fiel) ein deutliches, nicht zurückgehaltenes Lächeln der Befriedigung: Die letzte, achtund- zwanzigtausendfechshundertfechsundsechzigstc Gewinnummcr sollte gezogen werden und fre war vorhanden. Der Waisenknabe nahm sic schnell heraus: Mentzels Illustrationen
5.cr letzte Gewtnn,- er fiel auf Nummer 341 590. Diesmal haben also die Gewinner ihre Schatze sicher.
Literarisches,
. IO, Hm.^age von tzmil Hänselmann in Stuttgart erscheint demnächst eine »Jllustrirte Geschichte Deutschlands", herausgegeben von der Verlags- Handlung, mit Text von Th. Ebner und der artist. Leitung von Maler Mar Bach in Lieferungen k 40 H Wir glauben unseren Lesern heute schon davon Mittheilung machen und sie aus dieses nach dem Prospekte in glänzender Ausstattung erscheinende »entsche Geschichlswerk hrnweffen zu muffen. Das nationale Bewußtsein zu kräftigen uns in der Vergangenheit die Gegenwart erkennen zu lehren, ist die Aufgabe, die sich das Unternehmen gestellt hat. Verleger und Autor haben sich alle Mühe gegeben, ihrer Aufgabe gerecht zu werden und hoffen dem deutschen Volke in dieser Publikation ein schönes Haus- und Familienbuch bieten zu können.
jungst zum Abschluß gelangte erste Quartal vom laufenden Jahrgang der ^Deutschen Romanbibliothek^ (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) ist von einer ^edeuNamkett.des Inhalts, rote sie nur selten zu finden ist. Vor allem entwickelt sich „Die Familie Darner" von Fanny Lew al d zu einem Werke vollendetster Art Die höchsten Anforderungen der Kunst finden sich hier vereinigt mit einer Leichtigkeit und Abendigkelt der Darstellung, die den auf angenehm fesselnde Unterhaltung gerichteten n rr4ßder?C^ tna?^ftrem gerecht wird. Energische Charakterzeichnung, plastische Gestaltungskraft, Reichthum an Handlung, die sich Schlag auf Schlag entwickelt ebenso folgerichtig in ihrer inneren Begründung als überraschend in der äußeren Erscheinung, das find die Vorzüge, durch welche Fanny Lewald namentlich mit diesem neuen Werke nd) tn den Reihen unserer berufensten Romanschriftsteller einen hervorragenden Platz sickert. Daneben nehmen die Romane „Edwiesen" von Robert Byr .Asylrecht" von Wilhelm Jensen das Interesse des Lesers nicht minder in Anspruch Der eme läßt in einer Welt voll sittenlauer Persönlichkeiten, unlauterer Berechnungen und verbrecherischer Umtriebe eine Liebe erblühen, die zu schöner Läuterung der Herzen und der Verhältnisse führt; der andere entwickelt einen ganz eigenen Reiz dadwch datz er in dem Helden einen jungen Schriftsteller zeichnet, dessen Geschicke sich unvermerkt in einer Weise entfalten, die eine feine Parallele zu denjenigen Vorgängen bildet die er selbst tn einer dem Roman eingefügten reizenden Novelle aus der deutschen Vergangenheit zu poetischer Darstellung gebracht hat. Jensens feine Ironie und launige Satire geben dem Roman eine besonders pikante Färbung.
Limburg, 19. Januar. Rother Weizen, X 1505, weißer Weizen M 14.90, Korn JL 1035^ Gerste v*L 8 20, Hafer J*. 5.85, Kartoffeln ä 100 Pfimd 0.00, Erbs-m ä 100 Pfund JL 00.00. '
™ n F*"!^surt, 19. Januar. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter JL 5.00—5.50, das Gescheid 6—10 H, Eier das Hundert 5.40—9 50, das St. 7—10 H, Butter im Großen 80.00—84 00, im Detail das Pfund JL 0 95 bis 1.30, Weißkraut per Stück 10—15 X Rothkraut per Stück 20—30 H, Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 X Kalbfleisch 40—65 H, Schweinefleisch 65—75 X Hammelfleisch 50—70 X 1 Hahn JL 0.70—1.80, 1 Huhn OL 1.00—2.50, 1 Ente 2.00—3.50, Gans Pfund 50—'70 A 1 Taube 40—60 X Welsche ,4t 12.00—00.00.
Allgemeiner Anzeiger.
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