Pfr* 17. Freitag dea 21. Januar L8S7
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen.
Bttreour - Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».
reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
>urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hhril.
Betreffend: Di« RetchStagSwahlea. Gießen, am 19. Januar 1887.
Das Großherzogliche Ärcisantt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
cvn Bersola unsrer Verfügung vom 17. l. M. — Anzeiger Nr. 15 — ertheilen wir Ihnen folgende Wellungen:
Die Entscheidung über die Einsprachen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Wählerlisten, welche letzteren wie bereits verfügt, vom 24. bis ». r M beide Tage einschließlich, offen zu legen sind, hat, sofern die Erinnerung nicht sofort von Ihnen als begründet erkannt wird, nach Maßgabe des l,o ji g Äg Ges v°m 12. Juni 1874 (Reg.-Blatt Nr. 29, pag. 268) durch den Kreisausschuß zu erfolgen. Diese Entscheidung muß fpdteftrn» IS stbruar 1 3. Abends nicht nur ertheilt, sondern auch durch Ihre Vermittelung den Betheiligten belannt gemacht fein- Darauf hat noch nach Sender mcherer Weisung am14 Februar l. I. der Abschluß der Wählerlisten zu erfolgen. Nach Ablauf der für die Offenlegung der Wählerlisten und rualeÄ sür R-clamationen^gegen diese festgesetzten Frist werden Sie, sofern die etwaigen Einsprachen nicht von Ihnen durch Berichtigung der Wählerlisten rl'.diat worden sind, die Acten unverzüglich an uns einsenden. Andernfalls sehen wir bi» DoanerStag de« 3 k. M. Ihrem Bericht darüber «ntaeaen daß Erinnerungen gegen die Wählerliste nicht erhoben bzw. von Ihnen erledigt worden sind. .
entgegen,^°ap^rmn^^^g^ Wählerlisten sind die Gründ« etwaiger Streichungen oder Nachtrage am Naud der Liste unter Auaabe de» Datum» der Berichtigung von Ihnen kurz zu vermerken.
Schließlich sprechen wir die bestimmte Erwartung aus, daß Sie diese Weisungen auss Pünktlichste befolgen. p r Dr. Boekmann.
Bekanntmachung
Sm SmtanHMWMrit L-iIhi,-r »on wirt k-mmmd-» Sonntag d-n 23. l. M.. Ntlchmiu»«- 3 Uhr ,» Srnnb-tg im
Saale des Gasthauses „Zum Rappen" in einer Sitzung des landwirthschaftlichen Lokalvereins einen Vortrag über Dungung halten.
Alle Landwirlhe und Freunde der Landwirthschaft werden hiermit zur Theilnahnw emgeladen. .
Gießen den 17 Januar 1887. Der Drrector des landwrrthschaftlrchen Bezrrksverems Greßen.
' Gießen, am 17. Januar 1837.
Der Director des landwirthschaftlichen Besirksvereins Gießen
an die Herren Bürgermeister deS KreifeS in der Umgebung von Grünberg.
Ich ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung in geeigneter Weise zu verbreiten und sich nach Möglichkeit zu bemühen, daß diese wichtige Versammlung recht zahlreich besucht wird. Nover.
Politische Ueberstcht.
Gießen, 20. Januar.
Der Kaiser hielt am 18. Januar, dem Jahrestage der Gründung de» deutschen Reiche» durch die Kaiser-Proclamation zu Versailles, ein Kapitel des Ordens vom Schwarzen Adler ab.
Die letzten Vorgänge im Reichstage haben mit dem Anträge des Freiherrn X). Solemacher - Antweiler, wegen der Militärfrage eine Adreffe an den Kaiser zu richten, im preußischen Herrenhause eine immerhin bemerkenswerthe Kundgebung gezeitigt. In den Motiven de» Adreb-Entwurfes rvird daraus hingewiesen, daß der Reichstag die Bewilligung der Militär-Vorlage an für die Regierung unannehmbare Bedingungen geknüpft habe und in diesem verhängnißvollen Augenblicke des Scheitern» der unentbehrlichen Heeres-Vorlage erfülle das Herrenhaus nur seinen Beruf, wenn e» dem Kaiser gegenüber die Versicherung seiner unwandelbaren Treue und der freudigen Opserwilligkeit de» preußischen Volker zur Stärkung der Arnue ausspreche. Unterstützt ist der Antrag von fast allen Herrenhaus-Mitgliedern, unter denen sich z. B. auch der Graf Brühl befindet, welcher während des kirchenpolitifchen Kampfe» energisch den Standpunkt de» Centrum» vertrat. Auch der Antragsteller selbst, Freiherr v. Solemacher-Antweiler, gehört zu den katholischen Mitgliedern de» Herrenbause» und daß gerade von dieser Seite aus der Aoreß-Entwurf beantragt «ird, ist für denselben jedenfalls charakteristisch. Anderseits läßt sich jedoch nicht Verkennen, daß das dem Anträge zu Grunde liegende Bestreben, im Falle des Versager.» des Reichstage» in hochwichtigen Fragen, wie jetzt, die Landtage aus- zuspielen, bedenklich erscheinen muß, welche Bedenken denn auch bei der kurzen Berathvng des Antrages Solemacher am Montag vom liberalen Vrcepräsidenten der Herrenhauses, Dr. v. Beseler, hervorgehoben wurden. Es muß abgekartet werden, ob die Commission, an welche der Antrag verwiesen worden ist, eine Form findet, welche die Ueberreichung der Adreffe doch noch gestattet, ohne gegen die hierbei zunächst .in Betracht kommenden Verfassungs-Bedenken zu mrstoßm^ pteu6i^en Abgeordnetenhause wurde am Montag das seitherige Präsidium v. Köller (conf.), v. Heeremann (Centc.), v. Benda (nat.- liberal) per Acclamation wiedergewählt; das Gleiche geschah bezüglich der Schriftführer. Auf den „SchwerinStag" vom Mittwoch folgt am Donnerstag die erste Lesung de» Etats.
Die Wahlbewegung hat nach verschiedenen Richtungen hm schon ihren Anfang genommen und auch die ersten Wahlaufrufe sind bereits zur Stelle, indem gleichzeitig der Wahlaufruf der Nationalliberalen und der Fre.» sinnigen, wie auch der Conservativen veröffentlicht worden ijt (.Wir tagen dieselben an anderer Stelle dieses Blattes folgen.)
Dem vielgenannten Bischof Dr. Kopp von Fulda ist in einem Schreiben der Cardinal-Staatssecretärs Jacob int die Anerkennung der aposto
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lischen Stuhles für die versöhnliche Thätigkeit bei Bischoss ausgesprochen worden.
Die gegenwärtige Anwesenheit der bayerischen Ministers der Auswärtigen uno zugleich Ministers ves königl. Hauser, Freiherrn v. Crailsheim, in Berlin soll mit UnteiHandlungen über die auch formelle Erhebung des Prinz-Regenten Luitpold zum Träger der bayerischen Krone Zusammenhängen.
Die Nachrichten über die jüngst signalistrte abermalige Strike- bewegung im Kohlenreviere von Charterst lauten allmälig bedenklicher. Dem »Etoile Belge" zufolge sollen sich die Arbeiter in dem Kohlenbecken zu einer allgemeinen Arbeitseinstellung verabredet haben und seien in verschiedenen Orte» die Bürgergarden unter die Waffen gerufen worden. Die Leitung der socialistischen Partei Belgien» scheint selbst die Consequenzen einer solchen Arbeitseinstellung zu fürchten, denn es haben sich mehrere socialistische Führer von Brüffel nach Charleroi begeben, um einen allgemeinen Sinke zu verhindern. Jedenfalls wird die belgische Regierung gut thun, auch ihrerseits umfassende Vorsichtsmaßregeln zu treffen, wenn sie nicht eine Wiederholung der Arbeiter- Revolte vom vergangenen Frühjahre riskiren will.
Die Wiener Osficiösen fehen sich immer wieder genöthigt, allerhand aufregende Nachrichten über besondere militärffche Maßnahmen der österreichischen Regierung zu dementiren. So erklärt das „Telegr.-Corresp.-Bureau" in Wien, e» sei ermächtigt, die Budapester Meldung, es hätten zwei reitende Batterien des 7. Corps-Artillerie-Regiment« in Temeswar Marschbereitschafts-Befehl und die Reserve-Osficiere de» 6. und 7. Corps ein Bereilschasts-Aviso zum Einrücke« erhallen, als total erfunden und völlig unwahr zu bezeichnen. Auch au» Warschau wird gemeldet, daß von dem signalisirten Einrücken russischer Truppen. Abtheilungen in bestimmte Grenzorte bislang nicht» bekannt sei.
Da» französische Ministerium Gablet erweist sich zäher, al» man eigentlich annehmen durste. In der Montagisttzung der Deputirtenkammer war gelegentlich der Berathung de» Budgets de» Innern vom radckalen Adg. Achard die Herabsetzung des für geheime Zwecke geforderten Wahlsond» beantragt worden. Der Ministerpräsident Goblet bekämpft indeflen den Antrag energisch und stellte schließlich die Vertrauenssrage, worauf die Kammer den Antrag Achard mit 273 gegen 220 Stimmen ablehnte, die bett. Position selbst aber bewilligte. Herr Goblet verdankt diesen Erfolg dem Zujammenhollen der gemäßigten Republikaner und der Opportunisten und wenn diese beiden Kammer- Fraktionen auch in anderen, wichtigeren Fragen zusammengehen, so hätte da» gegenwäriige französische Cabinet allerdings eine einigermaßen sichere Existenz für seine Bast» gewonnen — aber freilich, wer möchte sich wohl für dre Dauer dieser Freundschaft zwischen den Anhängern Ferry's und Freycinet s verbürgen?
Seit vorigen Samstag weilt die bulgarische Rundreise-Deputation in der Siebenhügel-Stadt und so weit es sich um Aeußerlichkeiten handelt, können Grekoff und seine beiden Deputalions-Collegen mit ihrer Aufnahme ttt


