Ausgabe 
20.3.1887 Erstes Blatt
 
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schnee" ist's, nein, das ächte winterliche Schneegestöber, das fußhoch aufträgt. Ver­kehrsstockungen werden auch jetzt wieder vom Rhein und aus Baden, besonders aber aus Gebirgsgegenden gemeldet und die Eisenbahnzüge treffen hier und da mit stunden­langen Verspätungen ein. In den Straßen unserer Stadt arbeitet energisch der Schneepflug, aber der Erfolg seiner vier Pferdekräste wird wohl über stacht wieder illusorisch. Dazu herrscht eine Kälte wie um Weihnachten und leichtgläubige Kinder- gemüther hoffen auf die baldige Ankunft desChristkindchens", das Ersatz des mittler­weile den Weg alles Irdischen gegangenen Spielzeugs bringen soll. Da beginnt denn nochmal die Aera der Pelzhändler und der Eispächter hat begründete Hoffnung, daß auch sein Geschäft in diesem Jahre nochmals zur Geltung kommt.

Der 90. Geburtstag unseres Kaisers wird hier in altbergebrachter Weise gefeiert werden. Festgottesdienst, Parade auf dem Roßmarkt, Festbanket im Zoologischen GartenAlles wie seit Jahren und vom vorigen Jahre nur insofern unterschieden, als- sich die wackere Capelle unseres 81. Jnf.-Negiments zu ihrem Abendconcert auf dem ^chillerplatz Heuer mit Pelzhandschuhen bewaffnen wird, während im vorigen Jahre ein heftiger Platzregen auf die hundertköpsige Menge herniederrauschte, die andächtig den patriotischen Vorträgen der Capelle lauschte, überstrahlt vom milden electrischen Licht desCafS Bauer", das auch heute wieder sich in ganz besonderer Weise zu diesem Freudentage der deutschen Nation schmücken wird.

Heute in den Nachmittagsstunden bewegte sich ein eigenthümlicher Hug über die Zeil. Zahlreiche, theils prächtige Pferde voran, dann 7 Riesenexemplare indischer Elefanten, Zwergpferde kurzum die ganze vierbeinige Künstlerschaft desCircus Earre", welcher in der landwrrthschaftlichen Halle, draußen in der Ostendstraße, morgen (Sams­tag) Abend seine Vorstellungen beginnen wird. Ein Extrazug hatte den Circus aus Hannover hierher befördert, wo derselbe längere Zeit mit großem Erfolg Vor- irellungen gab.

Auszug aus den Kirchenbücher« der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Elis-bLebvrmd?» 26£>3anu«.I,UfCr cinc $od>£t- ^nna Clara

bcn 23®3anuarn' ®* *reiner H»mann Stauß eine Tochter, Wilhelmine, geboren ge6onntbinnd21.n3anuir.SDiUf,fCr 3°5anne* Leider cin Sohn, Georg August Karl, geb°r.?d7nd1l"JaE? DE<°nOmCn U tin Sohn, Heinrich «mil,

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Denselben. Dem Taglöhner Karl Hof ein Sohn, Karl aeboren den ?3 ft..,...,,

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den 6. Fcbruar.^"^' Dem O-conom Georg Brömer ein Sohn, Wilhelm, geboren gc6orenBbeIiiE6.tmä®.tm ®*tEtner ^i-drich Rosenbaum ein- Tochter, Pauline EmUie, Kar°la^ermLeV°re?dm E"'° W. fcnridte

6tinri* ®rönin9er dn S°hn, Theodor Martin,

Lndwig^Hermami, g7b7r.kd°mT ®^n' Conrad

Geor/att 17 Iah?-, Cigarrensabrikanten Ludwig

Friedrich^Klinkel,7^42 L, LL°d-n Ä* ®*D,d»mEi'1rt

DerftorbenE"

den 1177ärj ' mri' Debus, Müller, verheirathet, alt 33 Jahre, gestorben Brome? °tt^6 Jahr'-, ZLW O°-°n°m-n Georg

Appel, ?lt"b?Jahr^g?störben^dm^12^ML^z?o"' icS S^hmach-rs Louis

tparrdeL «rrd BerEe-Z

19. März. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund 0.850.00, Hühnereier per St. 45^, Enteneier St. 50^, Käst vr. St. 48 & ^cmaattrnr° Wen vr. Liter 18 H, Linsen 29 Tauben per Paar 70 bis O'OOL, Kühner per Stück JL 0.85-1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.85-1.40, Enten 1-70, Ganse per Pfund 0000 Ochsenfleisch per Pfund 62 bis a' Ä«?! 51-56 Schweinefleisch 5660^, Hammelfleisch 56 bis

?o ^^Ealbflersch 4450 Kartoffeln per 100 Kilo JL 4.005.00, Milch per Liter 1218 Zwiebeln per Centner 7.007.50.

Gießen, 19. März. (Historisches.) Unsere Mittheilungen in Nr. 62 über die römischen Funde bet Butzbach ergänzen wir nach dem Vortrag, welchen Herr Universnätsbibliothekar Dr. Haupt am 17. d.M. imOberhessischcn Verein für Local- geschichte" hielt, durch Folgendes: Diejenige Strecke des Limes (Pfahlgrabens), welche unsere Gegend durchschneidet, ist durch die Bemühungen des genannten Vereins und insbesondere des Herrn Directors Sold an in ihrem Verlaufe zwischen Arnsburg und Butzbach hinreichendfestgestellt; nur für den wohl wichtigsten Theil derselben, das Gelände westlich von Butzbach, fehlte es bisher noch an Vielem. PH. Die ff end ach hatte zwar eine römische bürgerliche Niederlassung im District Hünneburg nachgewiesen; auch ließ sich mit Recht behaupten, daß dort an einer Stelle, wo 4 große Römerstratzen von der Wetterau und dem Taunus her den Limes überschreiten, auch schon zum Schutze, ;a als Ursache der bürgerlichen Niederlassung, die wohl aus Veteranen und Ho,nolern bestand, ein Kastell zwischen dem Limes und der Ansiedlung gelegen haben müsse. Die jüngsten ^unde haben nun unsere Kenntnisse erstens dahin erweitert, daß die bürgerliche Niederlassung ausgedehnter war, als Diefsenbach meinte. Dieser hatte bidelbe aus das Gelände zwischen der Straße Butzbach-Gießen und dem ungefähr gleich veil mfenden, 500700 Mtr. von ihr entfernten Hünneburgweg beschränkt: nun hat sich ergeben, daß das Trümmerfeld der Hünneburg sowohl östlich über die Straße Butzbach-Gießen, als auch westlich bis zu 80 Mtr. über den Hünneburgweg hinaus-s grcllt. Zweitens wurde eine gepflasterte, 8*/r Mtt. breite Straße aufgesunden, welche, in nordwestlicher Richtung ziehend, den Limes vermuthlich fast senkrecht treffen wird. Der Verlauf derselben, sowie des Limes selbst an dieser Stelle und die Lage des Kastels sind noch sestzustellen.

® M IS if ft t M.

c rr nn* März. Wie ich aus sicherer Quelle erfahren soll die

8; ^omp- be-> 3nf.-Regts. Nr. 115 bei der Formation des in Straßburg w errichtenden neuen Regimentes zur Verwendung gelangen B 9 3

Geb sRontba(^ft,Errfn,rifftt^ unttr r-M»cher Th-ilnahm- die Beerdigung des im kV FV * Derselbe war geboren am 17. Mai 1814 zu Lichtenberg

bX ,ra7m 1840 in d-n Staatsdienst, welchem -r bis zur Aus

steuer-Dlrectlon angehorte. Neben seiner amtlichen Stellung^hat der

QlU an^cre.n Gebieten des Staats- und Communalwesens gewirkt

politischer Beziehung gehörte Welker der nat.-lib. Partei anals^ner eifrtafSn Mitglieder und wurde von derselben im Jahre 1874 als Vertreter für Sn Ä S

x>armjiaor oon io«-- 1^78 tn der II. Kammer der Landstände Mil Welker iff ,4n SJÄSÄ* «»-» « - Ä einem der dort verkehrenden Louis derart durch einen Messerstich in h a> i°n ft erftattct6 ®trt>rin8UU9 inS S-spital nothw-Mg wuL-. »

Frankfurt a M., 1g. März.Es mutz doch Frühling werd-n» heißt s m einem bekannten schonen Fruhlingsgedicht und wenn der in diesem cn,holten- Trost sich nicht schon s-it Exift-n, d°-r alt-n M?L E d- alljä ruF°E? Aum' b-wahrheite halt- - man mach,- falt glauben, der Winter wollte se m-isi7 Herrschaft auch auf die übrigen Jahreszeiten ausdehnen. Im Augenblick mn I diese Zeilen schreiben, wirbclt's wieder dicht und flockig hernieder, kein dichter März^m

Die einzelnen gefundenen Gegenstände (Münzen, 1 Broncebrosche, 1 Bronce- gegenstand, defsen Zweck noch nicht aufgeklärt, Scherben von terra eigillata, zum Theil mit Ornamenten versehen, Stück einer Schüssel aus gewöhnlichem Thon, in dessen unterem eine härtere Masse eingedrückt ist, 1 riesiger Mischkrug und 2 dazu Ende Henkel sder dritte fehlt), 1 Sieb aus Thon rc.) sind dem Museum des Vereins, altes Rathhaus (geöffnet Sonntags von 111 Uhr), einverleibt.

Fabrikant Wolff zeigte darauf eine größere Anzahl altorientalischer Münzen, die in Jerusalem gesammelt worden waren. Dieselben umfassen, mit Ausschluß der neueren, einen ungefähren Zeitraum von 2000 Jahren, von altphönicischer Zeit bis zu den Kreuzzugen. Wesentlich erleichtert war die Betrachtung und Vergleichung durch sehr vergrößerte, vortreffliche Zeichnungen, welche gestatteten, eine altphönicische Münze mit einer Alexanders d. Gr. und diese wieder mit einer von Ptolemäus I. zu ver- tzleichen. Diese, sowtt eine Münze des Kaisers Augustus zeigen vorzüglich modellirte und geschnittene Porträtköpfe. Auch die jüdischen Münzen sind, wenn auch viel einfacher gut ausgefuhrt. Sie zeigen einen Kelch auf der einen, Wetnlaub, Traube, Aehre oder Palme auf der anderen Seite. Nur bei dem berühmten oder berüchtigten Silberling, der einzigtti Münze, die nachgemacht in den Handel gebracht wird, steht der Kelch zwischen Weinreben und Aehre. Wie wunderbar, daß auf ihm Brot und Wein zur Darstellung kommt. Eine deutsche Münze des Hohenstaufen Friedrich II. 1228 von " k ^ltenhett dagegen zeigt eine ungemein rohe Ausführung in Zeichnung

und Stempelschnitt und dieser kann nur von einem deutschenKünstler" ausgeführt worden sein und sticht gegen selbst die alten und ältesten in überraschender Weise ab Vom Hohenstaufen ging Redner zum Hohenzoller in geschickter Weise über, rccitirte aus den nahen Geburtstag unseres geliebten Kaisers, ein Festgedicht auf denselben und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät, das von der Versammlung be­geistert ausgenommen wurde. B

X Gießen, 19. März. Der Abiturient des Realgymnasiums, der an der Fortsetzung seiner Prüfung durch Krankheit behindert war, unterzog sich heute der Schlußprüfung. Da dieselbe fürbestanden" erklärt wurde, beträgt nunmehr die Zahl der mit dem Reifezeugniß zu Entlassenden dreizehn.

Am Gymnasium habm 27 die Reifeprüfung abgelegt.

Gießen, 18. März. sSchwurgericht.) Der umherziehende Korbmacher Adam Klein von der Kröge bei Battenberg, 41 Jahre alt, Wittwer, schon häufig wegen Beleidigung und Körperverletzung bestraft, hat sich heute wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg zu verantworten. Klein befand sich am Abend des 31. Dec. v. I. in der Herberge oon Hammel in Butzbach, woselbst er die Nacht zu bleiben gedachte. In derselben war noch eine Menge fahrenden Volkes anwesend, darunter auch der Andreas Dicht von Ober-Ohmen mit einigen Weibern. Klein war bereits am Tage vorher auf der Herberge zu Lang-Göns mit Diehl zusammen getroffen; seiner Be­hauptung noch zum ersten Male und habe er hier ganz freundschaftlich mit ihm ver­kehrt. Am 31. December begab sich Angeklagter von Lang-Göns nach Kirch-Göns, Butzbach und Mittags wieder nach Lang-Göns zurück; fuhr jedoch Abends mit der Bahn nach Butzbach, um die Neujahrsnacht dortselbst zu verleben. Er hatte tagsüber dem Branntwein weidlich zugesprochen und als er in die Hammel'sche Herberge in Butzbach kam, führte er gegen den dort anwesenden Diehl und seine Sippschaft während des ganzen Abends provocirende Reden, schlug mit dem offenen Ntesser auf den Tisch und es kam schließlich so weit, daß Diehl und einige Anwesende den Klein vor die Thürc setzen wollten. Nach längerem Hin- und Hcrzerren packte Diebl den Klein am Kragen, letzterer versetzte aber seinem Gegner einen Stich mit dem Messer in den Leib, so daß dieser von ihm ablassen mußte. Der Stich ging von oben nach unten und hatte eine Länge von 5 (Zentimeter. Die dem Diehl zugefügte Verletzung war eine so schwere, daß derselbe wenige Tage nachher im Spitale zu Butzbach ver­starb. Der Angeklagte behauptet, im Falle der Nothwehr gehandelt zu haben; die heutige Verhandlung ergibt jedoch nichts zu seinen Gunsten. Zu einem der ver­nommenen Zeugen äußerte Angeklagter vor einiger Zeit im Arresthause zu Butzbach: Er habe nur 8 Tage zu sitzen; er sehe und höre nichts mehr, er werde jetzt einen Zusammenstechen, dann habe er Brod. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage und wurde Klein in eine Gefängnißftrafe von 3 Jahren verurtheilt.

Gießen, 19. März. (Turnerisches.) In der am 6. d. Mts. zu Kreuznach Qbgehaltenen Sitzung des Kreisausschusses des Mittelrheinkreises wurde der int vorigen Jahre von den Turnvereinen Gießen und Lich gegründete Lahn-Wettergau, welchem inzwischen auch der Verein Wies eck beigetreten war, als XIV. Gau in dm «reis ausgenommen, mit der Vorschrift, nur innerhalb des Umkreises von 12 Kilorn. (2 St. 24 Min.) um Gießen herum Vereine aufzunehmen. Der XIV. Gau zählt jetzt ca. 1200 Mitglieder. Sonntag den 3. April findet hier im Caf4 Schnell ein Turntag dieses Gaues statt.

Auszug aus bett StaudeSamtsregisteru des Standesamts Gieße«;

(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)

Unfgedote.

cm^IcIrtn Fredrich Mehl, Fabrikarbeiter zu Herborn, mit Anna

-U mie^cn- 18 ^to Max Schmidt, Uhrmacher von hier, mit Ida. Marie Luise Katharine Zimmermann von hier. 18. Georg Adam Hainer von Storndorf. Schreiner dahier, mit Katharine Stoll von Lang-Göns, wohnhaft dahier.

<m- io (x l Eheschließungen.

ix m r r Johann Conrad Leisler, gebürtig von Marburg, Tapezier dabier mit Bertha Johanna Margarethe Weißmüller Hierselbst. 5 9 *

an- _ _ Geborene.

o 4 t. . r3Ä I* ^?6löh"erJohannes Winnecker eine Tochter, Anna Margarethe ^^ine 8. Dem Wirth Carl Achenbach ein Sohn, August Carl. 9. Dem PNoatier Johann Leonard Savelsberg ein Sohn, Hermann Cornelius Alfred. 10. Dem Schub­fächer £)ermönn (Seibert eine Tochter. 11. Dem Bäckermeister Johannes Deuker eine Tochter, Minma Luise Anna Katharine. 12^ Dem Kaufmann Philipp Bob eine Tochter m ?pe"6lermeister Jvhann Schneider eine Tochter. 12. Dem Seifen- n r Joseph Mobs eine Tochter, Elisabethe Margarethe. 13. Dem Schmied Christoph Schmtit em Sohn. 15. Dem Arbeiter Eduard Lind von Klein-Linden ein tnhtAC^rCnCa ^!ns Geschlechts. 16. Dem Bierbrauer Peter Worch ein

ae°nrpn%CI^fnisÄ^chenk^Etchlechts. 18. Dem Lackirer Ludwig Lind ein todt- ... - , ,. - r9e 'orenes Kind männlichen Geschlechts.

Hünneburgweg hinaus-hy^ , . Gestorbene.

März: 11. Philipp Debus, 33 Jahre alt. Müller dabier 11

^eUfe Wortmann, 72 Jahre alt, Wittwe des Hofgerichts-Directors

^aier* 12. Christiane Appel, geb. Simon, 51 Jahre alt, Ehefrau des Schuhmachers Louis Appel. 13. Bathasar Lotz II. 41 Jabre alt Fabnkarbeittr von Wieseck. 13. Elisabethe Brömer, geb. Schäfer, 36 Jahre alt Ehe« 36 Vbre ®tÖXc- Brömer dahier. 13. Emilie Rosenbaum,^ geb. Löber,

Schreiner Friedrich Rosenbaum dahier. 13. Alma Marie fl ^nFir6, t TochA von Schreiner Rudolph Kutzer dahier. 13. Lina Fries, PfnpU/1Ä q{?er ?0^.^.^uffee-Aufseher Friedrich Wilhelm Fries zu Grävendrück, Kreis ^.lpe. 14. Marie Rubsamen, geb. Hörster, 81 Jahre alt, Wittwe von Seiler- meister Heinrich Rubsamen dahier. 14. Katharine Geiß geb Knöß 53 nit Wtttwe °on Mühlarzt Peter Geiß von Sellnrod 1b! Elffab^th? Hock ?Jahr att Tochter von Weißbinder Konrad Hock dahier. v l 9r