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Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Korrespondenz ° Bureau.
. dariS, I2. Januar. Die Blätter fassen die gestrige Rebe des Fürsten Bismarck tn friedlichem Sinne auf und erblicken in derselben die wirkliche Absicht Deutt-b- lanbs, Frankreich nicht anzugreiscn; sic stellen zugleich in Abrede, baß FrankrcU daran denke Deutschland anzugreifen. Der „Temps" meint, die Rede des deutschen Reichskanzlers werde in Europa einen hervorragend beruhigenden Eindruck machen
— Frankreich und Rumänien sind übereingekommen, das seit 1 ^uli v ’ Blasien' Handelsverhältniß bis zum I. April d.J. zunächst weiterbestehm
London, 12 Januar. Der Standard" sagt, die Deutschen würden die hohe Stellung, die sie unter den Bo kern einnahmen, nicht länger verdienen, wenn sie taub blieben gegen die gestrigen gewichtigen Worte des Fürsten Bismarck und Moltkc's und vorzogen, sich durch Haarspalterelen und Abstraktionen parlamentarischer Führer leiten zu lassen Sobald Frankreich oder Rußland glaubten, Deutschland sei seiner militärischen Lasten müde, werde der Friede nicht eine Woche gesichert sein Die srimes" meint, Deutschland könne mehr als andere Machte zur Erhaltung des Friedens thun aber nur dann, wenn cs gesichert fei gegen jeden möglichen Angriff '
N«wy°rk, 12.Januar .Achthundert Schiffsauflader, welch-an dem Chef-peak-- Ohro-Eanal in Newport gearbeitet und die Arbeit eingestellt hatten verbinderten drcl- tausend Arbeiter, die Arbeiten fortzusetzen. Vier Compagnien Miliztruppen sind^zur Wiederherstellung der Ordnung nach Newport entsandt worden. 4
Uuiverfität» - Chronik.
pr,if 3“nuar- fPetition.j Als Verwahrung gegen die von katholischer
Befreiung der Theologen vom Militärdienst ist auf Anregung der ble '°l»-nd- Petition an den Reichstag abgegangen wttckc d e
Unterschrift sammtlichcr zur Zelt in Gießen anwesenden und die Rcichsanacböriake-t besitzenden evangelischen Docenten gefunden hat: mc^angeyorigre.t
i ÄT, bte b^rzu erforderlichen Mittel wie Vorträge, Vorlesungen, An-
männts-be m ' f*iIbeiF,c ble Anforderungen, die heute an das Kaus-
^ieler ro.urbin„runb, wie mangelhaft die Vor- und AusbUdung so
I mclcr Angehörigen des Kaufmannssrandes fei u. s. w. °
I v» Im ^Weiteren führte dann Redner aus, daß neben dem Zwecke der Fortbilduna I sick da-u berufen seien, Schäden entgegenzuwirken, welche
99inh^n^ cn una das Lehrlingsunwesen, verbunden mit einem allzu 3Urmr H.andelsfach zu erwähnen. Er wies nach, wie in den Arbeiter- colomen stets stellenlose junge Kaufleute Aufnahme suchten und wie sich sogar unter hätt-n^D^Sckuld an >/z stellcnlofc jungt Kaufleute besunben
Einiäbria^rciwilliäcn Mißverhaltniß sindct Rcdncr zum Thcil in unserem
mtrf8 n>8nlf rnk f-' JDDburd’ viele lunge Leute zur Erlernung eines Hand-
I Blätter die n’u[bcJ1’ Thcil in der incoiisequenten Haltung vieler
I mir nimh ?ue ote Roth und den Verfall des Handwerks in den grellsten Farben moigen nncfcer den goldenen Boden des Handwerks nach allen Richtungen flTn,if “J $rimTMhbnrJtra61m Ä' *n bcr Hauptsache aber in dem Egoismus
I Prinzipale, die sich nur mit Lehrlingen behelfen und hierbei ebeniowenia auf Zeugn?ß"und"man^ ^ellbi,B‘er Lehrzeit erhalten sie ein brillantes
I su. tu10” ’** Redner behandelte eingehend die Folgen dieses Miß-
I ^^lttrende Stellenlosigkeit, das massenhafte Angebot der Arbcits-
I Sonhcrvcrlrägc mit Umgebung des Art. 60 des Hand-lsg-setzbuch-s
vcrbMnisse dtt'tße ®ef(t)äft§laae, die Unsicherheit unserer Ercdit- sei usw' ° S 0 b übertriebene Coucurren, mit der Lehrlingsfragc verknüpft ?nnteriC^c bc§ ,Slat*bc[§ erachtet es Redner als eint Hauptaufgabe der Kauf- Mittel mr Kenntnis hH C° U"ß r*V L-hrlingsfrage mitzuwirkcn und als geeignetes ^Nsttmß zu bringen, welche Momente bei der Widmung zum Kaufmann- ßhnrnft!? seien als Befähigung, Vorbildung, Lehrhaus, Prinzipal
nnd^Iben u- f- w. Redner erörterte diese Punkte näher
ffiMnhp?h!n,n6HprienaIuf0>berrb“ Kaufmännischen Vereine hält Redner die Hebung des ^tam>eobewubtseins. In klaren Worten schilderte er die Cultur- und Berufsaufgabe stän^iunmn" K^aMmanne^ Standtsbewußtsein gipfele, und die Pflicht eines m TOeifprpn §f f n b^rmtt eingehend vertraut zu machen. Redner erachtet
V^uesomet FnlAp in L“^1 H°vb°lsmteressen als eine Aufgabe der Kaufmännischen solche in der Eompetenz derselben liegen und erinnerte an das Vorgehen »,l„. .i« «,,»«.«
3“ W "SÄSÄ £ SS ^biwilligen Krankenversicherung nach Lage unserer heutigen ^rührt?ders'elb/d^e M m ' Ä eingehend und befürwortend geäußert hatte, Helche Thatsachen hemmen die Entwickelung der .Rauf;
Factoren d^ lft thun? Redner charakterisirte als hemmende
Factoren das Vorurtherl tn persönlicher, konfessioneller und politischer Hinsicht mangelnde Erkenntmß der Zusammengehörigkeit, falsche einseitige Berufsauffassung' Voreingenommenheit, Mangel des Standesbewußtjeins, Hang zur Kneiperei und der Vergnügungssucht, ohne hierbei außer Acht zu lassen, wessen Geist, Gemüth und Körper zur geeigneten Zeit bedarf. Zur Bekämpfung dieser Thatsachen erachtet Redner Ru= gemeinsames Wirken derjenigen, die von der Nothwendigkeit des tm Jnteresie des jungen Kaufmannsiandes durchdrungen seien.
^Schwi^gkeitcn, die hier im Wege ständen, wären ihm wohl bewußt, doch wieL Sieg'nmdurch Karnpl11 X“” aUfiU,Deikn 6iUtC' tbcnf0 roärc °uch h'-r der . Redner schloß seinen interessanten Vortrag mit den Worten: Suchen wir vereint ?tr blc Prmzipalität, suchen wir unsere Berufsgenossen immer mehr ^^Emswesen zu gewinnen, ich habe die feste Ueberzeugung, daß sich solches mannstande^^ gedeihlicher entwickeln wird zu Nutz und Frommen des jungen Kauf-
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Die Begründung welche der Vorsitzende gab, gipfelte in bem Sake- Die 115 Sa.,",;“eta^uj äs; ää; S'L7"«L,°7 au?. Außerdem lies cm Brief von dem Senior der Fakultät, Herrn Conststorüil- ausdrücktc^ ^ ^°"ke, ein, welcher der Versammlung ebenfalls'seine Zusttmmung (O. Ztg.)
. . 'l^ie unterzeichneten evangelischen Docenten der Universität Gießen bccbren
h-'ubohcn Reichstage nachstehende Petition einzureichen. VonWusch« SükM der Antrag an den hohen Reichstag gelangt, daß für die Sbeobaen auS i ! Befreiung vom Militärdienst gefordert werden möge Maa die iC die Erfüllung der Pflicht dn 'Verteidigung desVattrland
Kirche Unerträgliches ansehen, und mag es nach LageÄ Dinge sirr die Regierung wunschenswerth erscheinen, der Forderung daß die fathn- °0C? 2om Militärdienst befreit werden, nachzugeben, so folgt daraus nickt int Mindesten, daß auch den evangelischen Theologen diese zweifelhafte Wobltbat auf- gedrangt werden müßte. Nach der evangelischen Ansckauuna ift wS? nS!9in ♦ * L oder Staat eine der wesentlichsten ©P^ären für hTse?hX0llnfa de?Kt'rcke^n^ ^angelischen Anschauung hat der sogenannte Geistliche oder Diener der Kirche keine besonderen, aus seinem Beruf ihm zuwacksende Heilinkeit in die ihn daran hindern könnten, die allgemeinen^Pflichten acaen Vo» ,.nb zu erfüllen. Wenn er, nachdem er in ein Ä’
lichkett von der weiteren Erfüllung seiner Militärpflicht dispenstrt wird so ^ist das kein Grund, ihn vorher durch Gleichstellung mit den katholischen Th^n der Liebe zu den nationalen Gütern zu entfremden, die durch die Militärvflickt in R?rnnrVJ k e W-is- g-krästigt wird. Eine solche Gleichstellung^ w»fdta *d V
fonbern t>er Ungere^tigEeit fein und den Stand der evangelischen Theologen mtt ^em Achm.mÄs°"Ge,u"ch an^e» °h° en ReiA"ta^Äelb"c wolle dmch AbÄnuna'd s'Ä" trags Reichensperger, soweit derselbe auch Kc evangelsichen Älogen^inschlieft die Parität bewahrm. unflerecbtfert,0ten unb unverdienten Anwendung des Grundsatzes der
M°rbnrg statt. Auf der Tagesordnung'stand f°lW°W°?Mo.4ei<L°7^
Reichstag des Deutschen Reichs wolle hochgeneigtest dahin „wirken, daß das einstimmig verlangte Recht auf Theilnahme an der alt- "n>abrt16kib^"^P,l'‘6t bCtl 6tubcnten bcr evangelischen Theologie bc-
« -c- Kriegsminister Bronsari: v. Schellendorf wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der Oppositionsredner; beleuchtet nochmals ziffermäßig die neue Organi- satton und führt aus, durch welche Erwägungen die Militärverwaltung zu den von rhr ausgestellten Zahlen gelangt sei. Die Verwaltung sei dabei von den Rücksichten der möglichsten Sparsamkeit geleitet worden. Der Zweck der ganzen Vorlage sei aber der, daß die Regierung auf die Dauer von sieben Jahren die Sicherheit einer erhöhten Rekruteneinftellung und dadurch einer erhöhten Kriegsstärke habe und zwar shne Beeinträchtigung der Qualität.
Abg. Graf Behr (Reichspartei): Man müsse das Septennat, wie es gefordert wrrd, bewilligen: die Opposition entspringt dem Mangel an Vertrauen und maße sich etwas an, was ihr verfassungsmäßig nicht zusteht. Redner kritisirt darauf die Eom- misstonsverhandlungen, in denen Freisinn und Centrum mit den Socialdemokraten fraternisirt hätten, was er nicht begreifen könne. Wie wenig die Opposition von Politik versteht, hat der Abrüftungsantrag des Abg. Virchow 1869 gezeigt. Mögen die Herren sich noch rechtzeitig entschließen, für das Septennat zu stimmen.
Abg. Dr. Windthorst: Man nennt mich jetzt oft zusammen mit dem Abg. Richter — ich bedauere denselben (Heiterkeit), denn er kann vielleicht dadurch in den Geruch kommen, klerikal zu sein. (Große Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat gestern den verstorbenen König Georg V. von Hannover beschuldigt, in Frankreich eine Legion gegen Deutschland geworben zu haben. Ich weiß das nicht, aber ich weiß, daß Seine Majestät in Berlin um Frieden nachgesucht hat und in Berlin schnöde abgewiesen ist.
Der Präsident ruft den Redner für diesen Ausdruck zur Ordnung.
Hat das hannöversche Armeecorps nicht 1870 Heldentaten geleistet? Ich verlange, daß man uns in Ruhe lasse. Es gibt Nationen, die dem Besiegten chevaleresk entgegenkommen und es gibt solche, die den Gegner skalpiren. (Heiterkeit.) Die ganze gestrige Rede des Reichskanzlers war angethan, die Ablehnung der Vorlage zu pro- vociren. (Beifall links.) Ist Alles so, wie Fürst Bismarck sagt, so haben wir keinen Krieg zu erwarten, denn Frankreich wird uns nicht angreifen. (Lebhafter Widerspruch rechts.) Der Antrag Stausfenberg wird die Majorität des Hauses finden, dann liegt ein Beschluß des Hauses vor, aber freilich ein Beschluß der gefaßten Majorität. Wir sagen Nicht, daß wir nach 3 Jahren Alles ablehnen wollen, aber wir wollen nach ; 3 Jahren nochmals prüfen. Ich bin der letzte, der der monarchischen Macht ihr geringstes Recht nimmt, ich halte besonders die Monarchie Hohenzollern für den Fels der Ordnung. Aber wer die Volksrechte verkümmert, der gefährdet den Thron (Beifall links.) Wir bewilligen jeden geforderten Mann auf drei Jahre und wenn's nach drei Jahren nöthig ist, so bewilligen wir es nochmals. (Lebhafter Beifall, Zischen rechts.)
e Fürst Bismarck: Ist denn, frage ich, Herr Windhorst seiner Majorität nach drei Jahren noch sicher? Kann sich das heutige Consortium nicht auflösen ? Sie sind nur etne Majorität der Negation: sobald etwas Positives geschaffen werden soll, zerfällt dieselbe und auf solche Majorität will der Herr Abgeordnete nach drei Jahren ver- I weisen? Die Einrichtung des Septennats ist seinerzeit aus einem Compromiß hervor- I gegangen, weil ich im Interesse des Friedens mit dem Reichstage nicht mehr fordern 1 wollte. Die Regierung kann sich allein von den Erwägungen über Deutschlands Heil I leiten lassen. Die Verfassung steht auf unserer Seite, gegen diese sollten Sie doch I nicht anfatnpfen. Wir haben geglaubt, Leute, die so lange die Einheit entbehrt haben I werden die Einheit im Reichstage suchen — wir haben uns geirrt, wenn solch' elende I Streitereien hier vorkommen können, das Volk hat sich geirrt, wenn es Sie hergeschickt I hat. (Lebhafter Beifall rechts.)
Ich habe Herrn Windthorst persönlich gestern gar nicht erwähnt; wenn ich Windt- I borst oder Partei Windthorst sage, so meine ich immer Herrn Richter mit (Heiterkeit) und die gesammte Opposition, denn ich kann nicht alle Namen der Gefolgschaft des I
Herrn Windthorst behalten. Herr Windthorst mag theoretisch anderer Meinung sein I
als die Socialdemokraten, aber bei seiner praktischen Politik können die Socialdemo- I Traten ihm sehr gut folgen. (Widerspruch.) Die Bürgschaft des Vorredners, daß I
Frankreich uns nicht angreifen würde, kann ich nicht gebrauchen, ich habe mein eigenes I
Urtheil über die Franzosen und habe schon gestern die Eventualitäten angeführt, unter I denen Frankreich uns angreifen würde. Die Arbeiter folgen im Falle eines Krieges I lieber dem Rufe des Kaisers als ihren parlamentarischen Führern, die nur Unfrieden I
Handwerk aber längst vergessen haben. Bezüglich Hannovers, worüber sich Abg. Windthorst beschwert, so war die damalige Politik eine aktiv gegen Preußen I gerichtete und die spätere Abweisung Georg V. durch Preußen gerechtfertigt. Noch weit I entschiedener war die Abweisung gewesen, die man uns 1866 von Hannover hatte zu I Theil werden lassen. 8 I
Ich wiederhole, daß die verbündeten Regierungen auf der unveränderten An- I nähme der Vorlage bestehen, gewähren Sie diese nicht, so werden wir ungesäumt einen I andern Reichstag befragen. (Lebhafter Beifall rechts.)
Fortsetzung der Berathung morgen.
8 o f a I e «.
Jan. Das hier am 18. d. M. stattfindcnbc Concert der berühmten Molin-Tirtuosin Arma Senkrah wirb uns bie Bekanntschaft mit bcr Pianistin Zr - Emma Gratzcurth und bes Tenoristen Herrn Werner Alberti vermitt n B-ib- Künstler smb Sterne, bcren Gang im Aufsteigen begriffen ist. Van Fräulein Großeurth ist schon manches Lob zu uns gedrungen. Die Künstlerin ist nnn itwo« früheren Kunstreisen mit bem Baritontsten Dr. Krückl noch im be ten Slnbcnfm unb wirb zuversichtlrch bas große Lob, bas ihr stets gespenbet würbe, voll recht e?tiäen Der Sanger bes Abenbs Herr Werner Alberti, ist ein junges Talent, von besten Zukunft b-r Impresario sich Großes ver pricht. Mächtiges unb wohlklingenbes l> s zum hohen 6 schon gebilbetes Organ unb poetischer Vortrag siub bie Wahrzeichen b s lugenblrchen Sangers. Im Ganzen genommen haben wir einen ganz außergewöhnlichen Genuß von biesern Concerte zu erwarten. n^n^uyunaitn
Netzen, 13 Januar Wir erwähnten bereits kurz bes von Herrn Wilhelm denstlhen MZck ° "SP°ftfeIIer Seltenen Vortrages unb kommfn wir HeuteÄ „ . Nachd-m Herr Köser seinen Vortrag mit bem Ausbrucke ber Freubc über bas zahlreiche Erscheinen eingeleitet hatte begrunbete berselbc in eingehenber Weise, wie mit dem Aufschwünge, ben Hanb-l unb Jnbustrie in Folge unserer politischen Errungen schäften ber letzten Decenmen er ahren, sich bas Bebürsniß einer allgemeinen Verbrüderung von Berufslnteressen geltenb gemacht unb zur Grünbuna ber Kautmännitts..» Vereine geführt habe. Zweck unb Ziel biescrVereinigungen sei in'ersierLiuie H ^" unb Förberung allgemeinen, zeboch vorzugsweise kaufmännischen Wissens. Rebner


