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Welcher am Sonntag nach der türkischen Hauptstadt abgereist ist. Die Pforte will mit ihm über seinen Eintritt in die bulgarische Regierung unterhandeln und daß Rußland diese Verhandlungen begünstigt, ist bei der Haltung Rantoff's «eg-nüber der Regentschaft klar. Vielleicht ist. wenn die bulgarische Deputation m Konstantinopel eintrifft, Herr Zankoff bereit» wohlbestallte» Mitglied de» Cabrnets von Sofia!

Die von der Pforte angeordnete Ausweisung der griechi­schen Consuln aus Canea und anderen Orten Creta» dürste möglicher Weise einen abermaligen türkisch, griechischen Conflict heraufbeschwören. Die Consuln hatten die Großjährigkeit» - Erklärung de» griechischen Thronfolgers zu warmen, patriotischen Kundgebungen, die aber nicht besonders tactvoll aurfielen benutzt und dies scheint hinterher in Konstantinopel verschnupft zu haben, daher dem General'Gouverneur von Creta seitens der Pforte der stricte Befehl zage- gangen ist, die betreffenden Consuln zur sofortigen Abreise anzuhallen. Da zu befürchten steht, daß au» diesem Anlaffe Unruhen unter der zahlreichen griechi­schen Bevölkerung Cretas entstehen könnten, so find dem Gouverneur zugleich außerordentliche Machtbefugniffe erthei» worden und d,e» ist keine überflüssige Borficht, denn die Agitation unter der griechischen Bevölkerung der Insel behus» Anschluffes derselben an Griechenland hat eigentlich nie geruht. E» liegt noch kerne Meldung darüber vor, wie man in Athen da» Vorgehen der Pforte gegen die Consuln ausgenommen hat, aber wenn die letztere ihr Au»weisungs-Verbot nicht roieber rückgängig macht, so werden au» diesem Zwischenfall sicherlich biplo» malische Verwickelungen zwischen Athen unb Konstantinopel entstehen.

Deutschland.

Berlin, 9. Jan. Der preuß. Unterrichtrminister hat fich über die Leitung der sog. Kindergärten, in welche Kinder noch nicht schulpflichtigen Alters Auf. nähme finden, günstig ausgesprochen, da die Kinder in denselben (ob sie nun Warte-, Kleinkinder-, Oberlin-Schulen, Kinderbewahr-Anstalten ober Kindergärten beißen) gesund erhalten und körperlich gekräftigt werden, inrbesondere in ihren Spielen sich frei bewegen, ihre Sinne üben, ihr ganze» Wesen sich ungezwungen entwickelt und sie an Ordnung und Reinlichkeit Freude gewinnen und Ver< träglichkeit lernen. Anderseits ist darauf zu sehen, daß die kleinen Gebete, Verse, Lieder und Erzählungen, durch welche ihr Geist genährt und geweckt weiden soll, mit Umsicht gewählt, jede Ueberreizung ihrer geistigen Kräfte, ganz desonder» eine vorzeitige Anstrengung de» Gedächtnisse» sorgfältig verhütet, jede« Hinübergreisen in die Ausgaben der Volksschule vor dem vorschulpflichtigen Aller vermieden werde. Eine staatliche Prüfung an Anstalten zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen einzuführen, ist aus praktischen Gründen und um so eher abzuweisen, als die Eigenschaften einer guten Erzieherin und Lehrerin noch nicht schulpflichtiger Kinder viel mehr in ihrem Gemüthe, ihrem Tacte, ihrer ganzen Persönlichkeit als in ihrem Wissen und Können liegen. Nichtsdesto­weniger können die Schulaussichls-Behörden solchen Bildungranstalten ihre Auf« mensamkeit zuwenden und die Errichtung von staatlicher Genehmigung abhängig

Arankreich.

Paris, 11. Januar. Deputtrtenkammer. Bei Eröffnung der Sitzung sprach der Alteispräsident Blanc den Wunsch au», die bevorstehende Session uwge eine glücklichere sein, al» die vorangegangene und eine Politik des Fort- schntles, der Sparsamkeit und der Arbeit inauguriren. Die Einigkeit sei eine absolute Nothwenoigkctt für die republikanische Partei und das hauptsächlichste Ersordernrß de» Augenblick», möchten deshalb die Parteien sich bei allen durch, führbaren Reformen in Eintracht zusammenfinden.

~ Der Kriegsminister hat dem Ministerrath Mittheilung von einem tete* graphischen Beruht gemacht, der über die in Tongking zu Anfang dieses Monats m>rgekommenen Ereignisse eingegangen war. Rach demselben hatte sich in Thanhoa eine zahlreiche Abteilung von Rebellen gesammelt und stark verschanzt Zwei gegen die Befestigung gerichteten Angriffe waren erfolglos; es wurden °"bei 4 Osficiere verwundet, 5 europäische und 8 tongkingnesische Soldaten ae- Ebbtet, Wie io europ. und 27 tongkingn. Soldaten verwundet. Unter Befehl de» Oberst Bnssond sind alrbald Verstärkungen nach Thanhoa gesandt.

Reichstag.

. ,P, . , , . , ., E. R. Berlin, 11. Januar 1887.

^^E^rat ^ute m bte zwecke Berathung der Militärvorlage ein. Es liegen verschiedene Abanderungsantrage vor. ö

- l t/e (conp. Deutschland hat bewiesen, daß es den Frieden

wünscht, dazu muß es aber stark sein. Würde die Vorlage abgelehnt, dann glaube >r

Hl1 den ganz sicher. (Große Bewegung.) Wun sei ja nur Streit über d/e Zeitdauer; da mochte er daran erinnern, daß alle Institutionen, Handel, Industrie und Finanzen mit dem Heere stehen und fallen. Die Tüchtigkeit der Armee beruhe UnerfiiUterlirfjfeit. Ich wende mich an Ihren Patriotismus.

? ^k und Regierung einig und daß Sie bereit sind, jedes Opfer, auch

handelt (Leb^aft/Be^all.) M Um bic Sicherheit des Vaterlandes

Abg Freiherr v Stauffenberg (dfr.) vertheidigt die Commission gegen die gegen dieselbe erhobenen Angrifie. Alle Neuformationen sind von derselben voll^bewilligt worden; unerftndlrch sei der Vorwurf, daß eine Schmälerung der Wehrhaftigkeit vor- Gegenüber der Tendenz der Vorlage, ferner die Dienstzeit hinaufzuschrauben

. sem.^"irag auf ^frlangerung der Rckrutenvakanz durchaus geboten. Der Redner ble ^.^iherle der langen Dienstzeit besonders wirthschaftlicher Art für die Betroffenen. Dre Frage, ob 7 Jahre oder weniger sei eine bloße Fraae der Zweckmaglgkert; das Vortheilhafteste wäre die jährliche Bewilligung. B * 0

m Bismarck: Die verbündeten Regierungen drücken durch

N^s^^ugung aus, daß die Wehrkraft des Reichs, wie sie jetzt gestaltet ist, nicht die Bürgschaft für den Grad von Sicherheit gewährt, auf die die Station Drese Ueberzeugung ist durch competente Beurtheiler begründet, deren Europa anerkannt wird, mit alleiniger Ausnahme des Deutschen Reichslags (Bewegung) unter Führung der Herren Richter, Windthorst und Grillen- Mottkes n 9^^bn, daß diese Herren ihr Urtheil über das

Moltkes siellen wollen, sie muffen also andere Gründe gegen die Vorlage haben °tn ^hrl*Un0An ^^"^^efuhrt worden, als solle mit unseren Forderungen nur eine n0e Ur p?lere Steuerforderungen geschaffen werden. Was würden

Sie sagen, wenn ich auf solche Absurditäten erwidern wollte, Ihr Widerstand sei von

i elngegeben, daß Deutschland in einem Kriege nicht glücklich sei.

(Oh - ilnks.) Tas glaubt wohl Niemand, daß der Kaiser nach Erobererart eine Er­höhung der Kriegsmacht fordert, in der Absicht, einen Krieg für einen bestimmten Zweck zu fuhren, z. B. die orientalische Frage von hier aus zu dirigiren. Die zwei

Waran ciF ljiftoriid) überkommenes Ergebniß früherer Zustände

^roße Nation zu leben, konnte nur durch das Schwert ourchgesetzt werden, jetzt haben wir keine Bedürfnisse nach außen. Wir sind mit Oesterreich seit 1866 befreundeter, als vorher; wir haben uns über alle Fraaen aeetnml ^Lebhafter Beifall.) Was Frankreich anlangt, so meine ichwennwirten Frieden

London, 11. Januar.

Es

ist Neville.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correfpondenz-Burean.

Dublin, 11. Januar. Der Abgeordnete Dillon und die übrigen wegen Tbeil- nahme an einer ungesetzl cken Verschwörung Angeklagten sind unter Camion von je 50 Pfo. Sterl. vor die Assisen verwiesen.

Petersburg, 11. Januar. Die Akademie der Wissenschaften wählte zu corre- spondirenden Mitgliedern die Professoren Usener nnd Buecheler in Bonn, Neumann- Spallart in Wien, Karo in Breslau, Lindström in Stockholm, de Hue in Lenden und den Director des statistischen Bureaus in Rom, Luigi Bodio n°

Wien, 11. Januar. Einer Meldung derPolit. Corresp." aus Belgrad von competenter Seite stellt auf's Entschiedenste in Abrede, daß die serbische Regierung in Folge angeblicher montenegrinischer Rüstungen Truppen an die Südgrenze habe abgehen lassen. Alle hierauf bezüglichen Meldungen seien lediglich Erfindungen y _ _ Bern, 11. Januar. Die mit Rücksicht auf die Cholera in Oberitalien nm 19 August v I für die Gotthardtbahn, den Canton Tessin unddenL^aner S^e erlassenen polizeilichen Maßregeln, sowie das Verbot der Einfuhr von aus Italien kommenden Hadern, alten Kleidern rc. sind aufgehoben.

London, 11; Januar. Es bestätigt sich, daß Goschen als Candidat der Con- servatlven in dem Borsenbezirk von Liverpool auftreten wird. Der liberale Candidat

sTA.mhJdA sollen, muffen wir ein starkes Heer haben, müssen stark genug sein o^nt foU^eitn0hSCfGA ^c,b^a.tter Beifall). Unsere eigenen Beziehungen zu Rußland sind nSQKf/f!e tmmer und noch heute über jeden Zweifel erhaben; an einen S ex.mid)t c??^9?^EN ist uns gleichgültig und kein Anlaß,

^ber bie Schwierigkeit, den Frieden zu erhalten, k. zwischen Oesterreich und Rußland. Bräche ein Krieg aus, so leibe Handel und Verkehr Die Möglichkeit, den Krieg zu verhindern, liege in unserer Starke. Sobald Frankreich glaube, zu siegen, fange es den Krieg an. Frankreich iff .^)i^^cbiugunöen nach einem für uns erfolglosen hÄl schreckliche sein. Dre Reglerungen können die Verantwortung für die Dinge, die bet em er Versagung der geforderten Verstärkung kommen könnten, nicht . $ier' rao es sich um die Existenz Deutschlands handelt, wird der D0n Jcinem verfassungsmäßigen Rechte Gebrauch zu machen mr Vorlage nicht zustimmen. Gegen den Gedanken, daß J ba§ Woment Uber das Heer bestimmen soll, müssen wir

Einspruch erheben. Dann mag bte Natron entscheiden. Wir wollen nicht viel Worte hcffter^Beifall ^rechts )^ roiffcn' ob roir ön neue Leute zu appelliren haben. (Leb-

recht (natlib.) erklärt sich für seine Partei bereit, die Vorlage in ! " r n» F^9-^9 annehmbaren Gestalt zum Beschluß zu erheben. Ich würde einer Wahl bte Bewilligung auf 1 oder 3 Jahre der auf 1 Jahr den Vorzug geben laubKn wir für 7 Jahre. Wir wollen die Armee nicht des Verttm?ens be­

rauben, das sie bisher genossen hat.

c - Bismarck betont, daß Frankreich unter Umständen auch zu einem Kriege ln0X n,e,rben könne, den es als Sicherheitsventil für innere Bewegungen nöthta C§ ^avoleon III gethan, warum sollte es nicht General Boulanger E uch'M wenn er an s Ruder kommt. Unsere Grenzen müssen gesichert werden, der fjl.60 kann m Zehn Jahren, ebenso gut aber auch in zehn Tagen eintreten. Eigentlich r 1$? e f°s. roi(Wn Frage gegenüber schon früher auflösen l°l1en, aber wir sind m Deutschland mit solchen Schritten viel zu ängstlich und haben auch nicht geglaubt, daß der Reichstag die Vorlage ablehnen würde. Tritt dieser Fall ein, werden wir allerdings zur Auflösung schreiten müssen. (Beifall rechts.) r« . -^P9* Wtnd thorft (Centrum): Wir verachten keineswegs die militärischen Moritaten, gerade auf diese hin habe ich in der Commission erklärt: Wir bewilligen zeden Mann und leben Groschen; die heutigen Ausführungen des Reichskanzlers hr^nec? ^netl^CIr. ®nt ntcbt andern. Die Regierung kann das, was sie will, auf zollen dann wieder prüfen, liegt die Sache wieder so, wie beute, so werden wir die Bewilligung verlängern. Mit der Auflösung des Reichstags L^^uverstariden; dann mögen die Wähler reden und wir sind nicht ängstlich. Sicherlich wurde der Reichstag ein neues Septennat bewilligt haben, wenn keine Mehr- foroerung gestellt worden wäre; wir wollen nach drei Jahren wieder prüfen, das ist kerne Wehrloomachung. Sollte es wirklich zu einem Kriege kommen, so wird das Aus­land erkennen, daß wir alle nur eine Partei bilden.

, ..^ärst Bis marck: Diese Rede zeigt, wohin man kommt, wenn Herr Windt- borst sich dem Grafen Moltke überlegen glaubt; mir wäre es lieber, wenn die eine von der er gesprochen, sich schon hier zeigte. Wir wollen bei der Auflösung, durch d n Appell an das Volk entlche:den, ob wir ein kaiserliches oder ein parla- lösten. (Große Unruhe links.) Unsere Beziehungen zu Oester­reich sind sehr freundschaftlich; aber deßhalb brauchen die beiderseitigen Cabinete ein- ander noch nicht dienstbar zu sein. Ich weiß nichts von einem Kriege mit Rußland, aber bis zu einer Unterstützung unserer Macht durch russische Truppen ist doch immer noch cm weiter Weg. Wenn durch den Widerspruch der Opposition Frankreich einen vermehrten Anlaß zum Kriege schöpft, so hat die Opposition einen Theil der Verant­wortung zu tragen. Deutschland ist keineswegs ärmer geworden' die Svarkasien- einlagen sind von 1385 Millionen 1878 auf 2500 Millionen 1885 gestiegen. Die Corn- rmssionen sind nur Marterkammern für die Regierungsvertreter, dahin will ich nickt kommen; nur was ich hier sage, ist zuverlässig.

Die Berathung wird auf morgen vertagt.

Neber die Gefahr eines gebildeten Proletariats

sick^Prosessor I. Conrad zu Halle in derAllgem. Zig." vom 3. d. M. eingehend . s 3m Angange der Besprechung weist Professor Conrad darauf hin, wie durch das rasche Wachsen der Bevölkerung ein allgemeiner Mangel an Beschäftigung und U-benullung in allen Berufszweigen eingetrcten ist. Am schärfsten sei das Mtß- verhaltnih zwischen Angebot und Nachfrage in der neuesten Zeit hervorgetreten und drohe einen noch weit schlimmeren Character besonders in denjenigen Berufs,weiacn anzunehmen, bei welchen klassische Bildung verlangt wird 8 J 0 n

cn .Zum Beweis hierfür führt er im Allgemeinen an, daß, während sich in den 60cr Jahren auf den deutschen Universitäten nur rund 13,400 Studireude aushielten btefe Zahl m den 70er Jahren schon auf 17,800 stieg und im letzten Sommersemester M0aa we über ^-OOOerreicht hat. In den letzt vergangenen 5 Jahren nahm

die Zahl der Studenten um 5600 oder 26 Procent zu, während die gesammte Bevölke­rung kaum um o Procent stieg.

, . m^u^U"iersuchuug dieser Verhältnisse auf die einzelnen Fakultäten übergehend, agt Profes or Conrad, daß die theologische Fakultät saft zwei Deceunien hindurch eine sthr mangelhafte Frequenz beklagt habe; noch Anfangs der 70er Jahre studirten in Deutschland nur 1780 protestantische Theologen, in dem letzten Semester 4690. Durch genaue a3ere4nun0 nach der Zahl der Pastoren und der alljährlich ordinirten Pfarrer ließe sich feststellen daß die Frequenz rm Jahre 1880-81 dem Bedarse entsprach. Seitdem ist sie um 60 Procent gewachsen und um diesen Procentsatz werde mindestens °uch d-r Bedarf überstiegen Die juristische Fakultät zählte in den 60er Jahren noch nicht 3OOO rmmatriklilirle Studenten, wahrend dieselbe 1883 ihre höchste Zahl mit 5426 errelchte. Der Rückgang im letzten Semester aus 4960 ist nur unbedeutend und iiÄmWs.^^dältnissen entsprechend. In Preußen, wo jährlich etwa 3OO IiÄ,^r®R99m errneU ?n0epDJ ^rden bestanden 1883 das Staatsexamen 537, 1885 sogar 622, also mehr als d ' doppelte Zahl, welche auf Anstellung rechnen kanm 1875 wurden in Preußen 1938 Referendare beschäftigt, jetzt 3724. In demselben gegenwärtig 1288. Bet dem medi- cinischen Studium sind die günstigsten Aussichten ebenfalls vorüber. Deutschland zählt ? etrca s!3,r^0 ^blZte. Zum Ersatz sind etwa 3500 bis 3600 Studirende

oer ^^l^^lorderlich und d^se Zahl war in den 70er Jahren faktisch vorhanden. Jtn letzten Semester hatte dieselbe die enorme Höhe von 8465 erreicht. Endlich wird auch in der philosophischen Fakultät eine Ueberfüllung allgemein anerkannt, wenn sich dieselbe wegen der verschiedenen Siudienzweige, die sie umfaßt, ziffernmäßig auch