Einzelbild herunterladen

Chili-Salpeter, frische Sendung, eingetroffen bei 2337 A. Kats.

manchen Gegenden werden förmliche Plünderungszüge strikender Arbeiter ge> meldet, so namentlich aus dem Kohlenreviere von Charleroi, wo die Truppen zur Herstellung der Ordnung nicht ausreichen. Mehrere industrielle Etablisse­ments in der Umgegend der Stadt sind von den Banden in Brand gesteckt worden und ein Gleiches wird auch aus Chatelineau berichtet. Dagegen lauten die jüngsten Berichte aus Lüttich und Umgebung etwas bester, in den Kohlen- gruben von Seraing, Flemalle, Jemeppe und Tilleur herrscht Ruhe, die Zahl der Strikenden hat abgenommen und in dem Cockeoill'schen Puddelwerke ist die Arbeit vollständig wieder ausgenommen worden.

Der englische Premier, Mr. Gladstone, ist von seinem mehr­tägigen Unwohlsein wieder hergestellt. Am Freitag erschien er im Unterhause und machte daselbst die Mittheilung, daß er hoffe, an diesem Dienstag dem Hause die angekündigte Bill über die künftige Regierung von Irland vorlegen zu können.

Belgien.

Brüssel. 28. März. Die Plünderung, Erpressung von Geld und der Strike im Hennegau sind immer zunehmend. Die Glashülten-Industrie ist wahrscheinlich aus immer ruinirt. Die Zahl der Erschossenen in Roux beträgt 17, Verwundete und anderswo Erschossene sind zahlreich. In einem heute von Defuisseaux m La Louvidre abgehaltencn Anarchisten-Mecting wurden die Vorgänge als eine den Capitalisten er- tbeilte Lection dargestellt. Viele Hochöfen sind gelöscht, der Schaden ist enorm. Die Regierung wird getadelt, well sie Ersparnisse halber die Armee geschwächt hat; vor­läufige Maßregeln zur Mobilisirung der Armee und zum Schutze der Gesandt­schaften in Brüssel sind getroffen. Vorige Nacht wurden 98 Personen in Brüssel verhaftet. (5* B-)

Charleroi, 28. März. Die Stadt ist augenblicklich nur von der Bürgergarde bewacht, da fämmtliche Truppen in die Umgegend abgegangen sind. Der Bürgermeister hat, da die Bürgergarde von ihrer Thätigkeit in den letzten Tagen sehr erschöpft ist, einen Aufruf erlassen und Freiwillige zur Vertheidigung der Stadt aufgefordert. Die angekündigten Truppcnverstärkungen sind bis jetzt nicht angekommen.

Die Ruhestörungen in der Umgebung der Stadt dauern fort. Von Ehatelet, Ehatelenau und von Eouillet aus wurde hier Hilfe verlangt. An mehreren Orten haben Haufen strikender Arbeiter sich vor den Fabriken und Werkstätten aufgestellt, deren innere Räume von Militär besetzt sind; ein thätlicher Zusammenstoß scheint deß- halb unausbleiblich. In Marchiennes wurde durch Maueranschläge zur Revolution aufgefordert.

Der Belagerungszustand ist hier und in der Provinz verkündet worden. Das Militär ist beordert, nach einer erstmaligen Aufforderung sofort mit der Waffe gegen die Ruhestörer vorzugehen. . , t

Morr-, 28. März. General Van der Smifien hat die allgemeine Leitung der zur Herstellung der Ruhe in den Provinzen Lüttich und Hennegau bestimmten Truppen übernommen. Zur Erhaltung der Ordnung in den centralen Theilen der Provinz, wo sich seit heute früh die Lage verschlimmert haben soll, gehen eben Truppen nach Ardelnes und Mariemont ab. In Quaiegnon und Flenu haben die Arbeiter angekündigt, daß sie die Arbeit morgen einstellen würben.

Ein allgemeines Arbeitcrmeeting fand in LouviLre ohne Ruhestörung statt. Ein Bataillon des 7. Linienregiments ist nach Moranwelz, eine Eskadron Lanciers nach Strepy und eine Compagnie Jäger nach Quarcgnon abgegangen. Eine Versamm­lung der Revisionisten-Liga verlief ganz ruhig. Es wurde darin beschlossen, daß die Partei sich an den nächsten Kammerwahlen betheiligt._____________

Reichs taa.

E R. Berlin, 29. März 1886.

Auf der Tagesordnung steht die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. den Seroisraris und die Klasseneintheilung der Orte.

Abg. Richter (dfr.) wundert sich, daß die Vorlage jetzt nach Feststellung des neuen Etats eingebracht worden sei, wodurch erhebliche Verwirrung in alle finanziellen Verhältnisse gebracht werden würde; außerdem sei die Finanzlage nicht so verlockend, um den Etat mit neuen Ausgaben zu belasten. Die Verhältnisse in den Städten hätten sich bezüglich der Preise der Lebensmittel und Wohnungen durch die Verbesserung der Verkehrsmittel, durch die zahlreichen Bauten so sehr geändert, daß wenn eine Aenderung in der vorliegenden Materie für angebracht gehalten werde, diese sich in anderer Richtung bewegen müßte. Die Commission, in welche die Vorlage verwiesen würde, müßte so gründlich arbeiten, daß sie nur auf Grund der eingehendsten statistischen Nachweise ihre Beschlüsse fasse und wenn in dieser Session gar kein Resultat herauskäme, so würde dies auch kein Unglück sein.

Staatssecretär v. Bötticher berief sich auf den Zwang des Gesetzes, welcher alle 5 Jahre eine Revision des Servistarifes vorschreibe. Mißstände gegenüber der Finanzlage und dem Beginn des neuen Etatsjahres entständen auch aus dem Gesetze nicht, auch würde sich darüber reden lassen, daß die Aenderung erst vom 1. April 1887 in Kraft trete. Bezüglich der Deckung der Mittel würde es überdies nothwendig sein, einen 'Nachtragsetat einzubringen oder die Mittel außeretatsmäßig zu verwenden und die nachträgliche Genehmigung zu erbitten. Der Einfluß der neuen Communikations- mittel sei bei der Vorberathung des Entwurfs sehr sorgfältig erwogen, und es würde der Commission umfassendste Auskunft über alle einschlägigen Verhältnisse gegeben werden.

Abg. v. Köller (cons.) meinte, die Vorlage käme nicht zu früh, sondern nach dem Servistarif eigentlich zu spät und sei nur durch die sorgfältigen Vorarbeiten ver­zögert worden.

Abg. Witt (dfr.) bedauerte das Einbringen der Vorlage so kurz vor Schluß der Session, worauf

Staatssecretär v. Bötticher erwiderte, was das betreffe, könne er nur sagen: Behüt' Dich Gott, es wär' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein!" (Große Heiterkeit).

An der weiteren Debatte beteiligten sich die Abgg. Rackö, Windthorst, v. Kardorff und Dr. Meyer (Jena), worauf das Gesetz des Budgetcommission über­wiesen wurde.

Es folgte der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, wobei es sich hauptsächlich um die Verleihung der juristischen Persönlichkeit an die Jnnungsverbände handelt.

Abg. v. Kleist-Retzow (cons.) beantragte, nicht demBundcsrathe, sondernden Behörden, welche die Statuten der Jnnungsverbände zu genehmigen haben, die Be- fugniß beizulegen, den letzteren die Corporationsrechte zu übertragen.

Dieser Antrag wurde abgelehnt und danach, nachdem die Abgg. Lohren, Baumbach, Meyer (Jena), Staatssecretär v. Bötticher hierzu gesprochen, der Gesetzentwurf in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.

Nächste Sitzung morgen. Verlängerung des Socialistengesetzes.

Teleffraphische Depesche«.

Wolff'- telegr. Torrefpondrrrz - Vrsrean.

Berlin, 29. März. DerNeichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung Tessen- dorf's zum Dberreichsanwalt.

Cnlm, 29. März. Nach hier eingegangener Nachricht ist der Bischof v. d. Mar­witz heute Nachmittag in Pelplin gestorben.

Paris, 29. März. Den Abendblättern zufolge würde Audiffret-Pasquier die Negierung interpelliren, welche Maßregeln sie zu ergreifen gedenke, um zu verhindern, daß die socialistische Bewegung in Belgien auf die benachbarten französischen Departe­ments sich ausbreite.

London, 29. März. Die Königin eröffnet am 4. Mai Hierselbst die indische Colonial-Ausstellung persönlich.

Aus Montevideo wird über Buenos Ayres gemeldet: Es ist Revolution in Uruguay ausgebrochen. 1000 Mann unter General Arredonto sind gelandet. In Montevideo herrscht panikartige Erregung.

fTelegramm des Reutcr'schen Bureaus.^ Die Arbeiten der afghanischen Grenz-Commission dauern ununterbrochen fort. Sämmtliche zwelielhafte Punkte werden nach dem früheren Abkommen durch Commissare den beiderseitigen Negierungen vorgelegt.

London, 29. März. Oberhaus. Sudley erklärte, die Regierung sei bereit, den Tabakbau in England als Experiment zu gestatten unter Beschränkung der vorherigen Anzeige des Saatquantums bei der Steuerbehörde, der leichten Zugänglichkeit der Anbauplätze für die Accisebeamten und Versteuerung sämmtlicher als brauchbar er­wiesenen Prodpte.

Unterhaus. Gladstone theilte mit, er werde am 8. April die Bill über die Abänderung der Verwaltung in Irland einbringen. Das Budget hoffe er am 12. April vorzulegen. Am 15. April werde dann die Bill, betreffend die Ab­änderung über den Ankauf und Verkauf des Grundbesitzes in Irland, dem Hause zugehen.

London, 29. März. Die Regierungen aller australischen Colonien sprachen sich gegen den Vorschlag Frankreichs bezüglich der Annexion der neuen Hebriden aus, gleichviel unter welchen Zugeständnissen Frankreich die Annexion vornehme. Die Re­gierung von Victoria richtete eine in diesem Sinne gehaltene und in energischen Aus­drücken abgefaßte Depesche an den hiesigen Generalagenten.

Charleroi, 29. März. Die Nacht verlief ruhig und auch aus den benachbarten Ortschaften wurde bis jetzt nichts Beunruhigendes gemeldet.

Brüssel, 29. März. Der Verkauf des JournalsLe Peuple" ist für Brüssel verboten worden.

Mons, 29. März. 3000 Strikenden griffen das Kohlenwerk Mariemont an. Die Truppen feuerten. 14 Menschen wurden getödtet oder verwundet.

Tournai, 29. März. Die Strikenden aus den Steinbrücken ziehen gegen Creve Coeur, ohne Plünderungen zu begehen. Sie erklären, sie seien nur gegen diejenigen Industriellen erbittert, welche die Löhne herabgesetzt. Es ist starkes Regen­wetter eingetreten.

Charleroi, 29. März. Splingard, ein Anführer der Anarchisten, ist verhaftet worden, außerdem sind noch andere zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden.

Konstantinopel, 29. März. Die Mächte ertheilten übereinstimmend dem Fürsten von Bulgarien den dringenden Rath, das Abkommen, wodurch der Fürst von Bulgarien gemäß bem Art. 17 des Berliner Vertrags zum General-Gouverneur von Ostrumelien ernannt wirb, anzunehmen.

Lokales.

Gießen, 30. März. Einer unserer hiesigen Taubenzüchter hatte das Vergnügen, auf der vor einigen Wochen stattgefundenen Geflügel-Ausstellung in Hanau einen ersten und einen zweiten Preis für seine Tauben bei der Prämiirung zu erhalten und die beiden Paare für je 20 JL zu verkaufen, ebenso bei der jetzt stattgefundenen Mainzer Ausstellung zwei erste Preise und als Kaufpreis je 20 JL, also für 4 Paar Tauben mit der Geldprämie die Summe von ungefähr 100 JL zu erhalten.

Gießen, 30. März. Am Samstag den 3. April, um 8 Uhr Abends, wird in derAltdeutschen Weinstube" Herr Pfarrer St ein wachs aus Offenbach einen Vortrag überSilhouetten aus dem Reiche der Unwahrscheinlichkeiten" halten, wozu Jedermann freien Zutritt hat.

Gießen, 30. März. Der Dünsbergverein beschloß in seiner vorige Woche abgehaltenen Generalversammlung, auf dem Dünsberge aus den vorhandenen Mitteln einen hölzernen Aussichtsthurm zu errichten. Der erste Ausflug dorthin soll nm 2. Mai ftattfinben. In den Vorstand wurden sodann gewählt die Herren Georgi als Vorsitzender, Uhl als Schriftführer und Bapst als Rechner.

Der zwischen den Seuling'schen Häusern im Gartfeld gelegene Bauplatz wurde heute an Herrn Louis Petri III. um die Summe von 4300 JL verkauft.

Frankfurter Stadttheater.

Nach einer eben getroffenen Vereinbarung mit der Intendanz des Frankfurter Opernhauses wird der berühmte Tenorist Herr Heinrich Bötel diesen Donnerstag, den 1. April, in Frankfurt den Manrico imTroubadour" singen. Herr Bötel, der sich eben auf einer Gastspielreise befindet, wird nur an diesem einen Abende auftreten.

Handel und Verkehr.

Gießen, 30. März. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 0.800.95, Hühnereier 2 Stück 90 4, Enteneier St. 56 Käse pr. St. 59 4, Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 22 4, Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,65 bis 1,00 H, Hühner per Stück Jl 1.001.50, Hahnen pr. Stück JL 1.201.70, Enten per Stück JL 1.802.20, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindfleisch 54-56 H, Schweinefleisch 52-60 H, Hammelfleisch 50-66 H, Kalbfleisch 45-50 Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.804-50, Milch per Liter 1218 H, Zwiebeln per Eentner JL 8.00-0.00.

Grünberg, 27. März. (Fruchtpresse.) Weizen JL 17.20, Korn JL 14.10, Gerste JL 13.20, Hafer JL 13.40, Erbsen JL 16.50, Linsen JL 00.00, Lein JL 00.00, Samen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 00.00.

Kirchliche Antigen der en angel. Gemeinde.

Mittwoch, den 31. März, Abends 6 Uhr, 4. Passionsandacht, Pfarrer Schlosser._____________________________________ .______________

AUKatholischer Gottesdienst.

Sonntag den 4. April findet um 11 Uhr in der Stadtkirche altkatholischer Gottesdienst statt. Es wird zugleich Gelegenheit zum Empfang des heiligen Abend­mahls gegeben werden.

la. Saathafer, i frühen und späten, zu haben bei

Oeconom Kitz, Marburgerstr. 65.

Allgemeiner Anzeiger- Für Cvnfirmanöeu.

Von einer bedeutenden Fabrik wurde mir ein Posten

schwarzer und farbiger Cachemirs zum Verkauf übergeben und empfehle solche zu staunend billigen Preisen. 2346 M. Zaan, Knderrplatz.

Wieder frisch:

Echt amerikanische

Bretzeln.

Fritz Schreiner.

2325 Lindenplatz..

2289 Einen tüchtigen GlasergehülfeN sucht Beruh. Wolf, Seltersweg 31.

A. Bren

')D

Juchen Kichen KStlen 'Nadel Dorn

Llhrith.

Rmtr.

82

67,6

30,5

3. Bau-, Wer!

113 Eichcnsläinine

12 Nadelstämme

10 Erlenslämme

327 Nadelßangen Die Zusammen

Licherstraße, 8. Sl Gießen, am 29.

Großherzogl. Bürg Or

Prust W 131 4?

V

Werst, Freitag den d

Vormittags von 91 Gemeindemald zu Hambach und Luh, nl6:

281 Rin. Buchens 8l « Buchen!

164 Buchen!

Wellen M 6 Buchen-Stchl

Durchmeßeri

8.11 fm, 1

4 Eichen-Achl Durchmeßet 5,15 fm, I

4 Radel'Stchl Durchmessei 1,11 fm I

12 Nchlen-Derl

15 cm $1 0 .Länge, 0,81 Aanimenluchl Z»-r°d, J

8iirgerl

_ Böl

MlOltll

iita W' 9irtl btt itttMint « «L, bett 26. $1

S SMenl,e,i w A. Brau

kr Gießener yiüntaß den ö. von Vormittags

M m Gießener e Wricten Oberwald ^verzeichnetes teil:

*bet Königs, d S-tz'Ä I «SM

-Ai, 1