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Deutschland.

Mainz, 28. September. Die Herren Dompräbendat und Professor Dr. Holzammer und Dompsarrer Thoms sind von dem Bischof Dr. Haffner zu Domkapitularen ernannt worden. Durch diese Wahl ist die Anzahl der hie­sigen Domkapitulare wieder vollzählig geworden.

Berlin, 27. September. Nach dem Anträge, welchen der Reichskanzler beim Bundesrathe gestellt hat, wäre die vorgeschlagene neue Nickelmünze zu 20 aus einer Legirung von 25 Theilen Nickel und 75 Theilen Kupfer zu prägen, auf der Adlerseite der Münze die Mittelfläche zu vertiefen, in der Mitlel- fläche der Adler und auf der Randfläche eine Verzierung von Eichenlaub anzu­bringen; ferner aus der Schriftfläche die Mittelfläche durch die Ziffer20" auszusüllen, während die Randfläche mit der UmschriftDeutsches Reich" nebst Jahreszahl und Werthangabe20 Pfennig" versehen werden soll. Zunächst sollen 5 Millionen der neuen Münze ausgeprägt werden.

Hesterreich.

Wien, 27. September. Bet der heutigen Eröffnung des Orientalisten- Congreffes begrüßte der Protector deffelben, Erzherzog Rainer, die Versammlung mit dem Wunsche, daß auch dieser Congreß der Wissenschaft zur Bereicherung dienen möge. Im Namen der Regierung hielt der Unterrichts-Minister Dr. v. Gautsch an die Versammlung eine Ansprache, in welcher er betonte, daß dieselbe nicht mit Unrecht zum Ort ihrer Vereinigung die Kaiserstadt an der Danau gewählt habe, wo die Lage und die Geschichte in gleichem Maße an den Orient anknüpsten und wo sie vielerlei finden würde, das speciell ihr Interesse fesseln dürfte. Weiter führte der Minister aus, während in anderen Staaten die Erweiterung der Handels-Beziehungen und der Colonisation die Erforschung des Orients und das Studium deffelben angeregt hätten, habe Oesterreich in erster Linie dem praktisch-politischen Bedürfnisse Genüge zu thun gesucht. Hierauf ging der Redner aus die Geschichte der Entstehung und des Wirkens der orien­talischen Akademie in Wien zurück, dieselbe habe zahlreiche und hervorragende Schüler gebildet, von denen er nur Hammer-Purgstall nenne; doch auch die österreichischen Universitäten seien nicht aus diesem Gebiete zurückgeblieben, ja gerade von Oesterreich aus sei in jüngerer Zeit eine Richtung eingeschlagen worden, die durch das Erfassen der herrschenden Ideen des Islams zu einem klaren Gesammtüberblick seiner kulturellen Erscheinungen zu gelangen bestrebt sei.Eine ganze Reihe tüchtiger Männer ringt bei uns mit ihnen nicht um die Palme des Erfolges, sondern um den Ehrentitel eines berufenen Mitarbeiters auf dem weiten Gebiete der Wissenschaft. Groß und schwierig sind die gesetzten Aufgaben, reich aber auch die Fülle von bereits gethaner Arbeit; gerade ihrs internationale Vereinigung wird die sichere Gewähr der weiteren Förderung der orientalischen Studien bieten. Mägen die Arbeiten des siebenten internationalen Orientalisten-Congresses vom besten Erfolge begleitet sein!"

XekMaMsche Depeschm.

Baden-Baden, 28. September. Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vor­mittag den Vortrag des Chefs des Militärcabinets, Generals der Kavallerie, v. Albe- dyll, entgegen und machte nach dem Dejeuner eine Spazierfahrt. Zum Diner waren Graf Stollberg - Wernigerode, General von Petersdorf, Oberst von dem Knesebeck aus Freiburg, sowie der Staatsminister Turban geladen. Abends findet bei Ihrer Majestät der Kaiserin Thee statt, an welchen! zwanzig Personen theilnehmen werden.

Nürnberg, 28. September. Der Prinz-Regent besuchte im Laufe des gestrigen Tages verschiedene Anstalten und Kirchen. Im germanischen Museum, wo der Prinz- Regent vom Director Essenwein und dem gesammten Verwaltungsausschuß empfangen wurde, übernahm derselbe auf die an ihn gerichtete Bitte das Protectorat der Anstalt. Um 2 Uhr fand auf der Burg ein Festmahl statt, zu welchem an sämmtliche hervor­ragende Persönlichkeiten Nürnbergs Einladungen ergangen waren. Dem Abends im Rathhaussaale von der Stadt veranstalteten Festconcerte wohnten gegen 700 geladene Gäste bei. Später brachten die hiesigen Gesangvereine dem Prinz - Regenten eine Serenade auf der Burg, woran sich ein großer Zapfenstreich schloß. Die ganze Stadt war prachtvoll erleuchtet. Den Armen der Stadt überwies der Prinz - Regent 4000 x*L.

Wien, 28. September. Cholerabulletin. Es erkrankten resp. starben in Triest 2/3, Pesth 25/11, Istrien 4/0 Personen.

Zara, 28. September. Nachdem im dalmatinischen Narentagebiet seit dem 18. d. M. kein Cholerafall vorgekommen, wurde die Kontumaz bezüglich der dortigen Seeprovinzen mit dem heutigen Tage aufgehoben.

London, 28. September. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Sidney vom 28. ds.: Den jüngsten Nachrichten aus Numea zufolge überbrachte der französische AvisoDuchaffaut" die Nachricht, daß die Franzosen in Vila auf der zu den Neuen Hebriden gehörigen Sandwichs-Jnsel einen dritten militärischen Posten errichteten und augenscheinlich eine Niederlassung zu gründen beabsichtigen.

Die erste Sitzung der Commission zur Untersuchung des Umlaufs von Gold und Silber soll am 12. October stattfinden.

London, 28. September. DieGazette" veröffentlicht eine Verordnung, betr. das Inkrafttreten der am 2. Juni mit Deutschlaich zum Schutze des literarischen und artistischen Eigcnthums abgeschlossenen Convention.

Brüssel, 28. September. Der König reiste heute Abend um 6 Uhr zum Be­suche des Kaisers Wilhelm nach Baden-Baden ab.

Madrid, 28. September. DasDiario" von Barcelona meldet: Eine Truppen- abtheilung bei Espinavell griff einen Haufen von 38 Republikaner an und trieb die­selben über die französische Grenze; die Soldaten hatten 2 Todte.

In Coruna wurden wegen Verdachts der Theilnahme an einer Verschwörung vier Unterofficiere verhaftet.

Sofia, 28. September. Rußland ließ nunmehr in Betreff seiner mehrfach er­wähnten Forderungen durch Baron Kaulbars eine Erklärung überreichen, wonach Rußland eine ohne längere Wahlperiode erfolgende Einberufung der großen Sobranje als illegal ansieht und alle Beschlüsse derselben als nicht geschehen betrachten würde. Kaulbars rieth der Regierung an, die Wahlen möglichst zu verschieben, damit es dem Lande möglich fei, aus dem Zustande der Unruhen herauszukommen und eine Wahl­periode von ausreichender Dauer festzusetzen, weil ohne eine solche das Land sich nicht frei aussprechen könne; ferner rieth, Kaulbars an, den Belagerungszustand sofort auf­zuheben und die verhafteten politischen Gefangenen freizulassen. Die Antwort der Regierung erfolgt erst nach weiteren Berathungen. Das Beglaubigungsschreiben, welches Kaulbars Herrn Natsckewitsch überreichte, ist von Giers unterzeichnet.

Die türkischen Commifsare Madjid Pascha und Abro Effendi sind abgereist.

Kairo, 28. September. Der russische Unterthan Lavison, Agent des Ex-Khedive Ismail, bemächtigte sich gestern mit Hilfe bewaffneter Albanesen des Palais Jsmaila hier, wo gegenwärtig Mukhtar Pascha wohnt, und das zu den von Ismail reklamirten gehört. Auf die Intervention des russischen Consuls zog Lavison die Albanesen zu­rück. Der Beweggrund Lavison's soll gewesen sein, die Gerichte zur Kenntnißnahme der Reklamation Ismails zu zwingen. In Folge des Zwischenfalles beschleunigte Drummond Wolff seine Rückkehr und er trifft hier bereits morgen ein.

Der siebente Congreß deutscher Armenpfleger in Stuttgart

Der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit, welcher gegenwärtig 122 Städte, 44 Corporationen und 141 einzelne Personen zu Mitgliedern zählt, hielt am 21. und 22. September in Stuttgart seine siebente Jahresversammlung ab, welche von dem Landtagsabgeordneten Seyffardt-Crefeld, als dem Vorsitzenden des Vereins- vorflandes, mit einem ehrenden Nachruf an den verstorbenen früheren Vorsitzenden, dem verdienten Dr. Straßmann-Berlin eröffnet wurde.

Staatsrath v. Köstlin begrüßte den Congreß im Namen der Königin, die den Bestrebungen des Vereins lebhafte Theilnahme zuwende. Regierungsrath Nestle überbrachte die Grüße des Staatsministeriums, während Oberbürgermeister Dr. v. Hack die Versammlung im Namen der Stadt bewillkommnete und der bisherigen Wirksam­keit desselben eingehend gedachte. Insbesondere hob derselbe hervor, oaß man dem Verein das neue WerkDas Armenwesen in 77 deutschen Städten" verdanke, welches eine treffliche Darstellung der Einrichtungen für Armenpflege und Wohlthätigkeit in den wichtigsten deutschen Städten enthalte. Der Vorsitzende Seyffardt-Crefeld dankte für die Begrüßungen, gab einen Ueberblick über den Stand des Vereins und ertheilte sodann das Wort an Professor Böhmert in Dresden, welcher über die armen­statistischen Arbeiten und über den Inhalt des neuesten vom Verein herausgegebenen Werkes berichtete, für dessen speciellen Theil er sich die weitere Mitwirkung der deutschen Armenverwaltungen erbat. Der Herr Vorsitzende forderte die Mitglieder des Vereins auf, sich an den Arbeiten des Vereins auch außerhalb des Congresses lebhaft zu be- theiligen und das vom Verein herausgegebene Werk nun auch weiter verbreiten und vervollständigen zu helfen.

Als erster Gegenstand der Verhandlungen kam ein Antrag zur Sprache: Es sei (nach den früheren Eingaben unberücksichtigt geblieben) an die Reichsregierung wieder­holt die Bitte zu richten um Einführung der gesetzlichen Bestimmung, wonach es den Behörden zustehen soll, arbeitsfähige Personen, welchen zu ihrem eigenen Unterhalt oder zum Unterhalt ihrer Familie öffentliche Unterstützung gewährt werden muß, ohne vor­herige gerichtliche Procedur event. durch eine Verwaltungs-Procedur, welche mit Garantien des Schutzes gegen etwaige Willkür ausgerüstet ist, zur Arbeit innerhalb und außerhalb des Arbeitshauses anzuhalten. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag mit dem Zusatzantrag angenommen: Es solle die Angelegenheit in geeigneter Weise im Reichstag zur Sprache gebracht werden, falls binnen eines halben Jahres von der Neichsregierung nichts erfolgt.

Man trat hierauf in die Discussion über die Vorschläge der Commission betreffs der Reform der ländlichen Armenpflege. Es kam bet den einzelnen Paragraphen zu ausführlichen Erörterungen, schließlich wurden sie aber alle mit nur ganz unbedeutenden Veränderungen angenommen. Die Hauptpunkte der Beschlüsse lauten: 1. Die Reform der Armenpflege in kleineren, namentlich ländlichen Gemeinden erfordert eine Um­gestaltung der die Organisation der öffentlichen Armenpflege betreffenden Gesetzgebung. Diese Umgestaltung hat namentlich auch in der Richtung-zu erfolgen, daß in höherem Grade als bisher Leistungen und Last der Armenpflege auf größere communale Ver­bände basirt werden. 2. Es ist erwünscht, daß vorbehaltlich der Betheiligung größerer Verbände grundsätzlich die Ortsgemeinde Trägerin der Verpflichtung zur Armenpflege bleibe. Soweit dieselbe eine hierzu genügende Leistungsfähigkeit nicht besitzt, ist Abhilfe thunlichst im Wege der allgemeinen communalen Organisation zu suchen. Kann eine solche Organisation nicht stattfinden, oder erscheint sie für die Zwecke der Armenpflege nicht ausreichend, so ist die obligatorische Einrichtung von aus Gemeinden und Guts­bezirken sich zusammensetzenden Collectiv-Verbänden (Gesammtarmenverbänden) zudem Zweck, an Stelle der bisherigen Ortsarmenverbände die Armenpflege zu übernehmen, als ein Mittel der Abhilfe zu empfehlen. 3. Behufs Herstellung einer leistungs­fähigeren Armenpflege, bezw. einer angemessenen Ausgleichung der durch dieselbe ent­stehenden Belastung ist eine Erweiterung des Wirkungskreises der größeren Communal- verbände im Gebiete der Armenpflege durchzuführen. 4. Zur unmittelbaren Ausübung durch die größeren Communaloerbände eignen sich vor Allem die Fürsorge für Geistes­kranke, Idioten, für Kranke, welche der Pflege in einer Anstalt bedürfen, für Taub­stumme, Blinde, für einzelne leicht abgrenzbare Kategorien von Siechen und Gebrech­lichen, für Waisen, sowie für verwahrloste Kinder. Auch die Errichtung von Armen­beschäftigungsanstalten und die Unterhaltung von Zwangsarbeitshäusern ist Sache größerer Verbände.

Der zweite Verhandlungstag war vorzugsweise der Frage der Armenstiftungen gewidmet, worüber ein weiterer Bericht erfolgen soll.

Lokales.

K. Gießen, 29. September. (Sterblichkeit in Gießens Die Sterblichkeits­ziffer der Stadt Gießen stieg in der Woche vom 19. bis 25. September auf die Zahl 11 und sind in derselben einbegriffen 6 Erwachsene und 5 Kinder, unter letzteren 3 des ersten Lebensjahres. Drei der Kinder starben an Diarrhöe, ein viertes an Lungen­entzündung, das fünfte an Gehirnentzündung. Der Tod der Erwachsenen erfolgte zweimal durch Altersschwäche, je einmal durch Bauchfellentzündung und Lungenschwind­sucht, einmal durch Selbstmord mittelst Erschießens.

Gießen, 28. September. (Schwurgericht.! Der bereits 70 Jahre alte Georg Hisferich von Mainzlar ist angeklagt der Körperverletzung mit tödt- lichem Erfolg.

Der Angeklagte wohnt mit seiner Ehefrau und seiner Tochter, der Ehefrau des Heinrich Koch I. von Mainzlar in einem Hause. Den Koch Eheleuten hat er vor einiger Zeit sein Gut übergeben und wohnt er nun mit seiner Ehefrau bei denselben. Am Abend des 4. Juli d. I. kam der Schwiegersohn Heinrich Koch I. von einer im Wirthshause stattgefundenen Pferchversteigerung nach Hause, wo er alsbald mit seinen Schwiegereltern durch Sticheleien Streit anfing, welche auch seitens der Hisserich Ehckeute mit Schimpfen erwidert wurden. Die Hisserich Ehefrau begab sich darauf in den Hof, um junge Hühner einzufangen und im Stall unterzubringen und befand sich gerade auf der zu dem Ställchen führenden Leiter, als ihr Schwiegersohn in den Stall trat und versuchte, sie von der Leiter herabzustoßen. Die Hisserich rief ihren Ehemann, welcher sich in der Nähe befand, um Hilfe an, er erschien alsbald und cs entspann sich nun zwischen den drei Personen eine Balgerei, die damit endigte, daß Koch seinem Schwiegervater 2 Zähne einschlug und dieser dem Koch einen Stich mit einer amerika- nrschen Mistgabel in das Gesicht versetzte. Herbeieilende Nachbarn trennten die Streitenden und Koch ließ nun die ihm beigebrachte Wunde auswaschen; nachdem dies geschehe, kehrte er nach Hause zurück, begab sich zu Bette und noch an demselben Abend stellte sich Entzündung der Wunde und Fieber ein. Trotz am folgenden Tage zugezogmer ärztlicher Hilfe verstarb Koch am Mittwoch den 7. Juli, Nachmittags.

Der Angeklagte gibt in der heutigen Verhandlung zu, nach seinem Schwiegersohn gestocher zu haben, jedoch nicht in der Absicht, ihn zu verletzen, sondern lediglich um ihn von weiteren Mißhandlungen seiner (Hisserichs) Ehefrau abzuhalten und es könne die Verletzung des Koch nur durch einen unglücklichen Zufall erfolgt sein. Die Zeugen­vernehmung hat für die Schuld des Angeklagten, die Verletzung des Koch vorsätzlich herbeige ährt zu haben, keinen directen Beweis geliefert und es haben daher auch die Geschwcrenen die ihnen vorgelegte Schuldfrage verneint, worauf der Gerichtshof auf Freisprechung des Angeklagten von Strafe und Kosten erkannte.

Verwischte-.

Darmstadt, 28. September. Unter dem Vorsitz des Geh. Oberbergraths

i i^V^onn.taßt seit gestern die 33. Versammlung deutscher Geologen in unserer Stadt. Dre statlfindenden Verhandlungen, welche nur fachwissenschastlicher Natur sind, bieten kftn allgemeines Interesse. Vortcäge fanden folgende statt:

J$Tof. Lepsius (Darmstadt): Ueber die Entstehung der Nheinebene zwischen Darmstcdt und Mainz.

Pof. Groddeck: Ueber Gesteine und Erze von Tasmanien und den Bergen Tamayetn Chlle.

ir , Kinkelin - Frankfurt a. M.: Ueber den Schichtenbau im unteren Main­

thal unddre Drluvialablagerung daselbst.

m ?r- Cr ebner-Leipzig: lieber das Auffinden eines Saurus in einem Bohrstuck aus einem Bohrloch bei Offenbach, gefunden von Bergrath Tecklenburg- Darmfiatz.

Ä r Agende General-Versammlung (1887) wurde Bonn und zum Geschäfts- sichrer Di Hauff daselbst gewählt. Heute und morgen finden Excursionen in di»