z
s ’w L w S
s
s
A s
4i re. Ö- !
e
«t»jubtjii6tn d>"i [je M-MMr
fiö&erer Mra* Ml bei MA? fflirt S!-chW-
t Win M
Stobt bcr * r«sZ äÄS*«‘ 'S«« Äfe el 0 „5 bauern;
tt unb StksH tu. Äl'pitaL NäHel Diener baW W ‘ i großes unwöblitt !k, am liebfttninbi
Exped- d. Bl-
rt an Aili fif«h @««»1 , Spanisch -
ifelü gg’tfS*' ^fseW*
Nr. 227 Donnerstag den 30. September 1886,
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
V«rea«r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. $r<l*v”te2erlätr lt^ 2 20 Bringrrl^«.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf.
.. ........... ।, um ■'"■■-■ -*■------TnnnnTriimmM
Landesbaugewerkschule Darmstadt.
Die LandeSbaugewerkfchule zu Darmstadt beginnt ihren elfte» JahreS-CurfuS am 18. November l. I., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1887 andauert.
Dieselbe soll, zwischen Handmerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlenbauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren Bauaufsehern ic. dienen.
Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit ertheilt.
Die Schule umfaßt 2 Klaffen mit folgenden Unterrichtsgegenständen: Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehre (einschließlich Stabllitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Constructionen Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschließlich Trigonometrie und Planzeichnen), gewerbliche Buchführung, Theile der Bauführung, insbesondere Materialienkunde und Anfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc.
Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Büreaulocalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können.
Bedingungen zur Aufnahme find:
1. Für die untere Abtheilung, die I. Klaffe: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens einjahrtge Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Dagegen wird von den Auszunehmendeü nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlassenen zukommen sollen, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt zugänglich werde.
2. Für die obere Abtheilung, die II. Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niedren Arithmetik, einer angemessenen Fertigkeit im Freihand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden.
DaS Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit — 30 Mark und ist beim Beginn des Cursus vorauszubezahlen.
Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 31. Letober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Bureau derselben — Neckarstraße 3 im III. Stock — bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maßgabe der vorhandenen Unterrichts-Lokalitäten erfolgen kann.
Darmstadt, den 20. September 1886. Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.
- __Fink.
Politische Ueberfkcht.
Gießen, 29. September.
Die Eröffnung der letzten ordentlichen Session des Reichstages für die gegenwärtige Legislaturperiode soll, wie osficiöserseits nunmehr verlautet, für das letzte Drittel des November in Aussicht genommen sein. @5 ist indessen nicht ausgeschlossen, daß die Session zu einem früheren Termine eröffnet wird, denn da dieselbe vermuthltch wieder eine sehr arbeitsreiche werden wird, so dürsten nach Neujahr Reichstag und preußischer Landtag wieder arg in's Gedränge kommen, wenn ersterer erst Ausgang November Zusammentritt. Bezüglich der dem Reichstage zu machenden Vorlagen steht bis jetzt nur fest, daß — abgesehen vom Etat — das Parlament sich mit Gesetz- entwürsen über bedeutsame Veränderungen im Reichsheere zn befassen haben wird. Was die viel ventilirte Frage anbelangt, ob dem Reichstage wieder ein neuer Branntwein- resp. Spiritussteuer-Entwurf vorgeleget werden wird, so ist die Mittheilung zu verzeichnen, daß die bayerische Regierung beabsichtige, dem Bundesrathe Anträge über ein Roh-Spiritus-Monopol zu unterbreiten, die sich höchst wahrscheinlich der Zustimmung der preußischen Regierung zu erfreuen haben und alsdann in irgendeiner Form auch den Reichstag beschäftigen würden. — Wie einer Notiz der „Freis. Ztg." zu entnehmen ist, gedenkt die freisinnige Partei in der ordentlichen Reichstags-Session auf die bulgarische Angelegenheit zurückzukommen. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt hierzu: „Hoffentlich macht die Opposition ihre Zusage auch wahr und bringt die auswärtige Politik des Reiches in der nächsten ordentlichen Session zur Sprache. Voraus'ichtlich wird den Interpellanten alsdann eine viel weitergehende Information gegeben werden, als es jetzt möglich gewesen wäre, über die gegenwärtig noch schiebende Frage zu urtheilen."
Die Dispositionen für die preußische Landtags-Session find, soweit es sich um kleinere Vorlagen handelt, im Allgemeinen schon bekannt geworden. Es stehen zu erwarten Gesetzentwürfe über die Radfelgenbreite für den Verkehr aus Kunststraßen — entsprechend einem Anträge des Abg. Seer — über die Mitwirkung der Selbstverwaltung«. Organe bei Neuanforderunzen für Schulzwecke, über eine Landgüter-Ordnung für den Regierungsbezirk Kassel, über die Kosten der Kanalisationen für Wiesbaden, über die Heranziehung von industriellen Etablissements zu Provinzial-Leistungen für Wegezwecke in der Provinz Hannover, resp. im Regierungsbezirke Wiesbaden und endlich rber die rheinischen Kanton-Gefängnisse, welcher Entwurf in der vorigen Sessim unerledigt blieb.
Ein verdienter Beamter des Reiches feierte am Mon-ag sein 50jähriges Dienstjubiläum: der Reichsbank-Präsident v. Dechend. Derselbe, geboren 2. April 1814 zu Marienwerder, trat am 27. September 1Z36 als Auscultator in die richterliche Lausbahn ein, um sie als Assessor wieder zu verlassen und zur Verwaltung überzugehen. In den 40er Jahren zum virtragen- ben Rath im preußischen Handelsministerium ernannt, wurde er 185. Hauptbank-Director und 1858 Vicepräsident des preußischen Hauptbank-DirctoriumS mnd noch im selben Jahre Präsident desselben. Am 3. Juli 1865 erhb König Wilhelm den Jubilar in den Adelsstano und am 30. November 18T2 folgte die Berufung Herrn v Dechend's in das Herrenhaus auf Lebenszet. Nach Constituirung der Reichsbank wurde v. Dechend am 1. December 1375 zum
Präsidenten derselben und im nächsten Jahre zum Wirklichen Geheimen Rathe mit dem Prädicate Excellenz ernannt; im Jahre 1884 erfolgte seine Berufung in den Staatsrath. — Die staunenswerthe Entwickelung, welche die Geschäfte der Reichsbank unter der Oberleitung des Herrn v. Dechend genommen haben, erhellt schon daraus, daß 1875 der Umsatz dieses Instituts 17,4, im Jahre 1885 aber 73,2 Milliarden <M. betrug und dieser so riesig gesteigerte Umsatz ist im Wesentlichen das Werk des Jubilars. Als ein Hauptverdienst desselben muß die von ihm geschaffene Einrichtung des Giroverkehrs betrachtet werden, dessen wirthschaftliche Vortheile heute klar dastehen; ebenso ist die Errichtung der Abrechnungsstellen als ein bedeutsamer Moment in der Thätigkeit v. Dechend's hervorzuheben und auch seine Bemühungen zur Schaffung einer überseeischen Bank, als Stützpunkt und Rückhalt für die deutschen colonisatorischen Bestrebungen und den überseeischen Handel Deutschlands sind nicht hoch genug anzuschlagen. In den weitesten Kreisen der deutschen Industrie- und Handelswelt dürste der Ehrentag des Reichsbank-Präsidenten gewiß den freudigsten Nachhall geweckt haben, wie es dem Jubilar sicherlich auch nicht an Anerkennungen Seitens der Regierung u. f. w. gefehlt hat.
Im ungarischen Verkehrs-Ministerium hat sich ein Personenwechsel vollzogen. Baron Kemeny, der bisherige Chef desselben, ist wegen seiner, erschütterten Gesundheit zurückgetreten und wurde mit der interimistischen Leitung desselben Minister Orczy betraut. Irgendwelche politische Rücksichten sind bei der Demission Kemeny's nicht maßgebend gewesen.
In Belgien zuckt die Arbeiter-Bewegung vom vergangenen Frühjahre noch immer in gelegentlichen Kundgebungen der arbeitenden Klaffe nach. So fand am Sonntag in Lüttich eine Massenversammlung zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechtes statt, an welcher sich 5000 Arbeiter betheiligten; irgendwelche Ruhestörungen kamen jedoch nicht vor.
Die Wiederanbahnung diplomatischer Beziehungen zwischen Serbien und Bulgarien, die noch vom Fürsten Alexander den ersten Anstoß erfahren, dürfte sich demnächst verwirklichen. Die serbische Regierung hat auf eine Anfrage der bulgarischen Regierung, ob sie bereit sei, einen diplomatischen Vertreter Bulgariens zu acceptiren, ihre diesbezügliche Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben. In der serbischen Antwort wird auf die bereits zwischen dem König Milan und dem Fürsten Alexander getroffenen Verabredungen hingewiesen und die Geneigtheit des Belgrader Cabinets ausgesprochen, mit einem Special- Abgesandten Bulgariens über die Grundlage für die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verhandeln.
Das Verhältniß zwischen Frankreich und der Hovas- Regjerung auf Madagascar hat in letzter Zeit eine Verschärfung erfahren. Die Königin der Hovas, des herrschenden Stammes auf Madagascar, will den mit Frankreich eingegangenen Friedensvertrag von Tamatave nicht halten. Wenngleich man der Hovas-Regierung keinen directen Bruch des Vertrages nachsagen kann, so erhellt doch aus allerhand gegen den sranzösischen Residenten in Tamatave ausgeübten Chikanen, daß die Hovas nicht gewillt sind, den Vertrag praktisch durchzuführen. Wenn sich trotzdem erst dieser Tage der französische Ministerpräsident dahin geäußert hat, daß die madagassische Ange» legenheit einem befriedigenden Abschlüsse immer miehr entgegengehe, so deutet dies nur daraus hin, daß man in Paris über den eigentlichen Stand der Dinge aus Madagascar doch nicht richtig informirt ist.


