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Nr. 1»6 Grst-s Blatt. Sonntag den 27. Juni
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ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Theit.
Betreffend: Den Abverdienst uneinbringlicher Feldstrafen. . Gießen, am 25- Juni 1886.
Das Großherzögliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen BürgermeistereLen Allendorf a. d. Lda., Annerod, Garbeuteich, Gießen, Großen-Bufeck. Grüningen, Harbach, Haufen, Keffelbach, Lauter. Leihgestern, Londorf, Odenhausen, RüddingShausen, Saasen.
Steinbach, Utphe, Watzenborn und Wieseck. 1 '
Wir erinnern Sie an die alsbaldige Erledigung und Rücksendung der Ihnen seiner Zeit zugesandten Specialverzeichniffe. ____________________________________________________Dr. Boekmann.___________________________________
Gefunden: 1 rother Kinderstrumpf, 1 schwere Brieftasche, 1 Maaßstab, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 lederner Spielball.
GieHen, am 26. Juni 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
.________________________________________________________Fresenius.________________________________________________
Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen
a n d i e G r o ß h e r z o g l i ch e n Bürgermeister des L a n - b e z i r k s.
Unter Bezugnahme auf die Ausschreiben in Nr. 129 und 135 des Gießener Anzeigers ersuchen wir Sie, unter Mitwirkung der örtlichen Einschätzungs- Commission, diejenigen zu ermitteln, welche bisher Kapitalrentensteuer noch nicht bezahlt oder einen um 100 JL. gegen das Vorjahr höheren Zinsenbetrag muthmaßlich zu beziehen, bis zum 31. l. M. aber nichtsdestoweniger eine Kapitalrentensteuer'Erklärung freiwillig nicht abgegeben haben-
Das aufgestellte Verzeichniß wollen Sie, mit den etwa bis dahin eingelaufenen Erklärungen, ohnfehlbar am 1. Juli hierher einsenden.
Gießen, 25. Juni 1886. Süffert.
Darmstadt, 25. Juni. Die I. Kammer der Landstände trat heute zu einer zweitägigen Sitzung zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Präsident, Se. Großh. Hoheik Prinz Alexander von Hessen, des verstorbenen Mitgliedes I. Kammer, Justizrath Dr. Dorn seist, in warmen Worten und ersuchte die Mitglieder, zum An- denten an den Verstorbenen sich von den Sitzen zu erheben. — Hieraus trat man in die Berathung nachstehender Tagesordnung ein: 1) Gesuch der academisch gebildeten Lehrer an den höheren Lehranstalten des Grotzherzogthums, um anderweite Regelung der Gehaltsverhältnisse. Die Kammer beschließt ohne Debatte Beitritt zu den Beschlüssen der II. Kammer. Nur bei Punkt I. des Petitums tritt dieselbe dem Antrag II. Kammer: Großh. Regierung zu ersuchen, das Vorrücken in höhere Gehaltsklassen nicht von der Verwendung in den höheren Schlulklassen, sondern hauptsächlich — tadelloses Verhalten vorausgesetzt — von dem Dienstalter abhängig sein zu lassen, nicht bei. Der Ausschuß führt zur Begründung an, daß man Großh. Regierung das Recht nicht vorenthalten könne, im gegebenen Falle jüngere befähigte Lehrer in höhere Gehaltsklassen vorrücken zu lassen. — Es erfolgt nunmehr Beschlußfassung über 2) Mittheilung der II. Kammer über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Bewilligung von 654 JL für Anschaffung von Mobilien für das Schullehrer-Seminar Bensheim. 3) Desgl. über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Bewilligung von 3000 JL. für den Rest der laufenden Finanzperiode zur Unterstützung der landwirthschaftlichen Winterschule Büdingen. 4) Desgl. über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Verwilligung von 2300 behufs käuflicher Erwerbung der dem Easp. Grieser I. zu Lorsch gehörigen Hofraithe für die Zwecke des dortigen Haftlocals. 5) Desgl. über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betr. Verwendung der im laufeirden Staatsbudget zur unverzinslichen Vorlage der Baukosten eines Ersatz- und Erweiterungsbaues der männlichen Abtheilung des Landeshospitals Hofheim vorgesehenen Mittel zur unverzinslichen Vorlage der Baukosten eines Erweiterungsbaues der weiblichen Abtheilung. 6) Desgl. über den Antrag des Abg. Freiherrn von Nordeck zur Rabenau, betr. die Erhöhung der staatlichen Unterstützung der Arbeiter-Colonie Neu-Ulrichstein und tritt die I. Kammer ohne Debatte den Anträgen II. Kammer einstimmig bei; ebenso dem Punkt 7) Mittheilung über den Gesetzentwurf: Die Ausführung des Art. IX. des Staatsvertrags vom 30. Januar 1884, wegen Regulirung der Rheinstrecke Mainz— Bingen.^rner die I. Kammer einstimmig, entsprechend den Beschlüssen
II. Kammer den nachstehenden Gesuchen keine Folge zu geben: 8) Vorstellung des G. Höpperih sen. aus Stuttgart, bezüglich des Verhaltens des Generalsecretärs Dr. Weidenhammer zu dessen Anerbieten, seine Kenntnisse zur Hebung der Milchwirthschaft im Großherzogthum in ansvruchslosester Weise zu Dienst zu stellen. 9) Gesuch des Gg. Pfeiffer IV. zu Wohnbach, um Ertheilung eines Jagdwaffenpasses. 10) Gesuch des M. Isaak Joseph zu Reichelsheim i./O., Bewilligung einer Entschädigung für ein ihm getödtetes rotzkrankes Pferd. 11) Gesuch des P. Hertel zu Unter-Schönmattenwag, Rückzahlung von Seitens seiner Mutter zur .Abhaltung von Seelenämtern an die kath. Kirche gemachten Schenkungen. 12) Beschwerde des Gastwirths Kübel von Herbstein wegen der Gerichtsfahrten nach Freiensteinau. 13) Gesuch des früheren Kon- ducteurs der M.-N.-B. B. PH. Metzger von Darmstadt, betr. Rückzahlung von Beiträgen zur Eivildienerwittwenkasse. 14) Vorstellung der Gemeinde Kirtorf, die Herstellung eines Feldwegs betr. 15) Beschwerde des Adam Kraus I. von Auerbach wegen Schlächtereibetriebes des Löb Hahn daselbst betr.
Hierauf wurde über die Vorlage Großh. Staatsregierung, die Tilgung des Darlehns aus dem Großh. Domänenacquisitionsfond an die Großh. Cabinetskasse, in geheimer Sitzung verhandelt.
Morgen 9Va Uhr Sitzung.
Deutschland.
München, 25. Juni. Der „Allg. Ztg." zufolge entspricht die jüngste Auffassung des „Moniteurs de Rome" keineswegs der Anschauung der Kurie über die tragischen Vorgänge in Bayern; es sollen vielmehr authentische Belege hier vorliegen, daß die Ueberzeugung der leitenden Kreise des Vatikans, übereinstimmend mit denjenigen besonnener Politiker in Bayern, entschieden dahin gerichtet seien, daß unter den gegenwärtigen kritischen Zeitverhältniffen die'unab- weisbare Verpflichtung bestehe, vor Allem durch ein einmüthiges Zusammen- wirken aller Fraktionen unter Verzichtleistung aus jede Parteibestrebung die Ge- müther zu beruhigen und die Regierung des Prinz-Regenten zu stärken.
? — Die „Allg. Ztg." theilt den Wortlaut des Condolenz-Schreibens des
Emsers Wilhelm an den Prinz-Regenten Luitpold vom 17. d. Mts. mit. Dasselbe lautet: Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter und Bruder! Mit innigster Betrübniß hat mich die Nachricht von dem schmerzlichen Verluste erfüllt, welchen Ew. König!. Hoheit und das Haus Bayern durch das Ableben Sr. Maj. Königs Ludwig II. erfahren haben. Ew. Königl. Hoheit wollen sich überzeugt halten, daß ich an diesem schweren Trauerfall, welcher allerorten tiefste Betrübniß erweckt hat, herzlichsten Antheil nehme. Ich habe meinen Sohn, den Kronprinzen, beauftragt, denselben den Ausdruck meiner beileidsvollen Gesinnung zu überbringen und mich bei den Beisetzungs-Feierlichkeiten zu vertreten. Indem ich die schmerzliche Veranlaflung dieses Schreibens mit Ew. Königl. Hoheit tief beklage, ist es mir Bedürsniß, Ew. Königl. Hoheit die Versicherung auszusprechen, daß ich von den freundschaftlichen Gefühlen, welche unsere Königl. Häuser nach ihren Traditionen und nach ihrer nahen Verwandtschaft verbinden, in gleichem Maße, wie für den verewigten König, auch für Ew. Königl. Hoheit als Regenten des Landes beseelt bin, und daß ich die vertrauensvollen gegenseitigen Beziehungen der regierenden Häuser als dir unentbehrliche Grundlage der inneren und äußeren Sicherheit Deutschlands ansehe. Ueberzeugt von der vollen Gegenseitigkeit der Gesinnung Ew. Königl. Hoheit benutze ich gern diesen Anlaß, um Ew. Königl. Hoheit die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung und freundschaftlichen Gesinnung auszudrücken, womit ich verbleibe Ew. Königl. Hoheit sreundwilliger Vetter und Bruder (gez.) Wilhelm.
England.
London, 25. Juni. Zn der bei dem Parlamentsschluß verlesenen Thronrede heißt es, die Königin habe den Entschluß gefaßt, das Unterhaus aufzulösen, um die Meinung des Volkes über Die Errichtung einer Legislatur in Irland für die Leitung der irischen Angelegenheit kennen zu lernen. Die auswärtigen Beziehungen sind die freundschaftlichsten. Die Thronrede weist mit Genugthuung hin auf das Aushören des serbisch-bulgarischen Krieges, Dank der weisen Rathschläge der Mächte und der Langmuth des Sultans; erwähnt die Annahme der friedlichen Rathschläge Seitens Griechenlands und die Entwaffnung, welche dasselbe jetzt bewerkstellige, indem es so die schwere Bedrohung des Friedens des orientalischen Europas beseitige. Die gebesserte Lage Egyptens gestatte, die englischen Streitkräfte zu reduciren und dieselben in die Grenzen des eigentlichen Egyptens zurückzusühren. Die Thronrede drückt schließlich die Hoffnung aus, die mit Spanien abgeschlossene Convention werde nach erfolgter Genehmigung durch die Cortes die Einfuhr von Colonialwein heben und schließt mit dem Wunsche, das neue Parlament möge den Frieden und die Zufriedenheit des Volkes stärken und die Eintracht des Reiches sichern.
Reichstag.
E. L. Bern«, 25. Juni 1886.
Bei Wiederaufnahme der Sitzungen des Reichstages hielt Präsident v. Wedell- Piesdorf vor Eintritt in die Tagesordnung eine Ansprache an das Haus, in der er in warmen Worten der Verdienste des verstorbenen Königs Ludwig II. von Bayern um die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches heroorhob.
Die Anwesenden hatten sich während dieser Ansprache von den Plätzen erhoben.
Zur Berathung stand die allgemeine Rechnung über den Reichshaushalt für das Etatsjayr 1882/83. Dse Commission beantragte die nachträgliche Genehmigung mehrerer Ausgaben, will aber dabei den Vorbehalt ausgesprochen wissen, daß der Reichskanzler bezüglich diverser Beträge die Verantwortlichkeit für die ergangenen Allerhöchsten Ordres durch seine Gegenzeichnung nachträglich zu übernehmen habe. Unter diesem Vorbehalte solle die Decharge ertheilt werden.
Das Haus beschloß dementsprechend.


