1886
Freitag d.n 26. November
Nr. 27«
Erscheint mit AvSiuchrne bet «onick-s
Bwreeut Schulstraße 7.
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Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl W 'f|.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Brrreau.
»erli«, 25. November. (Privatdepefche) ^Eröffnung des Reichtags.) Die Eröffnungsrede motivirt die Vorlage über die geplante Heeresverstärkung durch die Entwicklung der Heereseinrichtungen der Jiachbarstaatcn. Die zu dieser Erhöhung nöthigen Geldmittel sollen durch erhöhte Matrtkularbeiträge und im Credirwege gedeckt werden. Die Reichspolitik sei bei den friedlichen Beziehungm zu allen Staaten bestrebt für Erhaltung der Einigkeit aller Mächte ihren Einfluß zu verwerthen, der aus ihrer bewährten Friedensliebe, Mangel an eigenem Interesse in den schwebenden Fragen, sowie aus der engen Freundschaft des Kaisers mit beiden benachbarten Kaiserhösen erwächst. Auf neue Steuervorlagen werde so lange verzichtet, bis das Bedurfniß hierfür im Volke anerkannt und bei den Wahlen zum Ausdruck kommen werbe. In Weilersührung der focialpolitischen Gesetzgebung werde die Unfallversicherung für Seeleute und Bauarbeiter dem Reichstage vorgelegt.
Berlin. 24. November. Der Kaiser empfing Vormittags den russischen Militär- bevollmächtigten Kutusow und nahm später den Vorttag Wrlmowski s entgegen. Gestern besuchte^der^Kaisn d^Oper.^ z^cht der „Times", wonach bezüglich der
Uebertraauna des Schutzes russischer Untertanen in .Bulgarien Untatanblun0en »wischendem deutschen Vertreter und Kaulbars stattgefunden hatten, welche resultatlo^ verlaufen^en ei vollkommen unbegründet; es erhelle dies auch schon daraus, daß derartige Verhandlungen sich nicht zwischen den Vertretern, sondern nur zwischen den
Der Landesverrachsproeeß wn Prahl wurde heute beendet; morgen Nachmittag findet die Publikation des Urthells statt. ,
M-tschtt schuldig des Auslaufs, Spdow und Titiel schuldig. Die Gerichtshof verurtheilte Saebischka und Korn zusätzlich zu 1^2 Jahre, Kuchar zu I ^Zavr und 8 Monaten, Rietschel zu 3 Monaten Gefangniß. Kuchar und Rretschel wuroe eure zweimonatlich- U-tt-rsuchungshast angerechnet. Saebischka, Korn und kuchar wmden in Hast behalten.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Ueb-rficht.
Gießer«, 25. November.
Die neue Septennats-Vorlage ist bereit» zum Brennpunkt der politischen Dircusston geworden, ohne daß deren Inhalt schon allgemein bekannt wäre — ein hinlänglicher Beweis, welche Bedeutung der Vorlage allsettig bei« gemessen wird. Am Montag Vormittag hielten die zuständigen Ausschüsse des Bundesraihes eine Sitzung behuf» Feststellung des mündlichen Berichts über die neue Militär-Vorlage ab, worauf am Nachmittag das Plenum zur Verhand- luna über den Bericht zusammentrat. Danach wäre also die Annahme, daß der Bundesralh diese Angelegenheit in einer einzigen Sitzung erledigen werde, zutreffend gewesen und es steht nun zu erwarten, daß die Vorlage, die nicht sehrumsangreich sein soll, dem Reichstage sofort bei seinem Zusammentritte gleichzeitig mit dem Etat, vielleicht noch vor demselben, zugehen werde. In parlamentarischen Kreisen wird die Thatsache, daß der Entwurf über bie neue Feststellung der FriedenS-Präseuzstärke des ReichrheereS so zeitig an den Reich», wa gelangt, sicherlich nur mit Genngthuung begrüßt werden, denn hierdurch ermöglicht sich ein- eingehendere und sachlichere Prüfung be» Entwürfe», als dies vielleicht bei Einbringung desselben erst in einem späteren Sessionsabschnitte der Fall gewesen wäre. Außerdem erleichtert die so frühzeitige Vorlegung des Entwmss die Etatsberathung ganz ungemein, da das künftige Mehrb-dürsmß, soweit ei durch die militärischen Ausgaben bedingt ist, sich nunmehr mit dem des Etatsjahres 1887/88 zugleich beurteilen lassen wird. Was die Aussichten für die neue Militär-Vorlage im Reichstage anbelangt, so wird man natürlich erst die allgemeine Berathung abzuwarten haben, ehe ein einigermaßen sicherer Schluß auf das Schicksal der Vorlage gestattet ist. Wenn man sich indessen erinnert, daß die beiden früheren Gesetze über die Friedens-Präsenzstärke der leeres nur der damaligen eonservatio-nationalliberalen ReichstagS'Mehrheit zu verdanken sind, daß aber diese srühere Mehrheit jetzt durch eine Coalition oppo- sitioneller Elemente ersetzt ist, so wirb man die Chancen für das Zustandekommen der neuen Militär-Vorlage gerade nicht als sehr günstige bezeichnen können. Uebrinens findet sich in Berliner Blätter eine merkwürdige Erklärung für das so unerroartet frühzeitige Einbringen der Vorlage; dasselbe soll wesentlich durch otTänaebli(6 bevorstehende Uebernahme de» CommandoS bei 6. Armee-Corp» in Breslau seitens des bisherigen preußischen KriegSmtnisters Bronsart v. Schellenborff bedingt fein, da man diese» wichtige Commando nicht zu lange in den Händen eines Stellvertreters lassen wolle. Diese ganze Version ist ledoch durch da» entschiedene osficiöse Dementi, welches die Gerüchte über den angeb. lichen Personalwechsel im Kriegsministerium inzwischen ersahren haben, hmfalltg 8 Das Vorkommen eines Todesfalles an asiatischer Cholera in Bre»lau ist durch die gerichtliche Section der Leiche des Betreffenden, eines uoqarifchen Auswanderer», amtlich constatirt worden. In Folge dessen hat dte Provinzial-Regierung eine schärfere Uederwachung der Oberschlesien passirenden Auswanderer angeordnet und wurden außer in Oderberg auch noch in Oppeln unb Ratibor ärztliche Untersuchungs-Slationen für dte durchpassirenden Au«, wand-rer eingerichtet; in letzterer Stadt werden dieselben überdies auch KTer Sutel rembirt. In Breslau selbst find unter der Bevötterung irgenowelche choleraoerdächtigen Krankhsits.Spmptome glücklicher Weife noch Nicht deobach^ine ^nsationelle Meldung kommt aus unteren Kolonien in der ©übfee. Einer Depesche des Landeshauptmannes von Kaiser - Mhelms . Land (Neu-Guinea), Herrn v. Schleinitz, zufolge ist am Huon-Golf Gold Stunden worden; ob die Quantität de» aufgefundenen edlen Metalles etue grobe^ist, laßt sich aus der erwähnten Depesche nicht beurteilen. Vielleicht daß da ein deut «'= M,-.d to 1860
Professor am Polytechnikum in Zürich, ist bafelbst am Montag im Altervon 69 fahren gestorben. Scherr hat sich namentlich durch seine culturgeschtch.liehen Werke einen hervorragenden Namen gemacht, wie z. B. durch die „Germania. Außer feinen literaturgeschichllicheu Werken schrieb Scherr noch eine ganze Reihe von Novellen, Romanen, historischen Essay» u. s. w.
Mit einer eclatanten Bert rauens «Kundgebung für die au» wattige Politik Oesterreich«Ungarn» unb beren Leiter, ben Grafen Kalnoky, haben bie Verhandlungen bet in P-sth versammelten Delegationen, über bie bul aarische Frage geenbigt. Die österreichische wie bie ungarische Delegation stimmen barin überein, daß die vom Grafen Kalnoky vertretene orientalische Dolitik den Interessen und der Würde der österreichischen Monarchie vollständig entfvreche und daß sich Ungarn wie Deutsche, Czechen wie Polen und Slovenen - in dieser Anschauung begegnen, ist ein in diesem vom Nationalitaten-Hader zer> riffenen Reiche seltenes Bild von Einmüthigkeit aller Stämme. Freilich sucht das deutschgefchriebene Prager Czechenblatt, die „Politik", selbst hieraus Kapital tür k(e ci-chifchen Aspirationen zu schlagen, indem er triumphirend daraus hm weist daß mit der zum größeren Theile slavischen Mehrheit der österreichischen Delegation eTne erfprie§li|e au8wärtifle ^011«!. leicht gemacht werden könne — ob Graf Kalnoky diesen Wink verstehen wird?
Die franiösischen Monarchisten haben in einem Departement bas bis setzt al» eine ihrer unanfechtbarsten Domänen gatt, eine empfindliche <5iHarme erlitten Bei der im Departement du Nord am Sonntag vorgenommenen Ersatzwahl zur Deputirtenkammer wurde der Republikaner Trystram mit
147,000 St. gewählt, der conservative Gegencandidat blieb mit 121,000 St. in der Minderheit. Bei den allgemeinen Wahlen im October des vergangenen Jahres wurden in diesem Departement sämmtliche Canoidaten der conferpatwen Partei gewählt; es scheint demnach der ihr ungünstige Ausgang der jetzigen Ersatzwahl QUf einen bedeutsamen StimmungS-Umschwung der Wählerschaft des Departements du Nord hinzudeuten.
Die so kläglich verlaufene jüngste Versammlung der Londoner Socialisten aus Trafalgar Square wird hoffentlich die Herren Arrangeure veranlaffen, einmal diese Kundgebungen für längere Zeit auszusetzen, da sichtlich das Jntereffe der Londoner Arbeiter an diesen „Maffenversammlungen erlahmt. Von der Versammlung, die überaus schwach besucht war, wurde u. 31. eine sich gegen den Premierminister Lord Salisbury richtende Entrüstungs-Resolution angenommen, da Salisbury einer Abordnung der Versammlung klüglich aus dem Wege gegangen war. . , . . n, .
Der englische Thronfolger, ber Prinz von Wale» wirb sich im December nach Athen begeben, um an ben Festlichkeiten anläßlich ber Münbig. keitserklärung des griechischen Kronprinzen theilzunehmen.
Da« Kaulbars'sche Intermezzo im bulgarischen Drama ist also glücklich überstanden; welche neue Komödie die Russen nunmehr in Bul« garien arrangiren werden, bleibt abzuwarten. Die Abreise des „Confucts- Generals" aus Sofia vollzog sich in höchst einfacher Weise und vermied die Bevölkerung kluger Weise jede Demonstration gegen den mißliebigen General, auch bei der Abreise der übrigen osficiellen Vertreter Rußlands aus Philippopel; Varna, Widdin u. s. w. scheint es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen zu lein. Am Montag sah man dem Eintreffen des Generals Kaulbars in Konstantinopel via Adrianopel entgegen und heißt es, derselbe werde nach einer Besprechung mit dem russischen Botschafter v. Nelidoff über Odeffa nach Petersburg weikrr^'sen^^^l ^QU^Qr6> welcher am Montag früh Philippopel passirte, hatte mit dem Polizeicommiffar auf dem Bahnhose einen Wortwechsel, da der Beamte die Vertheilung von Flugblättern gegen die bulgarische Regierung, welche der Secretär Kaulbars' vornahm, verhindern wollte. Am Montag Nachmittag Kaulbars in Begleitung des russischen Consu s Jgelström in Kon- stantinopel ein. Ueberhaupt ist es.bei der Abreise der russischen Vertreter aus Bulgarien doch nicht ohne einige Zwischenfälle abgegangen. Bei der Abreise des russischen ConsulS aus Rustschuk hielten der Prüfe t von Rustschuk und der Führer der bulgarischen Oppositionspartei, Stojanoff, Ansprachen an den Consul, in welchen dem Bedauern über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien Ausdruck verliehen und alle Schuld dem Ge- neral Kaulbars zugesprochen wurde. Sie erklärten schließlich, die Bulgaren seien bereit, die russischen Bedingungen anzunehmen, wenn nur die Verfassung gewahrt bliebe._____ _
Darmstadt, 24?November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnadigst geruht.m^er Präsidenten des Ober-Consistoriums, wirklichen
Gebeimen Rath Dr. Theodor Gold mann, sowie den Hüttenbesitzer Hugo Buderus zu Hirzenhain zu lebenslänglichen Mitgliedern der ersten Kammer der Stände des Großherzogthums zu ernennen.
iches braves Timst, arbeit auf Weihnachten el^Liebigstraße 41.
*00 u. 1800 Mark bek auszuleihen.
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• 0,15 A ' 0,30 L • 0,22 • 0,40 & ; 0,40 d> 1,85 • 0,5 5t
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- Der Schluß
7 KünM mit> 'm Leben.-UwIW sarft ääitoiit! i« Stig» Ibe von Eouaro


