— Das Professoren-Tollegium der philosophischen Fakultät an der Universität Wien hat dem Unterrichtsministerium als Nachfolger Eitelberger's auf der Lehrkanzel für Kunstgeschichte den Professor Dr. K. Justi in Bonn vorgeschlagen.
— Gymnasialprofessor Dr. Ed. Richter in Salzburg ist zum ordentlichen Professor der Geographie an der Universität Graz ernannt worden.
— Der ordentliche Professor der angewandten Mathematik an der Universität Dorpat, Staatsrath Dr. A. Lindstedt, ist zum Professor an der Universität Stockholm ernannt worden.
Vermischtes.
Aus Mainz, 22. Februar, schreibt man uns: Am 19. ds. erschien auf dem Bureau der Herren Solmitz u. Eohen in Köln ein junger Postschaffner und ersuchte um Einlösung von zwei ungarischen Goldrente-Coupons über je fl. 20. Um seinen Namen gefragt, deponirte er, das; die Coupons nicht ihm gehörten, sondern ihm von einem Postschaffner Rehm zur Besorgung übergeben seien. Die Kölner Bankfirma bemerkte auf der Rückseite des Coupons oen Firmenstempel Gebr. Oppenheim in Mainz und da sie sich erinnerte, s. Z. in der „Frankfurter Zeitung" die Bekanntmachung bett', das den Herren Gebr. Oppenheim in Mainz am 31. December o. I. abhanden gekommenen Werthpackets gelesen zu haben, hielt sie die Coupons zurück und verständigte telegraphisch die Mainzer Firma von dem Vorkommen der beiden Coupons. Der Chef der Mainzer Firma reiste sofort nach Köln ab und die alsdann nach seiner Ankunft in Köln energisch betriebenen Nachforschungen unter Leitung des Criminalcommissärs Herrn Weinand und des kaiserl. Postraths Herrn Berth. Weinert ergaben zunächst, daß der Postschaffner Nehm seit dem 17. December wegen Krankheit außer Dienst gewesen und am 15. Februar verstorben war. Der Diebstahl beziehungsweise Fund- oiebstahl konnte daher nicht von dem betr. Nehm herrührcn. — Das Resultat der nun weiter fortgesetzten Untersuchungen, die wesentlich dadurch unterstützt wurden, daß der junge Postschaffner, welcher die zwei ungarischen Coupons den Herren Solmitz u. Cohen gelassen hatte, sich zur Empfangnahme des Geldes einstellte, ergab, daß das verlorene Werthpacket s. Z. auf der Fahrt von Mainz nach Frankfurt jedenfalls in Folge einer mangelhaften Construction des Wagens hinter die Rücklehne des Wagensitzes gefallen war und trotz der sofort sowohl in Frankfurt als auch in Mainz angestellten Nachsuchungen erst in Köln von den die ankommenden Wagen revidirenden Handwerkern aufgefunden und unterschlagen worden. Der Inhalt des Werthpacketes, an dem etwas über 500 JL fehlte, ward sogleich zur Stelle gebracht und Herren Gebr. Oppenheim ausgeliefert.
Mainz, 23. Februar. Es unterliegt jetzt kaum einem Zweifel, daß die Execution an dem zum Tode verurtheilten Doppclmörder Herbst in Bälde vollzogen wird. Er empfing neuerdings den Besuch seines Vertheidigers und des Gefängnißgeistlichen. Auf die Mahnung, daß er sein Gewissen durch ein Geständniß erleichtern möge, antwortete er, daß er nichts zu gestehen habe und trägt er überhaupt noch sein freches Wesen zur Schau. Nach verschiedenen Aeußerungen trägt er sich immer noch mit dem Gedanken, durch einen Selbstmord sich dem irdischen Richter zu entziehen, doch sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, ihm dies unmöglich zu machen. Da der Scharfrichter Brand aus Thüringen, welcher die Hinrichtungen an Pfaff und Weltmann vollzog, gestorben ist, so wird vermuthlich dessen jüngerer Bruder, der ebenfalls schon Hinrichtungen beigewohnt hat, mit Vollstreckung des Urtheils betraut werden. Das Scharfrichteramt wird von dieser Familie schon seit langer Zeit ausgeübt.
Worms, 20. Februar. sEin Vermißter von 1870.] Durch einen Unteroffizier und einen Soldaten des Hess. Infanterie-Regiments Nr. 117 wurde am 17. d. Mts. ein gewisser Nagel, aus Hofheim bei Worms gebürtig, aus dem Gefängniß in Kaiserslautern abgeholt, welcher während des Feldzugs 1870 nach den Kämpfen bei Metz von seinem Regiment mit Sack und Pack desertirte und sich, der „Pf. Vztg." zufolge, seit dem Jahre 1873 unter falschem Namen als Fuhrknecht in Kaiserslautern aufhielt. Die Erlangung der zu seiner Verehelichung nöthigen Papiere hat den Deserteur ver- rathen, der in den Listen seiner Abtheilung als „Vermißter" geführt wurde. Wie mit- getheilt wird, glänzt sein Name sogar aus der Ehrentafel, welche das Regiment seinen im Heldenkampfe gefallenen Kameraden errichten ließ!
Dorndorf, 19. Februar. Unterhalb unseres Dorfes, gegen Thalheim zu, ist eine. ca. 30 Hectar große Fläche Ackerland und Wiesen gesunken, theilweise bis zu Manneshöhe. Die Erde zeigt große Sprünge und Löcher. Unterhalb dieser Fläche hebt sich der Boden. Da nun int Jahre 1886 die Welt zu Grunde gehen soll, so kommen Alt und Jung, Männlein und Weiblein, das Wunder zu besehen. Am verflossenen Sonntag befanden sich auch Drehorgeln zur Stelle. Den Wirthen gefällt es und ben Bauern, welchen Aecker und Wiesen verruscht und zusammengerutscht, gefällt es nicht. „So geht's einmal in dieser Welt — So war's zu allen Zeiten: — Was diesem hier sehr wohlgefällt — Kann jenem Schmerz bereiten."
Brüssel, 18. Februar. Der Kriegsminister hat die Wiedereinführung der Trommeln für die belgische Armee angeordnet. Gestern hielten die Trommler zum ersten Male ihren feierlichen Einzug in die Hauptstadt, wo, da man seit 12 Jahren keinen Trommelklang mehr vernommen, die Neugierde groß war. Das Grenadier- Regiment war zu dem Zwecke ausgerückt mit seiner Negimentsrnusik und sechsunddreißig Trommlern. Nachdem es von der Königin unterwegs unter Trommelschlag besichtigt worden, hielt es Mittags seinen Einzug. Voran ritt der Kriegsminister mit Generälen. Dann kam der Riesen-Tambourmajor mit seinem mächtigen Stocke, de Munck (derselbe war früher Trommler gewesen, dann Droschkenkutscher in Mecheln und nun Tambourmajor geworden); mit Grandezza hautirte er den Stock, man trommelte und blies nach Herzenslust. Hinter dem Regiment schritten die andern Tambourmajore und zur Feier der „Premiere" die Kutscherfrau Munck einher.
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Die Nr. 21 enthält:
Textlich: Sphinx. (Fortsetzung.) Roman von Doris Freiin von Spaettgen. — Die deutsche Seemannsmission. Von Franz Siewert. — Doch angeführt. Militärhumoreske von Herrn. Ferschke. — .Am Familientisch: Die Brüder Grimm. Zu dem Porträt. — Die Gärten des Vktikan. Zu dem Bilde von L. Th. Chouland. — Des Meeres Gaben. Zu dem Bilde von Snyders und Jan von Bockhorst. — Moderne Schachspieler. — In unserer Spielecke.
Bildlich: Zureden hilft. Von A. Glisenti. — Die Brüder Grimm. Von C L- Grimm. — Aus den Gärten des Vatikan : Blick auf St. Peter zu Rom. Von L- Th- Choulant. — Des Meeres Gaben. Altniederländischer Fischmarkt. Schabkunstblatt von Earlom nach dem berühmten Gemälde von Snyders und Jan van Bockhorst.
Mit einer illustrirten Beilage: Der erste Ball- — Umschau in fernen Landen-
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Frau M. I. Rühl, Seltersweg.
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Herrn Christoph Bieker, Neue Bäue. ;
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Henn Conrad Roth, Wallthorstraße.
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Vertragsmäßig sind die amtlichen Verkäufer verpflichtet, stets einen angemessenen Borrath an Postwerthzeichen zu führen und die einzelnen Marken zu keinem höheren, als dem Betrage ihres Wcrthes an das Publikum abzulassen. Im Allgemeinen hat der Verkauf während der ganzen Zeit, in welcher das Geschäftslokal des Verkäufers geöffnet ist, stattzufinden, jedenfalls aber innerhalb dec für den Verkehr mit dem Publikum festgesetzten Dienststunden des Postamts.
Gießen, im December 1885.
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