griffen. zersprengt und aus der Stadt geworfen. Am Montag nahm die Gensd'armerie die zersprengten Reste der Insurgenten gefangen und wurden die Gefangenen einstweilen in den Dörfern um Madrid internirt, womit der Putsch vorläufig sein Ende erreicht hat. In Madrid ist der Belagerungszustand pro- klamirt worden; auch wurde ein Kriegsgericht eingesetzt.
Tetegraphischr DepeschLU.
Wolff» Mrs«» Ssrrrspo-rderrr * Vrrrssa.
Berlin, 22. September. Die Auswechslung der Ratifikationen des Vertrags wegen Verlängerung des deutsch-spanischen Handelsvertrags fand am 20. September in Madrid^statt.^ gelten allgemeinen Sitzung der Naturforscher-Versammlung dankte vr Pohlmann (Newyork) Namens der theilnehmenden Amerikaner für die freundliche Aufnahme und ladet zur Betheiligung an dem nächstjährigen medicinischen Congresse in Washington ein. Nach Vorträgen von Cohn (Breslau) und Schweinfurt (Kairo), folgt der Antrag auf Wahl einer Commission zur Vorberathung einer eventuellen Statutenänderung für die nächstjährige Versammlung. Es wurden 12 Mitglieder gewählt, darunter Kußmaul, de Bary, Virchow und Hofmann.
— An dem heutigen von der Stadt Berlin zu Ehren der Naturforscher im Ausstellungsparke gegebenen Feste nahmen über 6000 Personen Thetl. Oberbürgermeister Forckenbeck begrüßte Namens der Stadt die Versammlung. Virchow gab dem Dank der letzteren Ausdruck. Im Garten waren Buffets errichtet. Der von Künstlern arrangirte Festzug des Dionysos, welchem im großen Restaurationssaale ein kleines, als Satyrspiel gedachtes, nicht vorher angekündigtes Vorspiel vorausging, brachte in dem glänzend erleuchteten Parke eine bedeutende Wirkung hervor.
Wien, 22. September. Das „Fremdenblatt" findet die Kundgebungen der -ungarischen Parlamentarier in der bulgarischen Frage insofern beachtenswert!), als sie dem Gefühle banger Erwartung Ausdruck gaben, welches nahezu ganz Europa und auch die ungarischen politischen Kreise ergriffen hätte. Jndeß könne nicht dringend genug empfohlen werden, das Verhältniß zu Deutschland, welches bereits in den Volkern feste Wurzeln geschlagen, vor einer Behandlung zu bewahren, welche das Ver- ftändniß des Werthes dieses Verhältnisses beeinträchtigen müsse. Es sei schwierig, deute, ohne in die Ereignisse der letzten Jahre eingeweiht zu sein, zu beurteilen, welche Dienste der Friedenserhaltung das Bündniß mit Deutschland bereits geleistet habe. Diese naturgemäße Bundesgenossenschaft sei heute die allein denkbare, dauerhafte und einzige, von der erwartet werden könne, daß sie den Reichsinteressen Oesterreich-Ungarns gerecht werde. Durch Verletzung der Reichsinteressen würde die Kraft der Allianz, die in ihr vereinte Macht und das politische Gewicht eine Beeinträchtigung erleiden, welche nickt ohne Rückwirkung auf die großen Ziele des mächtigen Friedens- bündniffes bleiben könnte. Es sei zu hoffen, daß gerade in dieser Richtung die Beantwortung der Interpellationen Gelegenheit bieten werde, die Besorgniß, durch welche sie veranlaßt, zu verscheuchen oder doch auf das richtige Maß zurückzuführen. Wo sich's um die Pflicht handle, das Interesse der Monarchie vor Verletzung zu wahren, würde eine befriedigende Erklärung nicht fehlen. Uebrigens sei bisher von allen Mächten in Bulgarien die volle Freiheit der nationalen Action gewahrt worden, und es sei anzunehmen, daß Rußland seinen Triumph über den Fürsten Alexander nur unter Achtung des internationalen Rechtes ausnutzen werde.
Wien, 22. September. Cholerabulletin. Es erkrankten resp. starben in Triest 3/1, Pesch 32/5, Fiume 1/0 Personen.
Lemberg, 22. September. In der Bezirksstadt Kaluß brannten vorige Nacht 300 Häuser ab.
" London, 22. September. Unterhaus. Bei der dritten Lesung des Frnanz- gesetzes erklärte Churchill, die Zustände auf der Balkanhalbinsel seien zweifellos ernst, es könnte kritisch werden, aber die von einigen Deputaten befürchtete Gefahr dürste beschleunigt werden, wenn sich die Regierung auf eine Diskussion über die Lage einließe. Churchill ersuchte das Haus, von einer Debatte abzustehen und bemerkte, keine Regierung werde ein definitives Vorgehen in solchen Fragen, die das Schicksal des Reiches unmittelbar berühren können, beschließen, ohne das Parlament zu berufen und diesem den ganzen Sachverhalt vorzulegen. Die Regierung sei sich völlig bewußt, daß die Angelegenheiten in Bulgarien, wie bemerkt, ernst seien und kritisch werden könnten. Der Verlauf der Krisis in Bulgarien vom October vorigen Jahres berechtige sie, auch wegen der Behandlung der gegenwärtigen Schwierigkeiten Vertrauen zu hegen. Das Hauptziel der Regierung in allen europäischen Fragen werde sein, das europäische Concert in wirksamer Form behufs Aufrechterhaltung des europäischen Friedens zu erhalten. Das Finanzgesetz wurde in dritter Lesung angenommen. Der Schluß des Parlaments erfolgt nächsten Samstag.
London, 22. September. Das Unterhaus lehnte die Parnell'sche Bodengesetzbill in zweiter Lesung mit 297 gegen 202 Stimmen ab. Dillon äußerte, die Parnell'sche Bill zeige den Pächtern in Irland an, daß sie nicht mehr auf das Parlament, sondern lediglich auf sich selbst zu rechnen und bei ihrem Widerstande zu verharren hätten. Hicks-Beach erklärte, die Zustände in Irland seien derartige, daß die Regierung ge- nöthigt sein könne, das Parlament aufzufordern, sich früher mit denselben zu beschäftigen, als ursprünglich beabsichtigt war; die Negierung könne den Frieden aber nicht durch Dinge erkaufen, die sie nicht für gut und heilsam erachte.
Genua, 22. September. Seine K. und K. Hoheit der Kronprinz ist heute Mittag hier eingetroffen und hat die Weiterreise nach Santa Margherita, dem Aufenthaltsorte Ihrer K- und K. Hoheit der Frau Kronprinzessin, um 3 Uhr Nachmittags angetreten.
Madrid, 22. September. Bis gestern wurden 30 Civilisten und 191 Militärpersonen verhaftet.
Madrid, 22. September. Die Königin ist hierher zurückgekehrt und wird morgen einen Ministerrath abhalten. Gestern Nachmittag fand eine kirchliche Trauer- seier statt für den General Velarde und den Oberst Mirasol, die bei dem Ausstand gelobtet wurden. Unter der Anklage, auf den Geneoal Velarde mit einem Revolver geschossen zu haben, ist ein Student verhaftet worden.
Moskau, 22. September. Die „Moskauer Zeitung" sagt, für einen russischen diplomatischen Agenten sei jetzt kein Platz in Sofia, wohl aber für einen Commissar mit dilatorischen Gewalten und der erforderlichen Liktorenanzahl. Gegen die Ent- lendung eines Commissars, ja sogar gegen eine russische Besatzung Bulgariens dürfte wohl nur England und auch allein auf dem Papier protestiren. Die Behandlung der Frage wegen Entsendung eines Commissars werde aufklären, was Rußland künftig zu erwarten habe. Noch vor der Fürstenwahl und vor jedwedem sonstigen Arrangement müsse erörtert werden, ob die Aufgabe der europäischen Lösung der bulgarischen Frage etwa darin bestehe, daß auf den bulgarischen Thron ein Prinz komme, welcher die Partei Stambulow's als nationale und eine dieser nicht beistimmende Majorität des Volkes als Diener des Panslaoismus ansehe. Andernfalls käme Rußland in eine Lage, welche lange auf die Slaven der Balkanhalbinsel zurückwirken werde.
Sofia, 22. September. Die Antwort der bulgarischen Regierung auf die russische 'Rote wegen Aufschiebung des Verfahrens gegen die Theilnehmer des Staatsstreichs ist nunmehr in veränderter Fassung überreicht und vom russischen Consul ent- -gegengenommen worden. In derselben heißt es: die bulgarische Regierung sei peinlich berührt, daß ihr die Absicht zugeschrieben werde, die am Staatsstreich Betheiligten summarisch aburtheileu zu lassen. Das Urtheil über die Angeklagten werde im Gegen- tbeil nicht so bald erfolgen, die Untersuchung habe kaum begonnen und werde längere Zeit beanspruchen. Die bulgarische Regierung wisse noch nickt, an welchem Tage die Prozeß-Verhandlung beginnt. Die Regierung fei stets gern bereit, den Vertretern der Mächte, insbesondere Rußlands, alle nöthigen Aufklärungen zu geben.
Konstantinopel, 22. September. Die Provenienzen von der Donau unterliegen nunmehr einer zehntägigen, anstatt der bisherigen fünftägigen Quarantäne.
Konstantinopel, 22. September. Hier ist das Gerücht verbreitet, der russische Thronfolger werde demnächst den Sultan besuchen.
Newyork, 22. September. In Summerville und Charleston haben in den letzten Tagen abermals mehrere, von Detonation begleitete Erderschütterungen stattgefunden. In Charleston gerieten in vergangener Nacht die Häuser in so schwankende Bewegung, daß die Einwohner in's Freie eilten.
Loyales.
Gießen, 22. September. In dem vielbesprochenen Verwaltungsprocesse in Betreff des Ansinnens Großh. Kreisamtes Gießen gegen die Stadt Gießen wegen Verlegung des Brunnens in der Ludwigsftraße hat nunmehr Großh. Verwaltungsgerichtshof unterm 11. l. Mts. den von dem Rechtsanwalt Baist gegen das die Stadt verurtheilende Erkenntniß des Provinzialausschusses vom 29. Mai I. I. ergriffenen Recurs als unzulässig und unbegründet unter Verurteilung der Recurrentin in die Kosten des Verfahrens verworfen.
Die in mehrfacher Beziehung interessanten Entsckeidungsgründe werden in der nächsten Nummer der „Verwaltungsblätter" veröffentlicht werden.
Gießen, 23. September. Heute Mittag ist unser Regiment aus den Manövern wieder in ine Garnison eingerückt
— Hauptmann v. St. Paul ist zum Major, Premier-Lieutenant Weimer zum Hauptmann befördert worden.
— Herr O. Bergen ist von den Stadtverordneten zum Director des städtischen Gaswerks Gießen vorerst provisorisch erwählt worden.
Verwischte-.
Hungen, 22. September. Gestern Nachmittag um 5Uhr erschoß sich in seinem Zimmer der Castellan Christian Muschenheim, ein bereits bejahrter Mann. Ueber die Ursache des Selbstmordes ist bis jetzt nichts bekannt geworden.
Wetzlar, 22. September. Heute tagte dahier die Synode Wetzlar, die officielle Versammlung der Geistlichen und Presbyter der Gemeinden des Kreises - Wetzlar unter Vorsitz des Superintendenten II f en er aus Niedergleen und im Beisein des Consistorialrathes Hempel aus Coblenz. Nach Erledigung der anderen Tagesordnung kam denn auch der Antrag Hammer ft ein zur Berathung und erklärte sich die Synode einstimmig (die Laien wie die Geistlichen) für den Antrag Hammerstein, jedoch in der Weise, daß ein weitergehender Antrag (specielle Anträge), wenn auch nur mit geringer Majorität abgelehnt und der Anschluß an die Provinzial- synode angenommen wurde. Von Gießen waren die Herren Pfarrer Di*. theoL Haupt und Geh. Kirchenrath Prof, theol. Köllner eingeladen und anwesend.
Hagenau, 18. September. Wer in diesen Kaisertagen in Straßburg und dort überhaupt weilte, wo der Kaiser mit seinen hohen Gästen zum Besuche erschien, wird sich vielleicht auch die Frage vorgelegt haben, woher eigentlich dies massenhafte Fahnen- material kam? Wir können diese Frage dahin beantworten, daß die Bonner Hos- Fahnenfabrik geradezu in riesigen Dimensionen Heuer von Straßburg und Metz aus Aufträge für Fahnen aller Art und sonstige Decorations- und Jllmninations- gegenstünde erhielt. Der Generaldirection unserer Reichseisenbahnen wurden von dieser leistungsfähigen Firma allein 1700 große Fahnen geliefert.
herein jur Unterstützung und Besserung der aus den Strafanstalten Entlassenen.*)
Die 23. Generalversammlung des Vereins fand am 11. August d. I. zu Gießen unter dem Vorsitz des Präsidenten, Oberlandesgerichtsrath Freiherrn von Ricou, statt. Derselbe verwies in seiner Ansprache zunächst auf die infolge des Wegzugs und bezw. der Erkrankung der früheren Präsidenten eingetretenen Veränderungen bei der Großherzoglichen Centralbehörde des Vereins hin und beantragt, den Herren Geheimerath Fischer und Hofgerichtsdirector i. P. vr. Zimmermann den Dank des Vereins für ihre langjährigen, ersprießlichen und opfervollen Dienste in Sachen des Vereins auszusprechen, womit sich die Anwesenden einverstanden erklärten. Es wurde bemerkt, daß in dem erwähnten Wechsel der Grund der verspäteten Abhaltung der gegenwärtigen Generalversammlung zu suchen sei; dieselbe hätte, da nach § 21 der Statuten eine solche alle 2 Jahre abwechselnd in Darmstadt, Gießen und Mainz statthaben solle und die 22. zuletzt bereits im November 1883 abgehalten worden sei, eigentlich schon in 1885 erledigt werden müssen; um wieder in Ordnung zu kommen, solle nun die 24. Generalversammlung bereits im nächsten Jahre zu Mainz abgehalten werden.
Indem sich der Präsident sodann zum Vortrag des 23. Hauptrechenschaftsberichts über den Erfolg der Vereinsthätigkeit in den Jahren 1882 und 1883 wandte, bemerkte er im Allgemeinen, daß sich in allen wesentlichen Beziehungen schon jetzt ein noch erfreulicheres Resultat für die Jahre 1884, 1885 und 1886 in Aussicht stellen lasse und namentlich ein sehr beträchtlicher Zuwachs an Mitgliedern des Vereins, insbesondere Dank dem wohlthätigen Einflüsse der Bezirksoereinscommissionen, auch seitens der Gemeinden des Großherzogthums zu conftatiren sei.
Zur Erläuterung und Begründung des Berichts wurden die abgeschlossenen Rechnungen für 1882 und 1883 nebst Belegen, die vom Vereinsausschusse berufenen Voranschläge über Einnahme und Ausgabe für die Jahre 1886 und 1887, die Ueber? sicht über den Stand des Vereinsvermögens rc. vorgelegt. Aus dem umfangreichen Bericht dürfen folgende Punkte hier nur hervorzuheben sein:
Die Einnahmen betrugen in den Jahren 1882 und 1883 zusammen
10 092 Jt 73
die Ausgaben zusammen 9 514 „ 77
so daß Ende 1883 ein Kassevorrath verblieb von . 577 „ 96 ~
Der Reservefond des Vereins besteht in Werthpapieren im Nominalbetrag von 36 128 «4t 58 H (angekauft zu 33 736 <//£ 26 H), welcher zu 4pCt. einen jährlichen Zinsenertrag liefert von . .... 1445 OL 14 L,
so daß mit dem Zuschuß des Staates von 1000 „ —
und den Beiträgen der Mitglieder mit .... 3384 '' — ''
die Einnahmen in den in den Voranschlägen pro 1886 und 1887 je auf 5829 14
die Ausgaben je auf 5100 „ — von der Generalversammlung angenommen wurden.
Die Unterstützungen der Pfleglinge des Vereins betrugen in den Jahren 1882 und 1883 zusammen 6284 JL 90 H und wurdar in den verschiedensten Formen an Geld, Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Handwerkszeug, Hausmiethe, Anschaffung von Bettwerk, Hausgeräth rc. verabreicht.
Die Anwesenden erklärten sich mit der bei dieser Gelegenheit erörterten Ansicht einverstanden, daß die in § 2 der Statuten gestaltete ausnahmsweise Unterstützung von Familien der Sträflinge während Verbüßung der Strafen nicht allzu ängstlich gedeutet werden sollte, da gewiß auf das Gemüth von überhaupt besserungsfähigen Sträflingen es auf das Vortheilhafteste wirken muß, wenn sie sehen, daß man sich der während ihrer Abwesenheit darbenden Angehörigen annimmt. Viele der ähnlichen Vereine in wie außerhalb Deutschlands nennen sich daher ausdrücklich Unterstützungs- Vereine für die entlassenen Sträflinge und deren Familien.
Von den Ende 1883 vorhandenen 1140 Pfleglingen des Vereins waren, nach Abzug der während der dreijährigen Dauer der Aufsicht verstorbenen (66), abwesenden (235) und ausgetretenen (17),
1) als gebessert entlassen worden 196,
2) als gut qualificirt worden 328, während 212 als schlecht bezeichnet und 86 als unverbesserlich ausgestoßen werden mußten. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, daß dieses günstige Resultat den landläufigen Einwand gegen die Unterstützungsvereine für entlassene Sträflinge: daß wir unsere Gaben und Mühen den armen unbescholtenen und unbestraften Menschen entzogen, um sie an unwürdige, undankbare und ohnehin unverbesserliche zu verschwenden, ganz abgesehen von seinem moralischen Unwerthe, auch thatsächlich widerlegen.
Weiter wies der Präsident darauf hin, daß seit Erstattung des 22. Rechenschaftsberichts in Darmstadt zwar ein Pfründnerhaus eingerichtet, dadurch aber doch nickt das städtische Arbeitshaus so entlastet worden sei, daß die gehoffte Mitbenutzung desselben durch die Vereinspfleglinge bis zur Vermittelung lohnender Arbeit für solche vorerst möglich wäre, immerhin ein Ziel, das sich der Verein zu erreichen vorstecken
*) Wir empfehlen unseren Lesern den Beitritt zu dem menschenfreundlichen Verein mit dem Bemerken, daß alle Großherzogl. Bürgermeister Anmeldungen zu demselben entgegennehmen. D. Red.


