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9!r* 2221 Freitag dm 24. September 1$$6
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Ueberficht.
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In Spanien, dem klassischen Lande der Pronunciamentos. hat in der Sonntagsnacht, und zwar in Madrid selbst, wiedereinmal einer dieser militä. rischen Putsche stattgefunden. In einer Kaserne meuterten Kavallerie- und Jnfanterle-Ablhellungen und durchzogen dann unter Hochrufen aus die Republik die Straßen. Hier wurden sie indessen von den könig-treuen Truppen ange-
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t- -?ri°nArinj,^riebrJll13Bil6eIm' welcher bekanntlich in Vertretung seines kaiserlichen Vaters nach Metz gereist ist, hat daselbst am Montag einen außerordentlich festlichen Empsang gesunden, wie denn der Kronprinz auf der ganzen Fahrt von Straßburg nach Metz auf allen Stationen von der zusammen- gestromten Bevölkerung mit Jubel begrüßt wurde. Aus dem Königsplatze nahm der hohe Herr Nachmittags die Huldigung des Landkreises Metz entgegen, später sand Diner im BezirkS-Präsidium und Festo»rstellung im Theater statt Abends war ine Stadt prächtig erleuchtet; gegen 9 Uhr wurde dem Kronprinzen von verschiedenen Vereinen ein Fackelzug gebracht. Von Metz aus begab sich der Kronprinz nach Genua, resp. Pontcesina, wo bekanntlich die Frau Kronprinzessin mit ihren Töchtern weilt. 9
Die außerordentliche Reichstags-Session ist am Montag nach nur emviertelstündiger Sitzung, in welcher der Handelsvertrag mit Spanien debattelor zur definitiven Annahme gelangte, vom Staatssecrelar o. Bötticher nnt Verlesung einer kaiserlichen Verordnung geschlossen worden. In der nun beendigten fünftägigen Session ist von dem Hauplgegenstande der Verhandlungen, dem Handelsverträge, herzlich wenig die Rede gewesen, was gerade nicht Wunder nehmen darf, da ja alle Parteien mit der Verlängerung des Vertrages im Voraus emverstanden waren und somit dessen Annahme von vornherein fest-
Dagegen wurde an dem einzigen eigentlichen Verhandlungstage, welchen d,eSesuonaufzuw-isen hatte, am Samstag, da« Thema Der Schutzzollpolitik m.t großer Gründlichkeit erörtert und waren es namentlich die freisinnigen Abgeordneten Rlckert und Brömel, welche sich gegen die herrschende Handelspolitik ergingen. Von Abgeordneten anderer Parteien griffen noch Vertreter der Con- servatlven, Nationalliberalen und Socialdemokraten in die Debatte ein während die Centrums-Vertreter sich „ausschwiegen." Die nachfolgende, ziemlich lebhafte Debatte über den Rechenschaftsbericht der sächsischen Regierung, betr die V-r- längerung des kleinen Belagerungszustandes sur Leipzig und Umgegend, konnte in Anbetracht des Charakters des zur Discussion stehenden Gegenstandes zu keinem praktischen Ergebnisse fuhren. Typisch für die so kurzlebige Session war das Verhalten der Socialdemokraten. Der gehässige Ausfall aus Herrn v. Wedell-Piesdorf, wie die socialdemokcalische Obstructions-Taktik und der Versuch, die bulgarische Frage durch die todtgcborene Interpellation aus's Tapet zu bringen, waren seltsame Erscheinungen, aber für Die Haltung der Socialdemokralen hinlänglich charakteristisch; sie zeigen, wessen man sich von den Herren Bebel, Hasen-lever und Genossen in der nächsten ordentlichen Session des Reichs- tags zu versehen hat.
eö Präsident der Seehandlung, Geheimerath Rötaer gestorben. Der Verschiedene war am 24. Mai 1830 zu Tangermünde geboren und stand seit dem Tode des Herrn Bitter an der Spitze der Seehand- f.efonbe,rem königlichen Vertrauen war Präsident Rötger im vorchm Jahre in s Herrenhaus berufen worden; auch gehörte er dem Slaatsrathe an.
3°fef'TOitb der in Dresden demnächst stattsindendeu •"te
$ fotWo« und entbehrte des allgemeineren Interesses; der gebannten nn/r.en Soßatibs, die sich durch den zwischen dem Ministerium Hermskerk S »e"e mit feine?Zrt?^“ ®e£,enfa6 ch°rakterisirt^ gedachte
q.. . „ .. Gieße», 23. September.
- . ®ie ^°/I.k>chen Kaisertage im Elsaß sind nun thalsächlich zu ®Dnnta9 weilt Kaiser Wilhelm wiederum in Baden-Baden um sich daselbst von den mannigfachen Anstrengungen zu erholen, welche für ihn mit bem Besuche des Reichs ander und speciell der Stadt Straßburg verbunden waren. Die spontanen, so recht aus dem innersten Herzen des Volker kommen- den Kundgebungen, welche dem erhabenen Schirmherrn der Reiche« während seine« Aufenthalte« im Elsaß Tag für Tag mit ungeschwächter.Kraft und Be- gcisterung dargebracht worden sind, bilden den deutlichsten und sprechendsten ^Ei-, daß auch n den wiedergewonnenen Gauen zwischen Rhein und Vogesen dar deutsch-nationale Empfinden mächtig auflebt und daß da« Gefühl der -tu- ammengehörigkeit zwischen dem Reichrlande und Altdeulschland in her elfafi- Bevölkerung sich mehr und mehr geltend macht. Kaiser Wilhelm selbst hat die» wiederholt anerkannt und das beste Zeugniß, wie sehr er milder nnitwickelung der Dinge im Reichslande zufrieden ist, liegt wohl in feinen SBorten, e« fei im Elfaß gerade so wie in den alten Provinzen __ Sßom
15. Armee-Corps hat sich der Kaiser mittelst einer an den commandirenden General v. Heuduck gerichteten Cabinetr-Ordre verabschiedet, welche dem 15 Armee- C°rpr für seine Leistungen die ganz besondere Anerkennung des Allerhöchsten Kriegsherrn ausspricht. Al« speciellen Ausdruck der kaiserlichen ^nebenbei tfi dem General-Lieulenant v. Heuduck der Rothe Mer Orden 1 Klaffe mit E«h°nlaub und Schwertern und dem Emaillebande des Königl. Kronen O-dens verliehen worden.
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: । . .rP11«,®1 anb ^ben sich am Sonntag wieder einmal äußerst tumiil, 1 ( luarische ©eenen abgespielt, welche beweisen, daß die revolutionäre Beweauna 1 ! ?#tber ,,9ri*nen 3n£t" e^er z-' als abnimmt. Den Schauplatz derselben
j bildete abermals die Stadt Belfast, welche überhaupt der Mittelpunkt der Be- ! Ä8 iu. fein Den äußerlichen Anlaß zu den Tumulten i b,e ?IeftAa?kun{ß °iner Anzahl von Individuen, welche die Polizei insultirt 1 hatten. Alsbalo sammelte sich eine große Menge vor der Polizei-Kaserne ver. ! b*e verausgabe der Gefangenen und griff, da diesem Verlangen natürlich ; n cht nachgegeben wurde, die Kaserne an. Die Polizei mußte Feuer geben wo- ! getodtet oder verwundet wurden, aber erst, nachdem die
i gif. tntnUnßenker(? l,en ^"ite, gelang die Zerstreuung der Menge und le Wiederherstellung der Ruhe; verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen Für den am Samstag erfolgten Amtsantritt der neuen Vicekönig« von Irland' — Londonderry, sind diese Vorgänge gerade kein günstiger Omen'
! .„,5 obr Montagssitzung be« englischen Unterhauses beantragte Parnell bie । Zweite Lesung seiner irischen Bodengesetz-Bill, wobei er erklärte, dieselbe würde ! mehr für Wiederherstellung geordneter Zustände in Irland beitra en als d i Entsendung emer Anzahl Generäle mit Truppen. Conservaliverfeits wurd- die Verwerfung de« Antrages beantragt. e Oie
m.f ’m®« ^eußerungen der Londoner Presse, voran des „Standard"
! Anzapfungen der Pariser Blätter in der egyptischen Frage bekunden deutlich den Entschluß der englischen Regierung, Egypten unter keines Umständen Mr c*3n, ,ben P?user Regierungskreisen vermerkt man diesen Entschluß f (fr übel. In seiner Morgen-Ausgabe vorn Montag weist der osficiöse Be-
i J. UEunffitet6a[tenb\"^T'?uf ben Mißerfolg Englands in Egypten hin । und meint, Europa werde nicht zögern in einer Frage, in der ihm die Entschei- ftheidung zukomme, zu interveniren. Für Die gegenwärtigen Beziehungen zwischen England und Frankreich ist diese Preßpolemik sehr lehrreich, 8 3 W «jviikJL",,?/ 1 Angelegenheit ist ein gemeinsamer Schritt
Deut chland« und Rußlands zu verzeichnen. Beide Mächte haben in Sofia den Wunsch zu erkennen gegeben, daß die Theilnehmer am Staatsstreiche vom 21. lluguü vorläufig noch nicht vrocessirt werden sollten, woraus die bulgarische Regierung geantwortet hat, daß sie zwar die Untersuchung nicht einsteüen könne, daß aber die Eröffnung der gerichtlichen Verhandlung nicht vor einigen Wochen stattstnden werde. Jedenfalls documentirt sich in diesem Vorschläge wiederum die Ueberemsilmmung Deutschlands und Rußlands in der Behandlung der bulgarischen Angelegenheiten. Von bemerkenswertheren Nachrichten sind aus Bulgarien sonst noch diejenigen über die Anberaumung der Wahlen zur großen Sobranje aus den 11. October und die Verbrennung der Fahnen des rebelli- schen CadetteN'Corps und des Regiments StromSky zu verzeichnen. Das letztere ist aufgelöst worden, seine Mannschaften wurden in ostrumelische Regimenter
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