Ausgabe 
24.1.1886 Erstes Blatt
 
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über die Einrichtung der Berliner Markthallen für den Verkauf frischer Seefische. An das Referat knüpfte sich eine längere Besprechung über die Verbesserung des Trans­portes von Seefischen nach dem Binnenlande. Eine Reihe von Anträgen der Hochsee­fischer von Finkenwerder und Blankenese betreffend die Hebung der Hochseefischerei -werden der betreffenden Sectio» zur weiteren Veranlassung überwiesen und soll in der wachsten Versammlung darüber berichtet werden. Ferner wurde der Antrag angenommen, daß bei der Anlage von Schuh- und Nothhäfen für Fischerfahrzeuge der Norddeich bei Borkum berücksichtigt werde.

Bremerhaven, 22. Januar. Heute gegen Abend entstand in 200, am neuen Hafen lagernden Ballen Baumwolle auf noch nicht ermittelte Weise Feuer, es gelang mit Hilfe von Schiffsspritzen, dasselbe auf seinen Herd zu beschränken und weitere Gefahr fernzuhalten.

Paris, 22. Januar. Grevy empfing heute den neuen spanischen Botschafter Albareda, welcher sein Beglaubigungsschreiben überreichte.

Der Marineminister ordnete die Suspendirung des für dieses Jahr vor­gesehenen Baues von zwei großen Panzerschiffen an.

Seit heute früh herrscht hier ununterbrochener Schneefall.

London, 21. Januar. Im Oberhause widerlegt bei Berathung der Adresse Lord Salisbury die Behauptung, daß die Samoa - Inseln von Deutschland annektirt seien. Die jüngst dort vorgekommenen Ereignisse seien nur unvollkommen bekannt, ober die Regierung erhielt von der deutschen Regierung die positivste Versicherung, daß sie in Samoa au den betreffenden Verträgen fefthaltc. Eine Diskussion über die birmanische Frage sei nicht rathfam, bevor die betreffenden Schriftstücke bekannt seien. Die Annexion Birmas lege Indien keine schwere Last auf und dieselbe werde vielmehr die Hilfsquellen des indischen Schatzamtes vermittelst des Handels mit China erheb­lich vermehren. Was die Frage in Betreff Ostrumeliens anlange, so halte die Re­gierung deren Ueberweisung an den Fürsten Alexander und den Sultan zur unmittel­baren Unterhandlung für eine solche Politik, die zu einem friedlichen Abschluß führe. Me Regierung habe Grund, zu hoffen, daß der Sultan und der Fürst mit Zustimmung der Großmächte zu einem Einvernehmen gelangen werden, welches nicht nur die Wohl­fahrt des bulgarischen Volkes, sondern auch die Stärke des türkischen Reiches ver­mehren werde. Zwar seien Gefahren vorhanden in Folge von Ruhestörungen seitens der kleinen Staaten, die nach der Ansicht der Regierung doch nur ein geringes In­teresse an den Ereignissen an der bulgarischen Grenze hätten. Namentlich bedauerlich seien die Auffassungen Serbiens und Griechenlands bezüglich ihrer Interessen und Pflichten, durch deren unmögliche Forderungen die eigene Unabhängigkeit dieser Länder und der Frieden der Balkanhalbinsel, sowie möglicherweise der europäische Frieden gefährdet werden könne. Alle Forderungen der ermähnten beiden Länder, insbesondere ober die Forderung Griechenlands auf Kosten der Türkei entschädigt zu werden für eine Veränderung, welche die Türkei gar nicht angeregt habe, bildeten eine außer­gewöhnliche Neuerung im Völkerrechte. Weder die englische Negierung noch das Land fympathisirten mit dieser Forderung und die Regierung werde ihren Einfluß aufbieten, um jeden muthwilligen Friedensbruch int Orient zu verhindern. Die Regierung hege die feste Hoffnung, daß Griechenland von einem Unternehmen abstehen werde, das feine Zukunft gefährden und die getroffenen Arrangements umfloßen könne. Es sei absolut unwahr, daß England Griechenland bei seinen Forderungen ermuthigt habe. Der Premier widerlegt ferner eine Behauptung Granville's, daß die Thronrede bezüglich Irlands vage sei; dieselbe gebe im Gegentheil der entschiedensten Entschlossenheit Aus­druck, die legislative Union zwischen England und Irland zu behaupten. Es gebe andere Leute, welche Ansichten verbreiten ließen, die für jene Union verhängnißvoll sein könnten; da diese Leute jene Ansichten unwiderrufen ließen, brächten sie den Separa­tisten den Glauben bei, daß die Stunde ihres Triumphes nahe sei. Die Verwaltung Irlands sei Mr. Smith anvertraut, der sich demnächst nach Irland begebe. Sobald der Bericht desselben eingegangen sein werde, werde das Vorgehen der Regierung kein schwankendes sein. Dieselbe halte es für ihre Pflicht, das Aeußerste zu thun, um Zu­ständen ein Ende zu machen, die nicht nur gefährlich für England, sondern auch schmachvoll für dessen Ruf als civilisirter Staat seien. Die Adresse wurde einstimmig angenommen.

London, 22. Januar. Unterhaus. Bourke theilt mit, wegen Birma's fänden Verhandlungen mit China statt. Die Adreßdebatte wurde sodann fortgesetzt.

Der Lordpräsident des Geheimraths, Cranbrook, ist zum Staatssecretär des Krieges ernannt worden.

Im Unterhause beglückwünschte Gladstone anläßlich der Adreßdebatte die Regierung zu der Lösung der afghanischen Grenzfrage und er sprach die Hoffnung aus, daß die freundschaftlichen Gesinnungen Englands und Rußlands zunehmen werden. Bezüglich der rumelischen Frage hoffe er, daß die Rechte des Sultans aufrecht erbeten wurden und alles int Interesse der Wohlfahrt der rumelischen Bevölkerung geschehe. Die Egypten und Birma betreffenden Fragen wolle er jetzt nicht berühren. Bezüglich Irlands hob Gladstone hervor, die Regierung müsse die bezüglichen Gesetzentwürfe do liegen und er behalte sich vor, seine Ansichten in dieser Hinsicht darzulegen, sobald er die Gesetzentwürfe kenne. Gladstone kritisirte sodann den auf Irland bezüglichen Passus der Thronrede und verlangte weitere Aufklärungen in dieser Beziehung. Es genüge nicht, von der Nothwendigkeit zu sprechen, die Union aufrecht zu erhalten, man müsse mehr thun und die Frage ausführlich behandeln. Hicks-Beach erklärte, er schätze sich glücklich, daß Gladstone der Doktrin von der Integrität des Reiches zustimrne; er anerkenne das Recht der irischen Deputirten, ihre Ansichten über Fragen, welche Irland betreffen, darzulegen, wenn aber die Opposition mit der angekündigten Politik nicht übereinstimme, müsse sie ein Amendement zu der Adresse beantragen. Wenn die Majo­rität die Politik der Regierung nicht billige, müsse sie dies im Interesse des Landes erklären, wenn aber die Majorität wünsche, daß die Regierung im Amte bleibe, müsse sie dieselbe unterstützen, andernfalls sei es unmöglich, die Geschäfte des Landes zu führen. Parnell erklärt, er habe stets geglaubt, daß, wenn man int Princip zugestehe, baß Irland zu irgend einer Form von Selfgovernment berechtigt sei, man sich über die Details leicht verständigen werde. Die Hauptschwierigkeil bilde die Bodenfrage. Lord R. Churchill erklärte, die Regierung könne niemals in die Bildung eines irischen Sonderparlaments willigen, und er glaube, das Land werde ihm hierin beistimmen. Die Debatte wurde hierauf vertagt.

Lokales.

Gießen, 24. Januar. sStadtverordnetensitzung vom 21. Januar, Nachmittags 4 Uhr.j Anwesend die Herren Beigeordneten Keller und Heß, sowie die Herren Stadtverordneten Batst, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Horn­berger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.

Herr Beigeordneter Heß eröffnet die Sitzung und verliest ein von Herrn A. v. Rabenau eingetroffenes, den ersten Punkt der Tagesordnung,Ueberfluthung des Neustädter Feldes", betreffendes Schreiben, in welchem derselbe darauf aufmerksam macht, daß in Kurhessen an der Lahn und deren Zuflüssen, besonders an der Ohm, nicht unbedeutende Regulirungen vorgenommen sind. Es haben derartige Regulirungs- arbeiten für die nicht mit hineingezogenen Landstrecken immer große Nachtheile int Gefolge und wird deshalb beantragt, sich Gewißheit darüber zu verschaffen, inwieweit Regulirungen der oberen Lahn von Preußen vorgesehen sind. Ein weiterer Antrag geht dahin, daß Flußregulirungen und Maßnahmen zum Schutze gegen Ueberfluthungeu lediglich Sache des Staates und nicht einer Gemeinde seien; es wird daher beschlossen, bei Großh. Kreisamte vorstellig zu werden.

Behufs Aufstellung eines Brunnens in der Nordanlage hat die Beaugen­scheinigung kein befriedigendes Resultat ergeben. Diese Angelegenheit, welche eine längere Debatte hervorruft, wird auf Antrag dahin erledigt, in der verlängerten Aster- wegstraßc, mit Zustimmung des betr. Anwohners, einen Platz zur Aufstellung zu bc- ftimnien und der Polizeiverwaltung davon Mittheilung zu machen.

Mit einer vom Stadtbaumeifler Herrn ©tief vorgeschlagenenAenderungbehufs Errichtung eines Pferdestalles und Verlegung der Kaldaunenwäsche in den einzelnen Gebäuden des Schlachthausbaues erklärt sich die Versammlung einverstanden. Ebenso mit dem Austausch von neben dem Schlachthause liegenden Geländes von Georg B r ö m e r.

Tie Arbeiten zum inneren Ausbau im Schulhausneubau für die Stadtmädchen- ^chule soll auf Grund des Voranschlages im Submissionswege unter den üblichen Be- dingungen vergeben werden.

Die Berathung über den Neubau der Herberge zur Heimath fällt, da die Vor­arbeiten noch nicht beendigt sind, vorerst aus.

Zur Unterhaltung der städtischen Anlagen wird die Durchforstung der älteren Anlagen auf Antrag der Baudeputation gutgeheißen und dem Stadtgärtner zur Aus­führung übertragen.

Zur Einfriedigung der städtischen Anlagen ist in der Westanlage als Probe ein Stück ausgeführt und werden die Herren zur Besichtigung desselben eingeladen.

Zur leichteren Erledigung der noch streitigen Punkte im Vertrage mit dem Accad. Hospital, die Uebertragung der Armenpaxis betreffend, ist von der Gr. Landes- Universität um Entsendung einer Commission zur mündlichen Besprechung vorgeschlagen, was die Zustimmung der Versammlung findet; es wird die juristische Commission des Stadtoorstandes hierzu ernannt.

Auf Antrag des Laternen-Jnspektors Schwan wird eine Laterne am Neustiidter- Thor als Richtlaterne bestimmt.

Es kommen nun noch drei Punkte zur Tagesordnung, wovon vorerst nur das Angebot des Eisvereins zur Verhandlung kommt. Derselbe ersucht die ihm seiner Zeit geforderte Entschädigung für Benutzung der Wiesen im Betrage von 300 JL zu re- duciren, welchem Ansinnen nach längerer Debatte durch namentliche Abstimmung ent­sprochen und pro Winter 1885/86 auf 200 «A ermäßigt wird.

Verwischtes.

Isenburg, 21. Januar. Heute hat man hier den Haupttheilnehmer an dem in Darmstadt auf das Fach'sche Ehepaar ausgeführten Raubmordversuche festgenommen. Derselbe ist ein noch junger Mensch und hat sich, gutem Vernehmen nach, durch den Verkauf von geraubten Effecten verrathen. (F. Z.)

Darmstadt, 22. Januar. sZu dem Verbrechen an den Fach'schen Eheleuten.^ Der ui Neu-Isenburg (nicht in Offenbach) als verdächtig verhaftete Bursche heißt Traugott und ist in Sachsen gebürtig. Derselbe wollte einen Rock in Neu-Isenburg verkaufen; solches kam einem Gensdarmen zu Ohren, dem die Sache verdächtig vor­kam, er verhaftete den Burschen und bei der Untersuchung fand sich in dem erwähnten Rock eine auf Fach lautende Quittung. Die Spur des anderen Verdächtigen leitet nach Rheinhessen.

Esch weiter, 18. Januar. DieKöln. Volksztg.-" meldet: Heute Morgen verbreitete sich hier die Kunde von einem im nahen Walde entdeckten entsetzlichen Ver­brechen: Ein Holzhacker fand nämlich gegen 11 Uhr Morgens die Leiche eines hiesigen 23iährigen Briefträgers auf einem Scheiterhaufen theilweise angebrannt liegen. Der Schädel des Unglücklichen war zerschmettert, außerdem fand sich ein Stich in der Brust vor. Der Ermordete war gestern Morgen mit einem eingeschriebenen Brief zu dem im Walde wohnenden Förster gesandt und ist auf dem Wege dorthin von den Mördern überfallen, getobtef und beraubt worden. Wahrscheinlich haben sie oermutbet, der Briefträger trage größere Geldsummen für die umliegenden Zechen bei sich; that- sächlich hatte er neben dem eingeschriebenen Briefe keine amtlichen Werthgegenstände. So viel bekannt ist, hatte er nur 3 A Geld bei sich, welches geraubt wurde. Offenbar um die Spuren der That zu vernichten, haben die Mörder die Leiche auf einen Scheiterhaufen geworfen und diesen angezündet. Bei der feuchten Witterung ist aber das Feuer erloschen und so fand man die angebrannte Leiche auf dem ebenfalls zum Theil angebrannten Holze. Die Aufregung über das Verbrechen ist groß. Der Ermordtee war als ein braver junger Mann bekannt. Von den Thätern fehlt noch jede Spur.

lieber die Geistesgegenwart eines 6jährigen Knaben theilt dieKöln. Ztg." Folgendes mit: Am Montag Vormittag waren zwei an der Mariminenstraße wohnende Eheleute ihrer Beschäftigung außer dem Hause nachgegangen, sie hatten ihre zwei Kinder, den Knaben imb einen zweijährigen Kleinen, in ihrer Wohnung, welche sie abgeschlossen, zurückgelassen. Die Kleinen fanden ein Feuerzeug, spielten damit und setzten mehrere Kleidungsstücke in Brand. Der Knabe, als er das Unheil sah, welches sie angerichtet, ergriff sein Brüderchen und brachte es in die nebenanliegende Küche, dort hielt er die Thüre zu und rief um Hilfe. Mehrere Hausbewohner eilten herbei, stießen die verschlossene Thür auf und brachten die Kleinen in Sicherheit. Als die Feuerwehr eintraf, war die Gefahr bereits beseitigt.

Ein Beispiel bewundernswerther Unerschrockenheit, Geistesgegenwart und Entschlossenheit hat, wie nachträglich dieMilitär-Zeitung für die Reserve- und Land­wehr-Offiziere" mittheilt, die verdiente Anerkennung durch nachstehenden Befehl der General-Jnspection der Artillerie gefunden:Berlin, den 16. Januar 1886. Es ist zu meiner Kenntniß gelangt, daß der bei der Versuchs-Compagnie der Artillerie- Prüfungs-Commission commandirte Seeond-Lieutenant Warnke K la suite des nieder­schlesischen Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 5 und der Unteroffizier Müller derselben Compagnie gelegentlich eines Schießens mit scharf geladenen Shrapnells aus dem 15 Ctm.-Mörser auf dem Schießplatz Kummersdorf die Geschützbedienung dadurch vor Gefahr bewahrt haben, daß sie ein beim Laden des Geschützes zur Erde gefallenes Shrapnell, dessen Zünder anscheinend in Brand gerathen und nur auf 13 Sekunden tempirt war, aufhoben und den brennenden Zünder aus demselben herausschraubten. Wenn sich demnächst auch herausgestellt hat, daß durch einen glücklichen Umstand beim Niederfallen des Geschosses der Satzring des Zünders nicht Feuer gefangen hatte, sondern, nur die Zündschraube explodirt und dadurch die Raucherscheiuung hervor­gerufen war, Jo verliert doch die entschlossene That des Second-Licutenants Warnke und Unteroffiziers Müller nichts an Werth, weil die Genannten von dein erwähnten Umstande im Augenblicke des Handelns keine Kenntniß haben konnten. Indem ich dem Seeond-Lieutenant Warnke und dem Unteroffizier Müller für diesen Akt der Ent­schlossenheit und Selbstaufopferung meine Anerkennung ausspreche, bestimme ich, daß dies sämmtlichen Offizieren und Unteroffizieren der Artillerie bekannt zu machen ist. gez. v. Voigts-Rhetz."

Die Hofapothekerstellen beim Sultan sind nunmehr besetzt. Zu demselben sind mit dem PrädikatExcellenz" ernannt: Der Apotheker W. Arnold aus Ansbach und der in der Kronenapotheke zu Kiel angestellte Apotheker Wittich. Die Be­dingungen sind, neben freier Wohnung im Palast des Sultans, 20,000 A jähr­liches Gehalt.

Ein Schulmann, der mit sechszehn Kindern gesegnet ist, geht Abends auf der Promenade spazieren. Da trifft er einen kleinen, weinenden Jungen und spricht zu ihm:Komm, mein Kleiner, komm, ich will Dich mit nach Hause nehmen!" Und der Kleine geht auch willig mit. Zu Hause angekommen, sagt der naive Schulman« zu seiner Frau:Liebes Weib, da habe ich einen kleinen Jungen auf gelesen!" Das liebe Weib aber entgegnete:Mann, wirst Du nie von Deinem Phantasieleben er­wachen? Der ist ja schon immer unser!"

sDas Alter der Bäume.^ In einem Aussatz derForstl. Bl." spricht der Königl. Forstmeister Gericke in Breslau die Ansicht aus, daß das tausendjährige Alter deutscher Waldbüume eine Fabel sei, daß auch bei den sogenannten historischen Bäumen ein höheres Alter als 700 bis 800 Jahre nicht nachgewiesen sei, und daß kein deutscher Baum dieses Alter in gesundem Zustande erreiche. Bäume von so hohem Alter sind immer hohl und vegetiren nur als Ruinen fort.

Was nun die Frage betrifft: Welches ist die Gesundheitsgrenze unserer Bäume? so ist von vornherein anzunehmen, daß dieselbe nicht blos nach der Holzart, sondern auch nach Klima und Boden verschieden sein wird. Herr Gericke kommt auf Grund eigener Untersuchungen, sowie von Mittheilungen, welche ihm seitens deutscher, österreichischer und russischer Forstakademien über das Alter der ältesten, in den Samm­lungen befindlichen Holzscheiben zugegangen sind, zu folgenden Schlüssen.

Das höchste Alter, welches Bäume in gesundem Zustande erreichen können, findet sich nicht bei den Laub-, sondern bei den Nadelhölzern.

Nachdem dieses Alter erreicht ist, sterben die Nadelhölzer bald ab, während die Laubhölzer, nachdem sie die Gesundheitsgrenze erreicht haben, noch längere Zeit fort; vegetiren können. Das höchste, thatsöchlich durch Zählung der Jahresringe gefundene Alter beträgt 500 bis 570 Jahre und zwar erreichen dieses Alter: die Fichte im Böhmerwald und die Kiefer in Finnland und Schweden.

Das nächstniedere höchste Alter scheint der Weißtanne zuzukommen, die es im Böhmerwald auf 429 Jahre brachte. Die Lärche erreicht ein höchstes Alter von 274 Jahren (in Bayern).

Von den Lauühölzern scheint die Eiche am längsten zu widerstehen und zwar die Steineiche, von der das älteste gesunde Exemplar (Aschaffenburg) 410 Jahre zählt. Bei der Stieleiche waren die ältesten, bereits den Beginn der Kernfäule zeigenden