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24.1.1886 Erstes Blatt
 
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Mx. 2«. Erstes Blatt. Sonntag den 24 Januar 1886

Hießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher H6 eil.

Gießen, am 20. Januar 1886.

Betreffend: Gesuch der Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendors a. d. Lahn und Großen-Linden um Zutheilung dieser Orte zur 1. Land?- wehr-Compagnie (Gießen).

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Grosten-Linden, Lich, Birklar, Muschenheim, Dorfgill, Grüningen, Ober-Hörgern, Holzheim, Eberstadt, Bettenhausen, Langsdorf, Nieder-Besfingen, Ober-Bessingen, Münster, Ettings­hausen, Burkhardsfelden, Hattenrod und Oppenrod.

Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat uns beauftragt, Sie dahin zu bedeuten, daß die Verlegung der 2. Compagnie des Landwehr- Vezirks-Commandos Gießen von Lich nach Gießen bis zur Errichtung eines Central-Meldebureaus hier ausgesetzt bleiben müsse. Die Errichtung dieses Meloe- bureaus könne frühestens am 1. October 1887 erfolgen. Unter diesen Umständen sei die Erledigung des rubr. Gesuchs bis zu jenem Zeitpunkt aufzuschieben. Das Gesuch der übrigen oben genannten Gemeinden erscheine hiernach verfrüht und müsse denselben überlassen werden, später mit einem erneuten Gesuch hervorzutreten.

Die Compagnie-Eintheilung des Kreises und die Controlplätze Grünberg, Hungen, Lich und Lollar sollen auch nach Verlegung der 2. Compagnie nach Gießen beibehalten werden.

Dr. Boekmann.

Gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Hundehalsband, 1 Palentin, 1 Scheere, 1 Uhrgehänge, 1 Halstüchelchen, 1 Quaste, 1 Eiszeichen,

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ______Fresenius. _______

1 Kinderstrumpf.

Gießen, am 23. Januar 1886.

Deutschland.

Darmstadt, 20. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 1 enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Stacksministeriums, das Bahn-Polizei-Regle- tncnt für die Eisenbahnen Deutschlands betreffend.

2. Bekanntmachung desselben Ministeriums, die Signal-Ordnung für die Eisenbahnen Deutschlands betreffend.

3. Bekanntmachung desselben Ministeriums, die Normen für die Construc- tion und Ausrüstung der Eisenbahnen Deutschlands betreffend.

Darmstadt, 20. Januar. Der Bremser bei den Oberhesstschen Eisen- Lahnen, Johannes Mahr, wurde zum Schaffner bei diesen Bahnen aus Widerruf ernannt.

Berlin, 21. Januar. Es mehren sich die Anzeichen, daß die Groß­mächte, die sich in ihrer Beurtheilung der Balkanfrage augenblicklich im Ein- verständniß befinden, die Ablehnung Griechenlands und Serbiens gegen den Mrüstungsvorschlag nicht als eine Erledigung der Angelegenheit betrachten, sondern den kleinen Staaten, die nicht Anstand nehmen, ihr Spiel mit der Ruhe von Europa treiben zu wollen, in schärferer Sprache, als dies bisher geschehen ist, zu verstehen geben werden, sie hätten sich jenem Vorschläge gegenüber ge­fügig zu zeigen, es sei denn, daß sie sich gegen den Willen Europas in einer Weise auflehnen wollen, die eine strengere Zurückweisung als sreundschastliche 'Worte und Rathschläge zur Folge haben würde. Die Einmüthigkeit der Groß­mächte ist nicht nur eine sichere Bürgschaft dafür, daß der Friede von Europa durch griechische und serbische Begehrlichkeiten nicht gestört werden wird; diese Einmüthigkeit läßt auch hoffen, daß sich eine Gelegenheit gesunden hat, die Selbstschätzung der kleinen Balkanstaaten, die in der That an politischen Größen­wahn streift, aus ein richtiges Maß zurückzusühren und sie auch zu einem klarern Verständnis ihrer Stellung der Türkei gegenüber zu bringen. Die Haltung des Fürsten Alexander gegenüber dem Vorschläge der Mächte ist jedenfalls eine weit klügere als die Griechenlands und Serbiens. Indem Bulgarien sich bereit erklärt, abzurüsten, sobald Serbien dies thut, zwingt es den König Milan, die Verantwortung auch für die Haltung Bulgariens gegenüber dem Abrüstungs- Vorschlage der Mächte zu übernehmen. Ob die versöhnlichen Worte, die Fürst Alexander in seiner Antwort auf die Collectivnote der Mächte an Rußland richtet, in Petersburg Anklang finden werden, muß vorläufig noch dahingestellt bleiben, denn es verlautet noch nichts, woraus man zuverlässig schließen könnte, daß in den Gesinnungen des Kaisers von Rußland gegenüber dem Fürsten Alexander eine wesentliche Aenderung eingetreten sei. Die Unterhandlungen zwischen der Türkei und Bulgarien sollen, gutem Vernehmen nach, einen befrie­digenden Fortgang nebmen. (Köln. Ztg.)

Berlin, 22. Januar. Die Budget-Commission berieth heute den Marine-Etat. Der Admiralität»«Chef Caprivi legte eingehend da» Bedürsniß einer beschleunigten Personal-Vermehrung dar und wies die Auffassung zurück, daß das Bedürsniß durch die Colonialpolitik veranlaßt sei; letztere habe da» Bedürsniß allenfalls rascher erkennen lassen. Die Commission beschloß schließlich mit 16 gegen 11 Stimmen, von den geforderten Mannschaften 300 zu streichen. Die Zuckersteuer-Commission setzte die Generaldebatte fort ohne einen Beschluß zu fassen; mehrseitig wurde für das Inkrafttreten des neuen Gesetzes eine zwei­jährige statt einer einjährigen UebergangL-Periode gewünscht.

Serbien.

Belgrad, 22. Januar. Pirotschanatz und Novakowitsch veröffentlichen eine Erklärung, daß, da die Entscheidung des Executiv'Ausschuffes der Fort­

schrittspartei mit ihren eigenen Absichten übereinstimme und um nicht eine Spal­tung in der Fortschrittspartei herbeizuführen, sie sich gänzlich in das Privat­leben zurückziehen.

Reichstag.

Berlin, 22. Jenuar 1886.

Gerlich (cons.): Mit der Discussion des Branntweinmonopols sollte gewartet werden, bis die Vorlage eingegangen sein wird. Wenn die Linke die Schutzzölle ab­schaffen wolle, möge sie für andere Einnahmequellen sorgen.

Meyer (Halle): Die Linke sei einverstanden, die Monopoldebatte auszusetzen, do die Monopolvorlage nun bestimmt zu erwarten sei. Er wendet sich gegen die agrarischen Bestrebungen, besonders gegen die bimetallistische Forderung.

Kardorff betont die Wichtigkeit der Währungsfrage und fordert die Arbeiter­führer auf, sich derselben mehr anzunehmen.

Bamberger: Die Schutzzollpolitik sei nicht der einzige, aber der Hauptgrund der wirtschaftlichen Nothlagen. Er bekämpft Kardorff's Ausführungen über die Währungsfrage.

Herrmann (freis.) weist unter Bezugnahme auf die Altenburger Verhältnisse die Schädlichkeit der Schutzzollpolitik für die kleinen Landwirthe nach.

Wil brand (freis.) schließt sich im Wesentlichen dem Vorredner an und be­kämpft den Bimetallismus im Interesse der kleinen Landwirthe; er bestreitet auch das Vorhandensein einer landwirthschaftlichen Krise.

Leuschner-Eisleben (Reichspartei) leugnet das Vorhandensein der Ueber- production.

Schalscha, Frege, Koeller und Kardorff wenden sich gegen die Dar­legungen Wilbrand's und Herrmann's, die von Bamberger aufrecht erhalten werden.

Die Generaldiscussion wird darauf geschlossen. In der Specialdiscussion werden die einzelnen Ausgabetitel bewilligt.

Bei dein TitelBranntweinsteuer" zieht Richter die Resolution in Betreff des Monopols, da deren Zweck, eine Agitation gegen dieses verderbliche Project wachzu­rufen, erreicht sei, vorläufig zurück.

Schatzsekretär Burchard leugnet, daß eine Ueberrumpelung des Landes durch das Projekt beabsichtigt sei.

Buhl: Die Nationalliberalen würden gegen die Resolution zu stimmen haben, ohne sich für oder gegen das Monopol zu engagiren.

Koeller: Die Agitation gegen eine Vorlage, deren Inhalt noch nicht feststehe, sei verwerflich.

Frankenstein: Nachdem die Resolution zurückgezogen sei, habe das Centrum keine Ursache, darauf einzugehen.

Geiser erklärt sich Namens der Sozialdemokraten gegen das Monopol.

Graf Behr lehnt eine Stellungnahme zum Monopol ab.

Windth o rst äußert auf eine Bemerkung Buhl's, Schorlemer habe sich deutlich genug über das Monopol ausgedrückt.

Nach Befürwortung des Antrags in Betreff der Unzulässigkeit der Malzsurrogate bei der Bierbereitung durch den Abg. Zeitz wird die Sitzung auf Morgen vertagt. (Etat. Petitionen.) (Franks. Ztg.)

Telegraphische Depeschen.

Wolsf's telegr. «orrefvondenr - Brrrea«.

Berlin, 22. Januar. Das Abgeordnetenhaus beendete die Generaldebatte über das Budget und überwies mehrere Kapitel an die Budgetkommission. An der Debatte betheiligren sich Zedlitz-Neukirch, Windthorst, Hobrecht, Büchtemann, Enneccerus. Der Finanzminister erklärte, er sei kein fanatischer Anhänger der Goldwährung und habe nichts dagegen, daß man der Frage der Doppelwährung nahe trete, es handle sich aber um eine internationale Frage, was indessen nicht ausschließe, die Mittel zur Hebung der Silberpreise zu erwägen. Der Minister vertheidigte die jetzige Zollpolitik, dieselbe habe erreicht, den heimischen Markt der heimischen Industrie zu sichern und denselben zur Concurrenz mit dem Auslande befähigt. Die beste Abhilfe des Nothstandes der Landwirthschaft liege in dem Regierungsprogramm, welches die Ertrage des Brannt­weinmonopols für die Gemeinden verwenden wolle. Minister Maybach konstatirt, daß er den Verhandlungen des Reichstags über das Verhältniß der Eisenbahnen zur Poft absolut fern stehe, es sei nicht seine Gewohnheit etwaige Differenzen mit einem Kollegen auf diesem Wege zum Ausdruck zu bringen. Nächste Sitzung Montag.

Bremerhaven, 22. Januar. Conferenz der Sectionen für Küsten- und Hoch­seefischerei des deutschen Fischereivereins. Stadtfyndikus Eberty aus Berlin reserirte