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Aaren Blick bewahrt hat, der mit seltener Sicherheit stets das Richtige zu treffen weiß, das ist das Gewaltige, Große in der Erscheinung des Helden. Diese seltene Pflichttreue, diese militärische Pünktlichkeit in den größten wie in den kleinsten Dingen, diese Sorge für das Wohl aller Unterthanen, gleichviel welches Standes, sie sind vor Allem bewundernswerth bei dem Manne, der nun heute seinen 89. Geburtstag feiert.

Schon der große, gewaltige historische Stoff, den das Leben des Deutschen Kaisers darbietet, läßt eine Zusammensasiung der Verdienste des Helden selbst in engem Nahmen, unthur.lich erscheinen ; zudem fordert dieses thatenreiche Leben jeden Patrioten zu genauerem Studium auf, als solches bei einem für den Tag geschriebenen Artikel der Fall sein kann. Deshalb sei an dem heutigen Festtage nur auf zwei Punkte hingewiesen, die in den letzten Jahren in dem Leben und Wirken unseres Kaisers besonders hervorgetreten: Die Erhaltung des Deutschthums, sowie die Ausbreitung deffelben auf deutschem Boden und die Fürsorge für das Wohl der arbeitenden Klassen. Es sind fürwahr große und schöne Ausgaben und wiederum ist Gottes Fmgcr darin zu erkennen, daß es dem aus den Sieges'Lorbeeren ausruhenden Helden noch vergönnt ist, auch die von ihm geplanten und erdachten Werke des Friedens zu schauen und sich so auch des Friedens'Lorbeers immergrünes Reis um das greise Haupt zu flechten. Von welcher Bedeutung jene Werke, sowohl die zum Schutze des Deutschthums errichteten, als auch die zur Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes geför­derten, für das gesammte deutsche Reich sind, das können wir Mitlebende vielleicht in vollem Maße noch gar nicht erfassen und einer späteren Zeit wird es Vor­behalten sein, die Energie zu preisen, mit der auch in dieser Beziehung der Deutsche Kaiser, das Beste erstrebend, vorgegangen. Das aber können wir Mit­lebende bereits ermessen, daß es wahrlich eines hohen, edlen, von dem Mitge­fühl für den Schwächeren durchdrungenen, wahrhaft fürstlichen Charakters bedarf, nach so vielen Mühen und oft trüben Erfahrungen des Lebens, noch am späten Lebensabend sich die schönste und höchste Ausgabe zu stellen, den Schwachen bei­zustehen. Das deutsche Reich verdankt seinem Kaiser so viel und davon ist der schlichteste Bürger im Reiche so durchdrungen, daß es für den Deutschen Kaiser keinec neuen rühmlichen Erfolge mehr bedurft hätte, um ihm ein ewiges dank­bares Andenken im Herzen des Volkes zu sichern. Aber gerade deshalb, weil Kaiser Wilhelm nicht nach Ruhm und Lorbeeren geizt, weil es für ihn nur eine Richtschnur giebt, die da heißtlieber Alles die Pflicht", deshalb hat er sich den neuen Mühen unterzogen wie einer sich selbst auferlegten, wohldurch­dachten Pflicht.

So gestaltet sich denn der Lebensabend des greisen Heldenkaisers zu einem friedlichen, sonnigen, herzerquickenden. Umgeben von den wackeren, kraftvollen und biederen Mitgliedern seiner Familie, umringt von hochgeehrten, stolzen Män­nern, holden Frauengestalten und lieblichen Urenkeln, steht des Kaisers Majestät vor seinem Volke. Mögen denn auch unsere Glückwünsche zu ihm dringen, die Glückwünsche eines großen, starken, selbstbewußten Volkes:

Gott schütze und erhalte noch lange unfern geliebten Kaiser Wilhelm!

Deutschland.

Darmstadt, 19. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 8. d. Mts. dem Ministerial-Secretär 1. Klaffe bei dem Ministerium der Finanzen, Finanzrath Otto Hörr, unter Belassung seines seitherigen Ranges und Charakters zum Obersteuer-Jnspector des Hauptsteueramts Gießen zu ernennen.

Berlin, 20. März. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten der heutigen Vor­stellung ün Schauspielhause bei.

Abgeordnetenhaus. Dritte Lesung des Etats. Der Antrag Below-Saleske, die Negierung zu erneuter Prüsung auszufordern, wie eine Herabsetzung des Im­mobilien-, Pacht-, Mieths- und Eessionsstempels herbeizusühren, wurde angenommen. Finanzminister Scholz hatte erklärt, die Negierung sympathisire mit der beantragten Herabsetzung, indessen sei die Deckung des Steuerausfalles schwierig, zumal die Er­mäßigung des Immobilienstempels gerechterweise auch die Ermäßigung anderer Stempel­abgaden erheischen würde. Hänel gegenüber erklärt der Justizminister, der Bericht des "Naumburger Staatsanwalts stelle es entschieden in Abrede, daß Heine gegenüber ein ungesetzlicher Zwang ausgeübt worden sei. Minister Puttkamer erklärte, ihm sei von Maßregeln bev russischen Regierung gegen die in Nußlanv weilenden Deutschen nichts mitgetheilt und müsse er diese Nachrichten für unbegründet halten.

Beim Etat für Landwirthschaft erklärte Minister Lucius, es geschehe alles, um Wildschäden zu vermeiden. Auf Antrag Gerlach wird eine Gehaltsaufbesserung für die MeliorationsbauinspectornT mit 7800 JC in den Etat eingestellt.

Minister Lucius erklärte, die Regulirung der oberen Oder bilde dauernd den Gegenstand der Aufmerksamkeit der Regierung. Für etwaiges in diesem Jahre ein­tretendes Hochwasser im Weichsel- und Rogatgebiete seien Anordnungen ergangen, um auf alles gefaßt zu sein.

Fortsetzung Dienstag.

Das Herrenhaus ermächtigte das Präsidium, dem Kaiser die Geburtstags­glückwünsche des Hauses zu überbringen, erledigte ohne Debatte den Rechenschafts­bericht über die Verwendung der flüssig gemachten Bestände aus den in der Hinter­legungsordnung (Paragraph 94) bezeichneten Fonds, genehmigte die Vorlage über den Geschäftsbereich mehrerer communalständischer Anstalten in Hessen-Nassau und erledigte -verschiedene Petitionen.

Dienstag kleinere Vorlagen.

Berlin, 20. März. Nach der gestern Abend stattgehabten Auflösung einer stark besuchten socialdemokratischen Versammlung am Andreasplatz, in welcher Bebel sprach, -fand eine größere Menschenansammlung statt, welche nicht ohne Mühe zerstreut wurde. Von der Waffe wurde jedoch kein Gebrauch gemacht, ebenso ist die Nachricht unbe­gründet, daß zwei Schutzleute von den Pferden gerissen worden seien. Zwei Beamte wurden mit Schnee und Eisstücken beworfen, ohne verletzt zu werden. Zwei Personen wurden verhaftet, fünf sistirt.

Berlin, 20. März. Die Gesetze über die Fürsorge für Beamte und Personen Les Soldaienstandes in Folge von Betriebsunfällen und über den Norstostseckanal sind heute publicirt worden.

Hesterreich.

Wien, 20. März. Das heutige erste Wiederauftteten Pauline Lucca's nach ihrer Krankheit bei der Aufführung vonCarmen" in der Hofoper wurde zu einer großartigen Ovation für die Künstlerin. Der ganze Hof war anwesend, die Bühne in einen Blumengarten verwandelt. Das Publikum bezeugte der Künstlerin die wärmsten Sympathien durch stets erneute jubelnde Znrufe.

Kossand.

Haag, 20. März. In den Abtheilungen der zweiten Kammer sind über die Opportunität der Eonvertirung der 4procentigen Staatsschuld verschiedene Bedenken erhoben worden. Neben der augenblicklichen politischen Lage, welche für die Vornahme der Eonvertirung wenig günstig erscheine, ist namentlich bemängelt worden, daß die Eonvertirung thatsächlich durch ein Bankierssyndikat bewirkt werden soll. Man verlangt

deßhalb Kenntniß von den bei den bezüglichen Verhandlungen gestellten Bedingungen, um sich über die Garantien für den Staat und die gegenwärtigen Obligationsinhaber ein Urtheil bilden zu können.

Belgien.

Lüttich, 20. März. Die Ruhe wurde neuerdings nicht gestört. Die für den Schutz der öffentlichen Ordnung gebildete besondere Abtheilung der Bürgergarde wurde entlassen. Ein Theil der Garnison von Namur hat beide Maasufer, sowie Seraing und Jemappe beseht. Die Strikenden in Jemappe verhalten sich ruhig.

Arankrcich.

Paris, 20. März. Die Deputirtenkammer genehmigte heute das von der Stadt Paris beabsichtigte Anlchen von 250 Millionen Francs unter Hinzufügung eines Artikels zu dem betreffenden Gesetzentwurf, in welchem die in Aussicht genommenen öffentlichen Arbeiten einzeln aufgeführt werden. Zu letzteren soll ausschließlich franzö­sisches Material verwendet werden. Die Kammer wird am nächsten Donnerstag die Budgetcommission wählen.

Der Senat nahm heute den Art. 17 des Gesetzentwurfs über den Primär­unterricht an, welcher bestimmt, daß der Primärunterricht ausschließlich von Laien er- theilt werden soll.

Rußland.

Petersburg, 20. Mäaz. Der französische Botschafter Appert und der ru- mänische Gesaugte Kretzulesco verlassen nunmehr ihre Posten.

Reiküstaa

E. R. Berlin, 20. März 1886.

Eingegangen ist der Gesetzentwurf betr. die Abänderung des Preßgesetzes.

Erster Gegenstand ist die zweite Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Heran­ziehung der Militärpersonen zu den Gemeindeabgaben.

Das Gesetz wird gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen.

Bei S 3 erklärt Abg. Richter (dfr.) zur Geschäftsordnung, daß er sich zu 8 1 zum Worte gemeldet habe, um seine ablehnende Haltung zu motioiren, doch scheine seine Anmeldung übersehen worden zu sein.

Hierauf wird die zweite Berathung der Zuckersteuervorlage fortgesetzt.

8 3 wird unverändert nach den Commissionsbeschlüssen angenommen. Als 8 4 hat die Comission eine Bestimmung aufgenommen, wonach für inländischen Zucker steuerfreie Läger mit der Maßgabe bewilligt werden können, daß der Zucker gegen Versteuerung durch Erstattung der Steuervergütung statt gegen Entrichtung des Ein­gangszolls in den freien Verkehr gebracht werden kann.

Abgg. Dr. Buhl und Oechelhäuser beantragen folgenden Zusatz:Die Er­stattung der Vergütung kann durch Steuervergütungsscheine, auch wenn dieselbe noch nicht fällig ist, geleistet werden.

Der Antrag wird, nachdem Staatssecretär v. Burchard denselben bekämpft,, bis zur dritten Lesung zurückgezogen.

Abg. Graf Hacke constatirt, daß sich der Vertreter der verbündeten Regierungen bei diesem Paragraphen in der Commission entgegenkommend bewiesen habe. Er könne im Namen der gesammten Zuckerindustrie erklären, daß sie das größte Gewicht auf das Zustandekommen dieses Paragraphen lege.

8 4 wird mit einer vom Abg. Rack 6 (Ctr.) beantragten Modifikation ange­nommen, wonach die Erstattung der Vergütung nach Maßgabe des Einlagerungs­gewichts erfolgen soll.

Ferner gelangt ein Antrag der Abgg. v. Puttkamer-Plauth und Graf Stolberg zur Annahme, wonach der Bundesrath ermächtigt werden soll, die aus dem Betriebsjahre 1885/86 fälligen Rübensteuereredite um drei Monate gegen eine von dem Creditnehmer zu entrichtende und zur Reichskasse fließende Vergütung von 4pCt. der Creditsumme zu verlängern.

Der Antrag wird ohne weitere Debatte angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes.

Nächste Sitzung Dienstag den 23. März. Ofsiziersteuer, Novelle zum Zollgesetz, Gewerbenovelle, Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten.

Schluß der Sitzung 2i/2 Uhr.

Telegraphische Deveschm.

Golss's telegv. Lorrrsvondenz-Bureau.

Karlsruhe, 21. März, lieber das Befinden des Erbgroßherzogs wird heute mitgetheilt: Das Fieber hielt sich gestern den Tag über auf gleicher Höhe wie es am Morgen war. Abends trat erleichternder Schweiß ein, der gegen Morgen zurückkehrte. Die Nacht war ruhig. Der pleuritische Schmerz, welcher gestern häufige Athem- beschwerden hervorrief, ist heute gering. Die örtlichen Veränderungen halten sich auf gleicher Höhe, das Allgemeinbefinden und die Stimmung ist heute besser.

Brüssel, 21. März, Morgens. Für heute sind in den Vorstädten von Brüssel mehrere socialistische Versammlungen angekündigt. Die für den Schutz der öffentlichen Ordnung gebildeten Abtheilungen der Bürgergarde sind deshalb einbeordert, die Polizei­mannschaften und die Gensdarmerie sind consignirt. Es ist der formelle Befehl ertheilt, jeden Volkshaufen, welcher in die Stadt einzudringen sucht, unter Anwendung von Gewalt auseinander zu treiben.

Brüssel, 21. März. Aus Jemappe werden nicht unerhebliche Ruhestörungen gemeldet. In der vergangenen Nacht kam es zwischen den Arbeitern und der Gensdarmerie- zu einem Zusammenstoß, wobei mehrere Gensdarmen verwundet wurden. Zehn Personen wurden verhaftet.

Petersburg, 21. März. Der Minister des Innern, Graf Tolstoi, ist gestern Abend Zwecks Consultation des Professors Zacharjin nach Moskau abgereist. Seine Abwesenheit von hier dürfte etwa 8 Tage dauern.

Lokale-.

Gießen, 22. März. Kaisers Geburtstag wurde gestern Abend durch großen Zapfenstreich des hiesigen Regiments eingeleitet. Heute Morgen G Ubr war Neveille, welcher um 7 Uhr das Abblasen eines Chorals vom Stadtthurme folgte. Heute Vormittag fand in der Stadtkirche wie in der katholischen Kirche Fest­gottesdienst statt, die vorgesehene Parade konnte des grundlosen Bodens wegen nicht abgehalten werden. In den Schulen wurden der Feier des Tages entsprechende Veranstaltungen abgehalten, namentlich war im Gymnasium großer Festaktus. DaS officielle Festessen findet heute Nachmittag im Saale des Gesellschaftshauses statt. Am Abend feiert das Militär Kaisers Geburtstag in verschiedenen Lokalen der Stadt compagnieweise. Auch diverse Vereine, wie der Krieger-Verein u. s. w. halten am Abend festliche Vereinigungen zu Ehren unsers Heldenkaisers, den Gott noch lange der deutschen Nation in Gesundheit und Frische erhalten möge!

Wir erhielten nachstehende Zuschrift: Der Vertreter des Gaues Hessen, Herr Earl Demuth, hatte, wie in hiesigen Kreisen bekannt ist, den ersten Sprecher des Turnvereins Gießen, Herrn Ph. Uhl, wegen einer im November v. I. in der Generalversammlung des Turnvereins gethanen Acußerung,daß das Protokoll des 47. Gauturntags zu Lich gefälscht sei", verklagen lassen. Morgen Dienstag Vormittag sollte die Verhandlung vor hiesigem Schöffengerichte stattfinden und waren als Zeugen u. A. der Kreisvertreter Reuter in Darmstadt und der gewesene Gau-Ausschuß ge­laden. Am verflossenen Samstag erhielt nun der Anwalt des Herrn Uhl die Mit­theilung, daß die Klage von Herrn Demuth zurückgezogen sei und Kläger die Kosten trage.

Gießen, 22. März. Das Theater Wall end a in Oswald's Garten er'reute sich gestern eines sehr lebhaften Besuches, der durch die trefflichen Leistungen der Ge­sellschaft auch durchaus gerechtfertigt ist. Die Productionen zeigen von völliger Sicherheit der Künstler und bieten viel Stauneirswerthes: u. A. sind die Leistungen des Schlangenmenschen Mr. Mendel und des Trapezkünstlers Mr. Hermann im höchsten Grade überraschend. Herr Wallen">a ist neben seiner Kunst als Prestigiateur auch ein vorzüglicher Dresseur und ist fein Auftreten mit den allerliebst dressirten Hunden eine der Glanznummern der Vorstellung. Den Besuch des Theaters Wallenda, welches heute Abend wieder eine Vorstellung gibt, können wir mit Recht einem Jeden, namentlich unserer Jugend, auf das Beste empfehlen.

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