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Statt zweier ausgeschiedcncn Mitglieder des Provinzialausschusses (Graf zu Solms-Laubach und Prof. vr. Stammler) wurden gewählt Bürgermeister Fendt in Schotten und Kanzler Prof. Dr. Gareis (bisheriges Ersatzmitglied), worauf an dessen Stelle Ingenieur Schiele in Gießen gewählt wurde.

Gießen, 22. Februar. (Alice-Verein.) Der dritte Vortrag zu Gunsten des Vereins bestand in einer Vorlesung des Herrn Oskar Zack aus dem Natten­sänger von Hameln, einer Aventure von Julius Wolff. Die Dichtung schließt sich an die bekannte Sage an; der Dichter läßt jedoch den Rattenfänger nicht deshalb Rache nehmen, weil ihm der bedungene Lohn versagt wird, sondern weil ihm durch die Ver­weigerung sein Liebstes, das Mägdlein, das ihn bis jetzt allein von Vielen dauernd zu fesseln vermag, verloren geht. Die Dichtung bietet eine große Anzahl ergreifender Stellen und Schilderungen von Land und Leuten, in den Reden der handelnden Per­sonen und ganz besonders in schönen, sinnigen, frischen Liedern, die hin und wieder eingestreut sind.

Der Vorleser, Herr Zack, hat es verstanden, aus der Dichtung das Schönste auszuwählen und so aneinander zu reihen, daß uns der Gang der Erzählung voll­ständig vor Angcn tritt. Reicher Beifall lohnte ihn mit allem Recht. Bei schönem, kräftigen Organ befolgt er die Regel, der jeder Darsteller Gehorsam schuldet, das richtige Maß nicht zu überschreiten. Die Erzählung fließt ruhig unb sicher dahin, in den Reden aber tritt sein dramatisches Talent 311 Tage, die Personen gewinnen Leben vor uns und werden durch die Stärke und Verschiedenheit des Tons treffend markirt. Ebenso trug Herr Zack die einzelnen Lieder ihrem Inhalt entsprechend vorzüglich vor.

Gießen, 22. Februar. (Turnerisches.^ Der seit November v. I. in hiesiger Stadt bestehende Männer-Turnverein veranstaltete gestern Abend in Stein's Etablisse­ment sein erstes Winterfest. Der erste Sprecher, Herr Carl Müller, begrüßte die Anwesenden und hielt eine kurze kernige Ansprache. lieber das Programm und den Verlauf, bestehend in Concert, Gesang, Tableau, Männergruppen, Neigen und sonstigen komischen Tableaus, läßt sich nur Günstiges und Vorzügliches berichten. Insbesondere fanden die Gesänge des Doppelquartetts, die Männergruppen und der vorgesührte Reigen allgemeinen Beifall. Dem Neigen schloß sich ein von dem anwesenden Damen- flor sehnlichst erwarteter Tanz an. Erst der längst angebrochene Tag vermochte dem Feste ein Ziel zu setzen.

Unsere Leser machen wir auf den Dienstag Abend 6 Uhr in der kleinen Aula stattfindenden Vortrag des Herrn Otto Meyer aus Hamburg über Bauch- rednerkunst hiermit ganz speeiell aufmerksam.

Um weiteren Unglücksfällen beim Schlittschuhlaufen auf der Lahn vorzubeu­gen, warnen wir dringend, dieses Eis nicht eher zu besuchen, als bis die polizeiliche Erlaubniß dazu gegeben ist. Beinahe hätte gestern die Lahn wieder 2 Opfer gefordert. Am Morgen brach Herr Oberst Spohr ein, am Mittage der Sohn des Herrn Kreis- schulinspectors Büchner. Zum Glücke war Hilfe rasch bei der Hand und konnten Beide gerettet werden. Also hütet euch vor der Lahn!

Manfred

Dramatisches Gedicht von Lord Byron. Musik von N. Schumann.

II.

Die von uns geschilderte Handlung, wie Byron dieselbe für die Bühne schrieb, ist von einem gewissen Richard Pohl zum verbindenden Text umgeschaffen worden, welcher das Werk den Concert-Aufführungen zugänglich gemacht hat. Wir wollen uns vorbehalten, nach dem am kommenden Sonntag stattfindenden Concert auf den Text zurückzukommen, um uns eingehender damit zu beschäftigen; für heute sei nur erwähnt, daß derselbe für 3 Personen gedacht ist. Der Recitator des Manfred wird durch Herrn Ernst Possart seinen Vertreter finden, während die Alpenfee, die Astarte re. von Fräulein Marie Langsdorfs declamirt werden. Die Handlung vergegenwärtigt der Prologus, dem auch verschiedene Personen, wie Gemsjäger, Abt rc. angehören. Für diesen Part muß Herr Wilh. Diegelmann aus Frankfurt a. M. gewonnen werden (!).

Wenden wir uns nun wieder dem Byron'schen Manfred zu, so erscheint derselbe nahe verwandt mit Goethe's Faust und bald nach Erscheinen des ersteren .(London 1817) spricht sich Goethe folgendermaßen darüber aus:

Eine wunderbare, mich noch berührende Erscheinung war das Trauerspiel Manfred" von Byron. Dieser seltsame, geistreiche Dichter hat meinen Faust in sich ausgenommen und, hypochondrisch, die seltsamste Nahrung daraus gesogen. Er hat die seinen Zwecken zusagenden Motive benutzt, so daß keins mehr dasselbig« ist, und gerade deshalb kann ich seinen Geist nicht genugsam bewundern. Diese Umbildung ist so aus

dem Ganzen, daß man darüber, und über die Aehnlichkcit mit dem Vorbild höchst interessante Vorlesung halten könnte, wobei ich freilich nicht leugne, daß uns die düstere Gluth einer grenzenlosen reichen Verzweiflung am Ende lästig wird. Doch ist der Verdruß, den man empfindet, immer mit Bewunderung und Hochachtung verknüpft."

Byron selbst schreibt dagegen (Pariser Ausg. des Dramas vom Jahre 1835) im Juni 1820 an seinen Verleger:Gocthc's Faust habe ich nie gelesen, denn ich ver­stehe nicht Deutsch; aber Monxlewis declamirte mir im Jahre 1816 in Coligny über­setzend das Meiste davon vor und ich war natürlicherweise sehr davon ergriffen, aber es war derSteinbach" und dieJungfrau" und noch manches Andere, was michManfred" schreiben ließ. Doch hat die erste Scene milder desFaust" große Aehnlichkcit!"

Weiter erfahren wir aus Briefen des Dichters, daß das Werk nicht für die Bühne bestinlmt war.

Sie mögen," schreibt er an Marray (Venedig, 15. Fehr. 1817)entnehmen, daß ich gerade keine große Meinung von diesem Phantasiestückc habe, aber ich habe es wenigstens völlig unmöglich gemacht, es auf die Bühne zu bringen, für welche ich seit meiner Verhandlung mit Drurylane die größte Verachtung habe." In einem an­deren Briefe (6. März) heißt es:Ich verfaßte es wirklich mit einem Abscheu vor der Bühne und mit der Absicht, selbst den Gedanken daran nnpractikabcl zu machen."

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Univerfltäts- Chronik.

Professor Windscheid, der berühmte Jurist, liegt in Leipzig schwer krank darnieder._____________________________________________ _____________________

Vermischtes.

][ Darmstadt, 21. Februar. Die heutige Nummer derDarmstädter Zeitung" veröffentlicht eine Mittheilung über die Reise Seiner Königlichen Hoheit des Groß- Herzogs und Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Irene nach Petersburg, wonach Höchstdieselben gestern Vormittag 11 Uhr auf der Durchreise in Berlin von Ihren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten, dem Kronprinzen und der Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von Preußen auf dem in der Friedrichstraße belegenen Bahnhof empfangen und nach dem Kronprinzlichen Palais geleitet worden sind, wo­selbst die hohen Reisenden bis zum gestrigen Abend zu verweilen gedachten, um dann gegen 1/212 Uhr die Reise nach Petersburg fortzusetzen. Aus dieser Mittheilung darf oer erfreuliche Schluß gezogen werben, daß nunmehr auch der letzte Dteft einer Er­kältung, welche in den verwandtschaftlichen Beziehungen beider Häuser zu einander ein- getreten sein sollte, glücklich beseitigt ist. Der Bazar zum Besten eines Asyls für verwahrloste Kinder hat ein unerwartet günstiges Resultat aufzuweisen. Es find nämlich 29 000 JL eingegangen, so daß nach Abzug der entstandenen Kosten auf eine Nettoeinnahme von etwa 24 000 X zu rechnen ist. Wie verlautet, soll Oberbürger­meister Ohly bereits mit dem Besitzer eines in der Nachbarschaft von Darmstadt ge­legenen Giltes wegen Erwerb eines Grundstückes in Verhandlung getreten sein. Die Nachricht dürfte indessen doch wohl zum mindesten verfrüht sein.

Gingefanvt.

Gießen, 21. Februar.

Die in Ihrem letzten Blatte von einem Augenzeugen Ihnen gewordene Schilderung von dem traurigen Unglücksfall am Freitag auf der Lahn hat sich doch, nicht ganz so zugettagen, wie er geschildert worden. Ich erlaube mir an den betr. Augenzeugen nachstehende Fragen zu richten:

1) Warum wird Musiker Ecken brecht allein als Retter angegeben und warum nicht Bahnwärter Massing? indem doch nur beide allein im Boote thätig waren, und letzterer stets bemüht war, Eis loszuschlagen, damit die Rettung vollbracht werden konnte, denn ohne die Hilfe des Herrn Massing wäre es Herrn Eckenbrecht unmög­lich geworden, den Jungen aus dem Eise zu befreien.

2) Ferner heißt es, in die Kleider des Sohnes vom Tonnenschuppenwärter wäre der Junge gekleidet worden, und warum nicht, der Wahrheit gemäß, in die deö Bahnwärters?

Der Augenzeuge, der vorhergehende Angaben gemacht hat, muß wenig Kennt- niß von einer ungeheizten und geheizten Bude haben, denn der hinzugekourmene Arzt dürfte wohl am besten wissen, daß letzteres der Fall war.

3) Warum ist der Mann nicht namhaft gemacht worden, der den Jungen so eine weite Strecke trug?

Ehre dem Ehre gebühret.

Allgemeiner Anzeiger.

Hohversteigmmtz.

Es werden versteigert Freitag, den 8. März in den Districten Rehhecke 19,66, Wüstekopf 141. Schinderskopf 16a, Altgehegt 20, Franzen- roalb und Rehloch: 1 Buchenstamm von 41 cm Durchmesser und 8 m Länge 1,14 fm, 89 Eichenstämme von 1874 cm Durchmesser und 5 13 m Länge = 46,51 fm, 192 Nadelstämme von 1331 cm Durchmesser und 515 m Länge 38,17 fm, 345 Nadelderbstangen 13,88 fm, 300 Buchen­reisstangen 0,92 fm, zu Pferchpfählen geeignet und 140 Nadelreisstangen 1,38 fm, 31,4 rm Eichen-Nutzscheit in Schichten, für Küfer und Wagner, ferner Scheit rm: Eiche 7, Nadel 2, Knüppel rm: Buche 10, Eiche 11, Nadel 22, Reisig 100 Wellen: Buche 23,5, Eiche 5,8, Nadel 9 Stock rm: Buche 23,4, Eiche 15,4, Nadel 6. Bei den Nadelknüppeln finden sich 16 rm Fichten in Schichten von 34 Länge. Ueber das Holz, welches bei der Ver­steigerung nicht vorgezeigt wird, ertheilt Forstwart Menges zu Großenlinden nähere Auskunft. Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr auf der Theerofenschneise an der Rehhecke.

Gießen, den 20 Februar 1886.

Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg.

Heyer. 1243

Holzver Steigerung»

In den Districten Rubgarten und Oberstraßwald, unweit Dannenrod 10 Km. von der Station Ehringshausen an der Oberhess. Eisenbahn entfernt kommen Freitag den 8. März, von 9 Uhr Vormittags an, 109 Eichen mit 80,28 Fm. zum Ausgebot. Es befinden sich unter diesen Stämmen sehr schöne Bau- und Schnitthölzer bis zu 58 Ctm. Durchmesser.

Samstag den 6. März werden von Vormittags 9 Uhr an in den Districten Rubgarten, Neuheege, Ober- und Unterstraßwald angeboten: 4 Nm. Buchen-, 24 Eichen-, 10 Kiefern- und 4 Aspen-Scheiter; 12 Nm. Buchen-, 83 Eichen-, 426 Kiefern- und 3 Aspen-Knüppel; 566 Nm. Buchen-, 252 Eichen- And 1929 Kiefern und Fichten-Neisig.

Zusammenkunft an beiden Tagen im District Oberstraßwald.

Maulbach, am 22. Februar 1886.

Großherzogliche Oberförsterei Maulbach.

Koch. 1233

Holzversteigerung.

Es kommen zur Versteigerung:

I. Montag den 1 März l. I. im District Neuhofstannen:

28 Rm. Buchen-, 50 Rm. Nadel-Scheiter, 376 Rm. Buchen- und Eichen-, 44 Nm. Nadel-Knüppel, 612 Nm. Buchen- und Eichen-, 156 Rm. Nabel- Neiser, 32 Nm. Buchen-, 28 Rm. Nadel-Stöcke; sodann 55 Eichenstämme mit 8,38 Fm., 24 Eichen-Derbstangen mit 1,98 Fm.

Zusammenkunft Morgens 9 Uhr im Holzschlag auf dem chaussirten Vicinalweg von Reinhardshain nach Bersrod.

II. Dienstag den 2. und, wenn nöthig, Mittwoch den 3. März in den Districten Steinkaute und Beltershainerwald:

361 Fichten-, Lärchen- und Kiefernstämme mit 250,66 Fm., 209 Fichten- Derbstangen mit 19,61 Fm.

Zusammenkunft Morgens 9 Uhr auf dem Kirchenpfad im District Stein- kaute bei Reinhardshain.

Grünberg, am 20. Februar 1886.

Großherzogliche Oberförsterei Grünberg.

Vigelius. 1247

Holzversteigerung.

Montag den 1. März 1886 sollen in dem Stadtwald zu Hungen, in den Distrikten Heckenwald, Galgenwald, Hubbach und Herborn nachstehende Holzsorlimente versteigert werden:

205 Eichen-Stämme von 1576 cm Durchmesser und 216 m Länge,

90 Nadel-Stämme von 1528 cm Durchmesser und 318 m Länge,

284 Hainbuchen-Stämme von 1539 cm Durchmesser und 314 m Länge,

39 Hainbuchen-Stangen von 1014 cm Durchmesser und 47 m Länge, 1266 Nabelstangen von 714 cm Durchmesser und 517 m Länge.

Bei den Eichen-Stämmen befinden sich 60 Festmeter Schnittholz und 20 Festmeter Schwellenholz.

Der Anfang der Versteigerung ist Vormittags 10 Uhr im Distrikt Heckenwald, an dem Weg von Villingen nach Langd.

Hungen, am 18. Februar 1886.

Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen.

Bender. 1237