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ftr. MK Samstag den 23. Januar M8C

VrrrrsrAr Schulfiraße 7.

Erscheint 46.t(lit5) mit Nnsnahme des Miyntags.

®teii vierteljührlich 2 Mar? 20 Ps. mit Brlasterk^«, Durch die Post i-ezozen vierteljährlich 2 Mark 50 PZ.

Amtlicher IKeit.

Bekanntmachung.

Abgesehen von dringenden Fällen und selbstverständlich von Vorladungen sind die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechen. Anträge bei unseren Gerichtsschreibereien können Mittwochs und Samstags, Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden.

Gießen, den 20. Januar 1886. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.

Langsdorfs. «>'. I will m iHHin iiMHini'wiimi»iiiiBiiiiiJiui.ir- . - nHUB...........

Dolitifche Ueberficht.

Gießers, 22. Januar.

Die Ordens-Verleihungen, welche sich an das am Berliner Hofe vergangenen Sonntag statlgesundene Krönungs- und Ordenösest geknüpft haben, sind diesmal zahlreicher ausgefallen, als je zuvor. Dieselben belaufen sich auf insgesammt 1436, welche sich, wie folgt, vertheilen: Rothe Adlerorden 634, Kronenorden 186, Hohenzollern'sche Hausordm 27 und Allgemeine Ehren­zeichen 589.

Nach den zweitägigen erregten Debatten von voriger Woche über die Ausweisungsfrage haben die Verhandlungen des Reichstages in dieser Woche wieder einen sachlicheren Charakter angenommen. Am Montag und im ersten Theile der Dienstagssitzung erledigte das Haus die Special- berathung des Etats der Post- und Telegraphen-Verwaltung, und zwar fast durchweg nach den Beschlüssen der Budget-Commission. Dieselbe hat eben so sorgfältig gearbeitet und die einschlagenden Verhältnisse überall so gründlich geprüft, daß das Plenum den Commissions-Anträgen beinahe in allen Stücken zustimmen konnte. Nur bezüglich des Titels 25 im Extraordinarium, welcher als erste Rate 60,000 <AL für ein neues Dienstgebäude in Werdau fordert, stimmte das Haus dem Commissions-Vorschlage, den Titel abzulehnen, nicht zu, sondern genehmigte mittelstHammelssprunges" die bett. Forderung. Es ereig­nete sich hierbei der gewiß nicht oft vorkommende Fall, daß die Socialdemokraten mit den Conservativen und Nationalliberalen die Majorität bildeten. Debattelos wurden in dem weiteren Verlaufe der Dienstagssitzung der Etat der Reichs- Druckerei in Zweiter Lesung und der mit der" Republik San Domingo (Hayti) abgeschlossene Schifffahrts- und Handels-Vertrag genehmigt. Eine lebhafte Diü- cussion knüpfte sich beim Etat des auswärtigen Amtes an die Forderung von 300,000 vMa, welche Summe die Reichsregierung Zur Durchführung der von dem Reiche in den Schutzgebieten von Kamerun, Angra Pequena und Togo beschlossenen Maßregeln für nothwendig erachtet. Beim Beginn der Debatte erklärte Abg. Windthorst, daß er in dritter Lesung eventuell gegen die Position stimmen würde, wenn der Regierungs-Vertreter im Lause der DiScussion keine beruhigend- Erklärungen abgebe, wob.i der Centrumsführer ziemlich unverblümt auf die bekannte Missions-Angelegenheit anspielte. Abg. Schrader (freis.) äußerte, seine Partei würde die Forderung nur als Pauschal-Summe bewilligen und sprach im klebrigen die Ansicht aus, daß unsere Kolonien keine große Zu­kunft hälten. Trotzdem wolle die freisinnige Partei die Mittel gewähren, das nun einmal Begonnene fortzusetzen, nur wünsche sie, daß sich die Colonialpolitik fortan nur innerhalb des vom Reichskanzler selbst sestgestellten Rahmens bewegen möge. Nationalliberalerseits corrigirte Abg. Woermann die von Herrn Eugen Richter bei der ersten Lesung gemachten Angaben, der deutsche Branntweinhandel nach Kamerun betrüge 65 pCt. des ganzen deutschen Exports dahin, indem er bemerkte, daß von letzterem nur ca. 12 pCt. aus den Branntwein, 50 pCt. da- grrge t auf Baumwolle und der Rest aus andere Maaren entfielen; im Weiteren gab Abg. Woermann seiner Hoffnung auf eine gedeihliche Entwickelung Kameruns entschieden Ausdruck. Nach einer kurzen Aeußerung des StaatSsecretärs v. Böt­ticher bezüglich der Uebertragbarkeit des in Rede stehenden Titels ergriff Abg. Windlhoist nochmals das Wort, um im Allgemeinen sein Einmrständniß mit den Ausführungen des Abg. Woermann zu betonen, sprach aber hierbei die Be­fürchtung aus, daß dec urspüngliche Rahmen der Colonialpolitik überschritten werden würde. Abg. Eugen Richter beantragte die Zurückverweisung des Titels an die Commission. Schließlich wurde der Titel an die Commission zurück- verwiesen, der Rest des Etats des auswärtigen Amtes dagegen debattelos genehmigt.

Von den zahlreichen Commissionen des Reichstages hat endlich diejenige zur Vorberathung der Novelle zum Unfallversicherungsgesetz, betr. tzie Fürsorge für Beamte und Personen des Soldatenstandes, ihre Arbeiten im Wesentlichen erledigt. Der Bericht der Commission ist im Plenum bereits ; zur Vettheilung gelangt. Auch die Commission zur Vorberathung des Reichen- spergersschen Antrages auf Einführung der Berufung in Strafsachen, hat ihren Bericht nunmehr fertig gestellt. Beide Commissions-Berichte dürften aber vor Mitte nächsten Monats schwerlich im Plenum zur Verhandlung kommen.

Der böhmische Landtag bat seine Session mit einer Haupt- und Staats-Action geschlossen. Als eine solche stellt sich die Debatte über die Sprachenvorlage dar, in welcher es sich bekanntlich um die von dem Aba. Plener und dem Abg. Trojan eingebrachten, einander entgegenstehenden, Anträge handelte. Derjenige der deutschen Minorität, vertreten durch den erstgenannten Abgeordneten, verlangt die nationale Abgrenzung der Gerichts- und Verwal­tungsbezirke in Böhmen, als einzig wirksamer Schutz der Deutschen gegenüber

dem Czechenthum, und fordert zugleich die Aushebung der Sprachenverordnung. Der czechische Gegenantrag verlangt die Gleichberechtigung der czechischen Sprache mit der deutschen auch in den Aemtern der deutschen Bezirke Böhmens. Nach heftigen Debatten, die am Dienstag ihren Höhepunkt erreichten und welche die nationalen Gegensätze zwischen den Deutsch-Böhmen und den Czechen in ihrer vollen Stärke zeigten, wurde der Plener'sche Antrag am genannten Tage abge­lehnt, dagegen der czechische Antrag zur Grundlage der weiteren Debatte ge­macht. Dies läßt keinen Zweifel, daß derselbe schließlich angenommen worden ist, wenn vielleicht auch mit einigen Modificationen; die czechische Sprache wird also künftighin neben der deutschen auch in den reindeutschen Landestheilen Böhmens volle amtliche Geltung haben und dies ist wohl einer der schwersten Schläge, die je das schwer bedrängte Deutschthum in diesem Kronlande treffen konnten.

Die europäische Diplomatie hat sich mit ihrem Abrüstungs-Ver­langen in Athen, wie in Belgrad und in Sofia einen Korb geholt. Von Griechenland, wie von Serbien und Bulgarien ist als hauptsächlichster Grund für die W igerung dieser Staaten, ihre Heere vollständig zu demobilifiren, die noch ungewisse Lage auf der Balkan-Halbinsel angeführt worden; speciell Ser­bien bat drehen noch eine ganze Reihe anderer Gründe aufgezählt, die für diese Weigerung "angeblich sprechen. Zunächst kommt es aber nicht darauf an, inwieweit die kleinen Balkan-Staaten Recht haben, Gewehr bei Fuß die weitere Entwickelung der Dinge zu beobachten; vorläufig handelt es sich darum, daß sie eine Forderung des vereinigten Europas, die mit zur Herbeiführung friedlicher Zustände im Orient dienen sollte, zurückgewiesen haben und es fragt sich nun, wie die Großmächte diese Keckheit beantworten werden. Bis zur Stunde liegen indessen noch keinerlei bestimmte Nachrichten über ein nachdrücklicheres Vorgehen der Großmächte gegen die renitenten Balkanstaaten vor; jedenfalls ist aber ein solches im Interesse des Ansehens Europas bei den Völkern der Balkan-Halbinsel dringend geboten. Bulgarien soll gutem Vernehmen nach Bukarest als Ort für die Friedens-Verhandlungen mit Serbien angenommen haben.

IeujschlaNd.

Darmstadt, 21. Januar. Im Anschluß an den Antrag Küchler- Ohly, wonack die Regierung von den nach § 33 der Gewerbeordnung den Landes-Regierungen Anstehenden Rechten gegenüber dem Handel mit Branntwein und der Concessionirung von Schankwirthschaften Gebrauch zu machen ersucht wird, ist, wie wir vernehmen, eine Vorstellung des Central-Bureaus des Rhein- Main-Gastwirth'Verbandes nebst sieben weiteren Vorstellungen von Gastwirthm aus Darmstadt, Erbach, Gießen und Umgegeno, Butzbach und Umgegend, Vilbel, Mainz und Sauer-Schwabenheim eingegangen. Dieselbe ersucht:Die Einfüh­rung der Vedürfnißfrage und die Prüfung der Personen bei Ertheilung von Concessionen zum Betrieb des Gastwirthgewerbes zu beschließen und zu den, diese Prüfung erledigenden Commissionen die gewählten Vertreter des Gastwirth­gewerbes berathend oder beschließend hinzuzuziehen" und ferner:Bei Erthei­lung von Concessionen zum Wirthschastsbettieb nur solche zu ertheilen, die den Ausschank aller geistigen Getränke gestatten." Der Schluß der Eingabe bittet die Kammer, dem Gesuch zu willfahren, und entweder Concessionen zum Aus­schank aller geistigen Getränke gesetzlich zu gestatten, oder wenn ein Bedürfniß für solche Vollconcessionen nicht vorhanden sein sollte, gar keine zu ertheilen, sowie den Ausschank von geistigen Getränken in Lüden ganz zu untersagen. Diese Vorstellungen werden dem zweiten Ausschuß überwiesen werden. (Fr. Ztg.)

Darmstadt, 21. Januar. (Zweite Kammer der Stände.) Das Großh. Ministerium der Finanzen richtet an die Landstände und zunächst an die zweite Kammer das Ersuchen:zustimmen zu wollen, daß die Kosten für Beschaffung von Betriebsmitteln zu Oberhesstschen Bahnen bis zu dem Betrag von 85,000 aus dem Überschuß über den budgetmäßigen Ansatz des Reinertrags der Ober- hessischen Bahnen in der Finanzperiode 1885/88 entnommen werden können." Im Güterverkehr der Oberhessischen Bahnen ist Wagenmangel eingetreten; es sollen 15 offene und 15 gedeckte Güterwagen im Kostenbeträge von zmammen. 92,000 «X beschafft werden.

Kegypterr.

Kairo, 20. Januar. In der heute Nachmittag unter dem Vorsitze des Khedive stattgehabten Conferenz wurden nur die den Sudan und die Reorgani­sation der egyptischen Armee betreffenden Fragen discutirt. Hierbei wurde die Nothwendigkeit anerkannt, zwei egyptifche Bataillone zu bilden, um die englische Garnison in Suak-.m zu ersetzen. Wahrscheinlich dürfte die englische Regierung im Hinblick hierauf auf die 40,000 Psd. Sterl. verzichten, welche Egypten zur