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20.6.1886 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Sonntag den 20 Juni

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ErschÄnt «st Vse^S-.^ y^

Gießen, am 17. Juni 1886.

vom aus-

Aus Salzburg gelangte folgendes Beileids-Telegramm hierher:Ein unsagbar trauriges Geschick hat unserem Nachbarlande Bayern seinen geliebten König, den Mitkämpfer für Deutschlands Macht und Einheit, entrissen. Unter dem erschütternden Eindrücke dieser Trauerbotschaft beschloß die Landeshauptstadt Salzburg in einer Volksversammlung vom 15. d. Mts., der Gemeindevertretung

München, 18. Juni. Die Einzelheiten, die aus den Commtssionssitzungen über den Zustand weiland König Ludwig's bekannt werden, beweisen, daß die Sache die neuerliche Wendung erst genommen, nachdem der König sich an die Orleans gewandt hatte. Der Vertrag ist zum Abschluß fertig gewesen, wonach der König gegen Zahlung von 40 Millionen Francs sich zur Unterstützung der Bestrebungen der Orleans, auf den Thron zu gelangen und zur Neutralität im Falle eines Krieges verpflichtet. Der Hofbedienstete, der, wie mit vielen anderen Aufträgen, so mit diesem betraut wurde, verrieth schließlich aus Furcht vor den Folgen die Sache an den Vorgesetzten. Das Hab Lutz den Anstoß und Rückhalt zum Handeln. Die Angelegenheit wurde nach Berlin mitgetheilt. Von dort erfolgten die nöthigen Maßregeln in Paris, hier begann unmittelbar darauf die Action. Die Zusammenhänge liegen vollkommen klar. Weiter Töirb bestimmt versichert, daß die Stellung des Ministeriums augenblicklich durchaus fest ist, ja, man sagt, selbst wenn es den Widerspänstigen in der patriotischen, das heißt ultramontanen, Partei gelingen sollte, Prinz Luitpold Hinwegzuärgern durch -ihre eben beendete Action sollen sie genau das Gegentheil erzielt haben so werde

Beileids und aufrichtiger Theilnahme an dem unersetzlichen Verluste kundzugeben.

Bürgermeister Scheibe!." . , ......_Dvlv miuaße

Der deutsche Kronprinz ist heute Vormittag hier eingetroffen unb äLütJtrete^?Sd\Serrn ®r,ten Shmt§anroalt3immermann. Verteidigung: Herr wurde vom Prinz-Regenten und den andern Prinzen empfangen.

Rechtsanwalt Baist. " ~ *

o. r 2' Dienstag den 22. Juni, Vormittags 8Va Uhr, gegen Gemeinde-Einnehmer Johannes Mobs IV. von Nieder-Mörlen wegen Verbrechens im Amte. Anklage- Herr Staatsanwalt Seeger, Verteidigung: Herr Rechtsanwalt Brentano in' Friedberg.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. F r e s eniu S.

Telegraphische Depesche«.

»olff'r telegr. «orrespouvem * Barra«.

3-Mittwoch den 23. Ium, Vormittags 8'/r Uhr, gegen Johannes Loth von

Nusdingshausen, wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Anklage: Herr Erster

Staatsanwalt Zimmermann, Verteidigung: Herr Rechtsanwalt Katz.

4. Donnerstag den 24. Juni, Vormittags 8V2 Uhr, gegen Marie Buß von Watzenborn, wegen Kmdestödtung. Anklage: Herr StaatsanwaltJöckel, Verteidigung- Herr Rechtsanwalt Katz. v 0 y

an 5. Freitag den 25. Juni, Vormittags 8VrUhr, gegen Friedrich Hedrich von Wauenrod, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Anklage: Herr Erster Staatsanwalt Zimmermann, Verteidigung: Herr Rechtsanwalt vr. Schwarz

6. Samstag den 26. Juni, Vormittags 8V2 Uhr, gegen Georg Reinhardt vonKlermKarben wegen Brandstiftung. Anklage: Herr Erster Staatsanwalt Zimmer-- mann, Verteidigung: Herr Rechtsanwalt Lauer.

Durch Verfügung des Polizeipräsidenten ist der Verein zur Wahrung der Interessen der Tapezierer Berlins einschließlich der mit Herausgabe der Tapezierer-Zeitung" befaßten Zeitungs-Commission aus Grund des Vereins- gesetzes vvm 11. März 1850 vorläufig geschloffen worden.

München, 18. Juni. Der deutsche Kaiser und die Kaiserin ließen durch den preußischen Gesandten Prachtkränze auf den königlichen Sarg nieder- legen. Der deutsche Kronprinz legte bald nach seiner Ankunft einen Kranz auf den Sarg nieder und fuhr sodann mit Luitpolo zum Prinzen und der Prin­zessin Leopold.

m 18. Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog, Ihre I gleichwohl Herr

7* Hatten die Prinzen Heinrich und Wilhelm sind heute Vormittag ClT -^7 --- <

11 Uhr 11 Mm. über Aschaffenburg nach München abaeceist. Im Gesolae festigt hat, ist das durchaus wahrscheinlich, der Allerhöchsten Herrschaften befinden sich General-Adjutant General-Major ocben thre 9

v- Westerweller, Flügel-Adjutant Oberst v. Herff, sowie die persönlichen Adju- tanken Oberst v. Zangen und Rittmeister Frhr. Schenk zu Schweinsberg.

.. Berlin, 18. Juni. Der Beginn oer Fahrten der unterstützten deut­schen Postdampfer-Lune für den Verkehr mit Ostasien, Australien u. s. m. ist aus den 30. d. Mts. festgesetzt. An diesem Tage soll der erste Dampfer nach Ostasien abgelassen werden, und zwar von Bremerhaven nach Schanghai über Antwerpen, Port Said, Suez, Aden, Colombo, Singapore und Hongkong mit Er Anschlußlinie von Hongkong über Yokohama, Hiogo, einen Hafen von Korea und Nagasaki zurück nach Hongkong. Für den Verkehr mit Australien besteht eine Linie von Bremerhaven nach Sidney über Port Said, Suez Aden die Tschagos-Jnseln, Adelaide und Melbourne, eine Anschlußlinie von Sidney über die Tonaa-Jnseln, Apia und zurück nach Sidney. Die Fahrpläne dieser , ^ner ueflt per dem bei ^d?"H°upt!lmen, auf welchen die Fahrten vertragsmäßig in Zeitabständen von hat sich bei der Attion ;e 4 Wochen zu verrichten sind, greifen so ineinander, daß die Dampfer von ' Bremerhaven an jedem zweiten Mittwoch ausgehen und demzufolge auf der den beiden Linien gemeinsamen Strecke (Bremerhaven, Port Said, Suez, Aden) eine regelmäßige 14tägige Verbindung herstellen. Im Anschlüsse hieran werden auch aus einer Zweiglmie von Triest über Brindisi nach Alexandrien, üuf welcher jährlich 26 Fahrten verrichtet werden müssen, die Dampfer regel­mäßig in 14lägigen Zwischenräumen abgefertigt, um den Dampfer der Haupt- linie in Verbindung irit der .grpiiscktn Eisi nbchrlirie A.'cxondrien-Suez in Suez die Reisenden und Postsendungen nach Ostasien bezw-. Australien zuzuführen. Die Fahrzeit von Suez nach Hongkong beträgt 24% Tag gegenüber einer Fahr- zert von 28% Tagen bei den englischen und 28 Tagen bei den französischen Dampfern.

Münchens Namens der Bevölkerung Salzburgs den Ausdruck tiefempfundenen sind wie folgt angesetzt" °tC Schwurgerichtsverhandlungen dieser Sessiow ...K ...tu*.:».. 1. an«nt°B ben 21. Sttni, Vormittags s Uhr: Strafsache gegen Friedrich

L a.st-ch von Hcldenbergku, wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Di- Anklage

lv</, m/an"' 18 3uni" ®cr fiai,er die Reise nach Ems morgen Abend um

i» ,r de»», 18 Juni Der Nationalrath beschloß mit 75 gegen 45 Stimmen die 10" der Bundesverfassung behufs Einführung des Erfindungsschutzes

, -44 ?^E»Ns, 18. Ium. In Quaregnon und Flenu haben 600 Arbeiter'heute Vor­mittag die Arbert wieder ausgenommen. y

Halifax, 18. Juni. Dem Bureau Reuter zufolge hat der Ministervräsident von Neu-«Schottland erklärt, &er Sieg der Negierung bei den Neuwahlen sei als Be- anzusehen, daß Neu-Schottland, mit der canadlschen Eonföderation unzufrieden sich der Bewegung rn Neu-Braunschweig und der Prinz Edwardsinsel zu Gunsten schtteße? wünsihe. 6Qnaba Unb Bildung einer Union der Seeprovinzen anzm

0 f ^hen, 18. Juni. Die Kammer nahm mit 30 Stimmen Majorität in dritter ^bsuug dle^Vorlagen, betresiend die Reform der Wahlgesetze, an. Der Minifter- prasldent Tnkupls brachte einen Gesetzentwurf ein, wodurch die Regentschaft während der Abwesenheit des Königs dem Ministerrathe übertragen wird 9

c 18.Jum. Ein der russischen Dampfboot-Gesellschaft gehöriger Schooner

r '^astreb ist m der Meerenge von Kertsch untergegangen. Die Mannschaft ist bis auf einen Matrosen verunglückt. '

Lokale-.

«erteljLhrlich 2 Mark 2S Pf. mit

ö-rosen viei-'rährlKL 2 $Sar# Bt.

2* Posten auch unter Ludwig verbleiben. Nack dem

aefe@ bnt ^hna^h bl^°Jltl0n, fv^utz's nach einer bestimmten Richtung zweifellos gefestigt hat, rst das durchaus wahrscheinlich. Die Commission der Reichsrätbe bat soeben ihre Berathungen, Mittags 2 Uhr, beendet. Montag Nachmittag findet öffentt 5 Uhdim°Sitzüngss°a"-. D-c Eommilfton der zw-il-n Kammer -crsamm-It sich um ... .7 3u vorstehender Nachricht erfahre ich folgende nähere Details aus durckaus Cr ;^uSe' ^le ^eignet sind, das bereits angebeutete Bild zu illustriren Der Vorgang ist nad) meinem Gewährsmanne folgender: Im Winter dieses ^abrÄ' gelangte aus des Königs Nahe nach Paris, vermuthlich direct in die Hände der das Gesuch, ihn aus seiner Geldverlegenheit zu befreien Im (°?ne ^roei.fcI bat die Angelegenheit inzwitchen verschiedene Stadien durch.auseu) gelangte von einem Secretar oder Agenten des Danses ...

Paris ein Bries hierher, der die Gewährung der Sumn zus gie^^mt r^fklg Nn Be d'ngU"g°n: Neutralität im Falle eines Krieges mit Pr--n; Natisication des ab- onCrtra^nnUr^ ben bayerischen Gesandten in Paris. Zu Ende Mai zwischen dem 20. und 30., erging von Paris aus der Befehl an Hessellsckw rdt den bekannten Hofmarstallfourier des Königs, einen sicheren Boten nach Paris zu schicken' b? %aufe§ Orleans, dem Grafen von Paris, zu verhandln Der 77^1 ^Egt bei dem den Kammern vorgelegten Aktenmaterial im Original. Der Könia ?a£^A bbr der Action, rote diese Darstellung ergibt und mein Gewährsmann bestätigt sehr hinter den Eoulisien gehalten. Hesselschroerdt gab diesen Brief an seinen Vor­gesetzten, der ihn dem Prinzen Luitpold einhändigte. Damit, schließt mein Gewäbrs- SA ^-,?CttOn Fluß (Man wird bei allen diesen und den noch etwa folgenden Enthüllungen nicht außer Acht lassen dürfen, daß man es mit den Hand­lungen eines Wahnsinnigen zu thun hat. Red. d.Franks. Ztg.":) y no

1 1 * * 4 * 6 1 «tter Sonnenschirm, 1 Paar braune S-mmerh-ndschuhe, 1 seidener Regenschirm, 1 sch^TSch^,

Zugelaufen: 1 kleine gelbe Dogge. Gießen, am 19. Juni 1886.

PhUlpp Launspach aus Reiskirchen,

Hbinrich Mebß aus Hildgertshausen in Württemberg, zur Zeit in Gießen Großherzogliches Kreisamt Gießen. ö

Dr. Boekmann.