Ausgabe 
20.5.1886 Erstes Blatt
 
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läge zu ersuchen, nach welcher die Beschaffung und Unterhaltung der Mobiliaraus­stattung für die Kreisamtsgebäude in ähnlicher Weise wie für die Amtsgerrchtsgebaude ^^"D^Gesuch des Meyer Isaac Joseph zu Reichelsheim i. O. um Bewilligung einer Entschädigung für ein ihm getödtetes rotzkrankes Pferd wird abgelehnt.

Die Beschwerde des Peter Hertel zu Unterschonmattenwag, Rückzahlung der von seiner Mutter zur Abhaltung von Seelenämtern an die katholische Kirche daselbst ge­machten Schenkungen betr., wird gegen 6 Stimmen für erledigt erklärt, indem man dem Beschwerdeführer anheimgibt, den Rechtsweg zu betreten

Abg Franck ergreift die Gelegenheit, sich über die betreffenden Krrchengesetze auszulassen. Staatsminister Finger Exc.: So lange ein Gesetz bestehe, müsse man sich daran halten. Er habe schon früher darauf hingewiesen, daß eine Revision der Kirchengesetze nur möglich sei, wenn der Bischofsstuhl besetzt wäre. Nur mit diesem Bischof der die Verhältnisse Hessens genau kennen müsse, könnten Verhandlungen ge­pflogen' werden, die zu ersprießlichem Ende führten. Daß wir den Bischof noch nicht haben sei nicht die Schuld der Regierung. Es seien keine Schritte gethan worden, bis vor 4 Jahren. Eine Einigung sei erst in allerkürzester Zeit erfolgt, die Designation durch Se. Heiligkeit den Papst habe aber noch nichtstattgefunden. Abg. Franck: Den Aeußernngen des Herrn Staatsministers nach zu urtheilen, sollten für Hessen wieder besondere Zustände geschaffen werden, wie sie in Preußen nicht beständen. Er erkläre dem Herrn Staatsminister, daß, solange solches im Auge behalten würde, er den ge­wünschten Frieden nicht erhielte. c .

Bei Berathung über den Gesetzentwurf, betr. Abänderung der Art. 4a50 der allgemeinen Bauordnung vom 30. April 1881, werden die Anträge des Abg. Schön­berger abgelehnt, dagegen folgende Ausschußanträge angenommen: Art. 48 rote folgt zu fassen: Bei einer geringeren Entfernung als 3 Meter von der Eigenthumsgrenze kann die Errichtung einer Brandmauer erlassen werden, entweder wenn angenommen werden kann, daß das angrenzende Grundstück bis zu dem erforderlichen Abstand von 3 Metern unüberbaut bleibt, oder mit Zustimmung des Eigentümers des Grundstücks, in welch' letzterem Falle die Kosten einer später zu errichtenden Brandmauer Mangels vorhergegangener Vereinbarung der Interessenten nach Maßgabe des Art. 46 der Bau­ordnung aufzubringen wären. Ferner dem Art. 50 folgende Fassung zu geben: An der äußeren Brandmauer eines zu landwirthschastlichen Zwecken dienenden Gebäudes kann die Anbringung von Oeffnungen, welche aus Gründen der Landwirtschaft nolhtg sind, zugelassen werden. Solche Oeffnungen dürfen im Lichten höchstens ein und ein­halb Quadratmeter Fläche enthalten und müssen durch eine starke, fest versteifte, in allen Theilen eiserne Thür, die eine mindestens 6 cm breite Steinsalze überdeckt, dicht »erschließbar gemacht werden. Sie sind, so lange nicht deren Offenhaltung nothlg ist, bei Vermeidung der in § 368,8 des Strafgesetzbuches vorgesehenen Strafe, verschlossen zu halten. Für Stallungen kann nach Bedürfniß an Stelle von Oeffnungen mit eisernem Verschluß die Anbringung von Fenstern gestattet werden.

Nächste Sitzung: Morgen Vormittag 9 Uhr.

Rußland.

S-bastopol, 17. Mai. Der Kaiser hielt heute eine Truppenschau ab. Am Dienstag, dem Geburtstag des Thronfolgers, wird das KriegsschiffTschesme" vom Stapel lausen.

Amerika.

Washington, 18. Mai. Das amerikanische FischerfahrzeugElla Doughiy" aus Portland ist gestern aus Anordnung der kanavischen Behörden bei Cap Breton wegen Uebertretung der Fischereigesetze mit Beschlag belegt worden. Die Eigenthümer reklamirten bei den hiesigen Bundesbehörden.

Telegraphische Depesche«.

ttUflt. «»rrespondem»»«-«an.

Berlin, 18. Mai. Reichstag. Ein dem Reichstage zugegangener Rechenschafts­bericht der Regierung über die Mvtive der Verordnung vom 11. Mai, betreffend die Beschränkung des Versammlungsrechts, weist namentlich auf die Lohnbewegungen unter der Arbeiterbevölkerung hin, welche den wirthschaftlichen Eharacter verlieren und zu socialdemokratischen Agitationen ausgebeutet werden. Außerdem liegen bestimmte An­zeichen vor, daß unter der in den öffentlichen Verkehrsanstalten beschäftigten Arbeiter­bevölkerung fortgesetzte socialdemokratische Aufreizung stattfinde, welche die verhängniß- vollsten Folgen für die öffentliche Sicherheit und für die gesammten Verkehrsverbindungen mit der Reichshauptstadt haben könnten.

Graf Herbert Bismarck hat wegen seiner Beförderung im Dienste sein Mandat als Reichstagsabgeordneter niedergelegt.

Der Bericht der Reichsschulden - Commission wird der Rechnungs - Commission überwiesen.

Es folgte sodann die erste Lesung der Zuckersteuer. Witte ist gegen eine Steuer­erhöhung und kündigt einen Antrag an, den jetzigen Steuersatz von 1 JL 60 bei- zubehalten. Nachdem noch Buhl und Helldorf für die Vorlage, Härle und Bock gegen dieselbe gesprochen, erfolgte der Schluß der Debatte. Die zweite Berathung findet Donnerstag im Plenum statt.

Das Gesetz über die Begründung der Revision in bürgerlichen Nechtsstreitigkeiten wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Die Preßgesetznooelle wird von der Tagesordnung abgesetzt.

Pari-, 18. Mai. Anläßlich des am Samstag im Palais des Grafen von Paris vor dessen Abreise nach Portugal stattgehabten Empfangs soll, wie in Depu- tirtenkreisen verlautet, von den Radicalen in der Kammer eine Interpellation ein­gebracht und zugleich die Ausweisung der Prinzen beantragt werden.

Paris, 18. Mai. DieAgence Haoas" bemerkt gegenüber der gemeldeten Absicht der Regierung, die Prinzen auszuweisen, es liege bis jetzt kein Anzeichen dazu vor.

London, 18. Mai. Im weiteren Verlaufe der Unterhaus-Debatte über die Home Rule Bill erklärte der Unterstaatssecretär des Aeußern, Bryce, die Regierung sei

nicht abgeneigt, die Wähler über die Nothwendigkeit der Bill zu befragen. Dänemark habe sich Island erhalten, weil der Insel eine besondere parlamentarische Vertretung gegeben wurde, dagegen hätten die Holländer Belgien und Dänemark Schleswig-Hol- tein verloren, weil diesen Ländern mäßige Zugeständnisse verweigert wurden. Die Demokratie könne nicht nach despotischen Grundsätzen regieren und die irische Partei wisse jetzt, daß die neugeborene englische Demokratie auf ihrer Seite fei. Er hoffe, dieselbe werde in friedlicher Haltung verharren, bis ihr Gerechtigkeit werde. Die weitere Berathung wurde nach achtstündiger Debatte auf heute Nachmittag vertagt.

Der seitherige Generalsecretär des Unterhauses, Erskine May, welcher jüngst bei der Niederlegung seines Amtes zum Lord Farnborough ernannt wurde, starb gestern Abend, nachdem er noch kurz vorher der Unterhaus - Sitzung bei­gewohnt hatte.

London, 18. Mai. Das Bureau Reuter meldet aus Zanzibar, Frankreich habe die ganze Komorogruppe in Besitz genommen. Der Vertrag ist am 21. April in Jo­hanna unterzeichnet worden.

London, 18. Mai. Im Unterhause erklärte Bryce, die Blockade der griechischen Häfen verhindere fremde Schiffe nicht, die griechischen Inseln zu besuchen, daher sei es nicht möglich, daß Mangel an Nahrungsmitteln entstehen und die Deputaten verhindert werden könnten, sich nach Athen zu begeben. Uebrigens sei der Befehlshaber des eng­lischen Geschwaders angewiesen, nöthigenfalls besondere Vorkehrungen zu treffen. Das Unterhaus nahm den Negierungsantrag an, wonach die irische Verwaltungsbill an vier Tagen in jeder Woche berathen wird. Gladstone glaubt, daß auch noch der größere Theil der nächsten Woche für die Berathung erforderlich sei, da viele Deputirte ihr Votum nicht nur im Hause abzugeben, sondern auch ihre Wähler davon zu ver­ständigen wünschen. Lefevre befürwortete hierauf die Verwaltungsbill.

Madrid, 18. Mai. In der Deputirtenkammer sprachen der Kammerpräsident Martos und der Ministerpräsident Sagasta ihre hohe Freude über die Geburt eines Königs mit der Versicherung aus, daß alle Spanier in treuer Gesinnung um den neuen König als den Vertreter des Friedens und der Ordnung sich zufammenschaaren würden. Das Haus nahm diese Erklärungen mit lebhaftestem Beifall auf. Eine ähn­liche Erklärung wurde int Senate abgegeben und auch dort enthusiastisch aufgenommen. Der König wird den Namen Alfonso erhalten.

Madrid, 18. Mai. Die Spitzen aller Staatsbehörden übermittelten der Königin tetegraphisch ihre Glückwünsche.

Stockholm, 18. Mai. Der Reichstag ist heute ohne Thronrede geschlossen morden.

Catania, 18. Mai. Der Aetna ist seit 11 Uhr Vormittags in Eruption; auf der Westseite des Centralkraters findet eine sehr starke Dampfentwickelung und Aschen- regen statt.

Lokales.

6l. Gießen, 19. Mai. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl des Todes­fälle während der Woche vom 9. bis 15. Mai belief sich im Ganzen auf 8. Es wurde nur ein Kind betroffen, ein Knabe von zwei Jahren, welcher einer Bronchienentzündung erlag. Von den 7 erwachsenen Personen starben 4 an Lungenschwindsucht, eine an Verschwärung der Wirbelsäule, eine an Altersschwäche, eine an Herzbeutelentzündung.

Das gestern Abend in Stein's Garten stattgefundene Concert der Tyroler Sängergesellschaft Schöpfer aus Telfs erfreute sich eines guten Besuches. Sämmt- liche Piöcen des reichhaltig abwechselnden Programms wurden da capo verlangt, gewiß ein gutes Zeugniß für die Leistungen der Gesellschaft und werden die noch folgenden Concerte der günstigen Aufnahme und des guten Erfolges sicher sein.

Gießen, 18. Mai. Der hiesige Turnverein (gegründet 1847) unter­nimmt am Sonntag, den 23 d. Mts., in Gemeinschaft mit andern benachbarten Ver­einen, eine Turnfahrt nach Kloster Arnsburg. Diejenigen Mitglieder, welche die Tmn- fahrt zu Fuß mitmachen wollen, marschiren um 6 Uhr Morgens von der Turnhalle ab. Für die älteren Mitglieder und deren Familien soll ein Extrazug Mittags zur Hin- und Rückfahrt eingelegt werden. Um denselben rechtzeitig bestellen zu können, ist es nöthig, daß sich Diejenigen, welche sich daran betheiligen wollen, in den bei den Herren Daniel Heil, Lindenplatz, Louis Lind, Kirchenplatz, Fr. Kühn, Seltersweg und Carl ©Heber, Marktstraße aufliegenden Listen bis längstens Freitag Mittag 12 Uhr einzeichnen. Der turnerische wie musikalische Theil verspricht ein recht gelungener zu werden und bedarf es nur des heute eingetretenen prächtigen Frühlingswetters.

Universität- - Chronik.

Gießen, 19. Mai. Unterm 15. d. M. wurde Herrn Dr. F. A. Müller die venia legendi für das Lehrfach der Philosophie ertheilt; derselbe kündigt für das Sommer semester folgende Vorlesungen an:Methodische Einleitung in die kritische Philosophie mit besonderer Rücksicht auf moderne Probleme" undAusgewählte Capitel aus dem Gebiete der Psychophysik".

Geschichts-Kalender.

20. Mai.

1506. Christoph Columbus, der Entdecker Amerikas, gestorben.

1795. Jakobiner-Aufstand in Paris gegen die Convents-Regierung.

1798. Heinrich August Wilhelm Stolze, der bekannte Stenograph, geboren.

1871. Austausch der Ratifications - Urkunden desFrankfurter Friedens" zu Frankfurt.

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Am 19. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 12°, Luft 21° R. im Schatten. L. Chr. Rübsamen.

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