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Freitag den 19. März

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Telegraphische Depeschen.

WoLff'K Lelrgr. «orrespondenz - Bureau.

Berlin, 17. März. Die Reichstags-Commission hat mit allen gegen 5 Stimmen der Regierungs-Vorlage über die Communalbefleuerurg der Offfciere zugestimmt und die Berathung des Moltke'schen Antrages, bete, die Abänderung des Mllitärpenstonsgesetzes begonnen. Es zeigte sich große Geneigtheit, die von Manteuffel beantragte rückwirkende Kraft des Gesetzes bis zum Jahr 1864 zurückreichen zu lassen. Um über den finanziellen Effect einer solchen Ausdeh­nung de- Gesetze« ausreichende Informationen zu erhalten, wurde die Sitzung aus Freitag vertagt.

Das Abgeordnetenhaus erledigte den Etat der Lotterie-Verwaltung und nahm in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 131 Stimmen den Com­missions-Antrag an, die Zahl der Lotterie-Loose zu vermehren und dadurch die Einnahmen von 4,054,646 «A. auf 6,081,969 JL zu erhöhen, sowie die Regie­rung aufzusordern, die Zahl der Loose im nächsten Etatsjahre zu verdoppeln, die für den Neubau der Vorgrabenbrücke bei Kosel geforderten 280,000 <A. werden bewilligt. Die für Erweiterung des Archivgebäudes in Hannover gefor­derten 150,000 «A. werden vom Etat abzesetzt.

Fortsetzung morgen 11 Uhr.

Karlsruhe, 17. März. Der Erbgroßherzog hat, nachdem gestern Abend eine unerhebliche Steigerung der Körperwärme eingetreten war, die Nacht ohne weitere Störung verbracht. Heute Morgen war dieselbe niedrige Temperatur wie gestern, es beginnt fich etwas Appetit einzustellen.

Posen, 17. März. Die Eisenbahn-Linien Bentschen-Posen, Liffa-Posen, Thorn-Posen, Kreuzburg-Posen und Gnefen-Oels sind in Folge großen Schnee­falls unterbrochen. Der Nachts um 12 Uhr von Thorn fällige Zug ist erst Abends 6 Uhr 30 Min. hier eingetroffen.

Marienwerder, 17. März. In Folge bedeutender Schneeverwehungen ist seit gestern Mittag der Betrieb der Weichselstädte-Bahn eingestellt worden.

Bromberg, 17. März. Die Bahnstrecke Bromberg-Dirschau ist in Folge Schneetreibens unpassirbar. Der gestrige Kurierzug ist bei Klahrheim entgleist, der Heizer wurde verletzt. Andere Züge liegen auf der Strecke Klahr- Heim-Laskowitz fest; vor Eintritt der Nacht gelang es jedoch, dieselben zur näch­sten Station zu schaffen. 100 Soldaten und 70 Arbeiter leisteten Hülfe. Bis auf Weiteres gehen die Kurierzüge von Schneidemühl, beziehungsweise Dirschau via Könitz.

Die frankfurter friedhofs-Affaire vor Gericht.

(Widerrechtlicher Nachdruck wird verfolgt.)

£. C. Frankfurt a. M., 16. März.

(Nachmittagssitzung.)

In der um 3Vr Uhr beginnenden Nachmittagssitzung wird das Zeugenverhör der Verletzten fortgesetzt.

Als erster Zeuge tritt der Buchbinder Emil Wenderoth auf, der geschlagen, wurde, indeß den Aussagen der Zeugen der Vormittagssitzung nichts Wesentliches zu zufügen weiß. Auch der Wirth Jean Eckhardt in Bornheim kann nur die bereits bekannten Aussagen seiner Parteigenossen wiederholen. Er ist auch wiederholt ge schlagen. Der Schuhmacher Joh. Jos. Schäfer hat bereits im Friedhof einige Hiebe erhalten, unter dem Portal hat er sodann gesehen, wie ein Schutzmann, den er nach­träglich als den Angeklagten Wingleit erkannt hat, mit dem Säbeln auf die Fliehenden einhieb. Zeuge Schneider Ning deponirt ähnlich wie die Mehrzahl. Schuhmacheu Martin aus Bornheim hat verschiedene Schläge mit dem Säbel bekommen, hat außer­dem in der Nähe des Portals einen Schutzmann mit einem Revolver in der Hanl» gesehen. Unter dem Portal will er verschiedenen Schutzleuten begegnet sein, die ein- - hieben und denen Herr Commissar Koppe zurief:Nicht hauen!"

Tapezierer Meyer war im Begriff, an's Grab seines Kmdes zu gehen, konnte aber nicht dazu kommen, da er von der flüchtigen Menge mitgerissen wurde und in bereit Mitte auch von Schutzleuten mit dem Säbel Schlage bekam. Schuhmacher Heinrich Schäfer hat Hiebe erhalten, kann jedoch nichts Neues über den Vorgang beponiren. Schuhmacher Ernst Wunsch will sogar mehr wie einen Schutzmann mit einem Revolver bewaffnet gesehen haben, hat auch flache Säbelhiebe erhalten, ohne, verletzt zu werden,

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Marz 1886.

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werde er dagegen zustimmen; dieselbe bedeute einen weiteren Schritt vorwärts auf dem Wege der Socialreform.

Abg. Baumbach (dfr.) erklärt sich Namens seiner Partei gleichfalls für die von der Kommission beantragte Resolution und beleuchtet sodann den Zwiespalt ber Anschauung, die ber Abg. Bebel in einer Schrift über diese Materie niedergelegt, gegen über den von seiner, ber sozialbemokratischen Fraktion gestellten Anträgen.

Abg. v. Hertling (Ctr.) erblickt in dem Anträge Auer nur eine mechanische, bureaukratische Schablone. Die Organisation eines Arbeitsamts sei aus inneren und äußeren Gründen undurchführbar; oie Gewerbepolizei müßte in den Händen der Be- rufsgenossenschast liegen.

Abg. Halben (dfr.) wäre für Arbeitskammern, wenn deren Organisation eine andere fein und ihre Befugnisse lediglich in der Entscheidung gewerblicher Streitigkeiten liegen würden. Er beantrage, daß eine Vermehrung der Fabrikinsoektoren überall ba herbeigesührt werbe, wo es ben vorhanbenen Aussichtsbeamten bisher nicht möglich war, innerhalb eines Jahres mindestens die Hälfte aller Betriebe ihres Aufsichtsbezirkes zw besichtigen, oder wo sonst die Zwecke der Aufsicht wegen ber geringen Zahl ber Beamten nicht in völlig genügenber Weise erreicht werben konnten.

Nach einer längeren Vertheidigung ber socialbemokratischen Anträge seitens ber Abg. Pfannkuch unb Grillenberger wird die Debatte geschlossen.

In der Abstimmung werden die Anträge des Abg. Auer und die Reso­lution des Abg. Halben abgelehnt, dagegen die Resolutionen ber Kommission mit großer Majoriät gegen die Stimmen ber Socialdemokraten angenommen.

Nächste Sitzung: Donnerstag, 18. März.

I Darmstadt, 17. März. sErste Kammer der Landstände.) In der heute stütz 10 Uhr beginnenden Sitzung führte der neuernannte Präsident, Se. Großherzogl. Hoheit Prinz Alexander zum erftcnmalc ben Vorsitz. Aus feine Aufforberung hin erhoben sich bie hohen Mitglieber zum ehrenden Andenken an den verstorbenen Präsi­denten Grafen Görz von ihren Sitzen. Nach der Mittheilung, daß an die Wittwe des Verstorbenen ein Beileidsschreiben abgegangen sei, ging man zur Tages­ordnung über.

Es wurden zunächst zum Zwecke der Prüfung und Ergänzung ber für das ständische Archiv bestimmten Domänen - Inventare der Betrag von 1900 JL und für die drei Jahre 188688 300 JL zur Remuneration eines Hilssarbeiters in lieber; emstimmung mit der zweiten Kammer bewilligt.

Bezüglich der Verwendung des Brückenpersonals der ehemaligen Schiffbrücke bet Mainz wurde die Zustimmung zur Verleihung von Gehalten im Betrage von 1500 und 1400 Jt statt 1200 JL an die von Mainz nach Worms versetzten beiden Vrücken- roärter crtheilt. Für die Herstellung ber Wasserleitung zu Schloß Wolfsgarten werben gemäß dem Antrag zweiter Kammer 8100 JL bewilligt. Desgleichen zur Bestreitung des von Hessen zu iragenben Antheils ber aus Anlaß ber Arbeiten ber zufolge Ver­einbarung ber beteiligten Regierungen niebergesetzten Reichscommission für Unter­suchung der Stromverhältnisse bes Rheins 5000 JL. Für bie Herstellung eines eisernen Überbaues ber Brücke über die Gersprenz bei Groß-Bicberau, um eine möglichst große Durchflußweite zu erzielen, werden 8700 A genehmigt.

Ferner trat Hobe erste Kammer dem Beschlüsse zweiter Kammer einstimmig bei, die Kosten für Beschaffung von Betriebsmitteln der Oberhessischen Bahnen bis zum Betrage von 85,000 aus dem Ueberschuß über den budgetmäßigen Ansatz des Rein­ertrags der Oberhessischen Bahnen in ber Finanzperiobe 188588 zu entnehmen.

Dem Gesuch ber Angestellten ber Oberhessischen Bahnen um Gleichstellung mit ben Angestellten ber Main-Neckar-Bahn beschloß seinerzeit bie zweite Kammer feine Folge zu geben, wohl aber beantragten sie eine Gehaltsaufbesserung ber Angestellten bet Oberhessischen Bahnen. Der Antrag bes Ausschusses erster Kainmer geht nun da­hin, diesem Beschluß nicht beizutreten.

Ministerial - Präsident Weber weist darauf hin, daß durch eine Gehalts­aufbesserung nicht nur die Reineinnahmen von 60,000 A absorbirt, sondern sogar eine Mehrausgabe von 30,000 A nöthig gemacht würde. Dagegen könnten die Angestellten ber Oberhessischen Bahnen in die Verwaltung der Neckar-Bahn übertreten und wenn sie qualificirt seien, auch in die höheren Gehalte einrücken. Jedenfalls würde die Re­gierung gern Abhilfe schaffen, sobald es ohne zu große Opfer möglich sei.

Graf Äsenburg-Birstein zieht nach dieser Erklärung einen gestellten Gegen­antrag zurück und bie Kammer beschließt, dem Ausschußantrag beizutreten.

Im Einoerftändniß mit der zweiten Kammer wird die Verlegung und Er­weiterung der Station Arheilgen und die Errichtung einer Personenhaltestelle bei Wix­hausen genehmigt.

Die Recommunication der zweiten Kammer bezüglich des Antrags des Fürsten zu Nsenburg-Birstein und des Freiherrn Riedesel zu Eisenbach auf Vorlage eines Gesetzentwurfs wegen Ueberweisung eines Theils ber auf das Großherzogthum entfallende Reineinnahme aus indirecten Reichssteuern an bie Gemeinben zur Be­streitung ihrer Lasten, insbesondere ber Schullasten, wirb auf bie Tagesorbnung ber morgigen Sitzung gesetzt.

Die zur Errichtung ber klinischen Bauten und des chemischen Labo­ratoriums zu Gießen von ber zweiten Kammer bewilligten Beträge werben ohne Debatte einstimmig genehmigt, worauf ber Kanzler der Landesuniversität, Professor vr. Gar eis, im Namen des Vertreters, der Landesuniversität seinen Dank ausspricht.

Bezüglich ber lanbwirthschaftlichen Winterschule zu Büdingen trat man dem Beschluß zweiter Kammer bei, der dahin geht: Die Großherzogliche Regierung um eine Vorlage wegen Bewilligung ber Mittel zur Unterstützung dieser Schule zu ersuchen.

Ferner wurde gemäß dem Beschluß zweiter Kammer dem Eriuchcn an Großh. Regierung beigetreten, bie Frage ber Gewährung von Stipendien an unbemittelte Ackerbauschüler und weiter die Frage einer Organisation der Ackerbauschulen im All­gemeinen in Erwägung ziehen zu wollen.

Ebenso warben bem Großh. Ministerium bes Innern und ber Justiz 5000 A zur Verfügung gestellt, um mit benfelben die Bildung, Organisation und technische Ueberwachung neuer Darlehnskassen oder Consumvereine zu unterstützen.

Der von der Majorität des Ausschusses zweiter Kammer gestellter Antrag: Großh. Regierung zu ermächtigen, die zu Darmstadt, Gießen, Worms und Bens­heim bestehenden Vorschulen als organisch mit den Gymnasien verbundenen Staats­anstalten zu übernehmen, wurde abgelehnt, dagegen dem Beschluß zweiter Kammer: Großh. Regierung zu ersuchen, daß die Transport kosten und Tagegebühren der Schul- infpectoren und Vorsitzenden ber Kreis - Schul - Commissionen von ber Staatskasse ge­tragen werden, einstimmig beigetreten.

Nächste Sitzung morgen 9Va Uhr.

Reichstag.

E. R. Berlin, 17. März 1886.

In der heutigen Sitzung wurde die zweite Berathung des Arbeiterschutzantrags der Abgg. Auer und Genossen, betreffend die Errichtung eines Neichseisenbahnamts, Arbeitsämter und Arbeitskamnrern, in Verbindung mit ber Resolution der Kommission, welche die Ablehnung dieser Anträge beschlossen hat, dagegen bie Fabrikaufsichtsbeamten zu vermehren unb bie Aufsichtsbezirke zu verkleinern beantragt, fortgesetzt; in Ver- hinbung mit dem weiteren Anträge bes Abg. Auer, ber die reichsgesetzliche Regelung ber Stellung der Fabrikinspektoren bezweckt.

Abg. Grohö (Volkspartei) erklärte Namens seiner Partei, daß sie zwar den übrigen Theil der Arbeiterschutzanträge, Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, billige, aber den hier vorgeschlagenen Kontrollbestimmungen nicht zustimmen könne. Die Arbeiterkammern würden zu schwerfällig und mit Arbeit zu sehr überladen sein. Ein weiteres Bedenken liege darin, daß diese Arbeitskammern auch als Berufungs­instanz für die Urtheile der Schiedsgerichte gelten sollen. Aehnlich stehe es mit den Arbeitsämtern, für welche bei dem Bestehen der Fabrikinspektoren fein Bedürfniß vor- Itege. Für das ReichsarbeitSamt werde seine Partei dagegen eintreten, weil sie eiue einheitliche Kontrole der einschlägigen Bestimmungen billige. Eine Umwandlung M Fabrikinspektorats in eine Neichsinstitution werde sie auch befürworten. Die von ter Kommission vorgeschlagene Resolution acceptire seine Partei als Abschlagszahlung.

Abg Dr. Hartmann (ksv.) nahm ben von bem Abg. Kayser in ber letzten Sitzung angegriffenen Berichtserstatter Lohren ebenso wie bie Arbeit ber Komnnsston in Schutz. Die Socialdemokraten hätten sich die Sache gar zu leicht gedacht. Seine Partei werde den Antrag Auer ablehnen, ebenso wie dessen Resolution bezüglich der limwandlung ber Fabrikinspektoren in Reichsbeamte; der Resolution der Kommiiston

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