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Friedens und zum Wohle jener Bevölkerungen mitzuwirken. Ein Zaudern von unserer Seite hätte uns das Ansehen im Eoncerte der Großmächte kosten und eine verhängnrß- volle Spaltung zwischen den Mächten herbeisühren können. Die Politik der Regierung in Afrika anlangend, so ist zu bedenken, daß die Wirkungen colonialer Unternehmungen nothwendiger Weise sich nur langsam einstellen können. Massavah ist ein wichtiger Stapelplatz, wenn wir denselben jemals verlassen sollten, würde ihn gewiß eine andere Macht occupiren. Zeigen wir also auch hierin, daß wir ein ernstes Volk stnd, das an seine Zukunft glaubt. Bevor wir für die Niedermetzelung der Expedition des Grafen Porro die verdiente Rache zu nehmen suchen, müssen wir uns Rechenschaft geben über die Opfer, welche dies erheischen könnte, sowie über die Gefahr, die wir laufen könnten, in einem Augenblicke, wo die höchsten Interessen alle unsere Kräfte in Europa in Anspruch nehmen, uns weitab von Europa in eine schwierige Expedition verwickelt zu finden. Wir werden ruhigen Bluts unseren Entschluß fassen, wenn wir es ohne Ge­fährdung höherer Interessen thun können. ,

Von gestern Mittag bis heute Mittag kamen m Venedig 5 Eholeraerkrankungen und 2 Choleratodesfälle und in Bari 14 Choleraerkrankungen und 4 Choleratodes­fälle vor.

Athen, 16. Mai. sTelegramm desReuter'schen Bureaus".) Für die Be­förderung der Deputirten aus Syra, Euboea, Volo und anderen Districten nach Athen ist ein englischer Dampfer aus Spezia gechartert ivorden. Von dem jüngst aus Athen nach der Grenze abgegangenen Regimente ist ein Bataillon nach Athen zurück- Leordert worden, die beiden andern Bataillone bleiben in Theben.

Lokales.

Gießen, 17. Mai. Als Geschworene für die Sitzungen des Schwurgerichts im 2. Quartal 1886 wurden heute nachstehende Herren ausgeloost:

1. Jäger, Martin, Rentner in Gambach.

2. Münch, Karl, Rentner in Homberg.

3. Heinz, Konrad VIII., Landwirth in Rieder-Weisel.

4. Jäger, Joh. Gg. II., Landwirth in Holzheim.

5. Geisel, Johannes, Landwirth in Angenrod.

6. Vogel ey, Wilhelm, Fabrikant in Alsfeld.

7. Eulau, Hermann, Fruchthändler in Büdingen.

8. Kißner, Gg. Adam, Bäcker in Schotten.

9. Lung, Heinrich V., Landwirth in Wohnbach.

10. Weith, Konrad, Landwirth in Rieder-Wöllstadt.

11. Seilbach, Johannes, Beigeordneter in Rainrod bei Schotten.

12. Busch, Wilhelm I., Landwirth in Rieder-Wöllstadt.

13. Schaub, Balthasar Christian, in Büdesheim.

14. Möller, Karl II., Kaufmann in Lauterbach.

15. Theobald, Ludwig Conrad, Weinhändler in Friedberg.

16. Philipps, Konrad VIII., Landwirth in Fauerbach v. d.Höhe bei Butzbach.

17. Fink, Johannes, in Vilbel.

18. Hörle, Gerhard, Privatier in Kaichen.

19. Seyfried, Georg, Bäcker in Butzbach.

20. Draudt, Karl, Landwirth in Rieder-Wöllstadt.

21. Fey, Wilhelm, Rentner in Alsfeld.

22. Oel, Karl, Müller in Grünberg.

23. Runkel, Georg Jacob, Landwirth in Assenheim.

24. Korell, Heinrich II., Bürgermeister in Leusel.

25. Wolf, Heinrich I., Landwirth in Ranstadt.

26. Schmücker, Johann, Kaufmann in Gießen.

27. Emmerich, Balthasar, Grubenbesitzer in Gießen.

28. Keßler, Ludwig V., Landwirth in Großen-Linden.

29. H ab en ich t, Friedrich II., Kaufmann in Gießen.

30. Frank, Ferdinand, Fruchthändler in Düdelsheim.

Gießen, 17. Ma^. Gestern Mittag 11% Uhr trafen von Köln kommend eine große Anzahl Körbe mit Brieftauben hier ein. Die Thierchen wurden Hierselbst ge­füttert und mit frischem Wasser versehen. Nachdem dies geschehen, wurden sie gegen %1 Uhr in Freiheit gesetzt. Eine kurze Zeit in der Luft fliegend, nahmen die Thiere ihren Flug nach der Heunath.

Gießen, 17. Mai. Im sechsten und letzten Concert der Wintersaison 188586 des Gießener Concert - Vereins, welches nächsten Sonntag stattfinden wird, werden wir das Vergnügen haben, das uns von früher bekannte Frankfurter Quartett zu hören.

(Veteranen-Verein.) Gestern Morgen verschied dahier das Mitglied des hie­sigen Veteranenvereins, der Schreibmaterialienhändler O. Köhler. Der Verstorbene 'hatte den französischen Feldzug mitgemacht und an folgenden Schlachten und Ge­fechten Theil genommen: 16. Aug. Schlacht bei Mars la Tour, 18. Aug. Schlacht bei Gravelotte, 31. Aug. und 1. September Schlacht bei Roisseville, 3. Dezember Schlacht bei Orleans, 31. Dezember und 14. Januar 1871 die Gefechte bei Briare.

Gießen, 17. Mai. Der in Stein's Garten in den nächsten Tagen con- certirenden Tyrolcr-Sänger-Gesellschaft geht ein guter Ruf voraus. DerCrefelder Zeitung" entnehmen wir darüber Folgendes: Die von ihren früheren Productionen hier noch im besten Andenken stehende Tyroler - Sänger - Gesellschaft Schöpfer aus Telfs (im Oberinnthal) hat gestern Abend int Cafä Dokters ihre Concertabende er­öffnet und gleich mit dem ersten Auftreten ihre alte Zugkraft bewährt, denn die statt­lichen Räumlichkeiten faßten kaum die Menge der Zuhörer. Die Leistungen der Gesellschaft entsprachen aber auch vollständig den Erwartungen. Richt nur lösen sich frische, kernige Alpenlieder, sowohl im Chor wie im Einzelvortrag, verbunden mit fiiberreinen glockenhellen Naturjodlern in buntester Mannigfaltigkeit ab, es ist auch bezüglich des musikalischen Theils für reiche Abwechslung durch Vorträge auf der Zither, Streichzither, Holz- und Strohinstrumenten, sowie dem Glaseuphonium bestens gesorgt. Das so anständige Auftreten der Kapelle thut dazu ein Uebriges, den Genuß, zu einem ungetrübten zu machen, weßhalb der Besuch der Eoncerte jedem Liebhaber einer ächt natürlichen gesunden Musik nur zu empfehlen ist.

Universität- - Chronik.

* Gießen, 17. Mai. Die allgemeine Studenten-Versammlung, welche letzten Samstag behuss Wahl eines Ausschusses in der großen Aula der Universität unter dem Vorsitze des derzeitigen Rectors statt hatte, war sehr gut besucht. Bei der Wahl wurden 344 giltige Stimmzettel abgegeben. Es erhielten Stimmen über die ab­solute Majorität (173) und sind demnach auf Grund des § 4 der Bekanntmachung des engeren Senats vom 3. März d. I. als gewählt erklärt worden stud. stud. Fischer (keiner Corporation angehörig), Keller (vom Verband der wissenschaftlichen Vereine), Scriba (Reformverbindung Adelphia) und Uloth (Burschenschaft Alemannia); alle vier waren vomTurnus" vorgeschlagen. Hinter der absoluten Majorität blieben stad. Heuder (katholische Studenten-Vereinigung Hasso-Rhenania, ebenfalls Turnus- Candidat) mit 171, sowie die Candidaten der L.-O>Liste stud. stud. Zeh (Starken- burgia) mit 162, Siepmann (Darmstadtia) mit 153, Koch (Wingolf) mit 127 Stimmen; außerdem eine große Anzahl weiterer Candidaten der verschiedensten Richtungen, worunter etliche einstimmig gewählte. Nach S 2 der oben genannten Be­kanntmachung sind für dieses Semester 5 Ausschußmitglieder zu wählen. Wegen vor­gerückter Zeit wurde die Wahl des 5. Vertreters auf nächsten Mittwoch, Abends 7 Uhr, vertagt.

Verwischte-.

][ Darmstadt, 16. Mai. Aus dem Landeszuchthaus Marienschloß war eine Mittheilung hierher gelangt, daß dort unter mehreren Sträflingen Verabredung ge­troffen worden sei, zur Zeit, da sie die Freiheit wieder erlangt hätten, einen Einbruch in das hiesige Staatsmuseum zu unternehmen. Es war wohl vorwiegend auf die im Museum befindlichen Goldmünzen und Edelsteine abgesehen. Ein noch jetzt in Marienschloß Jnhaftirter verrieth das Vorhaben und so kam die Kunde hierher. In Folge davon ist die hiesige Schloßwache um drei Mann verstärkt mrd ein Posten vor l>em Haupteingang des Museums mit besonderer Instruction versehen worden. Wie werlautete, wurde in dem benachbarten Eberstadt ein Individuum dingfest gemacht -welches des geplanten Einbruchs verdächtig sein soll. Wie wir hören, laufen die

Bewerbungen um den erledigten Generalsecretärsposten bei der Centralstelle für die Gewerbe und den Landsgewerbverein sehr zahlreich ein. Die Gymnasial- und Real­lehrer der hiesigen Anstalten vereinigten sich gestern Abend im Saal desDarm­städter Hofs" zu einer geselligen Abendunterhaltung, welche mit einem kleinen Tanz­vergnügen abschloß.

P. Frankfurt a. M., 15. Mai. Auf Anregung der Handelskammer hat die Königliche Eisenbahn-Direction zu Elberfeld die hiesige Königliche Eisenbahndirection ersucht, ihre Eisenbahn-Hauptkasse zu beauftragen, diejenigen Prioritäts-Obligationen der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, in Bezug auf welche der Herr Finanzminister durch Bekanntmachung vom 1. d. M. den Umtausch gegen 3VrpCt. Staatsschuldverschreibungen angeboten hat, zum Zweck der Anbringung eines Vermerks über die Annahme des Angebots entgegenzunehmen. In der am 20. und 27. d. M. zu veröffentlichenden Bekanntmachung des Herrn Finanzministers wird die hiesige Eisenbahn-Hauptkasse ebenfalls als Annahmestelle bezeichnet werden, doch kann die Einlieferung der Obli­gationen schon jetzt an dieselbe erfolgen.

Das Universitätsstudium in Deutschland während der letzten 50 Zahre.

II.

2) Die Vertheilurrg der Studenten.

Hier fällt zunächst die Thatsache in's Auge, daß die größte Mehrzahl der Studirenden eine Vorliebe für die großen Universitäten hat. Im Winter - Semester 188283" befanden sich 42 PCt. aller Studenten Deutschands auf den drei größten Universitäten, Berlin, Leipzig und München. Und während Anfangs der sechziger Jahre nur zwei Universitäten (Berlin und München) mehr als 1000 Studenten hatten, waren es im Winter - Semester 188283 bereits deren acht, nämlich Berlin (4678), Leipzig (3314), München (2229), Breslau (1495), Halle (1416), Tübingen (1207), Göttingen (1063) und Würzburg (1034). Bekanntlich ist im vergangenen Jahre noch Freiburg hinzugekommen, das die Ankunft des lOOOften Studenten mit begrei- licher Freude und prächtigem Feste feierte.

Liegt nun hierin nicht eine Gefahr für die kleinen Universitäten? Zunächst noch nicht, d. h. für den Fall, daß der riesige Zufluß zu den großen Universitäten nicht noch weitere Fortschritte macht. Das wirksamste Gegengewicht der kleinen Uni­versitäten ist die, innere allgemeiner werdende Einrichtung der sog. Hebungen, auch Praktika, Privatissima, Seminarien rc. genannt, Einrichtungen, die nur auf eine kleine Zahl von Theilnehmern berechnet und also an kleinen Universitäten besonders erfolg­reich sind. In diesen Hebungen tritt der Docent mit dem Studenten in persönlichen, wissenschaftlichen Verkehr; der Student lernt besser als in denbrillantesten" Vor­lesungen Wissenschaft und Methode kennen und verstehen, der Docent aber ist mehr, als dies früher der Brauch war, gezwungen, vom Katheder herabzusteigen und auf die Individualität der Einzelnen Rücksicht zu nehmen.Freilich werden damit auch an die Persönlichkeit des Lehrers andere und höhere Anforderungen gestellt, der mehr als ein bloßer Gelehrter fein, den Charakter besitzen und Lehrtalent haben muß. Nur eine reife, harmonisch gebildete Männlichkeit, die sich dem Schüler in jeder Hinsicht überlegen zeigt, wird hier Entsprechendes zu leisten vermögen, aber erfahrungsgemäß auch nur, so lange noch genügend jugendliche Frische vorhanden ist, um Verständniß. für die Studenten und Anpassungsvermögen an das Bedürfniß derselben zu besitzen Die kleinen Universitäten, die mehr über jüngere Kräfte disponiren, wo dem einzelnen Docenten eine kleine Zahl von Schülern gegenübersteht, werden hierin mehr leisten können, und darum ist die Zahl der deutschen Universitäten gewiß nicht zu groß, sondern als ein Segen für das Land anzufthen."

.. 3) Die deutschen Studenten nach ihrer Heimath.

ur bte früheren Perioden ergibt sich hier, daß sich bei Weitem weniger Preußen auf außerpreußischen Universitäten aufhielten, als Nichtpreußen auf preußischen Uni­versitäten ftubirten, und man hat damals mit Recht diese Thatsache als Zeichen der Vortrefflichkeit der preußischen Hochschule und ihres ausgezeichneten Nuft.s betrachtet. Dies hat sich jetzt bedeutend geändert. Allerdings finden sich noch immer die engeren Landsleute hauptsächlich auf den heimischen Universitäten zusammen, doch tritt jetzt ein Zug nach dem Süden stark hervor. Während in den dreißiger Jahren noch etwa 3,5 pCt. und in den sechziger Jahren 9,9 pCt. der preußischen Studenten außerhalb Preußens ftubirten, betrug der Procentsatz im Jahre 188283 23,8 pCt., ein Beweis dafür, daß das Streben, den Süden kennen zu lernen, in Norddeutschland jetzt sehr groß ist; dagegen studirten im Jahre 188081 Außerpreußen auf preußischen Uni­versitäten nur 9,9 pCt. Doch dürfte diese Veränderung weniger auf einen Rückgang der preußischen Lehrkräfte zurückzuführen sein, als auf einen Fortschritt und eine zu­nehmende Bedeutung der süddeutschen, von denen gar manche schon einen Ruf nach preußischen Universitäten ausgeschlagen haben. Dazu kommt die schöne Natur, ba§ bessere Klima, die größere Gemächlichkeit in Süddeutschland, welche bei den verbesserten Communicationsmitteln die Norddeutschen nach dem Süden treibt und weniger die Süddeutschen nach dem Norden.

Was Hessen anlangt, so betrug die Zahl derjenigen Hessen, die sich überhaupt dem Studium widmeten, im Jahre 187273 345, im Jahre 188182 610, also eine ansehnliche Zunahme innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Von diesen 610 waren im Winter-Semester 188182 in Gießen hnmatriculirt 348; der Personalbestand des Winter-Semesters 188586 weist 424 immatriculirte Hessen auf ein für unsere Universitätsstadt recht erfreuliches Resultat. Aber auch nach Außen ist der Ruf unserer Universität recht bedeutender geworden, vor Allem der der medicinischen Fakultät. Im Sommer - Semester 1861 betrug die Zahl der hier studirenden Preußen 11, im Sommer 1881 betrug sie 55 und im letzten Winter (188586) waren es gar 72, wo­von allein 42 der medicinischen Fakultät angehörten. Ob nicht noch günstigere Re­sultate zu erzielen mären, wenn der Staat Hessen dem Luxus zweier Hochschulen ent- sagen würde und dafür die eine noch wirksamer unterstützen und in Stand setzen würde,, in jeder Hinsicht mit den übrigen Hochschulen zu concurriren, darüber wird sich Jeder seine eigene Meinung bilden. d. h.

Geschichts-Kalender.

. 18. Mai.

1699. Hans Joachim von Ziethen geboren.

1782. A. v. Lützow, Major und Führer der nach ihm benannten Freischaar, geboren.

1791. Kaiser Leopold II. richtet an sämmtliche europäischen Höfe die Aufforderung^ die Sache des Königs von Frankreich als ihre eigene zu betrachten.

1804. Napoleon I. läßt sich zumKaiser der Franzosen" wählen.

Im letzten Geschichts-Kalender für den 16. Mai muß es anstatt Schlackt bei Austerlitz Cho tu sitz heißen.

Handel und Verkehr.

m 15 Mai. (Fruchtpreise.) Weizen JL. 17.50, Korn JL 14.00,

Gerste vM 12 30 Hafer JL 13.40, Erbsen JL 16.00, Linsen JL 00.00, Lein X 00.00, Samen J4 00.00, Kartoffeln JL 3.00, Wicken 00.00.

Schiff-nachrichten.

®rcpTC2; transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer

jungst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am

o- Mar von Bremen und am 6. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Temperatur der Lahn.

Am 17. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser lOo, Luft 11° R. im Schatten.

___________ L. Chr. Rübf amen.

Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Matth-

Kap. 6, ion «ers 19 an, Pfarrer Dr. Naumann-