Ausgabe 
18.4.1886 Erstes Blatt
 
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Zuerst wurde die absolute Gefahrlosigkeit des Sprengstoffes und seine vollkommene Unempfindlichkeit gegen Stöße, Reibung und Entzündung demonstrirt. Die Schieß- versuche wurden bei Schlagwettern unter Beimengung von Kohlenstaub vorgenommen, wobei die Schlagwetter im Schacht sich nicht entzündeten. Anwesend waren officielle Vertreter des Ackerbauministeriums, Bergräthe und Directoren.

- (Auflösung eines Kommerses.) Aus Graz wird berichtet:Die hiesige akademische BurschenschaftFrancania" veranstaltete dieser Tage anläßlich des Semester­schlusses einen Festcommers, welcher von dem anwesenden Regierungsvertreter, Polizei­konzipisten Röger, in Folge der Absingung des Scheffel'schen Liedes:Als die Römer freck geworden" (?) aufgelöst wurde. Der Sprecher der Burschenschaft erklärte, daß er gegen diese Verfügung den Recurs anmelden werde."

(Aus der Schule.) Lehrer:Wer von Euch kann mir einen Satz sagen, in dem zwei ähnlich lautende Wörter vorkommen, z. B.: Bei der gestrigen Feier entstand ein großes Feuer." Der kleine Hans, dessen Vater ein Damenkleider­verfertiger war, hebt den Finger und sagte:Zur Zeit der Turniere gab cs noch keine Tournüre."

(Verdächtiges Urtheil.) Vorsitzender des Schwurgerichts (zu dem von den Geschworenen freigesprochenen Angeklagten):Angeklagter, Sie haben gehört, Sie sind freigesprochen. Ich rathe Ihnen aber, thun Sie's künftig nicht mehr'."

Die Anwendung charakteristischer, leicht in das Auge fallender Schutzmarken liegt sowohl im Interesse des Producenten, wie des Konsumenten. Namentlich sollten derartige Marken nie fehlen, wenn es sich um Maaren handelt, durch deren Fälschung der Käufer Schaden an seiner Gesundheit nehmen kann. Von diesem Gesichtspunkte aus verdient es Anerkennung, daß unsere vaterländische Bitterquelle Friedrichshall als Schutzmarke auf dem Etikett der Flasche ein großes, rothes, mit einem Pfeile durchbohrtes F angebracht hat. Durch eine derartige weithin leuchtende Marke er­scheint der Versuch der Fälschung, zu dem der dauernd steigende Konsum dieses natür­lichen Heilmittels leicht herausfordern könnte, von vornherein ausgeschlossen..

Harrdel und Verkehr.

Gießen, 17. April. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.001.10, Hühnereier 2 Stuck 90 H, Enteneier St. 56 Käse pr. St. 58 4, Käsematte 23 Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,60 bis 0,90 Hühner per Stück X 0.851.30, Hahnen pr. Stück X 1.001.50, Enten per Stück X 1.602.00, Ochsenfleisch per Pfund 6264 Kuh- und Rindfleisch 5256 H, Schweinefleisch 5460 Hammelfleffch 5066 H, Kalbfleisch 4048 Kartoffeln per 100 Kilo X 4.004.50, Mich per Liter 1218 Zwiebeln per Gentner X 7.50-8.00.

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Bremen. 16. April. Der neue Schnelldampfer des Norddeutschen LloydAller" vassirte auf seiner Reise von Greenock nach Bremen heute Morgen um 10 Uhr 4a Mm. i'harfe Durchschnittliche Geschwindigkeit bis dahin 18Vz Knoten.

M Sprottau, 16 April. Der Bober, der fast 3 Meter gestiegen ist, hat die Boberaue^vollständig überschwemmt. , , . , . _

London, 16. April. In einer heute stattgehabten Versammlung der Hutten- befiker von Süd-Wales, West-Kumberl«nd, Nordwest - Lancashire, Lmcolnsyire: und Northamptonshire wurde eine Resolution angenommen, die Production von Roherien einzuschrankun ^pxil. Im Unterhause erklärte Gladstone, er glaube am Montag nicht im Stande zu sein, irgend welche Mittheilung bezüglich Griechenlands zu machen, er sei aber überzeugt, daß der zwischen Griechenland und.der'Pforte und zwischen Griechenland und den Mächten stattfindende Schriftwechsel kem solcher sei, daß davon irgend welche Verschiedenheit der Gefühle im Unterhause zu gewärtigen sei. ^m weiteren Verlaufe der Sitzung begründete Gladstone die irische Landankaufsvorlage. Der Hauptzweck der Regierung sei, die sociale Ordnung herzustellen. Die Regierung erstrebe daher eine endgiltige Lösung der Landfrage. Die Ursache der ^örarverbrechen sei die Unterdrückung der Pächter durch die Gutsbesitzer. England, welches als Macht­haber anzusehen sei, blieb Zuschauer und unterstützte sogar die Handlungen der Guts­besitzer England müsse daher auch die Bodensrage losen. Gladstone erwart, bie Landankaufsbill würde gleichzeitig mit dem irischen Verwaltungsgesetz m Kraft tteten. Die Dubliner Legislatur ernennt eine Körperschaft, die mit der Staatsbehörde ver­handelt. Der Bodenankauf geschieht mittelst zu pari auf Verlangen der Landes­commission auszugebenden dreiprocentigen Consols. Die Bill gibt allen Grundbesitzern die Option, ihren Grundbesitz zu verkaufen. Der Bauer wird sofort nach Verkauf Eigenthümer, aber der Pächter nicht gezwungen, Grundbesitzer zu werden. In be- völkerteten Districten ist der Staat nicht nur Vermittler des Ankaufs, sondern wird Eiaentbümer. Die Frage, ob in solchen Districten zwangsweise die Expropriation ein- rufubren sei, bleibt reservirt. Der verkaufende Grundbesitzer wird von Hypotheken und Staatslasten frei. Nur dem unmittelbaren Grundeigenthümer steht die Verkaufsoption ru Der Netto-Pachtzins wird als Basis des Kaufpreises auf zwanzig Jahre hinaus normirt Das pekuniäre Risiko wird durch die Vorlage nicht vermehrt, sondern ver­mindert' Es wird beabsichtigt, in 1887/88 zehn Millionen, in ,1888/89 zwanzig Millionen und 1889/90 zwanzig Millionen Consols, zusammen fünfzig Millionen aus­zugeben. Die Rückzahlung ist einfach gesichert. 5)er ®encr(ll^teueretnne^mcr roirb unter Englands Autorität ernannt, durch dessen Hande alle Pachte und Einkünfte gehen wovon nichts für Irland angewandt wird, bis die Jahreszinsen von 6,242,000 Pfd. bezahlt sind. Die Rede dauerte zweieinviertel Stunden.

Das Oberhaus vertagte sich bis zum 6. Mai.

Rom, 16. April. Die Cholera ist von Bnndlsi nach Monopol! verschleppt worden woselbst mehrere Erkrankungen und 1 Todesfall vorgekommen sind. Ein Hilfscomitd ist gebildet worden. Sollte das Hebel einen epidemischen Eharacter «nnehmen, so werden die Provenienzen von Brindisi einer Quarantäne unterworfen toer6C1|lom, 16. April. Es wird versichert, die Cholera sei vor etwa zehn Tagen durch ein Schiff aus Indien nach Brindisi eingeschleppt und der Ausbruch derselben von dem Bürgermeister und den Aerzten vertuscht worden.

Brindist, 16. April. Die Cholera verbreitete sich auch nach Masagne, Sanvuo und Urmanni. Hier ist eine leichte Zunahme zu constatiren. Im Kapuzinerkloster ist «in Hospital eröffnet worden. ......

Madrid, 16. April. Der Ministerrath hat sich gegen die von der Königin gewünschte Begnadigung des Herzogs von Sevilla ausgesprochen und sich statt dessen für die Verbannung desselben nach den balearischen Inseln entschieden.

Belgrad, 16. April. Ein Erlaß des Königs beauftragt während Franassovics Abwesenheit Garaschanin mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten.

Athen, 16. April. Gegen die Provenienzen der adriatischen Küste Italiens rourdeVeine elftägige Quarantäne verhängt.

Konstantinopel, 16. April. Die bisherige lOtagige Quarantäne für die Provenienzen aus Venetien ist aus die Provenienzen von der italienischen Küste des adriatischen Meeres einschließlich Brindisi ausgedehnt worden. Die Quarantäne für >te Provenienzen aus Tarifa und der Provinz Cadix ist auf 5 Tage herabgesetzt "ordt"Äihen, 16. April. Für die Provenienzen von der italienischen Küste des adriatischen Meeres ist eine lltägige Quarantäne angeordnet worden.

Lokale-.

Gießen, 17. April. Heute Morgen fand auf dem Exercierplatze Vorstellung der $., 5. und 12. Compagnie des hiesigen Regiments statt, welcher Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich von Hessen und Generalmajor v. Wulfen beiwohnten.

V Gießen, 17. April. (Allgemeiner Richard Wagner-Verein.) Als ein er­freuliches Zeichen der Zeit darf es betrachtet werden, daß das wahrhaft Große und Schone überall nach Kräften unterstützt wird und daß der Verein zur Förderung Wagncr'schen Interessen in Bayreuth immer mehr und mehr an Verbreitung durch Zweigvereine zunimmt. Selbst in unserer Stadt wurde im Anfang dieses Jahres von einigen Herren die Idee gefaßt, einen Zweigverein, der obigen Tendenzen huldigen soll, iu gründen, und die Idee hat sich nunmehr verwirklicht.

Eine für nächste Zeit geplante Versammlung wird die Constitution des Vereins bewerkstelligen und später soll derselbe durch musikalische und rhetorische Vorträge seine Mitglieder und Freunde mit Wagner's Schöpfungen eingehender bekannt machen.^

Wir wollen hoffen, daß der junge Verein in seinem Streben viele Anhänger finden möge und behalten uns vor, über die Versammlungen näher zu berichten.

Das gestern wegen Verdachts des Kindesmordes verhaftete Dienstmädchen, Marie Buß von Watzenborn, 21 Jahre alt, hat sein scheußliches Verbrechen bereits eingestanden. Sie gibt an, in der Nacht vom 13. auf 14. Februar geboren zu haben. Das Kind habe sie alsbald nach der Geburt gelobtet, die Leiche mehrere Tage im Keller aufbewahrt und sodann in ihrer Stube in Watzenborn im Ofen ver brannt.

Nniverfitäts - Chronik.

Dr. Kobold aus Hannover, ein Schüler der Sternwarte zu Göttingen, ist zum Observator an der Sternwarte zu Straßburg ernannt worden. K. machte im Winter 188283 die deutsche Expedition nach Süd-Karolina (N.-A.) zur Beobachtung -es Venusdurchganges mit.

Die Universität München verleiht für 1886 an bayer. Untertanen drei Reisestipendien und zwar 2 zu je 900 X für philosophisch gebildete Lehrer der franzö­sischen und englischen Sprache behufs weiterer Ausbildung in Frankreich und England und ein Reisestipendium im Betrage von 2160 X für Philologen zum Besuche des archäologischen Instituts zu Rom und dessen Filiale zu Athen. Gesuche um diese Stipendien sind bis zum 30. April beim Senate der Universität München ein­zureichen.

Die Nachricht von dem Hinscheiden des Lieblingsdichters der deutschen aka­demischen Jugend, Scheffel, traf die Wiener Studentenschaft in dem Momente, da eben die Osterferien begannen. Man beabsichtigt daher, nach den Osterferien eine Trauerfeierlichkeit zu Ehren Scheffel's zu veranstalten. Die deutsch-akademische Lands­mannschaftMarkomannia" hat die erste Anregung zu einem Trauercommers für Scheffel gegeben und die betreffende Einladung an die ihr befreundeten Couleurs, Ver­bindungen und Vereine gerichtet; auch der deutsch-österreichische Leseverein der Wiener Universität wird sich an diesem Trauercommers beteiligen.

Vermischtes.

Darmstadt, 16. April. Gestern Abend um 8 Uhr verunglückte der Dienst­knecht Jacob Wenner aus Biebesheim dadurch, daß er von einem schwer beladenen Wagen, auf welchem er saß, in der Hermannstraße herunterfiel, wobei er das Genick brach und sofort eine Leiche war. Gestern wurde von einem Dienstmädchen ein 4 Wochen altes Kind in einen Bäckerladen ausgesetzt.

Wien, 16. April. ImWilhelmsschacht" in Mährisch Ostrau sind Versuche mit einem neuen SprengstoffHellhofit" (Erfinder Hauptmann Hellhof) gelungen.

Statt Eisen gegen Blntarmuth wird jetzt Lchter Magenbehagen von August Widtfeldt in Aachen von renommirtften Aerzten erfolgreich verordnet. 2912

«roße Auswahl, sol. Ausführung, müßige Preise.

Photographien z. Ansicht. Dio. gebrauchte Wagen.

L 6. Rumpf, Wagenbauer, Frankfurt a/M., Eisernehand 18. 1344

Auszug aus den Staudesamtsregister« des Standesamts Gieße«.

Aufgebote.

April: 10. Heinrich Martin Muskulus, Schlosser von Gießen mit Mathilde Margarethe Adolfine Elise Christiane Wilhelmine Krämer von Gießen. 14. Friedrich Christian Karl Leo, Kaufmann von Gießen und Karoline Marie Bertram von Gießen. 16. Georg Conrad Fischer von Josbach, Schneider dahier, mit Wilhelmine Exner, geb. Schäfer, Wittwe des verstorbenen Schneiders Johann Gottlieb Julius Exner von Gießen. 16. Johannes Stein von Climbach, Restaurateur dahier mit Hermine Fich von Reichelsheim i. d. W.

Eheschließungen.

Aprll: 14. Wilhelm Fink von Herrnhaag, Ausläufer dahier, mit Katharine Sophie Leichtweiß von Katzenelnbogen.

Geborene.

April: 13. Dem Professor der Theologie vr. Bernhard Stade eine Tochter. 13. Dem Zimmermann Johannes Kuba eine Tochter. 13. Dem Händler Gustav Ringsdorf ein Sohn, Gustav Ferdinand.

Gestorbene.

April: 13. Bertha Hesse, geb. Zimmermann, 71 Jahre alt, Ehefrau des Professors der Theologie i. P. und Geheimen Kirchenraths Dr. Friedrich Hermann Hesse dahier. 14. Elise Wilhelmine Müller, 4 Tage alt, Tochter des Hülfsweichen- stellers an der Main-Weser-Bahn Johannes Müller dahier. 14.' Christian Emil Hexamer, 3 Monate alt, Sohn von Schneider Peter Hexamer dahier. 15. Henriette Debus, geb. Treppinger, 43 Jahre alt, Ehefrau des Schuhmachermeisters Heinrich Debus von hier.

Auszug aus den Kirchenbücher« der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Gttrante.

Den 11. April. Christian Karl Ludwig Heinrich Reitz, Schreiner dahier und Katharine Stehr, ledige Tochter des verstorbenen Handarbeiters Wilhelm Stehr von Ulrichstein.

Den 14. April. Wilhelm Fink, Ausläufer dahier, und Katharine Sophie Leichtweiß, ledige Tochter des verstorbenen Chausseeaufsehers Franz Wllhelm Leichtweiß in Katzenellenbogen.

Getaufte.

Den 11. April. Dem Postassistent Christian Christoph Löwer ein Sohn, Christian Heinrich Wilhelm Albert, geboren den 22. März.

Denselben. Dem Cigarrenarbeiter Philipp Weiß ein Sohn, Heinrich Ludwig, geboren den 20. März.

Denselben. Dem Schlosser Wilhelm Gießler ein Sohn, Friedrich Karl Wilhelm, geboren den 31. Januar.

Denselben. Dem Uhrmacher Martin Vogt eine Tochter, Sophie Katharine Ernstine, geboren den 22. März.

Denselben. Dem Schlosser Leopold Atzelhöfer eine Tochter, Minna Auguste, geboren den 23. November 1885.

Den 15. April. Ein unehelicher Sohn, Karl, geboren den 21. März.

Den 16. April. Eine uneheliche Tochter, Luise, geboren den 21. März.

Beerdigte.

Den 10. April. Margarethe Hoos, geb. Debus, Wittwe des verstorbenen Disttictseinnehmers Ludwig Hoos, alt 74 Jahre, gestorben den 8. Äpril.

Den 15. April. Bertha Hesse, geb. Zimmermann, Ehefrau des Geh. Kirchen­raths Professor Dr. Hesse, alt 71 Jahre, gestorben den 13. April.

Brodpreise

vom 18. April bis 2. Mai 1886.

der Bäcker

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27

2 (4 Pfd.) Weißbrod .... 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrot» 1. Sorte 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrot» 1. Sorte 48

1 (2 Pfd.) Schwarzbrot» 2. Sorte 21

2 (4 Pfd.) Schwarzbrot» 2. Sorte 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrot) 2. Sorte

bei K- Haas, I. Lein, L- Schneider . 63

Gießen, den 17. Aprll 1886.

Großherzogliches

der Brodverkäufer

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . . . . 2 h (4 ) .....

1 (2 ) Schwarzbrot) 1. Sorte

2 , (4 * ) Schwarzbrot» 1. Sötte

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sötte 1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sötte

2 (4 , ) Schwarzbrod 2. Sötte

3 , (6 , ) Schwarzbrod 2. Sorte

Polizeiamt Gießen.

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