Verhandlungen über Entscheidungen der Berufsgenossenschaften und deren Schiedsgerichte eröffnet. Der ersten Sitzung ging eine längere und tiefempfundene Ansprache des Präsidenten Bödiker voran. Hoffentlich wird die Thätigkeit des Neichsversicherungsamtes den aus dieselbe allgemein gesetzten Erwartungen entsprechen und namentlich das Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern fördern Helsen.
Die „Braunschweig", der für die Fahrten auf der Reichspostdampser- Linie Triest-Brindisi'Astxanorien bestimmte Dampfer, hat bei ihrem Eintreffen tn Triest Seitens der österreichischen Regierungsbehörden einen sehr herzlichen Empfang gefunden. Der zur Zeit in Aussee weilende Statthalter, Baron Depretis, sandte ein warm gehaltenes Begrüßungs-Telegramm.
.Dem in nächster Zeit aus der Sudabucht in dem österreichischen Kriegshasen Polo eintreffenden deutschen Panzerschiffe „Prinz Friedrich Karl" ist daselbst ein festlicher Empfang zugedacht, gewissermaßen als Erwiderung der Freundschafts-Bezeigungen, welche kürzlich der österreichischen Corvette „Donau" in Kiel zu Thell geworden sind.
Aus Triest meldet man eine Vermehrung der Cholerasälle. Vom Samstag Mittag bis Sonntag Mittag erkrankten an der Cholera 8 Personen, worunter 2 Soldaten, und starben 2 Personen an der Cholera. Die Annahme, daß die Seuche in Triest wieder verschwunden sei, stellt sich demnach als eine irrige heraus; immerhin ist anzuerkennen, daß sie noch keineswegs einen bösartigen Charakter aufweist. Hoffentlich werden es aber die österreichischen Behörden gegenüber der Vermehrung der Cholerasälle nicht an vermehrter Energie zur Bekämpfung der Seuche fehlen lassen.
Die ausgewiesenen französischen Thronprätendenten haben in der Person des Herzogs von Au male einen Genossen im Unglück erhalten. Anläßlich seiner Streichung aus den Listen der französischen Armee legte der Herzog Berufung beim Staatsrathe ein und richtete ein entschiedenes Protest- Schreiben an den Präsidenten der Republik, Herrn Gr^vy, in welchem betont wird, daß die militärischen Grade über der Machtvollkommenheit des Präsidenten stünden und daß er, der Herzog, General bleibe. In Folge dessen trat am Dienstag ein Ministerrath zusammen, um über die Angelegenheit des Herzogs von Aumale Beschluß zu fassen und hat derselbe in seiner Sitzung das Prinzen- Ausweisungsgesetz auch aus den Herzog von Aumale zur Anwendung gebracht.
Decrais, der bisherige Vertreter Frankreichs am Qui- tinal, ist dem Vernehmen nach zum französischen Botschafter in Wien an Stelle des Grasen Foucher du Carail ernannt worden. Außerdem geht der bisherige französische Gesandte in Brüssel, Graf Montebello, als Botschafter nach Konstantinopel; zum Nachfolger Decrais' in Rom soll der ehemalige Handelsminister Rouvier bestimmt fein, doch steht seine Ernennung noch nicht fest.
In Nifch ist am Montag die serbische Skupschtina zusammengetreten. Die Wahlen in das provisorische Präsidium und in den Wahlprüsungs- Ausschuß fielen durchweg zu Gunsten der Regierungspartei aus.
Haag, 14. Juli. Die außerordentliche Session der Kammer wurde durch den König eröffnet. Der König sprach die Hoffnung aus, daß die Arbeiten, welche durch die in Folge einer Differenz der Regierung und einem Theile der zweiten Kammer erfolgte Auflösung unterbrochen worden seien, wieder ausgenommen werden würden. Die Beziehungen zu den Mächten seien die freundschaftlichsten. Der König erwähnt mit Genugthuung die Wiedereröffnung der für die niederländische Flagge Seitens Deutschlands gewährten Küstenschifffahrt; durch das günstige Resultat der Convertirung der Staatsschuld sei der Staatskredit gefestigt. Der Kammer würden Entwürfe zugehen über eine Revision der Versassungrgesetze, sowie andere, theils bereits in der vorhergehenden Session vorgelegte Gesetzentwürfe.
Telegraphische Depesche«.
»ES Kita*» «orresportderrz > NvÄss«.
Gotha, 14. Juli. Die „Gothaer Zeitung" berichtet: Der Kaiser, der Kronprinz und die Kronprinzessin beglückwünschten Gustav Freytag anläßlich seines siebenzigsten Geburtstages telegraphisch. Der Kaiser ließ dem Dichter mittheilen, daß seinem Bilde in der National-Gallerie in Berlin ein Platz angewiesen sei.
Konstanz, 14. Juli. Der Kaiser, der heute früh 8 Uhr hier eintraf und von dem Großherzoglichen Paar und einer enthusiastisch begrüßenden Menge empfangen wurde, begab sich sofort nach der Mainau.
PariS, 14. Juli. Die Ausweisungs-Verfügung ist dem Herzog von Aumale heute zugestellt worden. Derselbe wird in Folge dessen morgen nach England abreisen.
Belfast, 14. Juli. Anläßlich eines von den Drangiften veranstalteten Umzngs fanden in der vergangenen Nacht ernste Ruhestörungen statt. Die Orangisten wurden von den Gegnern mit Steinwürfen angegriffen und erwiderten die Steinmürfe. Es kam zu einem nahezu einstündigen Kampfe, ehe die verstärkte Polizei die Ruhe wieder Herstellen konnte. Gleichzeitig fanden in einem anderen Stadttheile ähnliche Ruhestörungen statt, wobei sogar Gewehrschüsse gewechselt wurden. Mehrere Häuser sind fast vollständig zerstört und viele Personen wurden verwundet. Die Straßen sind jetzt von Infanterie und Kavallerie besetzt.
London, 14. Juli. Bei den gestrigen Ruhestörungen in Belfast wurden zwei Gensdarmen und zwei Unruhestifter getödtet und zwölf Personen schwer verletzt. Auch in Limerick fanden Ruhestörungen statt und die Polizei war gezwungen, die Waffe zu gebrauchen, da die Menge sich weigerte, auseinander zu gehen. Mehrere Personen wurden verwundet.
— Dem Reuter'schen Bureau zufolge ist die Nachricht der „Wiener Presse" von einer Note Englands an die Mächte, worin unter Anderm gesagt sein sollte, daß England Angesichts des Vorgehens Rußlands in Batum drei Panzerschiffe in die Dardanellen entsenden müßte, um sich vor weiteren Ueberraschungen zu sichern, vollkommen unbegründet.
London, 14. Juli. Bis heute Abend 7 Uhr waren 631 Wahlen bekannt. Davon entfallen auf die Eonservativen 307, dissentirenden Liberalen 73, Glab- ftonianer 170 und Parnelliten 81. Bei den heutigen Wahlen gewannen die Con- fervalioen 7, die Gladstonianer 1 Sitz.
Rom, 14. Juli. Cholera - Bericht. Vom 13. bis 14. Juli, Mittags, kamen in Brindisi 11 Erkrankungen und 3 Todesfälle vor, in Latiano 25 Erkrankungen und 10 Todesfälle, in Codigoro 3 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Venedig 1 Todesfall in San Vito 20 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Ostuni 1 Todesfall, in Dria 2 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Erchie 8 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Francavilla 44 Erkrankungen und 17 Todesfälle, San Donati 6 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Triest in derselben Zeit 3 Erkrankungen und 1 Todesfall.
Risch, 14. Juli. Der Verisications - Ausschuß hat sich constituirt und seine Berathungen begonnen. Die feierliche Eröffnung der Skuptschina findet voraussichtlich Sonntag statt. ________________________________________
Lokale-,
Gießen, 15. Juli. Heute beginnen die Gerichtsferien und nehmen am 15. September ihr Ende.
Es standen gestern an hiesigem Amtsgericht nicht weniger als 42 Civilproceß- termine in Angelegenheiten hiesiger Einwohner.
Gießen, 15. Juli. Die Lebensmittelpreise in Gießen stellten sich nach den Aufzeichnungen unserer Landescentralstelle im Vergleiche zu anderen größeren Orten des Großherzogthums im Monat Mai wie folgt:
Der Durch-
Jn Gießen kostete:
Den niedrigsten Preis Den höchsten Preis schnittspreis hatte: hatte: von 16 Orten
Roaaenbrod, pr. Ko.
0,23 JL
Erbach mit
0,19
Mainz
0,27 JL
war:
0,23 JL
Kartoffeln,p.lOOKo.3,84 „
Babenhausen 3,00 „
Darmstabt
4,61 „
3,90 „
Ochsenfleisch, p. Ko.
1.26 „
Büdingen
1,16 „
Offenbach
1,46 „
1,29 „
Kalbfleisch, „
0,90 „
Gießen
0,90 „
4Jurni|iuoi u. A.
1,20 „
1,07 „
Schweinefleisch „
1,16 „
Friebberg
0,92 „
Mainz unb Offenbach
1,40 „
1,16 „
Butter, „
1,80 „
Alsfeld
1,65 „
Offenbach
2,23 „
1 92
Milch, pr. Liter
0,15 „
bo.u. Worms 1,14 „
Bessungen
0,18 „
0,17 „
Eier, 10 Stück
0,48 „
Alsfeld
0,38 „
Offenbach
0,60 „
0,51 „
Eine Vergleichung dieser Preise, namentlich der hierörtlichen mit den Durchschnittspreisen, ergibt, daß der Consument in Gießen sich über die hiesigen Preisver- hältnisse gar nichr beklagen darf.
Universität- - Chronik.
— Zum 50jährigen Professorenjubiläum des Prof. Dr. Erdmann in Halle am 20. d. Mts. beabsichtigen die Studirenden dem allgemein beliebten Lehrer größere Huldigungen darzubringen.
— Zwei größere Stipendien hat die theologische Facultät der Berliner Universität für das nächste Wintersemester zu vergeben. Das eine ist das Stipendium der vormaligen Jmmediatcommission zur Vertheilung von Prämien auf Staatsschuldscheine. Die Bewerbungen um dasselbe müssen bis zum 30. d. M. der Universitäts-Registratur eingereichl werden. Das zweite Stipendium, das der Twestenstiftung, im Betrage von 1200 Mark wird auf Grund einer Arbeit aus dem Gebiet der systematischen oder neutestamenilichen Exegese am 7. Januar 1887, dem Gedächtnißtage der Stiftung, verliehen. Die Bewerbungen sind bis zum 30. November an die Facultät zu richten.
München.^ 9. Juli. Professor Dr. Grashey in Würzburg ist an Stelle Gudden's, seines Schwiegervaters, als Lehrer der Psychiatrie, an die hiesige Hochschule berufen.
Vermischte -.
][. Darmstadt, 14.Juli. Se. Großh. Hoheit Prinz Alexander begeht morgen ' im Krem seiner Familie auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim a. d. B. seinen 63. Geburtstag. Auf denselben Tag fällt auch der Geburtstag seiner ältesten Tochter Marie, welche, 1852 geboren, seit dem 29. April 1871 mit dem Grafen zu Erbach- Schönberg vermählt ist. Zu dieser Doppelfeier wird Se. Köistgl. Hoheit der Großherzog und die Großh. Familie' von Jagdschloß Kranichstein erwartet. Seitens der Jugenheimer Sommerfrischler und der ortseingesessenen Bevölkerung wird der Tag immer besonders festlich begangen. Aus diesem Anlaß findet denn auch in der „goldenen Krone" zu Jugenheim großes Militär - Festconcert der Capelle Hilge (1. Großh. Hess. JnfanteriesLeibgardej-Regiment Nr. 115) und bengalische Beleuchtung des Gartens statt. — Gestern Abend ist hier ein Selbstmord vorgekommen, der einige Sensation erregt. Die Ehefrau eines Journalisten hat sich in ihrer Wohnung, Neckarstraße 26, durch zwei Revolverschüsse in den Kopf getödtet. Die Unglückliche, eine geborene Berlinerin, war erst 24 Jahre alt und Mutter zweier Kinder. Als Motiv werden Existenzsorgen angegeben.
Aus dem Großherzogthum Hessen, 12. Juli. Im Großherzogthum gibt es gegenwärtig 7 Gymnasien, 4 Realgymnasien und 12 Realschulen. In diesen Anstalten sind 366 Lehrer thätig und 7714 Kinder und Zöglinge besuchen diese Anstalten- während das Schulgeld 393,256 X 22 beträgt, welches bezahlt wird, von dieser Summe kommen 185,621 24 4 auf die Gymnasien und 207,634 98 4 auf
die übrigen Anstalten. Von sämmtlichen Zöglingen gehören 5142 der evangelischen und 1459 der katholischen Kirche an, 1027 sind Juden.
Gera, 11. Juli. Gegen UV-Uhr Vormittags verunglückte auf entsetzliche Weise der Commercienrath Robert Ferber (Mitinhaber der Firma Morand u Co) in seiner Fabrik, lieber den Hergang des Vorfalles berichtet der „G. A." Folgendes- Der Commercienrath hatte sich, um den Gang der Dampfmaschine zu besichtigen in den Maschinenraum begeben, wo zwei große Dampfmaschinen nebeneinander ausgestellt sind. Zwischen beiden bewegt sich das große Schwungrad, vor welchem zum Schutz für die Arbeiter ein eisernes Gitter angebracht ist. Auf dieses hatte der Genannte die Arme gelehnt, während er den Gang der Maschine beobachtete. Es bleibt unaufgeklärt, ob er sich hierbei zu weit vorgebeugt hatte, oder ob er, vom Schwindel erfaßt, vornüber sank, genug, er wurde von den Speichen des großen Schwungrads erfaßt, herumgeschleudert und bann in die sogenannte Kurbelgrube geworfen wo er von der auf- und niederschlagenden Kurbelstange binnen wenigen Secunden und ehe der Maschinenführer die Maschine zum Stillstand bringen konnte, beinahe vollständig zermalmt wurde. Die Ausregung ui der Fabrik bei der Kunde von dem Unglücksfalle war eine außerordentlich große. Viele Arbeiter weinten und jeder in der Fabrik An- gestellte beklagte ichmerzlich den Verlust des so plötzlich dahingeschiedenen edlen und
Brodherrn. Auch^ außerhalb des Etablissements trauern viele um den als Wohlthater der Armen wohlbekannten ausgezeichneten Mann. Die Stadt Gera verliert m ihm emen ihrer geachtetsten Mitbürger, dessen Andenken allen, die ihn näher kannten, stets unvergeßlich bleiben wird.
Frankfurt a. M., 12. Juli. Heute Nacht kurz vor 12 Ubr brock in hem Hinterbau des „Russischen Hofes" auf der Zeil Feuer aus. Dasselbe soll di'rck die Unvorsichtigkeit eines Amerikaners, der daselbst im ersten Stock ein wimmer inne hatte, entstanden sei,, wurde ^ber sosott entdeckt und durch das energisch^EiMreitm der s-u-rwebr, die gleich zur Stelle war, auf einen geringen Umsang beschrünkt Aus gebrannt lind zwei Zimmer d-s ersten und die zwei darüberlieaend n des iweiten Stockes. Der Schaden mag etwa 3000 M betragen. Nach halbstündUier Tbät/ake t der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr war jede Gefahr beseitig , we ch- wegen der unmittelbar austobenden Raume der Hauptpost und wegen der z°llr"chm Hmelaäste unter welchen ich z. Z. auch di- Königin °°n Schweden befindet ganz b sonder Vor: kehrungen erheischte. 1 ' UC|UHUCU
• s. Zr°?kfurt a. M.,10. Juli. Ein militärisches Trycicle wird sick von ietit ob leben Sonntag Morgen früh um 6 Uhr burch bie Stroken hPr ämJ1? von al) diese Stunde würbe" seither ben von
Mannschaften von mehreren Solbaten aus ber Caserne^ ber
f° d°tz di- glühende, flüssige Laoa herauSströlnte und bie sS
Arbeiters übergoß, indeß bie Andern sich rechtzeitig unb eiliast Deuben
Zur Verhütung eines größeren Unglücks hatte ein Arbeiter nÄÄpkJI” fonn el? mit ber Faust ein Fenster zu zertrümmern unb so ben fi*eS8eJ.e5mJrt' Dämpfen einen Ausweg zu schaffen. Die vielen entwickelnben erstickenben
d-S ist nunmehr auch die Leiche
schloß di- ÄmÄtLaLch^L^-g-n-r Ml."
Wenn das feine Lungenkrankheiten absetzt, haben untere ReickE^r?^ den Kaiser, beneidenswerthe Gesundheit. 9' 9 un'ere Reichstagsabgeordneten eine
SlK-n- mit.* jje(' gante «tä wert. ’ blutete ein * un krf“ 3- euvachte u , im Er bett°fL!eein' LrrlHEtz {^lien
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