Ausgabe 
15.8.1886 Zweites Blatt
 
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schwarzer Fracturschrift mit einem farbenprächtigen Initial und köstlichen Nand- zeichnungen ausgestattet. Nach der Weise der alten Handschriften sind Linien in lichter Tusche vorgezogen und die Schrift selber in Tuschfarbe gehalten. Von den beiden kunstvollen Blättern ist eine ganz kleine Anzahl von Copien hergestellt worden, welche mit den Miniaturen zu einer erlesenen Sonderausgabe sollen verbunden werden. Der Entwurf zu dem Prachttitel wie die Herstellung der farbigen Miniatur und der entsprechenden Copien war der graphischen Kunstanstalt von Karl Wallau in Mainz vertraut.

Verwischte-.

Unter dem TitelLeiden eines Fernsprecherbesitzers" schreibt ein Hamburger der Redaction derHamb. Nachr.":Gestatten Sie mir, Ihnen in folgenden Zeilen eine kleine Scene zu- beschreiben, die sich mit kleinen Abweichungen fast täglich beim Telephoniren wiederholt. Ich beabsichtige, mich mit Freund Schulze in Verbindung zu sehen, der, sagen wir, die Nr. 10,383 besitzt. Zu diesem Zwecke wecke ich in ge­wissenhafter Weise, indem ich einmal auf den Wecknopf drücke. Eine tiefe Baßstimme antwortet mir:Hieram," manchmal auch nurAmm" (das t wird stets verschluckt). Ich erwidere:Bitte Schulze 10,383", indem ich mich bemühe, weder allzu laut noch allzu langsam, aber möglichst deutlich zu sprechen. Ehe ich aber noch geendet habe, ertönt schon:Werrweck" und klapp! höre ich, wie der Beamte irgend eine Klappe zuschlägt. Zwar bin ich überzeugt, daß ich unrichtig verstanden worden bin, aber was soll ich thun ich muß wecken! Eine zarte Stimme ruft mir zu:Hier Frau Meyer, wer dort?" Natürlich falscher Anschluß, wie ich erwartet. Ich entschuldige mich, gebe die drei Schlußzeichen, warte geduldig einige Minuten und wecke dann auf's Neue.Hier Frau Meyer," ertönt es wieder,wer dort?"Bedaure unendlich, Frau Meyer, wir sind noch immer verbunden, falscher Anschluß." Wiederum lasse ich einige Minuten verstreichen, wecke dann zum dritten Mal und lausche begierig.Hier Frau Meyer, wer dort?"Kann ich denn gar nicht von dieser unglückseligen Frau Meyer loskommen?" rufe ich wüthend aus, ohne zu bedenken, daß die arme Dame doch ganz unschuldig und bereits dreimal incommodirt worden ist.Noch immer falscher An­schluß!" brülle ich wenig freundlich und gebe zum dritten Mal das Schlußzeichen. Jetzt warte ich volle fünf Minuten, ehe ich wecke, und habe dann das Glück, die wenig melodische, aber mir doch hochwillkommene tiefe BaßstimmeHieram" rufen zu hören. Da ich aus Erfahrung weiß, daß man nichts erreicht, wenn man ärgerlich wird, schlucke ich meinen Verdruß nieder und rufe so liebenswürdig, wie ich es vermag:

Sie hatten die Güte, mich falsch anzuschließen; ich wünsche mit Schulze 10,383!" 10,083?" tönt es zurück.Nein", antworte ich langsam, aber sehr deutlich 10,383."10,983?" ruft er.Nein," sage ich, schon halb verzweifelt.10,383." Werrweck." Ich drücke also und höre zu meiner nicht geringen Freude, daß Freund Schulze mir antwortet:Hier Schulze, wer dort?"Endlich, lieber Schulze," rufe ich ganz glücklich,ich wollte Sie fragen--Schulze, sind Sie noch da?" Keine

Antwort.Schulze, Schulze," rufe ich ganz wild. Wahrhaftig, man hat uns wieder getrennt. Ganz desperat drücke ich wieder den Weckknopf.Hieram," ertönt es, als ob gar nichts passirt wäre.Sie haben mich ja wieder getrennt," schreie ich halb rasend; in demselben Augenblick jedoch ruft Schulze schon wieder:Sind Sie noch da?"Na endlich," stöhnte ich,also, lieber Schulze, ich wollte Sie fragen" plötzlich wieder unheimliche Stille.Schulze, sind Sie noch da?" rufe ich nun wirklich in Verzweiflung. Keine Antwort, man hat uns wieder getrennt. Wuthentbrannt hänge ich den Fernsprecher an den Haken, wende mich um und blicke in das schaden­frohe Gesicht meines jüngsten Lehrlings. Im Begriff, denselben gehörig zurechtzuweisen, durchzuckt mich ein glücklicher Gedanke. Ich sende meinen Lehrling mit der betr. Bestellung zu meinem Freund Schulze. Dann gehe ich wieder an meine Arbeit und denke bei mir: Wenn die Telephonbeamten angewiesen würden, stattWerrweck" zu rufen, eben die verlangte Nummer zu wiederholen und somit eine kleine, aber sehr wichtige und wirksame Controle auszuüben, und wenn die Herren Beamten dann noch ein klein wenig rücksichtsvoller als bislang verfahren wollten, so würde dem betheiligten Publikum viel Zeit und Aerger erspart werden. Die Fernsprech-Einrichtung würde alsdann ihren Zweck viel besser als heute erfüllen.

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