Ichen Händen, während gegenwärtig der gesammte polnische Großgrundbesitz in Posen auf höchstens noch 700,000 Hectare geschätzt wird. Die Hoffnung, baß er gelingen werde, im Lause der nächsten 10 Jahre das Verhältniß noch weiter zu Gunsten des Deutschthums umzuändern, erscheint darum sehr berechtigt und die AnsiedelungS.Commission wird mit den ihr zu Gebote stehenden reichlichen Mitteln das Colonisationswerk hoffentlich in diesem Sinne zu fördern wiffen.
Die Verhaftung der Wiener Anarchisten zieht in der österreichischen Hauptstadt weitere Kreise. Die bei den verhafteten Anarchisten vorge- nominellen Haussuchungen haben der Behörde die Ueberzeugung verschafft, daß man es hier mit derselben Bande zu thun hat, die im vorigen Jahre in verschiedenen Wiener Vororten ihr Wesen trieb. Angehörige derselben erschienen bei Hausbesitzern, Gewerbetreibenden u. s. w., traten unter Vorweisung einer gefälschten Ordre des Polizei-Präsidenten als Polizei-Cornrniffäre aus „und suchten" in dieser Eigenschaft nach „falschem Gelbe", wobei die ingeniösen Gauner natürlich Alles, was sich an baarem Gelbe hierbei vorsand, mitgehen hießen. Außerdem trieb eine andere Bande jetzt Verhafteter Falschmünzerei, worüber die vorgenommenen Haussuchungen gleichfalls Ausschluß gaben. Im Ganzen sind bis jetzt von den Wiener Behörden 17 Anarchisten verhaftet worden.
Die Cholera'Epidemie scheint sich aus ungarischem Boden in der Stadt Szegedin ein neues Angriffs - Object ausersehen zu haben. Die Cholera-Bulletins aus dieser Stadt weisen noch immer eine steigende Tendenz — um diesen Börsenausdruck zu gebrauche« — der täglichen Cholerafälle auf. Die herbstliche Witterung hat demnach noch nicht vermocht, der Szegeoiner Seuche Einhalt zu thun.
Der König von Griechenland hat sich während seiner jüngsten Anwesenheit in Paris einem Mitarbeiter des „TempS" gegenüber in etwas eigen» thümliäur Weise über die europäische Lage oder vielmehr über das europäische Gleichgewicht ausgelaffen. Wie nämlich das genannte Blatt mitzutheilen weiß, habe König Georg die Lage Europas als beunruhigend bezeichnet, aber betont, daß sich Griechenland in den Gang der Ereignisse nickt einmischen werde. Dar gegenwärtige Gleichgewicht betrachtet der König als kein definitives und meint unter Hinweis auf die Zeiten Karls V., Ludwigs XIV. und Napoleons I., daß keine Macht im Stande sei, aus lange Zeit die absolute Vorherrschaft in Europa zu behaupten. Schließlich beklagte der König verschiedene Bestimmungen des Berliner Vertrages unb sprach mit Anerkennung von den hervorragenden Eigenschaften Freycinel's. — Der ganze Bericht des „Temps" nimmt sich tendenziös gefärbt aus.
BernrisArev
Frankfurt a. M., 8. October. Heute Morgen wurden die ersten Proben mit einer neuen Art von Straßenreinigungs - Instrument, wie es bereits in Berlin und anderen größeren Straßen zur Reinigung des Asphalt- und Holzpflasters bei Regen- wetter zur Verwendung kommt, auf unserer Kaiserstraße rc. angestellt. Dieses besteht aus einer 1 Meter breiten Gummiplatte, welche nach Art der Schneeschieber über das
Pflaster geschoben wird. Einstweilen sind drei Instrumente in Dienst gestellt, welche von London bezogen wurden; doch sind auch bereits eine ganze Anzahl ähnlicher in Berlin bestellt, während dieselben späterhin Hierselbst angefertigt werden sollen, wozu die Gummiplatten bereits der hiesigen Firma Weil in Auftrag gegeben sind. — Man beschäftigt sich an maßgebender Stelle soeben ernstlich mit dem Gedanken, für unsere Stadt eine Dampf-Feuerspritze anzuschaffen. Um die hierfür nöthigen Erfahrungen zu sammeln, haben soeben die Herren Stadtrath Dr. Knopf und Branddirector Ranft eine Reise nach Hannover, Berlin und Hamburg gemacht, in welchen Städten ihnen Gelegenheit geboten wurde, derartige Maschinen in Thäligkeit zu sehen.
Frankfurt a. M., 8. October. Gegen Mitte des laufenden Monats wird die von Staatswegen canalisirte Mainstrecke von Frankfurt bis zum Rhein feierlich ein- geweiht und eröffnet werden. Dieser mit einem Kostenaufwande von 5,500,000 JL durchgeführte Bau bezweckt, mittels Anlegung von Nadelwehren und Schleusen dem Flusse eine Wassertiefe von 2 Meter bei niedrigstem Wasserstande zu verschaffen und so den Rheinschiffen einen Schifffahrtsweg bis zur Stadt Frankfurt zu eröffnen. In Verbindung mit den von der Stadt im Anschluß an dieses Unternehmen hergestellten Hafeneinrichtungen soll auf diese Weise dem hiesigen Handelsstande die unmittelbare Theilnahme an den Vortheilen des großen Stromverkehrs in ähnlicher Weise gesichert werden, wie dieselbe jetzt die Nachbarstädte Mainz und Mannheim genießen. Die oberste technische Leitung des Baues ist von dem jetzt mit den gleichen Functionen für den Nord - Ostsee - Canal betrauten Geheimen Ober - Baurath Bänsch geführt worden.
— ^Fortschritte in der Technik der Mordwaffen.) Man schreibt dem „Franks. Journ.": So oft hat man schon das 19. Jahrhundert als das Zeitalter der Erfindungen gepriesen und die Naturwissenschaften dithyrambisch gefeiert, mit deren Hilfe alle Weltthcile sich näher gerückt sind und die Production in's Unermeßliche gesteigert ist. Aber man möchte neuerdings fast zu dem entgegengesetzten Extrem übergeben, wenn man sieht, wie der menschliche Erfindungsgeist gerade auf dem Gebiete der Zerstörungsmittel vielleicht am erfolgreichsten operirt. Wir sprechen hier nicht von dcn Dynamitbomben und Anarchisten, sondern von den Erfindungen auf dem Gebiete des Militärwesens. Denn kaum sind die Hinterlader durch Zündnadeln und Chaffepot- gewehre ersetzt, so werden wieder Hunderte von Millionen geopfert, um sie durch Repetirgewehre zu ersetzen, und kaum ist dies geschehen, so hören wir wieder, daß in Wien von einem gewissen I. Schulhof ein bereits militärisch erprobtes neues Repetir- gewehr erfunden worden sei, welches in der Minute 52 Schüsse abgebe und „unübertrefflich" sei. Es erübrigt nur, daß ein Staat, wenn sich jene Nachricht bewährt, mit der Anschaffung dieses neuen Nepetirgewehrs vorangeht, so wird man anderwärts nicht zurückbleiben wollen und der Moloch des Militärbudgets verschlingt abermals in allen „Culturstaaten" unermeßliche Summen. — Zu gleicher Zeil werden in Frankreich Schießübungen mit einem neuen Sprengstoff und besonders construirten Mörsern angestellt, von deren Erfolg Fabelhaftes berichtet wird und die französischen Blätter melden schon, daß ihr allezeit revanchelustiger Kriegsminister Boulanger zu deren Einführung um einen Credit von 125 Millionen einkontmen werde. Also wiederum eine neue Steuerschraube! Man wäre beinahe versucht, jedem neuen Erfinder auf dem Gebiete des Militärwesens alle Tantalusqualen auf den Leib zu wünschen. Nur die neue Institution der militärischen Brieftaubenstationen möchten wir hiervon ausnehmen, denn diesen friedlichen Thierchen wollen wir ihr das Budget nicht sonderlich beschwerendes Futter gerne gönnen.
Dr. Gensch,
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