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ihnen. Derselbe hielt eine Ansprache, worin er für die ihm erwiesene Auf­merksamkeit dankte und die Ueberzeugung aussprach, daß die hier versammelten Männer bei aller Verschiedenheit der Meinungen, persönlichen Traditionen und Erinnerungen, doch alle in einem sich zusammenfinden würden, in dem loyalen Bestreben, für die Wohlfahrt dieses schönen Landes Sorge zu tragen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Corresponde«- - Brrrearr.

Berlin, 12. Mai. In der morgigen Sitzung des Bundesraths kommen die Ausschußberichte über die Zuckersteuer zur Berathung, ebenso ein Antrag Preußens wegen Erlaß eines Gesetzes über die Pflichten der Handelsmakler, wonach die Be­stimmung des Handelsgesetzbuchs aufgehoben wird, durch welche Handelsmaklern unter­sagt ist, für Erfüllung von ihnen vermittelten Handelsgeschäfte sich verbindlich zu machen oder Bürgschaft zu leisten.

Berlin, 12. Mai. Die Gesetze, betreffend die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbahnfahrbetriebsmitteln, sowie betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen sind heute ver­öffentlicht worden.

Stuttgart, 12. Mai. Wie der ,Staatsanzeiger" mittheilt, ist auf Befehl des Königs ein württembergischer Arzt nach Paris abgesandt wrrdcn, um dort Pasteur's Wuthimpfung zu studiren.

Haag, 12. Mai. Es heißt, der König habe das Decret unterzeichnet, wonach die zweite Kammer aufgelöst wird und die Neuwahlen auf den 8. Juni festgesetzt »erden.

Baris, 12. Mai. Die internationale Conferenz zur Herbeiführung möglichst übereinstimmender gesetzlicher Bestimmungen in den verschiedenen Staaten über die unterseeischen Kabel ist heute zusammengetreten und wählte den Minister Granet zum Vorsitzenden.

Die Kabel - Conferenz ernannte eine Commission, bestehend aus Delegirten Frankreichs, Englands, Belgiens, Spaniens und der Vereinigten Staaten zur Prüfung der verschiedenen Gesetze, welche wegen Ausführung der Convention vom 14. März 1884 erlassen worden.

Loudon, 12. Mai. Das Unterhaus nahm in erster Lesung die Regierungs­vorlage, betreffend die Gewährung von Entschädigungen für in Folge von Ruhe­störungen verursachten Schäden in England und Wales an. Die Bill hat keine rück­wirkende Kraft.

DieTimes" schreibt: Die Erklärungen Gladstone's hätten die Opposition unter den Liberalen gegen die Home Rule Bill wesentlich verstärkt. Wenn, wie an- runehmen, der Premier sein letztes Wort gesprochen habe, so könne er, da er Charn- berlain's Anforderungen nicht Rechnung getragen habe, auf keine Majorität rechnen. Die Ablehnung oder Zurückziehung der Home Rule Bill involvire aber unumgänglich den Rücktritt des Ministeriums.

Madrid, 12. Mat. Eine officielle Meldung aus Manilla vom 29. April be­richtet die Aufhissung der spanischen Flagge auf der Insel 9)ap durch zwei spanische Kriegsschiffe.

Rom, 12. Mai. Von gestern Mittag bis heute Mittag kamen in Venedig 6 Cholera-Erkrankungen und 4 Todesfälle vor, in Bari 15 Erkrankungen und 9 Todesfälle, in Ostuni 4 Erkrankungen.

Athen, 12. Mai. sReuter-Meldung.j Papamichalopulos lehnte heute Vor­mittag endgiltig die Cabinetsbildung ab, weil er die Ansicht des Königs nicht theilte, welcher nur ein provisorisches Ministerium behufs Einberufung der Kammer wünschte. Der König berief Valois.

Die Bildung des neuen Cabinets durch Valois ist nunmehr erfolgt. Das­selbe ist folgendermaßen zusammengesetzt: Valois (Präsidium und Justiz), Lurioti (Aeußeres), General Mezeis Krisen (Krieg), Augerinos (Finanzen), Capitän Mtaulis (Marine), Papiliopulo (Inneres), Professor Benizelo (Cultus). Das Ministerium ist ohne ausgesprochene politische Farbe und soll vor Allem die Abrüstung durchführen.

Athen, 12. Mai. sTelegramm derAgence Havas".) Die Berufung der Kammer soll alsbald erfolgen. Nach dem Zusammentritt soll sofort mit Abrüstung begonnen werden.

Rewyork, 12. Mai. Der Agitator Johann Most wurde verhaftet.

Lokale-.

Gießen, 13. Mai. Die ordentliche Generalversammlung der Gewerbebank findet Montag den 24. Mai im Saale des Caf6 Leib statt. Der Geschäftsbericht pro 1885 hat der gestrigen Nummer unseres Blattes beigelegen.

Universität- - Chronik.

Gießen, 10. Mai. Die theologische Fakultät zu Gießen hat dem Professor der Theologie am Predigerseminar zu Friedberg, Dr. phil. H. A. Köstlin, die Würde eines Doctors der Theologie honoris causa verliehen, wie die lateinische Widmung besagt, weil ersich durch ein gelehrtes und trefflich geschriebenes Werk über die Ge- Ichichte der Musik um die Kirchenmusik sehr verdient gemacht, als einer der ersten mit Rath und Vorbild für ihre eifrige Pfleae und Förderung in der Kirche eingetreten und in einer trefflichen Schrift die Pflichten des geistlichen Amtes ent­wickelt hat, zu deren Erfüllung er in wirksamster Weise die studirende Jugend anzu­leiten weiß." (D. Z.)

Gießen, 13. Mai. Von der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität wurde Herr Carl Wilhelm Gaul aus Büdingen, derzeit Lehrer an der Realschule -in Alsfeld, zum Doctor promovirt. Die Dissertation ist betitelt: Romanische Ele­mente in dem Latein der Lex Salica.

Jena, 12. Mai. Unsere Universität, deren beschränkte materielle Hilfsmittel in den letzten Jahren durch die Stiftung der Herren Reichenbach und Graf Bose einen höchst dankenswerten Zuwachs erhielten, ist jetzt auf's Neue durch ein sehr bedeutendes Legat erfreut worden. Herr Paul von Ritter in Basel (ausLübeck stammend) hat ber Universität Jena durch testamentarische Verfügung dreimalhunderttausend Mark legirt; davon..sollen 130,000 schon jetzt in den Besitz der Universität (als Schenkung) übergehen, wahrend ihr 170,000 nach dem Ableben des Stifters zufallen. Derselbe hat bestimmt, daß dieses seinen Namen tragende Stiftungskapital besonders verwaltet und sein Rein-Ertragzur Forderung des Studiums der phylogenetischen Zoologie" <Entwickelungslchre und Darwinismus) verwendet werden soll und zwar nach dem freien Ermessen des hiesigen ordentlichen Professors der Zoologie, vorbehaltlich der Genehmigung der durchlauchtigsten Erhalter der Universität. Zu dieser Bestimmung ist der hochherzige Stifter durch ine Ueberzeugung bewogen worden, daß die heutige, »on Darwin neu begründete Entwickelungs-Lehre (Phylogenie) der größte wissenschaft­liche Fortschritt unserer Zeit ist und daß dieselbe in Jena früher und energischer als an allen anderen deutschen Universitäten ihre Vertretung gefunden hat. (I. 2)

Ein Trauer - Commers zum Gedächtniß Joseph Victor v. Scheffel's wird von der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag vorbereitet. Diese akademische Gedächtnißfeier soll am 13. Mai stattfinden.

Vermischtes.

Mainz, 10. Mai. Den hiesigen Fleischbeschauern wurde dieser Tage amtlich eröffnet, daß sie unnachsichtlich alle diejenigen Metzger zur Anzeige zu bringen hätten welche sich als Ochsenmetzger geriren, nebenbei aber Rinder und Bullen schlachten; in gleicher Weise wurde den Metzgern eröffnet, daß eine derartige Geschäftspraxis in Zukunft als Betrug verfolgt werden würde. Anlaß zu dieser Maßregel gaben zahlreiche bei der Polizei eingelaufene Denunciationen.

Mainz, 10. Mai. Ein bisher in nichts weniger als glänzenden Verhältnissen lebender Küfer gelangte gestern durch den plötzlichen Tod eines alten Hagestolzen in ven Besitz eines Vermögens von mehr als 50,000 J4. Der Letztere, der früher bei rerchen Verwandten gewohnt und zu deren Gunsten teftirt hatte, wurde durch die lieb­

lose Behandlung^derselben veranlaßt,^bei jenem Küfer ein Asyl zu suchen. Aus Dank­barkeit für die fteundliche Aufimhme, die er daselbst gefunden, setzte er nun in einem späteren Testament seinen Wohlthäter zum Universalerben ein.

Am Samstag erhängte sich in einem Hause auf dem Tritonplatz das Dienstmädchen einer dortigen Herrschaft, die Tochter eines nach Worms versetzten ehe­maligen Brückenwärters von Kostheim. Am Samstag Nachmittag wurde dasselbe in einen Ladest in der Schustergasse geschickt. Als es nach Hause kam, erklärte es, es könne nicht mehr unter die Leute gehen, denn so oft es über die Straße gehe, würde es von Jedermann angesehen, es müsse etwas Besonderes an sich haben. Die Frau suchte dem Mädchen diese Thorheit auszureden, dieses aber blieb bei seiner Ansicht und ging am Abend anscheinend ganz ruhig in seine Kammer. Dort ergriff das Mädchen einen Strick und hing sich auf.

Ein Act von erschreckender Gefühllosigkeit wird demN. W. T." aus der Gegend von Oberhollabrunn mitgetheilt. Ein Brunnen in Wolfsbrunn war eingestürzt und ein darin arbeitender Maurergeselle verschüttet. Das Unglück passirte gegen Mittag und erst gegen 4 Uhr Nachmittags machte man sich daran, den Verschütteten wieder auszugraben. Andern Tages früh 9 Uhr konnte man dessen Hilferufe hören, allein statt nun mit verdoppeltem Eifer zu graben, setzte man sich nun zum Frühstück, ließ sich später auch das Mittagessen wohl schmecken und drang erst nach beendeter Vesper­mahlzeit zu dem Verunglückten, der mittlerweile erstickt war.

Frankfurt a. M., 11. Mai. Ein vom 80. Infanterie-Regiment desertirter Soldat war, heute Nachmittag in unserer Stadt, wo er sich einige Tage umhergetrieben hatte, ergriffen worden und sollte durch einen Unteroffizier und einen Gefreiten in die Caserne des hiesigen Regiments geführt werden. Auf der Gutleutstraße in der Nähe des Eisenbahnübergangs entfloh er seinen Begleitern, die nach erfolgloser Aufforderung zum Hallen ihm zwei Schüsse nachsandten. Von den Kugeln getroffen, brach der Flüchtling auf dem Acker jenseits des Bahnübergangs zusammen und wurde wie leblos vom Platze getragen. Die Verletzungen sollen zwar schwer aber nicht tödtlich sein.

Mannheim, 9. Mai. Ein Liebespaar, das freiwillig den gemeinsamen Tod suchte und fand, wurde heute Vormittag auf Sandhofener Gemarkung aufgefunden und in ihnen der 19jährige Sohn des Cigarrenfabrikaitten Peter und die 17jährige Tochter des Fuhrhalters Gottlieb Kegel agnoscirt. Beide tragen Spuren der gemein­samen Vergiftung und Schußwunden in der Stirn. Ein Revolver lag bei den Leichen. Die beideil jungen Leute würben gestern, als sie den letzten Spaziergang antraten, in heiterster Stimlnung gesehen.

Würzburg, 10. Mai. Ein Selbstmord der gräßlichsten Art ist hier vor­gekommen. Es wurde nämlich ein Student in seiner Wohnung aufgefunden, der sich den Leib aufgeschlitzt und außerdem den Hals und das Gesicht auf das Schrecklichste zerschnitten hatte. Der junge Mann soll diese That in einem Anfall von Geistes­gestörtheit verübt haben, was man auch der Art des Selbstmordes nach wohl an­nehmen muß.

Großes Unglück ist über die Familie eines Bahnarbeiters in Lichtenberg hereingebrochen. Am 2. Osterfeiertage spielten die 4, 6 und 8 Jahre alten Knaben desselben mit zwei Hunden, unter welch letzteren sich jetzt an einem die Tollwuth be­merklich machte. Seit einigen Tagen sind nun auch die drei Knaben förmlich rasend geworden. Sie toben, beißen, kratzen, jagen umher und man vermuthet, daß sie von dem wuthkranken Hunde angesteckt worden sind.

Der Landstallmeister General v. Lüderitz hat für das Hauptgestüt Trakehnen in Ostpreußen zwei englische Vollbluthengste für 90,000, bezw. 66,000 je. in England selbst angekauft. Die Thiere sind bereits in Trakehnen eingetroffen.

Jetzt, wo in der Natur neues Leben herrscht, wo alles blüht und grünt, wird so mancher Zweig und manche Blume unnütz abgebrochen und dann weg­geworfen, sagt dasFuldaer Tageblatt". Es möge ein jeder Naturfreund das schone Lied beherzigen:

Auch sag ich Euch, 's ist alles heilig jetzt, Und wer im Blüthen einen Baum verletzt, Der schneidet ein, wie in ein Menschenherz; Und wer sich eine Blume pflückt zum Scherz Und sie dann von sich schleudert sorgenlos, Der reißt ein Kind von seiner Mutter Schoß; Und wer dem Vogel jetzt die Freiheit raubt, Der sündiget an eines Sängers Haupt;

Und wer im Frühling bitter ist und hart, Vergeht sich wider Gott, der sichtbar ward." Gern unterschreib ich hiervon jedes Wort, Beherzigt sei es fort und fort.

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Jahresbericht

des Iabrik-Inspectors für das Großherxogthum Hessen für 1885.

(Fortsetzung.)

Von 6 Metallgießereien, mit welchen größtentheils die Fabrikation von Be­leuchtungsgegenständen verbunden ist, haben 4 lOstündige, 1 llstündige und 1 im Sommer 11 Vs-, im Winter 9stündige Arbeitszeit. Letztere schließt die Arbeitszeit Samstags 1 Stunde früher und hat im Winter keine Vor- und Nachmittagspausen Die Gießerei mit llstündiger Arbeitszeit hat keine Vor- und Nachmittagspausen' beginnt im Sommer Montags 1 Stunde später und schließt im Winter Samstags 1 Stunde früher. Die Mittagspause ist in allen Metallgießereien 1 Stunde, Uebcr- stunden sind im Ganzen selten.

In einer Fabrik feiner Kunstgußartikel in Offenbach ist die Arbeitszeit lOstündia. Samstags 1 Stunde früher Arbettsschluß. 2 Ueberstunden mit männlichen Arbeitern abwechselnd in verschiedenen Werkstätten von Mitte October bis Ende November.

In einer Fabrik landwirthschaftlicher stählerner Geräthe im Odenwald ist die Arbeitszeit während des ganzen Jahres 12stündig. Ueberstunden und Nachtarbeit kommen nicht vor.

Zn einer Drahtzieherei, Drahtstiften- und Sprungfedernfabrik ist die Arbeitszeit l lstundig. Nachtarbeit mit einem kleinen Theil der Arbeiter kommt vor. Eine Drabt- stlftenfabrik hat llstündige Arbeitszeit, Ueberstunden sind sehr selten. '

M , 3» einer Herdfabrik in Darmstadt 10'/z-und in einer solchen in Mainz llstündige Arbeitszeit. Ueberstunden selten. ö

In einer Feilenfabrik ist die Arbeitszeit lOVs-', in einer anderen lOVgstündig. Montags und Samstags ist dieselbe in beiden Fabriken (in Offenbach) um 1 Stunde kurzer. Ueberstunden kommen sehr selten vor.

r Eine Blechemballagen- und Metallwaarenfabrik hat lOVaftünbige Arbeitszeit UebemunSen bi§ 9 Uhr Abends mit einem Theil der Arbeiter kommen uov, -doch E Uber 2 Monate nn Jahr. An denselben nehmen auch Arbeiterinnen Theil.

In 2 Mctallkapsclfabriken ist die Arbeitszeit 10- und lOV-stündia 2 Ueber­stunden, woran auch Arbeiterinnen thcilnchmen, kommen selten vor. In der mit lOVsstundiger Arbeitszeit ist Samstags 1 Stunde früher Schluß

finb sctt-n" Metallknopffabriken haben 9>/-stündigc Arbeitszeit. Ueberstunden

Von 4 Metall-Fae°ndreherei-n, von welchen ein- Nähmaschinentheilc, ein- andere vorzugsweise Schrauben liefert, arbeitet eine 10, eine 10</a, eine 10'/- und eine h <3äUnVnitXld,\ ®,c~$or: nnb Nachmittagspausen dauern «/«-'/- Stunde, di- Mittagspause 1 Stunde Samstags wird in allen früher geschlossen. Ueberstunden kommen selten vor, Nachtarbeit nicht. 1

. 8 der bedeutendsten Taschenbügel- und Gürtlerwaarenfabriken (Sitz Offen-

bach) liegen Notizen vor. Es beginnen die Arbeit im Sommer: 2 Fabriken um 6 und 6 um 7 Uhr; nn Winter dagegen 6 um 7 Uhr und 2 um 8 Uhr. Schluß der findet statt lm Sommer: in 1 Fabrik um 6, in einer um 6% und in 6 um l JSr' dMen wi Winter in 1 Fabrik um 6%, in 5 um 7 und in 2 Fabriken um 8 Uhr. Die regelmäßige tägliche Arbeitszeit beträgt im Sommer:

in 2 Fabriken 10 Stunden, 3