Wn das Äfinie Gehalt an Zinsen weg. Diesen Kampf mit seinen Gläubigern, Leren Zahl schließlich auf 25 stieg, hat Ernst Bombe 21 Jahre lang gekämpft. Er hat gearbeitet mit unerhörter Kraft, immer hoffend, irgendwo ein niedrig verzinsliches Darlehen zu erhalten, groß genug, um alle seine Schulden zu tilgen In dieser Hoffnung hat er seine Schuld von Vierteljahr zu Vierteljahr weiter geschoben, immer die hohen Zinsen zahlend. Die zweite Frau brachte 600 Thaler in die Ehe mit, aber es war ein Tropfen auf einen heißen Stein, zumal auch die Ausgaben wieder bedeutend stiegen, denn es wurden in kurzen Zwischenräumen 6 Kinder geboren, von denen einige lange krank waren. Da Wicmanb von seiner Verschuldung etwas erfahren sollte, verzichtete er auf die Rechtswohlthat des Gehaltsabzugsverfahrens, obwohl ihm, da ihn feine Behörde wegen seiner hervorragenden Leistungen inzwischen zum Rector der 59. Gemeindeschule ernannt hatte, mit einem bedeutenden Gehalt von 3180 X liebst freier Wohnung und Heizung, auch nach Eintritt des Gehaltsabzugsverfahrens eine mehr als ausreichende Summe übrig geblieben wäre. Bei Publicirung des Wuchergesetzes im Jahre 1881 verlangten sämmtliche Gläubiger ihr Geld. Diejenigen Gläubiger, welche keine Bürgen hatten, ließen das Mobiliar öffentlich versteigern und belegten das Gehalt in seinen pfändbaren Theilen auf Jahre hinaus mit Beschlag. Die übrigen Gläubiger, welchen Bombe sichere Bürgen gestellt hatte, stellten aber Agenten an, welche nunmehr mit dem Rector Bombe rote mit den unzähligen verschuldeten Beamten in Beziehungen traten. Das Institut der Agenten, alias Geldvermittler, für Wuchergeschäfte, zählt in Berlin gegenwärtig gegen 50 Personen. Dieselben stehen miteinander in engsten Beziehungen, haben ihre Zusammenkünfte und sind über die sämmilichen Verhältnisse und Beziehungen ihrer Opfer genau unterrichtet. Ihre Thätigkeit besteht darin, Wechsel zu „kaufen" und dieselben dann wieder an den Geldgeber zu verkaufen, um auf diese Weise den Wucher zu verschleiern. Beim Unterbringen des Kaufgeldes an den Geldsuchenden wird natürlich ein „Damno" abgezogen, das sich zwischen 80 und 120 pEt. p. a. bewegt. Der Geldgeber steht als unbekanntes Faktum im Hintergründe und lenkt an unsichtbaren Fäden die Schicksale seiner Kreaturen. Ihr Bestreben geht dahin, künstliche Eriminalfälle zu construiren, in welche die Geldsucher eventuell zu verwickeln wären, um so ihrerseits gründlich dagegen gesichert zu sein, daß der Bewucherte in seiner Verzweiflung doch den Schutz des Gesetzes anrufe. Vor 2Vr Jahren war Bombe nahe daran, gerettet zu werden. Ein evangelischer Geistlicher batte eine Anzahl von Kapitalisten gefunden, dre bereit waren, eine genügend große Geldsumme zusammenzubringen, um ihn gänzlich auszulösen. Die Befreiung eines so werthoollen Opfers konnte aber natürlich nicht allen Wucher- gläubigern angenehm sein und es fehlte nicht an Versuchen, das Vorhaben zu hintertreiben, bis es schließlich gelang. Man gab vor, die Familie Bombe sei nicht sparsam genug, und doch ist selten in einer Familie in ähnlicher Stellung der Haushalt mit geringeren Mitteln geführt worden. Der Gehalt Bombe's belief sich in den letzten Juhren auf 3540 X nebst 600 X Miethsentschädigung und freier Heizung. Das jährliche Nebeneinkommen dieses mit fabelhafter Energie arbeitenden Mannes hielt sich eine Reihe von Jahren hindurch auf 3600 bis 4000 X, d. b. sein Gesammteinkommen war so groß, daß er, wäre es ihm gelungen, seine Verhältnisse durch ein ausreichendes, niedrig verzinsliches Darlehen zu regeln, seine Schulden schnell hätte tilgen und bann noch ein Vermögen ansammeln können. Es läßt sich rechnungsmäßig nachweisen, baß er in den letzten 17 Jahren circa 70,000 X zur Bereicherung bcr Gläubiger hergegeben habe. Am 9. v. M. würbe der Rector Bombe auf dem Georgen-Kirchhofe beerdigt, nachdem er sich am 4. vergiftet hatte. Bedrängt und gehetzt von allen Seiten, hatte der hochbegabte Mann, wie in feinem herzergreifenden Abschiedsbriefe an seine unglückliche Familie zu lesen ist, keine Rettung mehr gewußt.
— Die Macht der Liebe, welche des Alterunterschiedes spottet, hat sich an einem glücklichen Paare bewährt, welches sich dieser Tage auf einem Berliner Standesamt im nördlichen Stadttheile meldete. Die holde Braut, eine Frau Wittwe Rentier E., steht in dem respeciablen Alter von 62 Jahren, dagegen ist die Altersziffer des stattlichen jungen Bräutigams gerade die umgekehrte- er ist ein Jüngling von 26 Jahren. Die alte Dame, welche sich noch einmal in Hymens Fesseln schlagen lassen will, ist eine sehr reiche Frau und ihr zukünftiger Gatte ist — ein Student der Philologie.
— Eine amüsante Frage, die besonders Rechenkünstler und Eisenbahnfteunde intcressiren dürfte, ist in der bekannten Berliner Wochenschrift „Das Echo" aufgeworfen worden, nämlich: „Eine neue Pacificbahn wurde am 1. Januar eröffnet. Punkt 12 Uhr Mittags gingen an diesem Tage 2 Züge, einer von New-York, einer von St. Francisco ab, jeden der darauf folgenden Tage zu gleicher Zeit 2 weitere Zuge von beiden Endstationen. Jeder Zug braucht genau 7 Tage zur Fahrt. Wieviel Züge begegnen sich auf der Bahnstrecke innerhalb der ersten 7 Tage?" Von einem höheren Eisenbahnbeamten wird die Frage, nachdem eine Reihe falscher Lösungen eingeschickt waren, nun dahin beantwortet: In scherzhafter Weise läßt sich sagen, wenn vom 1. bis 7. Januar jeden Tag in jeder Richtung je ein Zug abzeht, so macht dies in diesen 7 Tagen in Summa 14 Züge und können sich daher in dieser Zeit auch nur eben diese 14 Züge begegnen! Anders stellt sich die Sache in ernsthafter Beantwortung. Sind die ersten 7 Kalendertage des Januar gemeint (von Mitternacht des 31. December auf den 1. Januar bis Mitternacht des 7. Januar auf den 8. Januar), so wäre die Lösung: 28 Züge. Sind aber 7 Tage vom Abgänge des ersten Zuges an gerechnet (b. i. von 12 Uhr Mittags des 1. Januar bis 12 Uhr Mittags des 8. Januar) gemeint, so ergeben sich 36 Zugsbegegnungen, da am 8. Januar um 12 Uhr Mittags (also genau am Schluß der gegebenen Zeitperiode) noch 8 Zugskreuzungen erfolgen, wovon 6 auf bei Strecke und 2 in den beiben Endstationen stattfinden." Eine graphische Darstellung erleichtert das Verständniß dieser Berechnung und bcr Verlag von I. H. Schor er zu Berlin ist sicher gern bereit, Interessenten diese Nummer rc. zur Verfügung zu stellen. Aus dem kleinen Rechenkunststück sieht man übrigens, welche rechnerischen Schwierigkeiten zu überwinden sind, um einen richtigen und sicheren Anschluß im internationalen Welt- und Kreuzungsverlehr bcr Eisenbahnen herzustellen.
LandwirthschastlicheS.
— (Was kann der einzelne Lanbwirth erreichen in ber Richtung bcr höheren Vnwerthung seiner Probucte?] Gewiß Mancherlei! Vor Allem muß er hierzu bas Ziel haben, unerläßlich die Qualität seiner Maaren, wenigstens wo es ohne wesentliche Erhöhung bcr Productionskostcn angeht, stetig zu verbessern. Das Vieh, welches er für den Zuchtmarkt ober für bie Fleischbank probucirt, muß möglichst genau bereu momentanen Bebürsnissen angepaßt sein. Die Beschaffenheit seiner Butter, seiner Wolle, seiner Milch muß er unausgesetzt verbessern und namentlich möglichst vor Variationen bewahren. Er muß — wie dies Professor Märker in seinem Vortrag vor der bcutschen lanbwirthschaftlichen Gesellschaft so trefflich hervorhob — unablässig daran arbeiten, den Werth seines Hauptproductcs, bcs Gelreibes unb ebenso bei Hackfrüchte burch züchterische Thätigkeit zu erhöhen. Er muß in bcr Reinigung bes Saat- unb Marktgutes, in ber Herstellung gleichmäßiger Durchschnitts-Qualitäten, sowie des letzteren immer peinlicher zu Werke gehen, um beim Verkauf die höchsten Preise zu holen unb um für spätere Zeiten die Arbeit bcs Jätens unb großen Verlust zu ersparen. Er muß bemüht sein, mit dem Verkauf seiner Probucte den günstigsten Zeitpunkt abzuwarten unb namentlich bie kleineren Lanbwirthc müssen sich mehr wie es gegenwärtig ber Fall ist, mit ber wirklichen Lage des Marktes unb mit dem Preis- verhältniß vertraut machen! Auf solchem Wege werben bie einzelnen Lanbwirthc für sich eine bessere Verwerthung ihrer Probucte erlangen können.
' — sDas Rechnen des Landwirths.] Sehr arg ist es meist mit dem Rechnen bes Landwirths bestellt. Die Wenigsten vermögen sich annähernd Rechenschaft darüber zu geben, was ihnen bas Liter Milch, bas Pfund Fleisch, was ihnen ihr Spiritus ober gar ihr Getreibe, ihr Mist zu probuciren kostet. In biefer Beziehung kann ber Lanbwirth ungemein viel von jedem Kaufmann lernen, der kaum eine geschäftliche Operation unternimmt, ohne sie vorher auf das Sorgsamste kalkulirt zu haben. Der Lanbwirth läßt häufig sein ganzes großes Kapital und seine ganze Arbeitskraft in seinem Geschäfte wirken, ohne auch nur einmal eine klarstellendc Rechnung zu machen. Und es ist deshalb nur zu erklärlich, daß bei Berührung zwischen Kaufleuten und Landwirthcn letztere sich jenen gegenüber, was geschäftsmännischen Blick und geschäftliche Klarheit anlangt, meist nicht gewachsen fühlen. Zur Entschuldigung der Land- wirthe muß hierbei allerdings erwähnt werden, daß ihr Beruf so unverhältnißmäßia mehr vielseitige Anforderungen an seinen Leiter stellt als andere Berufsarten, daß infolgedessen Neigung unb Zeit zur Kalkulation beim Landwirth weit weniger vorhanden sind. Auch muß im lanbwirthschaftlichen Rechnungswesen so häufig mit un- meßbaren unb nur zu schätzenden Größen operirt werden, daß dadurch bie landwirth- schastliche Kalkulation nie den vollen Werth unb bie leichtere Einfachheit von vergleichbaren Ausstellungen aus den meisten kaufmännischen unb industriellen Geschäften erlangen können. Nichts aber schärft den Blick des Landwirths für bie Fehler unb die Gebrechen seines Betriebes so wie häufige unb immer wieder angestellte Kalkulationen, bie natürlich nicht von dem Gefühle bcr Zufriedenheit mit den erlangten Resultaten, sondern von dem Bestreben geleitet sein müssen, immer noch viel billigere Probucte unb bereu noch viel bessere Verwerthung zu erreichen.
Dar Dorkommen von Diehsenchen im Großherzogthrrm Hessen
währenb bes Monats Januar 1886.
Rotzkrankheit: Arn 8. Januar würbe ein in einer Pferbeschlächtcrei zu Mainz geschlachtetes, aus Osthvfen, im Kreise Worms, stammenbes Pferd mit Lungenrotz behaftet befunden. Die hierauf angestellten Ennittelungen haben ergeben, daß in dem Stalle, aus dem bas rotzige Pferd herrührte, sich noch 2 ber Seuche unb 5 bcr Ansteckung verdächtige Pf erbe befanden. In einem weiteren, einem anderen Besitzer gehörigen Stalle in Osthofen wurde 1 ber Seuche »erbächtiges Pferb ermittelt unb 6 Pferde unb 1 Maulesel als ber Ansteckung verdächtig erklärt.
Milzbrand wurde festgestellt: Im Kreise Friedberg in Fauerbach am 9., im Kreise Büdingen in Nidda am 7. und in Ober-Widdersheim am 8., im Kreise Lauterbach in Schlitz am 31. und im Kreise Erbach in Vielbrunu am 4. December bei je einem Rindoiehstückc.
Lungcuseuche: In Burkhards, im Kreise Schotten, wurde am 2. Januar bei einer wegen Krankheit geschlachteten Kuh ber Verbacht auf Lungenscuchc ausgesprochen. Als der Ansteckung verbächtig siub 7 Stücke Rindvieh bezeichnet, welche mit bcr erkrankten Kuh in einem Stalle gestanden haben.
Der Bläschen aus schlag in Nieder - Ohmen und Nieder-Breidenbach, im Kreise Alsfeld, und in Nidda, im Kreise Bübingen, ist erloschen. In Lcidhecken, im letztgenannten Kreise, herrscht die Seuche noch fort.
Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Trais - Horloff, im Kreise Gießen; in Wolfersheim, im Kreise Friedberg; in Heidelbach unb Erbenhausen, im Kreise Alsfeld; in Leibhecken unb Berstabt, im Kreise Büdingen.
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