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fällige Vermehrung der Cholerafälle in Venedig, während die Nachrichten vom Seuchenheerd im südlichen Italien, aus Brindisi und Umgegend, das dortige Auftreten der Seuche noch immer als sehr mild erscheinen ließen. Neuerdings mehren sich aber auch in Brindisi und den weiter nördlich gelegenen Küstenorten die Erkrankungen und Todesfälle an Cholera und die allmälig eintretende wärmere Jahreszeit ist nur zu sehr geeignet, der weiteren Ausbreitung der Epidemie im Norden wie im Süden der Apenninen-Halbinsel Vorschub zu Leisten.

Die bedauerlichen Austritte vor dem deutschen Gesandtschafts- Gebäude in Madrid am 4. September v. Js. haben nunmehr ihre gerichtliche Sühne gesunden. Der Madrider Gerichtshof verurtheilte am Samstag einen der Anstifter des Tumultes zu einem Jahre Gefängniß, sprach hingegen den Osficier, welchem die Bewachung des Gesandtschafts-Hotels anvertraut war, frei.

Die Blokirung der Ostküste Griechenlands scheint zunächst den Rücktritt des griechischen Minister-Präsidenten, des so viel genannten Herrn Delyannis, zur Folge haben zu sollen. Letzterer hat sich in einer an die Vertreter Griechenlands im Auslande gerichteten Note über die durch die Blokade geschaffene Lage geäußert. Die Note erklärt die Blokade als nicht gerechtfertigt, da die griechische Regierung sich formell verpflichtet habe, den Frieden nicht zu stören eine ganz wunderbare Logik Angesichts der fortgesetzten Rüstungen Griechen­lands! und weist im Weiteren darauf hin, daß Griechenland in Folge der Blokave schwächer sei, als die Türkei, deren Bewegungen aus dem Meere unge­hindert wären. Da nun die Türkei die Blokade vermuthlich zu einem Angriffe auf Griechenland benutzen würde, so sei er, um die hieraus resultirenden Cala- mitäten abzuwenden, entschlossen, seine Entlassung zu nehmen. In der That meldet eine Depesche desWolff'schen Bureaus" aus Athen vom 9. Mai, daß das Ministerium Delyannis seine Entlassung eingereicht habe, aber eine Depesche vom folgenden Tage besagt bereits, daß vom Könige die Demission des Cabi- nets nicht angenommen worden sei. Jedoch enthält auch dasselbe Telegramm die Mittheilung, daß Delyannis die Demission des Ministeriums aufrecht erhalte, mit der Motivirung, das Interesse des Landes erheische eine rasche Lösung der Schwierigkeiten. In eine Abrüstung könne das Cabinet nicht willigen, ohne dessen Ansehen zu schädigen. Offenbar hat Herr Delyannis bei seiner Weige­rung. eine Abrüstung vornehmen zu lassen, die öffentliche Meinung Griechenlands für sich, denn eine am Sonntag in Athen stattgesundene große Volksversamm­lung beschloß eine Resolution für die Verstärkung der Armee und die Abreise des Königs nach Larissa. Auch demonstrirte die Versammlung gegen Tricupis, den Führer der Opposition und eventuellen Nachfolger Delyannis. Die wach­senden Schwierigkeiten der Lage gehen auch aus einer Konstantinopeler Meldung hervor, der zufolge die Pforte in einem Rundschreiben darauf aufmerksam macht, daß ein Theil der griechischen Truppen sich zu Banden formirt und sich bestrebt, Conflicte herbeizusühren. Endlich ist noch als ein nicht unbedenkliches Symptom die Meldung zu registriren, daß sich der russische Kriegsminister von Petersburg nach Livadia zum Czaren begeben hat.

Deutschland.

Darmstadt, 10. Mai. Ueber die Petition der akademisch gebildeten Lehrer an den höheren Lehranstalten des Großherzogthums um anderweitige Regulirung der Gehaltsverhältnisse erstattete Namens des ersten Ausschusses Abg. Ellenberger Bericht; die Anträge des Ausschusses gehen dahin: 1) in Rücksicht auf Petitum II. der Vorstellung an Großh. Ministerium des Innern, die Großh. Regierung zu ersuchen, das Vorrücken in höhere Gehaltsklaffen nicht von der Verwendung in den höheren Schulklassen, sondern hauptsächlich tadelloses Verhalten vorausgesetzt von dem Dienstalter abhängig sein zu laffen; 2) die erste Bitte der an die Kammer gerichteten Petition im Sinne des Petitum III., nämlich: a. daß das Ausrücken in höhere Gehalte auf Grund des Dienstalters in bestimmten Zeitabschnitten erfolge; b. daß eventuell die Lehrer bei jedesmaliger Erledigung von Stellen in höhere Gehaltsklaffen nach Maßgabe des Dienstalters aussteigen, abzulehnen; c. daß die Anzahl der Stellen aus den höheren Stufen vermehrt werden, durch die Neuregulirung der Gehalts­klaffen, wie solche von Großh. Regierung mitgetheilt worden ist, für erledigt zu erklären; 3) die zweite Bitte d, im Sinne des Petitums I., die Hindernisse zu beseitigen, welche eine der eigentlichen Bestimmung entsprechende Verwendung der für Lehrergehalte in Gemäßheit de- Budgets verfügbaren Mittel bisher beein­trächtigt haben, der Großh. Regierung bezüglich der Verwendung eines Lehrer- gehalts an die anderen der zu Gießen beschäftigten Lehramts-Candidaten, zur Berücksichtigung zu empfehlen; e. im Sinne des Petitums IV., daß unter Gleichstellung mit den Richtern erster Instanz der Durchschnitts- bezw. Maximal­gehalt der betr. Lehrer erhöht werden möge, ohne daß hierbei ein Unterschied zwischen den verschiedenen höheren Lehranstalten gemacht werde, abzulehnen.

England.

London, 10. Mai. Im Oberhause legte Lord Rosebery den Schriftwechsel über die griechische Angelegenheit vor und gab bei dieser Gelegenheit eine Uebersicht über die bekannten Ereignisse. Er wies auf verschiedene Reden und Rundschreiben des Herrn Delyannis, sowie namentlich auf dessen gestrige Erklärung hin, daß weder er, noch die griechische Negierung jemals ein Dekret über die Entwaffnung unterzeichnen würden. Diese Auslassungen, sagte Lord Rosebery, rechtfertigten durchaus die Be­hauptung der Mächte, daß Delyannis trotz seiner Versicherung, die Pforte nicht an­greifen zu wollen, doch keine Garantie dafür gegeben habe, daß die drohende Haltung der griechischen Armee nicht auf unbegrenzte Zeit verlängert würde. Uebrigens sei eine Gefahr für den Frieden vorhanden gewesen, da die beiden Armeen sich gegenüber; standen; kein Freund Griechenlands könne wünschen, dasselbe gegen eine der mili­tärischen Großmächte in den Krieg ziehen zu sehen, selbst wenn es eine gerechte Ursache dafür hätte. Griechenland habe sich nicht in einer solchen Lage befunden. Vor fünf Jahren habe die Türkei Thessalien an Griechenland abgetreten und es sei kaum denk­bar, daß die Türkei sich nicht gegen eine weitere Gebietsabtretung wehren werde. Die Türkei habe eine Armee von 300,000 Mann in Europa, darunter viele Reservisten; in Folge dessen sei die Landwirthschaft in der Türkei bedeutend gehemmt. Ein Ein­vernehmen der Mächte sei glücklicherweise aufrechterhalten, obwohl Frankreich allein vorgehe, ohne Zweifel in dem gleichen Wunsche, zu einer friedlichen Lösung zu ge­langen. Oesterreich - Ungarn , Italien , Deutschland und Rußland befänden sich im Einklänge mit England, und das sei sehr wichtig, denn ohne Zweifel würden die Bemühungen der Mächte im Zusammenhang mit der parallelen Action Frankreichs erfolgreich sein.

Im Unterhause beantragte Gladstone die zweite Lesung der irischen Ver- waltungsbill (Home Rule BiM und wies dabei die Angriffe gegen dieselbe zurück. Eine Gefahr für die Einheit des Reichs, sagte er, liege in den gegenwärtigen Beziehungen zu Irland. Was die Frage der Ausschließung der irischen Vertreter aus dem eng­lischen Parlament angehe, so sei die Regierung bereit, in dieser Beziehung so weit als Möglich zu gehen, sie sei aber nicht bereit, gegen ihren Willen die Action des irischen

Parlaments lahm zu legen, ausgenommen wo die Hauptinteressen der Reichsregierung. es fordern. Die Regierung werde übrigens nicht zur Berathung der einzelnen Artikel, übergehen, bevor die Vorlage im Princip angenommen sei. Was den Entwurf be­treffe, daß die Bill dem englischen Parlamente das Recht gewähre, für Irland (Steuern zu becretiren, ohne daß die Irländer gleichzeitig im englischen Parlamente vertreten sind, so sei die Regierung bereit, einen Artikel vorzulegen, welcher den irischen Depu- tirten das Recht geben soll, wenn sie gegen gewisse Steucrmodificationen sind, im eng­lischen Parlamente zu erscheinen und an der Berathung theilzunehmen. Die Frage wegen Ernennung einer gemischten Commission aus beiden Parlamenten zur Berathung gewisser Angelegenheiten wolle die Regierung prüfen. Gladstone sprach sich anerkennend über den Muth Lord Hartington's aus, doch werde Lord Hartington eine ebenso schwere Verantwortung übernehmen wie die Regierung; er möge seine Politik darleaen. Lord Hartington beantragte darauf die Ablehnung der Bill. Schließlich wurde die weitere Berathung aus Donnerstag vertagt. Tie schottische Kleinbauern - Bill wurde in dritter Lesung mit 219 gegen 58 Stimmen angenommen. Aus den Erklärungen des Unterstaatssecretärs Bryce über den Handelsvertrag mit Spanien ist noch zu er­wähnen, daß Spanien speciell den Engländern dieselben Vergünstigungen gewährt^ welche in den 1882 mit Frankreich und 1883 mit Deutschland abgeschlossenen Verträgen zugestanden sind. Der Handelsvertrag soll zunächst bis 1892 in Krast bleiben und dann vieleicht auf unbestimmte Zeit verlängert werben. Wie dieDaily News" erfährt, ist Chamberlain durch die Erklärungen Gladstone's nicht befriedigt und er fühle sich daher außer Stande, für die zweite Lesung der Home Rule Bill zu stimmen.

Griechenland.

Athen, 10. Mai. Da Delyannis bei dem heutigen Empfange durch den König erklärte, von seinem Entlaffungsgesuch nicht abgehen zu können, so wurde Tricupis zum Könige berufen. Derselbe legte die Nothwendigkeit dar, die Kam-, mer einzuberusen, um so die Initiative wegen der CabinetSänderung zu ergreifen, da Delyannis durch die Aufrechterhaltung seiner Entlaffung sich den Pflichten entziehe, welche ihm seine Stellung als Führer der parlamentarischen Majorität auserlege. Delyannis conferirte Nachmittags mit den augenblicklich in Athen- anwesenden Deputirten der ministeriellen Partei.

Dis nationale Liga erließ einen Protest gegen das Auftreten der fünf Mächte.

Nach einer Meldung desReuter'schen Bureaus" verlautet, daß außer Nikakis auch Sotiropulos sich bereit erklärt habe, ein neues Cabinet zu bilden. Der König dürste morgen eine Entscheidung treffen. Da mehrere Deputirte. gegenwärtig sich aus den Inseln aufhalten, würde die Kammer erst in etwa 10 Tagen zusammentreten können.

Telegraphische Depeschen.

Wotff's Ultet» Correwondem - Brrrearr.

Berlin, 11. Mai. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung über das Gesetz, betr. die Anstellung von Lehrern in den östlichen Provinzen, fort. Hobrecht ist der Meinung, daß der Regierung das Vertrauen gebühre, daß sie das Gesetz in wohl­wollender Weise ausführe; Redner spricht sich dahinaus, daß eine Verfassungsänderung durch Abänderung des Art. 112 nothwenbig sei. Windthorst spricht gegen das Gesetz, welches ein Kampsgesetz und ein Ausnahmegesetz und geeignet sei, jcbe künftige Ge­staltung des Schulwesens zu schädigen. Man befinde sich jetzt aus dem Wege, nur Staatsschulen einzurichten und die Freiheit des Unterrichts, sowie den Einfluß der Kirche zu ignoriren- Der Cultusminister bekämpft die Ausführungen Windthorst's.. Die Anstellung der Lehrer komme der Verfassung gemäß dem Staate zu; die Negierung wolle aber in keiner Weise das Recht der Gemeinden verkümmern. Was die Abhängig­keit der Lehrer vom Staate angehe, so stehe fest, daß dieselben sich darin noch immer freier befinde als in der Abhängigkeit von irgend Jemand anders. Die Vorlage sei gerechtfertigt durch den systematischen Widerstand gegen die deutsche Sprache. Der Minister erklärt sich gegen die Anträge Rauchhaupt und Meyer, weil ersteres eine hef­tige Agitation gegen die im Gesetz vorgesehene Anhörung der Gemeinden erzeugen müßte, letzterer Antrag aber undurchführbar sei. Zedlitz-Neukirch ist für die Com­missionsfassung. Es sei unzweifelhaft, daß eine Verfassungsänderung innerhalb des vorliegenden Gesetzes, welches kein Germanisirungsgesetz, sondern ein Assimilirungs- gesetz fei, zulässig ist. Stablewski ist gegen das Gesetz, da es offensiv gegen die Polen sei. Wehr spricht für, Meyer (Breslau) gegen die Vorlage. Hierauf wurde die De­batte geschloffen. § 1 wird nach den Commissionsanträgen angenommen mit den von Rauchhaupt vorgeschlagenen Mobificationen. 88 2 und 3a, betr. die Disciplinarstrafen gegen die Lehrer und Lehrerinnen öffentlicher Volksschulen, werden nach unerheblicher Debatte genehmigt, ebenso 8 2a betr. die Ausnahme von der Wirkung des Gesetzes mit der von Rauchhaupt beantragten Modification, wonach diese Ausnahme in gewissen Stadt- und Landkreisen Westpreußens auf einen Antrag der städtischen Vertretung Eintreten kann.

Die Berathung wird morgen fortgesetzt.

Stuttgart, 11. Mai. DerStaatsanzeiger" meldet, das Befinden des Königs fei im Laufe der letzten Monate meist zufriedenstellend gewesen. Ein heftiger Katarrh, welcher den König Ende März befiel, ging rasch vorüber. Gegenwärtig ist der König wohl, abgesehen von den stets wiederkehrenden, die Bewegung erschwerenden rheumati­schen Schmerzen. Der König kehrt am 26. Mai zurück.

Bern, 11. Mai. Die internationale Conferenz betreffend die technische Einheit des Eisenbahnwesens wurde von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Italien und der Schweiz beschickt. Die deutsche Regierung war durch den Geheimen Ober- Regierungsrath Streckert und den Geheimen Regierungsrath Triest vertreten.

London, 11. Mai. Die amtliche Gazette kündigt bie Einführung der Packet- post mit Westindien vom 1. Juli er. ab an. Das Porto beträgt sechs Pence per Pfund.

London, 11. Mai. Unterhaus. Stafford Howard erklärt, die gegenwärtige Mission Macaulay's nach Thibet bezwecke, mit den chinesischen Commissären und der Regierung von Lhasa behufs Wiederaufnahme des Handelsverkehrs zwischen Thibet und Ostindien zu verhandeln.

Das Unterhaus lehnte mit 117 gegen 62 Stimmen den von der Negierung bekämpften Antrag Pease's auf Aufhebung der Todesstrafe ab.

Rom, 11. Mai. Cholerabulletin. Vom 10. bis 11. d. M., Mittags, erkrankten, resp. starben in Venedig 9/7, in Bari 35/11, in Ostuni 3/0 Personen. In Brindisi kam in den letzten Tagen kein Cholerafall vor.

Athen, 11. Mai. Sechs englische Kriegsschiffe bei der Insel Zea und ein englisches Panzerschiff sind in Patras eingetroffen.

Athen, 11. Mai. Der König berief Papamichalopulos und ersuchte denselben, die Cabinetsbildung zu übernehmen. Man glaubt, Papamichalopulos übernimmt' die Aufgabe, da er gegen die Demission des Cabinets im jetzigen Augenblicke ge­sprochen und verlangt hatte, das Cabinet solle zunächst die Abrüstung veranlassen und dann zurücktreten.

Athen, 11. Mai. sReuter-Meldung.j Der bisherige Minister des Innern im Cabinet Delyannis', Papamichalopulos, übernahm den Auftrag der Cabinetsbildung und wird dem Könige im Laufe des heutigen Abends eine Minister liste unterbreiten.

Buenos Ayres, 10. Mai. Die Rede des Präsidenten Noca bei Eröffnung des argentinischen Congresses betonte die guten Beziehungen zum Auslande, die Ruhe des Landes und die Hebung der Einwanderung. Der Präsident erhielt, als er den Congreß verließ, einen öteinrourf an den Kopf. Der Attentäter wurde verhaftet, die Verwundung ist unerheblich.

Lokales.

6. Gietzen, 12. Mai. (Sterblichkeit in Gießend Die Zahl des Todes­fälle belief sich während der Woche vom 2. bis 8. Mai int Ganzen auf 10 und zwar wurden 3 Kinder und 7 erwachsene Personen betroffen. Bei den Erwachsenen wurde als Todesursache bezeichnet: Krebs, Blasenausschlag, Brightische Nierenkrankyeit, Brust-