Mr. HO Donnerstag den 13 Mai LV8«
Amts- und Auzeigeblatt für den Kreis Gießen.
i
7. t»»ktch M 1«« IW ,7-AhrNch *Ä
AMtticher Höeil.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit Nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat März veröffentlicht:
Hafer eX 14.50, Heu 6.50, Stroh 4.07 pro 100 Kilogramm.
Gießen, den 11. Mai 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
200 Pfund Sterling Belohnung!
Verloren oder gestohlen
zwischen London und Berlin am 8. ds. Mts. während der Ueberfahrt.
3750 Pfund Sterling, Russische 72er Staatspapiere, 1 zu 50 Pfund Sterling Nr. 11662—37 zu 100 Pfund Sterling Nr. 60823, 60824, 60825, 60826, 60827, 60828, 60829, 60830, 60831, 60832, 60833, 60834, 60835,
60836, 60837, 60838, 60839, 60840, 60841, 60842, 60843, 60844, 60845,
60846, 60847, 60848, 60849, 60853, 60854, 60855, 60856, 60857, 60858,
60859, 60860, 60861, 60862 it. 600 Pfund Sterling Russische 71er Staats-
Papiere, 6 zu 100 Pfund Sterling Nr. 31074, 47067, 26490, 56578, 30003, 47854.
Ferner die auf 1. April fälligen Coupons von 1 Russischen 72er Staatspapiere zu 1000 Pfund Nr. 2914, von 17 Russischen 72er Staatspapieren ä 100 Pfund Nr. 9705, 9706, 18896, 31810, 69084, 69664 bis 69670, 69671, 69672, 69673, 69809, 70426, von 3 Russischen 72er Staatspapieren ZU 50 Pfund Nr. 85621, 85622, 121454.
Alle Personen werden hierdurch vor Ankauf der obigen Papiere oder -Coupons gewarnt.
Obige Belohnung wird von dem untenerwähnten Perg G. C. Burnand für die Ergreifung des Diebes resp. der Diebe (wenn in England gestohlen) und bezw. für die Entdeckung der Papiere im Verhältniß zu dem wiederent- Leckten Betrage bezahlt.
Nachricht wolle bei Ermittelung im Großherzogthum Hessen an Großh. Ministerium des Innern und der Justiz zu Darmstadt zu Nr. M. I. 10315, sonst an das Reichskanzleramt zu Berlin zu III 9758/3898, event. an den
Inspektor des Detektive Departement, 26 Old Jewrp, E. C., an die Herren F. C. Stoop u. Cie. Nr. 4 Herkules Passage, E. C. oder an Percy G. C. Burnand, Lloyds, Rooms, Royal Exchange gegeben werden.
Mainz, den 30. April 1886.
• Gr. Hess. Kreisamt Mainz.
100 Pfund Sterling Belohnung»
Verloren oder gestohlen
während der Ueberfahrt zwischen London und Petersburg, abgesandt am 8. d. Mts.
2000 Pfund Sterling Tamboff—Kozloff Eisenbahngesellschaft (Jouissce Janv. 86) Nr. 550-1192, 1987, 2608/9, 2231, 2625/28, 2723, 1879, 1770, 1729/32, 1630, 1323, 1249. 20 100-Psund-Titel.
Alle Personen werden hierdurch vor Ankauf der obigen Papiere gewarnt.
Obige Belohnung wird von dem unten erwähnten Percy G. C. Burnand für die Ergreifung des Diebes resp. der Diebe (wenn in England gestohlen) und für die Entdeckung der Papiere bezw. im Verhältniß zu dem wiederentdeckten Betrage bezahlt.
Man wende sich an Percy G. C. Burnand, Lloyds, London, E. C. oder an den Inspektor des Detektive Departement, Old Jewry, E. C.
Im Ermittelungsfalle wolle Großh. Ministerium des Innern und der Justiz zu Darmstadt zu Nr. M. I. 10315 oder dem Reichskanzleramte zu Berlin zu HI 9758/13898 Mittheilung gegeben werden.
Mainz, den 30. April 1886.
Gr. Hess. Kreisamt Mainz.
Bekanntmachung.
Herr Hofgärtner Noack aus Darmstadt wird noch an folgenden Orten Borträge über Obstbauwzucht und Obstverwerthung halten:
1) in Hungen Sonntag den 16. Mai, Nachmittags 3 Uhr, im Solmser Hofe,
2) in Lang-Gön- Sonntag den 2 3. Mai, Nachmittags 3 Uhr, in der Romps'schen Restauration am Bahnhofe.
Alle Mitglieder des landwirtschaftlichen Vereins, sowie alle Freunde der Landwirtschaft werden hiermit zu diesen Vorträgen eingeladen.
Gießen, den 11. Mai 1886. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen.
Nover.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen
an die Herren Bürgermeister des Kreise-.
Ich ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung zur Kenntniß Ihrer Gemeindeangehörigen zu bringen und dieselben auf diese lehrreichen Vorträge noch ^besonders aufmerksam zu machen- Nover.
Politische Ueberficht. |
Gießen, 12. Mai.
Am Montag hat im preußischen Abgeordnetenhause die 'dritte Lesung des Kirchengesetzes stattgefunden und ist daffelbe mit großer Mehrheit definitiv angenommen worden. Viel war f;r die dritte Lesung übrigens vicht mehr zu sagen, zeigte doch schon der überraschend schnelle und glatte Verhaus der zweiten Lesung, daß das kirchenpolitische Thema so ziemlich erschöpft ist, vielleicht trug auch die äußerst reservirte Haltung des Centrums das Ihrige rnit zu dieser raschen Abwickelung der kirchenpolitischen Verhandlungen des Abgeordnetenhauses bei. Was nun die viel ventilirte Frage anbelangt, welche parlamentarische Stellung die Centrumspartei jetzt, da ihr der im Gange befindliche Ausgleich zwischen Berlin und Rom die alte Basis für ihre bisherige mehr oder weniger oppositionelle Haltung entzogen hat, einnehmen werde, so läßt sich hierüber jetzt noch schwer urthellen- Jedenfalls schießt aber die vielfach anzutreffende Ansicht, daß die Centrumspartei wohl baldigst auseinanderfallen werde, weit über's Ziel hinaus. Es ist ja richtig, daß gerade diese Partei die heterogensten Elemente in sich birgt und daß sich in ihr ebensowohl eine entschieden demokratische Richtung, als eine in gewissem Sinne streng conservative Richtung vorfindet; das häufige Auseinandergehen des Centrums in Fragen, die nicht mit der Kirchenpolitik Zusammenhängen, beweist dies zur Genüge. Wenn man jedoch meint, daß mit dem Aufhören des „Culturkampfes" auch das Band, welches die Centrumspartei eigentlich zusammenhält, zerrissen sei, so ist dies eine Täuschung, man übersieht hierbei ganz, daß eine Partei, welche, wie das Cen- trum, sich inmitten heftiger über sie dahingebrausten Stürme fest zusanrmengesügt hat, nun nicht ohne Weiteres wieder in seine Urbestandtheile zerfällt- Vielleicht, daß dte Centrumspartei, wenn Herr Windthorst nicht mehr an ihrer Spitze steht, Wandlungen und Abbröckelungen erfährt, aber für jetzt wird sie auch
ferner in unserem parlamentarischen und politischen Leben einen maßgebenden Factor bilden.
Die neue Branntweinsteuer-Vorlage begegnet in einem Theile der Presse unbedingter Ablehnung. Wer indessen den neuen Steuerentwurs an der Hand der bis jetzt hierüber in die Oeffentlichkeit gedrungenen Mittheilungen unbefangen prüfte, der wird denselbep im Großen und Ganzen nur mit Befriedigung begrüßen können. Die Verbindung der Maischraumsteuer mit einer Verbrauchssteuer erscheint als eine durchaus annehmbare Basis für die neue Vorlage, welche durch die Beibehaltung Der Maischraumsteuer der für jede Branntweinsteuer-Reform nothwendigen Voraussetzung — nämlich, daß durch jene die Spiritus-Production nicht schlechter gestellt werden dürfe, als bisher — entspricht. Principiell neu an Der Vorlage ist die Einführung einer besonderen Besteuerung des inländischen Branntweinverbrauchs. In dieser Beziehung werden von der preußischen Regierung zwei Wege vorgeschlagen: Die Erhebung der Steuer von den Kleinhändlern und Schänkern und dann die Besteuerung der Großhändler, bezw. der Producenten. Der erstere Weg empfiehlt sich deshalb am meisten, weil eine Consumabgabe am rationellsten möglichst nahe an der Stelle erhoben wird, wo der zu besteuernde Gegenstand in den Verbrauch übergeht; auch die Rücksicht auf den Schmuggel würde die Erhebung der Steuer bei den Kleinverkäufern empfehlen, da in dieser Beziehung die Branntweinsteuer- Gemeinschaft die denkbar ungünstigsten Grenzverhältniffe darbietet.
Der Erbgroßherzog von Baden ist jetzt von seiner langen und schweren Krakikheit nun soweit wieder hergestellt, daß er seit voriger Woche täglich einige Stunden aus einem Ruhebette außerhalb des Krankenzimmers zubringen kann.
Die Cholera-Bulletins aus Italien lauten allmälig besorgniß- erregender. Schon seit einigen Tagen berichtete der Telegraph über eine auf*


