Ausgabe 
12.12.1886 Erstes Blatt
 
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Petrt von Reichskirchen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Anklage: Herr Gerichtsassessor Theobald. Vertheidigung: Herr Rechtsanwalt Grünewald.

Gießen, 11. December. [Theater.] Nur noch eine Woche und die mit so glänzendem Beifall aufgenommene Theatersaison hat ihr Ende erreicht. Am Dienstag wird den Abonnenten noch eine hervorragende Novität vorgeführt werden: Gustav v. MoserDer Bureaukrat". Ein neues Stück des berühmten Lustspieldichters erregt in theaterfreundlichen Kreisen stets ein allgemeines Interesse und hatDer Bureaukrat" spectell bei seinem Erscheinen großen Furore gemacht, da die Handlung in höchst ergötzlicher Weise die Lebenswege eines verknöcherten Bureaumenschen darstellt, welcher schließlich durch seines Geschickes Mächte wieder auf rein menschliche Bahnen gelenkt wird und sich am Ende noch als famoser Familienvater mit fühlendem Herzen entpuppt.Der Bureaukrat" ist reich an urkomischen Situationen.

Gießen, 11. December. Ein Hauseigentümer, welcher Miether in seinem Hause aufnimmt oder auf andere Weise einen Verkehr in dem Hause herstellt, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 19. October, d. I., verpflichtet, die Flure und Treppenaufgänge seines Hanfes, welche nach ihrer Beschaffenheit im dunklen Zustande jeden Passanten der Gefahr aussetzen, sich zu beschädigen, bei ein­tretender Dunkelheit so lange zu beleuchten, als der regelmäßige Verkehr in dem Hause stattfindet.

Verwischte-.

Darmstadt, 10. Dec. Heute Morgen erschoß sich in einem unserer bek. Ver­gnügungs-Etablissements der Hoftheater-Friseur K. Hermes, eine stadtbekannte Per­sönlichkeit. Familienverhältnisse scheinen denselben in den Tod getrieben zu haben.

o Aus dem Dekanate Gießen, 9. December. DieOberhess. Nach­richten" bringen in ihrer Nr. 288 vom 8. d. M. unter dem Zeichen M. eine Correspondenz ^Aus dem Kreise Gießen" über die außerordentliche Dekanatssynode des Dekanats Gießen, die am 1. December l. I. im Festsaale der Realschule zu Gießen gehalten wurde. Diese rL-Correspondenz ist nicht geeignet, einen völlig klaren Einblick in den Verlauf der Synode zu geben und noch weniger in den Gegenstand selbst, der die Versammlung diesmal in hervorragender Weise beschäftigt hat. Erlauben Sie mir darum und um der Wichtigkeit der Sache willen, die einer Richtigstellung wohl werth ist, noch nach­träglich einen kurzen Bericht hier zu bringen.

Nothwendig war die Synode geworden durch die Amtsniederlegung des Herrn Pfarrer Dr. Naumann zu Gießen, der gelegentlich der letzten ordentlichen Dekanats­synode erklärt hatte, daß er als Stellvertreter des Dekans wegen tiefgehender und fort­gesetzter Differenzen, besonders in Auslegung und Anwendung wichtiger Bestimmungen der Kirchenoerfassung, mit Herrn Dekan Dr. Strack in Lang-Göns sein Amt unmög­lich in ersprießlicher Weise verwalten könne und darum freiwillig zurücktrete. Nachdem die Synode mit Gebet und Bibellesung eröffnet und die Beschlußfähigkeit der Versamm­lung constatirt worden war, wurde der erste Punkt der Tagesordnung erledigt und Herr Pfarrer Wahl von Wieseck an Stelle des zurückgetretenen Herrn Pfarrer Dr. Naumann gewählt. Als weiteren Gegenstand hatte der Dekanatsausschuß die Berathung über ein von der Gemeinde Burkhardsfelden entworfenes und nach den Be­stimmungen der Kirchenverfassung zunächst durch die Synode zu begutachtendes Lokal- statut auf die Tagesordnung gebracht, das mit seinen Festsetzungen in Bezug auf Lehre und Eultus ohne Zweifel von einschneidender Bedeutung werden wird nicht nur für das Leben jener Einzelgemeinde, sondern auch und noch vielmehr für die Gestaltung der Landeskirche. Die Gemeinde Burkhardsfelden verlangt nämlich und nach § 27 der Kirchenverfassung wird sie unstreitig ein Recht dazu haben daß jeder Geistliche, der von Kirchenregiments wegen zur bleibenden Pastorirung der Gemeinde (und nicht blos vorübergehend, wie jener LL Correspondeut anzunehmen scheint) gesendet wird, vor seinem Amtsantritt seine Zustimmung zu den Bekenntnißschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (mit Ausnahme der Schmalkaldener Artikel, wenn ich nicht irre, und jedenfalls der Concordienformel, welch letztere in Hessen niemals kirchen­rechtliche Geltung erlangt hat) vor verfammelter Gemeinde in der Kirche erklärt. Jener Ll-Eorrespondent nennt das eine Glaubenserklärung an diestreng lutheri/ch:" Lehre. Andere nennen es anders. Wir unsererseits zweifeln nicht ohne guten Grund, ob beispielsweise auch nur die von der hessischen Landeskirche getrennt lebenden Lutheraner, die nach dem herkömmlichen Sprachgebrauch doch allein die eigentlich Streng- Lutherischen genannt werden, ob diese Lutheraner die Gemeinde Burkhardsfelden mitsammt ihren zukünftigen Geistlichen und wenn sie auch die oben verlangte Er­klärung werden abgegeben habeneben wegen des festgehaltenen Zusammen­hangs mit der hessischen Landeskirche überhaupt noch lutherisch, geschweige denn streng lutherisch nennen werden. Der genannte Antrag kam nicht zur Verhand­lung. Schon vor Eintritt in die Berathung hatten verschiedene Mitglieder den schrift­lichen Antrag auf Absetzung dieses Punktes von der Tagesordnung gestellt, weil man nach einmaligem Anhören des Statuts die Tragweite der Bestimmungen unmöglich er­messen könne, weil es eine außerordentliche Synode, und weil die ganze Angelegenheit nicht dringlich sei. Die nun entstehende Discussion, an welcher sich hauptsächlich die Herren Nies-Ettingshausen, Scriba-Alten-Buseck, Vogel-Beuern, Schlosser und Dingeldey-Gießen, Dr. Strack-Lang-Göns, Windecker-Rödgen, Hanstein und Dr. Stammler-Gießen beteiligten, bewegte sich in sehr lebhaften Formen. Alle Argumente, welche für und wider eine sofortige Berathung vorgebracht wurden, können wir unmöglich hier wiederholen. Nur einige wollen wir nennen. Von der Minorität wurde darauf hingewiesen, daß auch eine außerordentliche Synode wie eine ordentliche in dieser Sache competent und die Angelegenheit bei der gerade jetzt wieder so rührig auftretenden Separation und Sectirerei geradezu brennend sei; daß man eine eigentliche Beschlußfassung nicht einmal wünsche, wohl aberAntrag des Herrn Pfarrer Scriba von Alten-Buseck eine vorläufige Besprechung auf Grund eines vorhandenen Referats (Pfr. Vogel-Beuern), weil sonst leicht der Eindruck erweckt werden könne, es fehle der Synode an gutem Willen überhaupt, den Wünschen der Gemeinde Burkhardsfelden gerecht zu werden. Die Majorität beharrte dagegen auf ihrem Verlangen nach Ab­setzung der Frage von der Tagesordnung. Die Wichtigkeit der Sache und die Trag­weite derselben wurde dabei von Niemand bestritten. Während aber gerade um des­willen die Minorität eine, wenn auch zunächst nur vorbereitende und orientirende Be­sprechung für wunschenswerth erklärte, widersprach die Majorität und forderte um der Wichtigkeit willen die Vertagung aufs nächste Jahr. Diese Vertagung wurde denn auch beschlossen. Im Anschluß daran sprach ein Glied der Minorität dem Dekanatsausschuß gegenüber den Wunsch aus, er wolle in Zukunft so wichtige Fragen auch mit der erforderlichen Umsicht (durch rechtzeitige Kenntnißgabe der Motive An­träge 2C. und zwar durch den Druck) zur Berathung vorbereiten.

Auch der folgende Punkt der Tagesordnung Maßregeln gegen das Stromer- thum mußte abgesetzt werden, weil Krankheit den bestellten Referenten verhindert hatte, ein Referat zu liefern. So wurde denn die Synode, nachdem die Wahlprüfung eines Synodalabgeordneten für Heuchelheim und eine Besprechung über die demnächstige Feier des 50jährigen Jublläums des Friedberger Predigerseminars nicht viel äeitmehr in Anspruch genommen hatte, bereits vor 12 Uhr mit Gebet geschlossen, im Gegensatz zu den Verhandlungen des Vorjahres, die man ohne Gebet eröffnet und auch ohne Gebet geschlossen hatte. Hoffentlich kommt außer den hier besprochenen Fragen auch noch der Oberconsistortalbescheid auf die Verhandlungen im Jahre 1884, der bis jetzt noch nicht verlesen ist, im Jahre 1887 zum Vortrag.

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Oie Unlust mancher Kinder zur Musik--» «rbeilSüberbürdung, nicht nn Trägheit ober Talentlosigkeit. Suchen wir der Jugend das schwere Studium der Tonkunst leicht u.inltteffant zu machen. Es heißt: spielen, nicht aber: ,klavierarbeiten' ,violinschwitzen^ Die Musik muß ein lieber Spielkamerad werden, mit dem man sich gerne die Zeit das Hauptstreben musikalischen Ingendposi. Preis nebst vielen Musikstücken I Mark. Gestellungen nehmen alle Buch- u. Musikalienhandlungen, sowie sämtliche ^roflanstaltea und deren Briefträger entgegen. Verlag von P. I. Tonger.KSln.

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Universität- - Chronik.

Zur Feier des 75jährigen Bestehens der Universität Breslau veran­staltet die dortige Studentenschaft am 10., 11. und 12. December eine Reihe von Feierlichkeiten.

Handel ««- Verkehr.

Gießen, 11. December. Auf dem heutigen Markt kostet: Butter per Pfund X 1.101.12, Hühnereier St. per 78 H, Enteneier St. 00 Käse pr. St. 57 X Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen 30 H, Tauben per Paar 50 bis 80 Hühner per Stück X 0.801.00, Hahnen pr. Stück X 0.601.20, Enten per Stück X 1.201.60, Gänse per Pfund 4456 4, Ochsenfleisch per Pfund 62 bis 64 H, Kuh- und Rindfleisch 5456 ^, Schweinefleisch 5660 Hammelfleisch 5-bis 66 Kalbfleisch 4650 4, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.004.80, Milch per Liter 1218 Zwiebeln per Centner 3.504.50.

............ mir"

Auszug aus den StaudesamlsreMeru des Slaudesmuls Girßrp;

(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)

Aufgebote.

December: 4. Heinrich Otto Wahl von Angersbach, Schneider dahier, mit Helene Berg von Louisendorf, wohnhaft dahier. 6. Ludwig Waldschmidt von Krumbach, Schmied dahier, mit Margaretha Bastian von Günterod, wohnhaft dahier. 7. Emil Franz Schlarbaum, Kaufmann zu Marburg, mit Elise Auguste Geisse dahier. 8. Ferdinand Weiß, Bäckergeselle dahier, mit Katharina Marsteller von Gröningen. 8. Dr. Heinrich Emil Julius Stade, praktischer Arzt zu Dörzbach, mit Clara Ottilie Helene, genannt Ilka Gräf von Oehringen. 9. Wilhelm Konrad Leierzapf, Kürschner zu Butzbach, mit Caroline Luise Christine Hellmold dahier. 9. Paul Friedrich Bernhard Pfahl, Bau-Assistent zu Malstatt-Burbach, mit Elisabeth Walther zu Gießen. 9. Karl Friedrich Heimbrecht von Einzingen, Sergeant dahier, mit Fridoline Ida Tausendschön, gebürtig von Catharinenrieth, wohnhaft dahier.

«heschlietzunge«.

December: 8. Christian Heinrich Hergenröther 'von Hirzenhain, Schuhmacher dahier, mit Elisabethe Lepper von Großen-Buseck, wohnhaft dahier.

Geborene.

November: 30. Dem Controleur bei der Gewerbebank Carl Vogt II. ein Sohn Franz Carl. 30. Dem Bataillonsbüchsenmacher Heinrich Engel II. eine Tochter, Anna Marie Franziska. December: 1. Dem Taglöhner Balthaser Diehl eine Tochter Margaretha. 1. Dem Schreiner Heinrich Christian Weidig ein Sohn, Christian Heinrich Wilhelm August. 2. Dem Professor Dr. Theodor Wilhelm Braune ein Sohn, Konrad Ludwig Hermann. 4. Dem Viehhändler Heinrich Orth eine Tochter. 4. Dem Hülfs- Locomotioheizer bei der Main-Weser-Bahn George Friedrich Hilke ein Sohn. 6. Dem Bäcker Johannes Hahn ein Sohn, Karl August Wilhelm Christoph. 6. Dem Kohlen­händler Eduard Klinke! eine Tochter, Luise Lina. 6. Dem Schaffner bei der Main- Weser-Bahn Georg Semmler eine Tochter, Emma Elisabetha Lina. 8. Dem Architect Caspar Kockerbeck ein Sohn, Friedrich Leo Bernhard.

Geworbene.

December: 4. Ludwig Martin Zeidter, 71 Jahre alt, Schneidermeister dahier. 6. Heinrich Kretzer, 54 Jahre alt, Taglöhner von Herborn. 7. Heinrich Wißner, 72 Jahre alt, Schreiner von Climbach. 8. Elisabethe Katharine Belloff, 5 Jahre alt, Tochter von Fuhrmann Heinrich Belloff dahier. 10. Anton Amend, 85 Jahre alt, penfionirter Landgerichtsdiener dahier.

Auszug aus de« Kirchenbücher« der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 4. December. Heinrich Wilhelm Erhardt Künzel, Rentner zu Darmstadt, und Johanna Batst, Tochter des Rechtsanwalts Theophil Batst zu Gießen.

Denselben. Philipp Wißner, Heizer, ein Wittwer, und Anna Maria Bellos, Tochter des verstorbenen Landwirths Jost Bellof von Beuern.

Denselben. Georg Friedrich Gottftied Schmoll, Cigarrenfabrikant, und Anna Elisabeth Adami, Tochter des verstorbenen Landwirths Gerhardt Adami von Nieder- Weisel.

Getaufte.

Den 5. December. Dem Vicefeldwebel Friedrich Naffua eine Tochter, Lina Marie Elise, geboren den 9. November.

Denselben. Dem Bataillonstambour Wilhelm Martiny eine Tochter, Elise Martha Elisabeth Christiane, geboren den 1. November.

Den 7. December. Dem Kellner Michael Parr ein Sohn, Johann Christian Ludwig, geboren den 6. November.

Beerdigte.

Den 6. December. Ludwig Zeidter, Schneider, alt 71 Jahre, starb den 4. December.

Brodpreise

vom 12. bis 26. December 1886.

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K. Haas, L. Keil

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Gießen, den 11. December 1886.

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Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Anzeigen.

Feierabend für Lehrlinge im alten Nachhause.

Jeden Sonntag Abend von 610 Uhr geöffnet. Große Auswahl von Büchern. Volks- und Jugendschristen. Allerlei Spiele. Gemein­schaftlicher Gesang. Kurze Vorträge. Beste Unterhaltung für junge Leute an Sonntags-Abenden. Eintritt jederzeit und unentgeltlich. 8915

Sonntagsvsrein für Mädchen.

Vereinigung der Mädchen an jedem Sonntag, im Saale der Kleinkinder* schule Nachmittags zwischen 2 und 7 Uhr; um 3/44 Uhr gemeinsame Unter­haltung. Bücher und Spiele sind in großer Zahlvorhanden.

8523 Dr. Naumann, Pfarrer.