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Nr. 290. Erstes Blatt. Sonntag den 12 December 1886.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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SBwrMUt «chulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme be4 MoniagS.
Prei» vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringt**«.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.
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Amtlicher Hheit.
Gefunden: 1 Quittungsbuch, 1 Handschuh, 1 Taschentuch, 1 Brille, 1 Schürze, 1 Portemonnaie, 1 Medaillon, 1 wollenes Halstuch.
Zugelaufen: 2 Enten.
Gießen, am 11. December 1888. Großherzogliches Polizeickrnt Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
Darmstadt, 9. December. Das Großherzogliche Regierungsblatt I!r. 30 enthält:
Das Reglement, die Beschaffung der MobllmachungSpferde betreffend.
Schweiz.
Bern, 10. December. Der Rationalrath hat das Branntwein-Monopol nach artikelweiser Berathung bei der Generalabstimmung mit allen gegen 6 ©tim» inen angenommen. Die Annahme der Vorlage durch den Ständerath gilt als gesichert.
Italien.
Nom, 10. December. Der frühere Ministerpräsident Minghetti ist ge» fiorben; die Deputirtenkammer hob zum Zeichen der Trauer die Sitzung auf.
Bulgarien.
Sofia, 10. December. In dem Dorfe Dulnidol kamen vom 30. Ro- Dember bis 4. December 13 Cholcra»Erkrankungen vor. Durch Absperrungs- Maßregeln blieb die Krankheit auf Dulnidol beschränkt; seit dem 5. December Ist kein neuer Fall vorgekommen.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Corresponderrz - Bureau.
Berlin, 10. December. Der Prinzregent Luitpold und der Herzog Max 'Emanuel nahmen um ll3/« Uhr bei den kronprinzlichen Herrschaften das Frühstück. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich Mittags 12V* Uhr in das kronprtnzliche -Palais woselbst sich die Kaiserin von dem Prinzregenten verabschiedete. Der Kaiser begleitete den Prinzregenteu zu dessen Abreise nach Dresden nach dem Anhalter Bahnhöfe Außer dem Kaiser waren auch der Kronprinz, Prinz Wilhelm, der Polizeipräsident v. Richthofen und zahlreiche bayerische Officiere anwesend. Der Prinzregent verabschiedete sich trt herzlichster Weise von dem Kaiser und den Prinzen und begrüßte die bayerischen Officiere. Die Abreise erfolgte um 1 Uhr 10 Min. Der Kaiser reichte 'dem Prinzregenien, welcher schon im Waggon war, nochmals die Hand, als der Zug .sich in Bewegung setzte.
Nachmittags 4 Uhr empfängt der Kaiser den Furstblschof von Prag in Gegenwart des EultuSministers. Der Fürstbischof wird sodann auch von der Kaiserin empfanauL^, 10 December. In der heutigen Sitzung der Militärcommission erklärte der Kriegsminister, die Vorlage bezwecke, das Land rasch vertheidigungsfähiger und die Armee kriegstüchtiger zu machen. Schon vom 1. April 1887 ab würden durch vermehrte Rekrutenaushebung die Regimenter mit einer größeren Anzahl Soldaten verstärkt Die Angaben Richter's über die französische Streitmacht seien unrichtig. Das Algier'sche Armeecorps sei im Jahre 1870 sehr rasch auf dem Kriegsschauplatz erschienen. In der Artillerie müsse die nöthige scharfe Trennung zwischen Feld- und Fußartillerie noch mehr hergestellt und auch die Geschütz-Bespannung vermehrt werden. Er (der Kriegsminister) beschäftige sich weniger mit der rusfischen als mit der französischen Armee und verhieß weitere Aufklärungen bei der Specialdebatte.
Dresden, 10. December. Der Prinzregent von Bayern ist heute Nachnn.tag 4t/_ uhr hier etngetroffen und auf dem böhmischen Bahnhofe von dem Könige und dm Prinzen Georg und Friedrich August empfangen worden. Die Begrüßung zwischen dem Könige und dem Prinzregenten war eine überaus herzliche Nach der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges und kurzem Aufenthalte begab sich der König mit bem Vrimregenten auf den Platz vor dem Bahnhofe, wo eme Ehrencompagnie aufgestellt mar, auf deren rechtem Flügel sich die Generalität und die gesammten dienstfreien Officiere der Garnison befanden. Der Prinzregent schritt die Front ab und ließ die Ehrencompagnie defiliren. Hierauf fuhren der König und der Pnnzregent durch die Prager Straße nach dem Schlosse, wo der Regent Woynung genommen hat. Um H Uhr begibt sich Prinz Luitpold nach Strehlen , wo in der königlichen Villa das Familicndiner stattfindet, dort wird derselbe die Königin und die Familie des Prinzm Georg begrüßen. . ± , ...
Wien, 10. December. Die bulgarische Deputation ist heute Nachmittag vom russischen Botschafter Fürsten Lobanoff, demnächst auch vom türkischen Botschafter em- pfanßenjuorben. Fremdenblatt" (Organ des auswärtigen Amtes) meldet: Die hier mellende bulgarische Deputation, welche im Ministerium des Aeußerm eine Audienz nackaesucht hatte, wurde gestern Nachmittag um 3 Uhr von Kalnoky in nichtofficteller Giaenschaft empfangen. Sie hatte mit demselben eine längere Unterredung, welche der Deputation Gelegenheit bot, ihrem Auftrage gemäß, die derzeitige Lage m Bulgarien eingehend auseinanderzusetzen und die Wünsche der bulgarischen Bevölkerung bezüglich einer thunlichst baldigen Lösung der gegenwärtigen Krise dem Minister darzulegen. Der Empfang der Deputation war ein sehr freundlicher und sind bei demfelben die lebhaften Sympathien des Ministers und besonders desfen dringender Wunsch zu Tage getreten, sowohl im Interesse Bulgariens wie des. allgemeinen Friedens die derzeitige Krisis möglichst bald einem befriedigenden Ende zugefuhrt zu sehen.
Varis. 10 December. Goblet und Freycrnet confertrten heute lange mit Eourcel7der aber auf der Ablehnung eines Portefeuilles verharrte. Es-verlautet,.im Laufe des Abends würden erneut Schritte geschehen, um Duclerc zur Annahme emes Vortkfeuilles zu bestimmen. Es heißt, nicht Burdeau, sondern Berthelot wurde das Msiort des Unterrichts und Deoelle anstatt Ricards das der L-ndwrrthschast uber- nehnren^ @oMet forberte bm Sandten Billot in Lissabon telegraphisch aus, das Ministerium des Auswärtigen zu übernehmen.
Reichstag.
E. R. Berlin, 10. December 1886.
Die zweite Lesung des Etats wurde fortgesetzt.
Bei dem Capitel: Gehalt des Kriegsministers 36000 nahm Abg. Rickert (dfr.) Veranlassung, auf ein Circular aufmerksam zu machen, welches im Juli d. I. an die Offiziere der Armee von dem Verein zur Verbreitung konservativer Zeitungen, unterzeichnet von Koeller, erlassen worden sei. Damit werden die Offiziere zu gesetzwidrigen Handlungen aufgefordert; der Ton sei gehässig, so daß man erstaunt sein müsse, daß ein Mitglied des Hauses sich zu einem solchen Schritte berbeilasse. Redner verlas das Circular unter Heiterkeit der Linken und verwies darauf, daß der § 49 des Militärgesetzes den Offizieren die Theilnahme an politischen Vereinen verbiete, und hier sollten die Offiziere zu Agitatoren für konservative Zeitungen herabge- würoigt werden. Redner wünschte die Ansicht des Kriegsministers über dieses Vorgehen zu hören. Er lege entschiedenen Protest gegen das Vorgehen des Abg. v. Koeller ein.
Abg. v. Koeller (ksv.) wies die Insinuation des Vorredners zurück, er habe gewußt, daß man über das Vorgehen des Vereins großes Geschrei erheben würde, die for.i«*rnatiöe Partei hat mit diesem Verrine aber absolut nichts zu thun. Der Verein t„ i nach Erlaß der kaiserlichen Botschaft an die Beamten zur Bekämpfung
der Socialdemokratie und der ihr verwandten freisinnigen Partei. (Gelächter.) Der Vereist sei kein offensiver, sondern ein defensiver; der Verein wünsche nicht, daß in der Armee die Blätter dieser Parteien gelesen werden; in dem Circular sei kein Wort enthalten, welches die Officiere auffordere, einem politischen Verein beizutreten.
Kriegsminister Bronsart von Schellendorf erklärte, von dieser Angelegenheit nur aus den Zeitungen Kenntniß erhalten zu haben. Rur in der Richtung habe er ein Interesse an der Sache, daß active Offiziere dem Verein beigetreten seien und in dieser Beziehung sei Remedur eingetreten. Uebrigens würden die Offiziere ihre Würde allein auftecht zu erhalten wissen.
Abg. Kayser (Soc.-Dem.) fragte den Kriegsminister, ob er sich auch nicht um Circulare kümmern wurde, wenn sie von socialdemokratischer Seite ausgingen.
Abg. Di richtet (dfr.) klagte über die überhandnehmenden Gegensätze zwischen Civil und Militär: gerade jetzt verbiete sich das Hineintragen von Politik in die Armee. Sei doch selbst die Wahl zu Reserveoffizieren von dem politischen Glaubens- bekenntniß abhängig gemacht worden. Ein derartiges Hervortreten politischer Bestrebungen entspreche jedenfalls dem nicht, was für das Heer wünschenswerth sei.
Abg. Rickert (dfr.): Der Kriegsminister scheint der Ansicht zu sein, daß die Bestrebungen des Herrn v. Koeller nicht darauf hinausgehen, die Offiziere zu ungesetzlichen Handlungen zu bewegen. Seine Partei sei bestrebt, die Armee über den Parteien zu halten; nach den Worten des Ministers könne sie aber nur zum Tummelplätze der politischen Kämpfe werden.
Kriegsminister v. Bronsart protestirte gegen die Annahme; die Armee dürfe niemals zu einem derartigen Tummelplätze gemacht werden; aber darin, daß ein Offizier in einer Conditorei nur konservative Zeitungen fordere, liege nichts Gesetzwidriges. (Gelächter links.) In den freisinnigen Zeitungen stehe allerdings sehr Vieles, was für die Armee sehr unangenehm sein könne, und wenn die socialdemokratischen Zeitungen in den Kasernen verbreitet würden, so würde dadurch die Dis- ciplin bedenklich gelockert werden. Die Ansicht, daß das Verhältniß zwischen Militär und Civil schlechter geworden sei, theile er nicht.
Nach einem erneuten Wortgeplänkel zwischen dem Kriegsminfter, den Abgg. Dirichlet, v. Koeller und Richter wird die Diskussion geschlossen und der Titel, bewilligt.
Nächste Sitzung: Montag, den 13. December. (Anträge aus dem Hause.)
London, 10. December. Einer Meldung aus Sansibar zufolge beabsichtigt der Afrikareisende Junker am 21. d. M. nach Kairo abzureisen. Junker berichtet nach den letzten ihm zugekommenen Nachrichten, er befinde sich mit Emir Bey gesund und wohl und habe die Aufständischen bis Lardo am weißen Nil hin, auf welchem er tägliche Dampferoerbindung unterhalte, zur Unterwerfung gebracht.
London, 10. December. Heute früh strandete das Schiff „Mexiko" von Hamburg in der Merseymündung. Drei Rettungsboote aus Southport, Lytham und Saintannes gingen bei schwerem Unwetter zur Rettung der Mannschaft ad. Die Boote aus Southport und Saintannes schlugen um. Von den Mannschaften wurden nur neun gerettet, 21 ertranken. Das Lythamer Boot rettete die Mannschaft „Mexikos".
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Gießen, 10. December. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom 4. Quartal d. I. sind wie folgt anberaumt:
Montag den 13. December, Vormittags 9 Uhr, Strafsache gegen Conrad Enders von Alsfeld wegen Mords. Anklage: Herr Erster Staatsanwalt Jö ckel. Ver- theidigung: Herr Rechtsanwalt Grünewald. r, ,
Dienstag den 14. December, Vormittags 9 Uhr, Strafsache gegen Jacob Becker von Bönstadt wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit. Anklage: Herr Staatsanwalt Seeger. Vertheidigung: Herr Rechtsanwalt Weidig.
Mittwoch den 15. December, Vormittags 9 Uhr, Strafsache gegen Philrpp Jacob Dietrich von Klein-Karben wegen Brandstiftung. Anklage: Herr Gerichtsassessor Theobald. Vertheidigung: Herr Rechtsanwalt Barth.j
Donnerstag den 16. December, Vormittags 9 Uhr, Strasiache gegen Johann Reiter von Klein-Karben wegen Verbrechens gegen b.e Sittlichkeit. Anklage: Herr Staatsanwalt Seeger. Vertheibigung: Herr Rechtsanwalt Grünewald.
Freitag den 17. December, Vormittags 9 Uhr, Strafsache gegen Gemeinde-Ew- nehmer Wallbott von Garbenteich wegen Verbrechens tm Amte. Anklage: Herr Erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidigung: Herr Rechtsanwalt Dr. Rosenberg.
Samstag den 18. December, Vormittags 9 Uhr, Strafsache gegen Conrad Schreiner II. von Feldkrücken, wegen Brandstiftung. Anklage: Herr Staatsanwalt Seeger. Vertheidigung: Herr Rechtsanwalt Grünewald.
Montag den 20. December, Vormittags 9 Uhr, Sttafsache gegen Heinrich


