— Das Landesöconomie-Collegium nahm im Laufe der heutigen Sitzung folgende Anträge an: 1) Der baldige Erlaß eines Landesgesetzes, betr. die Einführung der obligatorifchen Krankenversicherung für in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigte Arbeiter ist als dringend geboten zu erachten. 2) Es sind gesetzliche obligatorische Bestimmungen zu treffen, welche dem in land- und forstwirthschaftlichem Betriebe arbeitenden Gesinde mindestens die gleichen Wohlthaten des für die land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter nothwendig erachteten Krankenverstcherungsgesetzes sichern. Es ist daher wünschenswerth, die bestehenden Gesindeordnungen nach altem Rechte zwar zu belassen, aber die Wirkung der Krankenversicherung bezüglich des ländlichen Gesindes soweit in Kraft treten zu lassen, als diese Gesindeordnungen den Wohlthaten des Krankenversicherungs-Gesetzes nicht voll entsprechen ,
Daris 10. November. Der Minister des Aeußern empfing aus Tongkmg die Nachricht, daß Paul Bert bedenklich erkrankt sei. — Laboulaye wird Montag nach Petersburg abreisen.
London, 10. November. Das Parlament wird durch Königliches Decret neuerdings bis zum 9. December vertagt.
London, 10. November. Bei dem Lordmapors-Bankett in der Guildhall sagte Lord Salisbury, die englische Occupation Egyptens müsse eine beschränkte sein, England könne aber ohne Einbuße an seiner Ehre die dem Lande gegebenen Sicherheiten nicht zurückziehen und das Land nicht eher verlassen, als bis dasselbe in eine gegen auswärtige Aggression gesicherte Lage gebracht und die Anarchie in den inneren Angelegenheiten vollständig beseitigt sei. In finanzieller Beziehung feien die Fortschritte Egyptens günstiger wie jemals, die Aufgabe Englands sei aber noch nicht vollendet, die Wohlfahrt Egyptens und seine Unabhängigkeit von einer Controle einer anderen Macht sei von größter Wichtigkeit. Bezüglich Bulgariens erinnerte Lord Salisbury an die Vorgänge bei der Verschwörung gegen den Fürsten Alexander, worüber er sich sehr mißbilligend aussprach, und er tadelte die an der Verschwörung betheiligten Offi- ctere, welche durch fremdes Geld verführt seien, lieber die Verschwörung sei das Ver- dammungsurtheil von Europa gesprochen, welches mit Erstaunen erfahren habe, daß die Hilfsmittel der Diplomatie angewendet wurden, um die Officiere vor dem verdienten Schicksale zu retten; Europa habe mit lebhaftem Bedauern die Eingriffe in die Rechte eines unabhängigen Volkes gesehen und alles das habe die Entstehung unheilvoller Gerüchte veranlaßt. Er, Lord Salisbury, habe indeß guten Grund, dieselben für unbegründet zu halten. England werde im Einvernehmen mit den andern Mächten handeln und es werde nicht die Pflicht übernehmen, die Verpflichtungen für andere ausrecht zu halten, welche ihrerseits es für unnöthig hielten, dieselben aufrecht zu halten. Wenn aber Englands Jnteresien berührt würden, werde England keinen Rath verlangen und keinen Beistand suchen, sondern selbst seine Interessen vertheidigen überall, wo es angegriffen werde. Gegenwärtig seien die Interessen Englands nicht berührt. Oesterreich habe das größte Interesse in der Frage und Oesterreichs Entschlüsse würden von großem Einflüsse auf die Entschlüsse Englands sein. (Nach einem anderen Berichte des „W. T. B." wies Lord Salisbury noch darauf hin, daß England bei der bulgarischen Frage kein isolirtes, sondern ein mit den anderen Mächten gemeinsames Interesse habe. Falls die Mächte oder der größere Theil derselben es als ihre Pflicht erachten, eine Verletzung des Berliner Vertrags zu ahnden, so würde England sicher nicht zögern, dieselben zu unterstützen. Augenblicklich sei kein Grund zur Besorgniß wegen einer Störung des europäischen Friedens; er hege das Vertrauen, der Einfluß der öffentlichen Meinung Europas werbe ausreichen, die Freiheit .Bulgariens zu schützen.) Beim Schlüsse seiner Rede wiederholte Lord Salisbury, er halte den Frieden in keiner Weise gefährdet und er hoffe, die Zukunft werde anstatt eines zerstörenden Krieges ein Wiederaufleben der Arbeit und Industrie zeigen.
— Sämmtliche Morgenblätter ohne Unterschied der Parteistellung billigen die gestrigen Auslassungen Lord Salisbury's über die Orientfrage, da dieselben klar und entschlossen und der Unterstützung des Landes würdig seien. Die „Times" sagt) mit Sem bedeutsamsten Satze der Rede, worin gesagt war, daß Oesterreichs Politik maßgebend fein werbe für die britische Politik, sei gemeint, daß Oesterreich, falls es durch die in einer russischen Occupation Bulgariens involvirten Verletzung des Völkerrechts pevnungen wäre, der Bedrohung feiner Reichsinteressen entgegenzutreten, nicht ohne Uuierftützung Englands getanen würde. Der „Standard" äußert sich ähnlich, bemerkt indessen, Oesterreich müsse unbedingt den ersten Schritt thun; ein Einvernehmen zwischen Oesterreich und England werde allgemein als beste Friedensbürgschaft beurtheilt.
Nisch, 10. November. Skupschtina. Bei Berathung des neuen Steuergesetzes, betreffend Erhöhung der directen Steuern durch Zuschlag, Entlastung der wenig bemittelten Steuerzahler der unteren Klassen, Aufhebung der Schanksteuer, verlangte die Opposition eine vorherige Berathung des Budgets, was die Majorität und die Regierung ablehnten. Nach langer lebhafter Debatte, in welche der Finanzminister wiederholt eingriff, würbe das Gesetz im Princip mit großer Majorität angenommen. Neun Führer der Opposition traten hierauf aus; die übrigen radicalen Mitglieder blieben, nahmen Theil an der Specialdebatte und stimmten mit Majorität für das Gesetz, welches somit angenommen erscheint.
Tirnowa, 10. November. Die Regentschaft und die Minister zeigten dem Prinzen Waldemar die Wahl zum Fürsten durch nachstehende nach Cannes gerichtete Depesche an: „An Seine Königliche Hoheit Prinzen Waldemar von Dänemark. Die unterzeichneten Regenten und Mitglieder der Regierung haben die Ehre, zur Kenntniß Eurer Hoheit zu bringen, daß heute um lOVa Uhr die nach der alten Hauptstadt Bulgariens zusammenberusene große Nationalversammlung Sie einstimmig und mit Acclamation zum Fürsten Bulgariens erwählt hat. Die Wahlacte wird Eurer Hoheit durch eine besondere, von derselben Versammlung erwählte Deputation überreicht werden. Ueberzeugt, daß Eure Hoheit die edle Aufgabe übernehmen werben, Ihr kostbares Leben dem Glücke und der Wohlfahrt eines Volkes zu widmen, welches soviel Beweise von
Lebenskraft und Fähigkeit für Fortschritt und Civilisation gegeben und daß Sie baldigst die Zügel der Negierung ergreifen werden, haben wir die Ehre 2c." Unterzeichnet: Stambulow, Mutkurow, Radoslawow, Ratschewitsch, Stoilow, Geschow, Nikolajew, Joantschow. Die Deputation, welche beauftragt ist, dem Prinzen Waldemar die Wahlacte zu überbringen, besteht aus Jukow als Präsidenten, Grecow, Michailow, Baikuschew, Kesin, Zadey. Dieselbe reift wahrscheinlich in zwei Tagen nach Cannes. Sie sandte heute dem Prinzen eine Depesche, welche in demselben Sinne abgefaßt ist, wie diejenige der Regentschaft.
— Bei Wiederaufnahme der heutigen Sitzung theilte der Präsident der Versammlung mit, daß Karawelow seine Entlassung gegeben habe und es wurde beschlossen, morgen eine Sitzung zu halten, in welcher wahrscheinlich ein neues Mitglied der Regentschaft gewählt werden wird.
Verwischte
— Die Solinger Waffenindustrie, gegen welche der englische Concurrenzneid^. wie erinnerlich fein wird, vor etlichen Monaten mit vielem Lärm zu Felde zog, weil sie der britischen Infanterie unbrauchbare Seitengewehre geliefert haben sollte, hat schließlich dennoch als Sieger ehrenvoll den Platz behauptet. Aus Sheffield, dem Hauptorte der englischen Stahlklingen-Erzeugung, wird berichtet, daß die 4. Batterie der Royal-Artillerie, welche nächsten Monat nach Indien abgehen soll, soeben mit aus Deutschland bezogenen Seitengewehren ausgerüstet worben ist; eine andere Batterie desselben Regiments mußte vor Kurzem ihre Seitengewehre Birminghamer Arbeit abliefern und erhielt statt derselben ebenfalls Solinger Klingen. Es wird noch bemerkt, daß die deutschen L-äbel etwas schwerer als die englischen seien und eine Vorrichtung zum Anhängen der Scheide haben, wodurch das Klirren des schleppenden Stahles vermieden wird.
— sAuch ein Zwillingspärchen.) In einer Danksagung, die Jemand in Nr. 238 des „Stettiner General-Anzeiger" veröffentlicht, heißt es: „Heute, den 11., wurde meine Frau zum dritten Male von Herrn Dr. Sauerhering und Frau Guhl entbunden rc."
Theater.
Gießen, 10. November.
Die Vorstellungen des Rudolph'schen Hoflheater-Ensemdie nehmen nicht, wie ursprünglich festgesetzt war, am Sonntag den 14., sondern erst am Dienstag den 16. November ihren Anfang, da der Aufbau der neuen Bühne nicht so schnell als wie man glaubte fertiggestellt werden kann.
In unseren kunstliebenden Kreisen bringt man dem Unternehmen des Herrn Rudolph die größten Sympathien entgegen. Wenigstens ist die Betheiligung am Abonnement eine so äußerst zahlreiche, daß gleich in den ersten Tagen, an welchen dasselbe aufgelegt wurde, nahe an hundert Unterschriften gezeichnet worben sind.
Der vorzügliche Ruf, welcher der Gesellschaft vorausging, hat sich in unserer Nachbarstadt Marburg auf bas Glänzendste bewährt. Der große Saalbau in Marburg ist fast jeden Abend ausverkauft und finden die Vorstellungen einen derartigen Beifall, wie man dieses dort noch nicht gekannt hat. Die Marburger Blätter sind des Lobes voll.
Diejenigen Theaterfreunde, welche bezüglich fester Plätze nähere Auskunft haben wollen, finden in der Ferber'schen Universitätsbuchhandlung den vollständigen Theaterplan vor.
— sJtalieniscbe Weinproduction.) Daß Italien ganz vorzügliche, werthvolle Weine erzeugt, unterliegt keinem Zweifel mehr, leider ist es aber auch eine traurige Thatsache, daß uns diese italienischen Weine seither, namentlich von Frankreich, unter irgend welchen renommirten französischen Marken zugekommen und hohe Preise dafür verlangt worben finb. Daß uns Italien seine Weine noch häufig in mangelhaftem Zustanbe übersendet und daß man diese uns krank zukommendcn Weine bei uns noch nicht richtig zu pflegen und zu behandeln versteht, hat uns schon öfters das Mißglücken von Unternehmen, italienische Weine bei uns einzusühren, bewiesen.
Von Seiten der italienischen Regierung werben jedoch alle Anstrengungen gemacht, um die für ihr Land fo einträgliche Weinproduction möglichst zu heben und das Pflegen und Behandeln der Weine im Lande selbst zu verbessern, um so diese vorzüglichen Weine in Naturzustand und unter eigner Flagge im Ausland in den Handel zu bringen.
Die Fortschritte, die auf diesem Gebiete erzielt werben, sind theilweise schon recht erfreulich und glauben wir manchem unserer Leser einen Gefallen zu erweifen, wenn wir einige empsehlenswerthe Sorten italienischer Weine namentlich bezeichnen. Es sind dies die Weine der Toscana, die vini di Chianti und die Elba-Weine. Letztere verdienen von unserem Wein consumirenden Publikum besonders deshalb beachtet zu werden, weil diese Weine, neben ihrem vortrefflichen Bouquet, auch einen starken natürlichen Eisengehalt — bedingt durch die eisenreiche Bobenbeschaffenheit der Insel Elba — haben und aus diesem Grunde blutarmen und stärkungsbedürftigen Personen sehr zu empfehlen sind. Was von Elba-Weinen echt und in Naturzustand bis jetzt nach Deutschland exportirt wurde, sind die Weine des Weinguts Vella San Rocco in Portoferraio, dessen Eigentümer Herr Fuchs ein Deutscher ist.
Die Weine des Weinguts Villa San Rocco sind mit gründlicher Sachkenntniß gebaut und gepflegt und haben sich, wie wir hören, überall, wo sie bis jetzt eingeführt wurden, recht guter Ausnahme zu erfreuen.
Literarisches.
Demnächst wirb im Verlage von Richard Eckstein Nachfolger (Carl Hammer) in Berlin eine Allgemeine Deutsche Universitäts-Zeitung erscheinen und von vr. Conrad Küster in Berlin herausgegeben werden. Dieselbe hat sich die Aufgabe gestellt, zwischen allen akademisch Gebildeten, Studirten und Studirenden ein geistiges Band zu bilden. Ohne jede Parteirichtung, wirb sie ben Gesammt- intereffen zu bienen suchen.
lieber den Inhalt der binnen Kurzem erscheinenden ersten Nummer werden wir nach Empfang unseren Lesern berichten.
Handel und Verkehr.
Limburg, 10. November. Rother Weizen, JL 14.30, weißer Weizen 14 IO, Korn v*L 10 30, Gerste JL. 9.20, Hafer 5.80, Kartoffeln ä 100 Pfund 0.00 Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00.
Frankfurt, 10. November. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter JL 5.00—5.50, Eier das Hundert JL 4.50—7.00, Butter per Pfund JL 1 00 bis 1.20, Weißkraut per Stück 10-12 H, Rothkraut per Stück 20—30 H, Kohlrabi in-ncA Ochsenfleisch per Pfund 45-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45-60 H, Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn JL. 0.70—1.80, 1 Huhn «X 1.00—2.50, 1 Ente 2.00—3.00, 1 Gans JL. 5.00—7 00 1 Taube 40-70 H, Welsche JL OOO-OO.0O.______________'
I /»An Wohlgeschmack den besten Liqueuren mindestens ebenbürtig, jedoch in I hygieinischer Beziehung weit überlegen", so lautet das Urtheil medicinischer Autori-- > taten über Widtfeldt's Magenbehagen- Niederl- u. A, b- Emil Fischbach. 8091
Allgemeiner Anzeiger.
Kaffee-Specialitäl.
Durch Bezüge aus erster Hand bin ich in der Lage, meinen werthen Kunden besondere Vortheile gewähren zu können und offerire den bekannten hochfeinen Iavakassee, gebrannt a M. 1.— p.M.
094 Carl Bieler, Kreuz
Sauerkrautfaß in großer Auswahl, werden billig abgegeben.
Restauration Heil,
.7792 Schloßgasse.
Reisedecken empfiehlt in neuer großer Auswahl Ernst Blödner, 7725 Bahnhofstraße 12.
Kaffee-Offerte!
Durch dre mir zu Gebote stehenden Vortheilhaftesten und billigsten Bezugsquellen in Kaffee, vereint mit äußerst geringen Geschäftsunkosten, bin ich im Stande, billiger und bester als von auswärts, wie z. B. von Hamburg, Bremen, Gmmertch rc. bezogen. Liefern zu können.
Indem ich mein Kaffee-Lager einer geneigten Abnahme bestens empfohlen halte, zeichne
Hochachtungsvoll
6208 II. iVassentey.
8069] Mädchen, welche in Küche und Hausarbeit erfahren, suchen Stellen auf sogleich und später, sowie ein Kindermädchen durch
Frau Müller, Löwengasse.
7939 Für die Monote November und December wird ein braver ehrlicher Bursche von 16—18 Jahren, für Haus- und Ausläuferdienste gesucht.
Näheres in der Exped. d. Bl.
Pap'
Das
iS»» toi <7 werE w Mai v-o-der I ®i(J
L-ll°r d-
8042 _- -He
der
Iiampe"' auf fetung «er
im AE Bedingungen und die Bei kostenireie 1 von dort de stift 2 ffioc
Marburg Königliche
werben bei Chaussee, wärterhaus Herrn Bau von Frar brauchte,'
O in kleiner hing Deifa
8047
I
Größt
Wien
zu den li. 8
Rui An los l*u
Ballh, Ballbi
Sraufi ßotfel «Mt f
ta
Erhaltung mgenbftifi ausbleibli, drücklich Preise von nur echt
MdI Mllinl ^Üorbi d°. H
«W
7676


