Eine
zurückgekehrt.
Handel und Verkehr.
— Mit dem 1. October treten die bei den König!. Eisenbahndirectionen ein- gerichteten Fundbureaus in Thätigkeit. Zur Unterweisung der Reisenden dienen gedruckte Bekanntmachungen in den Wartesälen, auf den Perrons und in den einzelnen Coupe's. Darnach sind alle Eisenbahnbeamten, Bahnhofs-Gastwirthe und im Dienste der Eisenbahnverwaltung befindlichen Arbeiter verpflichtet, die von ihnen auf der Strecke, den Bahnhöfen, Bahnhallen, in den Zügen, den Wartesälen, überhaupt im Bezirk der Bahnverwaltung gefundenen Gegenstände, welche nicht sogleich den Berechtigten zurückgegeben werden können, gleichviel, ob solche vermuthlich von Reisenden oder anderen Personen hcrrühren, gehörigen Ortes abzuliefern, wofür die erforderlichen Vorschriften gegeben sind. „Lebensmittel ohne besonderen Werth" sind den Abliefernden zurückzugeben. Sonstige leicht verderbliche Gegenstände, auch herrenlose Thiere, sind nach vorher einzuholender Genehmigung des vorgesetzten Betriebsamts, in ganz dringenden Fällen auch ohne Weiteres „bestmöglich öffentlich zu verkaufen". Auf allen Stationen und Haltestellen sind Muster für Verlustanzeigen unentgeltlich abzulassen. Jede solche Anzeige ist von dem Stationsvorsteher ohne Verzug an die Fund-Amts- stelle zu senden, wenn sich der betreffende Gegenstand nicht auf der Station selbst noch befindet. Die Einsendung erfolgt gebührenfrei als Dienstsache. Zur Unterweisung der Reisenden dienen in den Wartesälen und Vorhallen sämmtlicher Stationen und Haltestellen gedruckte Bekanntmachungen, ebenso Benachrichtigungen in den einzelnen Wagenabtheilungen.
zu haben. In Savannah eingetroffene Reisende berichten, daß sie bei Eharleston große, 600 Fuß lange Erdspalten gesehen haben. Aus einigen stiegen Schwefeldämpfe auf, während aus anderen Wasser 50 Fuß hoch emporschoß. Die „Charleston News und Courier" schreibt heute in einem Leitartikel: „Die Stadt ist bereit, ihre bürgerlichen Geschäfte zu beginnen, trotz der Verheerungen des Erdbebens. Charleston sitzt nicht da auf der Asche der Stadt und klagt über seinen Verlust, sondern ist entschlossen, seine Stellung in der commerciellen Welt wieder einzunehmen und zu behaupten." — Um Mitternacht erneuerte sich an der atlantischen Küste von Jacksonville in Florida bis nach Washington das Erdbeben. In Eharleston stürzten 100 Häuser ein. CI..» Frau wurde getödtct. In Savannah war das Erdbeben besonders stark. Die geflohenen Telegraphisten in Charleston, Augusta und Columbia sind auf ihre Posten.
rvorden. Derselbe hatte sich durch verschiedene Aeußerungen verdächtig gemacht und auffallender Weise hat es aber auch gerade bei solchen Leuten gebrannt, mit wichen der Schlosser wegen Geldforderungen in Differenzen gerathen war. — Morgen nmmt der Herbst für Frühburgunder seinen Anfang, die Qualität ist ganz vorzüglich die Quantität entspricht indessen kaum einem halben Herbst.
— In Leipzig feuerte ein Schuhmachermeister in dem Augenblicke, as er aus einem Geschäftsladen, mit dessen Inhaber er zuvor eine mißliebige Auseinackersetzung gehabt, auf die Straße hinaustrat, aus einem Revolver 5 Kugeln gegen sich ab, die sämmtlich in seiner Brust haften blieben. Der Unglückliche ist noch leiend nach der nahen Sanitätswache, von da aber in's Krankenhaus gebracht worden. Dort ist er alsbald gestorben.
- In Sinkwitz bei Bautzen sprach dieser Tage bei dem Hausbesitzer Bcker ein Bettler um eine Gäbe vor. Es wurde ihm Brod gereicht, das auf seinen Wmsch mit Butter bestrichen wurde. Nachdem dies geschehen, verlangte er Hosen und Stieeln. Trotz der bereits bewiesenen Unverschämtheit reichte man ihm ein Paar etwas deecte Beinkleider, worauf er erklärte: „Zerrisfene Hosen habe ich selbst!" Hierauf nurde dem Menschen die Thür gewiesen, er verließ auch das Haus, aber mit den Wollen: ^Sie vergessen wohl ganz, daß Sie ein Strohdach haben?" Gegen Mitternacht brcnnte in Folge Brandstiftung das Grundstück nieder, schreibt die „Th. Z."
— Aus München wird der „F. Z." geschrieben: Herr Professor vr. Ratzel (Professor für geographische Wissenschaften. Anm. d. Red.), der kürzlich München verlassen bat, um einem Rufe nach Leipzig Folge zu leisten, hat hier zu guter letzt roch in einer Art von sich reden gemacht, die zur Zeit ziemlich unliebsames Aufsehen erregt. Als es sich nämlich kürzlich darum handelte, aus Kosten der Stadt an ehern Hause der Theatinerstraße eine Gedenktafel für die drei darin geborenen Forschungsreisenden Adolf, Hermann und Robert v. Schlagintweit anzubringen, deren Namen mit der 1. Erforschung des Himalaya eng verknüpft ist und von denen bekanntlich Adolf, genannt Sakülinski, im Dienste der Wissenschaft in Kaschgar den Märtyrerlod erlitt, wandte sich unser hochlöblicher Magistrat an Herrn Ratzel mit der Bitte um eine Auskunft über die wissenschaftliche Bedeutung der in unserem Rathhause offenbar ginz unbekannten Brüder, obwohl man über dieselben in jedem Conversationslcxicon las Nöthige nachlesen kann. Herr Prvf. Ratzel erwiderte auf diese Anfrage, daß znar Adolf und Hermann einige Verdienste besäßen, daß dagegen Robert o. Schlagintweit ein „ganz bedeutungsloser, wenn auch achtungswerther Gelehrter sei, den man nur aus Gründen der Höflichkeit in die Gedenktafel aufnehmen könne." Robert v. Schlagintweit, der vor einigen Jahren als Professor der Geographie in Gießen verstörten ist, hat nun nicht nur gemeinsam mit seinen Brüdern, sowie allein große Forschungsreisen unternommen und wissenschastliche Arbeiten von Ruf veröffentlicht, sondern auch während einer mehr als ein Menschenalter dauernden Lehrtätigkeit zahlreiche Schüler herangebildet und durch mehr als 10,000 Vorträge, die er in allen größeren Städten Europas und Amerikas gehalten, das allgemeine Interesse für die lange mr- uachlässigte Erdkunde mächtig gefördert. Dabei war er von seinen Schülern und allen Denjenigen, die Gelegenheit hatten, ihn kennen zu lernen, als schlichter, jedoch liebenswürdiger und kenntnißreicher Gelehrter aufrichtig geschätzt, der allerdings auch niemals ein Hehl daraus machte, daß ihm das sich neuerdings mehr und mehr breit machende Streberthum in der Wissenschaft und die leidige Sucht, um jeden Preis von sich redm zu machen, bis in den Tod verhaßt seien, und darum wird es Jedem, der ihn kannte, aufrichtig leid thun, daß gerade dieser Mann, nachdem ihn kaum die Erde deckt, in einer solchen Weise öffentlich als „gänzlich bedeutungslos" von einem Collegen abgethan wird. Man erblickt darum auch hier allgemein in diesem Vorgehen Rahel's einen Act von ziemlicher Pietätlosigkeit. Der Berichterstatter unseres Gemeindecollegiums beging dabei noch in der jüngsten Sitzung die Ungeschicklichkeit, diese Qualification Ratzel's in öffentlicher Sitzung zu verlesen und der Bevollmächtigte, Dr. Orterer, nahm daher hieraus, nachdem er cs scharf gerügt, daß der Magistrat in dieser Angelegenheit überhaupt das Urtheil Prof. Ratzel's eingeholt, mit Recht Anlaß, diese Verlesung als eine Beleidigung Derjenigen zu tadeln, die man ehren wolle.
— Ein köstliches Beispiel, zu welchen Unzutraglichkciten der Befähigungsnachweis führen kann, erzählt das „Wiener Fremdenblatt" — in Oesterreich ist der Befähigungsnachweis bekanntlich schon eingeführt — unter dem Titel „Der Streit um den Kuchen" in folgender launiger Weise: „Ausgekämpft und ausgerungen ist,der große, lange Streit — und wer Kuchen backen kann, wissen jetzt alle Leut'." Es wurde bereits berichtet, daß eine Cafötidre, welche vom Marklcommissar beim „Kuchen- backen" betreten wurde, diesfalls eine Strafe von 10 fl. erhielt, da ihr hierzu der ^Befähigungsnachweis" fehlte. Gleichzeitig wurde ihr auch von der Gewerbebehörde erklärt, daß es absolut verboten sei, in der Kaffeehausküche zu kochen und zu backen, sofern es nicht Artikel, zu deren gewerbsmäßigem Verkaufe sie berechtigt sei, betreffe; sie dürfe daher keineswegs auch für ihren eigenen Lebensbedarf in der Geschäftsküche
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Speisen zubereiten. In Folge des dagegen erhobenen Recurses entschied die k. k. n.-ö. Statthalterei conform dem magistralllchen Erkenntnisse. Gegen diese beiden übereinstimmenden Urtheile ist ein weiterer ordnungsmäßiger Recurs an das Ministerium nicht zulässig." Wir fügen noch Folgendes hinzu: Neuerdings wird aus Wien sogar schon gemeldet von einem Zunftkrieg um den — Sauerkohl. Die Genossenschaft der Gemischtwaarenverschleißer (Speceristen) verlangt die Einstellung der Ausführung einer Verordnung, wonach den Gemischtwaarenverschleißern und Fragnern (Vorkosthändlern) versagt sein soll, fernerhin so wie bisher Kohl einzuschneiden, ein Recht, das man ihnen bestreiten will, weil cs ihnen an einem Befähigungsnachweis für das Einschneiden des Kohles fehlt!
Newyork, 4. September. Das Städtchen Walterborough wurde gestern von einem Erdbeben heimgesucht. Die erschreckten Einwohner haben den Ort verlassen und lagern im Freien. In Sommerville beobachtete man nach den ersten Erdstößen die seltsame Erscheinung, daß sich ausgetrockncte Brunnen mit vollkommen trinkbarem Wasser füllten. Der Eisenbahnverkehr ist in Süd-Carolina wieder aufgenommen, während die Telegraphenoerbindungen noch immer sehr unvollkommen sind. Seitdem Erdbeben hat sich das Gas, welches in Pittsburg, Pennsyloanien, in großer Menge aus der Erde strömt und zu Beleuchtungszwecken verwandt wird, bedeutend vermindert. In Charleston fängt die Bevölkerung allmälig an, ihre Ruhe wieder zu gewinnen. Die Läden wurden wieder geöffnet und die Straßenbahnen eröffneten den Verkehr. Die Hälfte aller Häuser der Stadt muß neugebaut werden. Die Bürger hoffen, dast der Staat ihnen 10,000,000 Doll, zu dem Zwecke vorschießen wird. Die Parks sehen noch immer Nachts wie ein Zigeunerlager aus. Einige schlafen in Zelten, Viele in bedeckten Wagen, während die Meisten auf Stroh und Gras ihr Lager haben. Neger und Weiße ruhen bei einander und scheint das Elend alle Rassenunterschiede verwischt
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