Ausgabe 
12.9.1886 Erstes Blatt
 
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Es sei zu wünschen, daß die bulgarische Nation und ihre Vertreter diese Rathschläge zu würdigen wissen und darnach handeln werden.

Warschau, 10. September. Prinz Wilhelm von Preußen ist Vormittags ein- gelroffen und von dem Fürsten Tschakowskoi und General Werder empfangen worden. Er setzte um 2 Uhr Nachmittags die Reise nach Brest-Litowsk fort.

Moskau, 10. September. DieMoskauer Zeitung" schreibt, der Battenberger sei mit dem nämlichen Triumphe aus Bulgarien ausgezogen, womit er einzog, und habe das Land in betäubtem demoralisirten Zustande zurückgelassen. Bei dem Ab­schiede hätten demselben einige Bulgaren zugerufen: Auf Wiedersehen! Nun, auch das sei möglich, aber lieber, daß zehn Battenberger, als daß Rußland durch Eingehen irgend einer Verbindlichkeit seine Freiheit einbüße. Rußland sei jetzt gesicherter und stärker denn jemals. Die geringste Einschränkung seiner Freiheit werde seine Stellung schnell verändern.

Sofia, 10. September. Der hiesige italienische Generalconsul ist angewiesen worden, die mit der bisherigen Regierung estandenen Beziehungen mit der Regentschaft fortzusetzen und zwar ohne neue Accreditive.

Der Kaiser in Straßburg.

Straßburg, 10. Sept., 4 Uhr 50 Min. Der Kaiser hat soeben unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug gehalten. Kanonenschüsse vom Fort Bose und von den Festungswerken verkündeten das Herannahen des Extrazuges, der unter dem feierlichen Geläute der Münsterglocken Punkt drei Uhr in der geschmückten Bahnhofs­halle eintraf. Für das Publikum war der Bahnhof abaesperrt, nur die Fürstlichkeiten mit ihren Adjutanten, der Statthalter Fürst Hohenlohe, oer Staatssekretär v. Hofmann, der kommandirende General von Heuduck, der Divisionskommandeur, der Gouverneur und der Kommandant, sowie die Ehrenwache, welche aus nichtpreußischen Truppen- theilen, Bayern, Sachsen und Württembergern, zusammengesetzt war, ferner der Be- rirkspräsident, der Polizeidirektor und der Bürgermeister standen zum Empfange auf dem Perron. Unter den Fürsten bemerkte man. den König von Sachsen, welcher um zwölf Uhr bereits angekommen war, den Großherzog von Baden, den Großherzog von Hessen, Prinz Ludwig von Bayern, Prinz Georg von Sachsen und mehrere preußische Prinzen. Unter dem Hurrahrufen der Anwesenden stieg der Kaiser, der mit seinem Generaladjutanten zusammen im Wagen gefahren war, aus, begrüßte oie versammelten Fürsten, indem er ihnen lächelnd die Hände drückte und unterhielt sich darauf kurze Zeit mit dem Statthalter der Reichslanoc. Gleich darnach eilte Fürst Hohenlohe von dannen, um hem Kaiser bet seiner demnächst erfolgenden Ankunft, im Statthalterpalais -die Honneurs zu machen. Der Kaiser war im einfachen Waffenrock und Helm; er ging etwas gebückt, aber mit sicheren Schritten. Wer den Kaiser bei den vorjährigen Manövern gesehen hat, der hat heute das Fortschreiten des Alters bei demselben gewiß nicht verkennen können. Während der Kaiser langsam an der Ehrenkompagnie vor- Leischrilt, spielte die Musik, welche ebenso wie die Fahne von der bayerischen Infanterie gestellt war, die Nationalhymne, alsdann wurden verschiedene Militär-Personen vorge­stellt und der Kaiser drückte Jedem die Hand. Der Kronprinz, der nach dem Kaiser ausgestiegen war, hielt sich während des ganzen Empfanges im Hintergründe. Unter- deß hatte auch die Kaiserin, auf ihre Damen und Cavaliere gestützt, den Eisenbahn­wagen verlassen und stand in lebhafter Unterhaltung mit ihrer Umgebung abseits auf dem Perron, bis der Kaiser in das Vestibül hinabgestiegen war. Vor der Bahnhofs­halle auf dem freien Platze nahm dieser den Parademarsch der Ehrenkompagnie ab, die Fürsten und Generäle defilirten zuerst und traten dann dem Kaiser zur Seite. Die Wagen fuhren vor, jeder mit vier Rappen bespannt und mit je zwei Spitz-Vor- -reitern. In den ersten Wagen stieg der Kaiser, dem sich der Kronprinz in der Uniform der gelben Dragoner zur Linken setzte; im zweiten Wagen fuhr die Kaiserin zur Recht.m ihrer Tochter, der Großherzogin von Baden. In langer Reihenfolge folgten dann die Prinzen des königlichen Hauses, Feldmarschall Graf Moltke und das Gefolge. Meh­rere der zum Empfang gekommenen Fürsten hatten gleich nach der Abfahrt des Kaisers einen anderen Weg eingeschlagen, dieser aber fuhr durch die Via triumphalis, welche durch die Küßstraße, den Petersplatz, über den alten Weinmarkt, Hohensteg, durch die Meisengasse, über den Broglieplatz, durch die Luxhofgasse und die Brandgasse reichte, aum Statthalterpalais, wo sich die Brigadegeneräle, die Regiments-Kommandeure und oie Ehrenwache vom 1. rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 25 aufgestellt hatten. Die Straßen vom Bahnhof bis zum Statthalterpalast waren zu beiden Seiten mit spalier- bildenden Vereinen und der Schuljugend besetzt; viele der Vereine, namentlich die Kriegerkameradschaften und die Schützen ließen ihre Musikkorps die Nationalhymne aufspielen. Wo sich die kaiserlichen Wagen zeigten, ertönten gewaltige Hurrahs, die Damen wehten mit den Tüchern; bis zu den Dachluken waren die Fenster besetzt, und die Menge staute sich noch lange, nachdem der Zug vorüber in den Straßen. Der Empfang der Straßburger Bürgerschaft war herzlich und lebhaft, ja stellenweise be­geistert; ein Unterschied zwischen dem Empfang, den der Kaiser hier und den er in den älteren Landestheilen gefunden, war äußerlich nicht zu erkennen. Im Statthalter­palaste vollzogen sich ähnliche Begrüßungen wie auf dem Bahnhofe; die Ehrenkompagnie machte die militärischen Honneurs und der Fürst und die Fürstin Hohenlohe hießen den Kaiser in ihrem Hause, wo er während der Manöver weilen wird, willkommen. Die Kaiserin wohnt im Stadthause, dessen obere Säle und Wohnungsräume für sie auf das Glänzendste hergerichtet wurden.

Kurz nach der Ankunft im Statthalterpalast bestieg der Kaiser wieder den Wagen und fuhr zum Stadthause, um dort die Kaiserin und den König von Sachsen 3U besuchen. Um 5*/, Uhr fand beim Kaiser Galatafel im engeren Kreise statt, nur etwa vierzig Einladungen waren ergangen. Auf den Straßen der Stadt wurde es gegen Abend immer lebhafter; es ist heute ein Festtag, den Jedermann ausnutzt, die Witterung tft herrlich und der festliche Schmuck der Stadt läßt wirklich wenig zu wünschen übrig. Mit dem Einbrechen der Dunkelheit umsäumten sich die Fanden der Gebäude mit feurigen Linien, bald in gleicher Farbe, bald in allen Nuancen strahlend, Gaskörper aller Art flammten auf, Adler, Kronen, Namenszüge und Sterne; dazwischen leuchteten Ballons und hin und wieder bengalische Flammen. Besonders zeichneten sich die öffentlichen Gebäude durch ihren Lichterglanz aus, das Theater mit seinem lichtumflosfenen massigen Säulenportal glich einem römischen Forum und dre auf den breiten Treppen lagernde Menge hätte den Meiningern ein wunder- volles Vorbild liefern können. Am herrlichsten glänzte der Münsterthurm, der auf allen Gallerten bis zur höchsten Spitze mit weißen Lämpchen umsäumt war und die zierliche Stemarbeit wie ein duftiges Spitzengewebe erscheinen ließ. Im Innern des Thurmes warfen bald rothe bald grüne bengalische Flammen ihre farbensatten Strahlen rn das Lichtmeer, das dadurch wie durch rosenrothe und smaragdgrüne Wolken abge- tont wurde. Mit Laternen und Magnesium-Fackeln zogen die Militärmusikcorps, den Zapfenstreich blasend, durch die Straßen der Stadt und sammelten sich gegen 9 Uhr gegenüber dem Garten des Statthalterpalais jenseits des Jllkanals zu einer Serenade vor dem Kaiser, an welcher sich die Musikcorps und Spielleute sämmtlicher morgen in gehenden Truppen betheiligten. Der weite Platz gewährte einen feenhaften Anblick. An hohen Signalmasten leuchteten elektrische Bogenlampen, unten bewegten sich unzählige Soldaten mit ihren Laternen und Magnesiuinfackeln, und bengalische Flammen bestrahlten bald die prächtigen Formen des noch im Bau begriffenen Kaiser­palastes, bald die spiegelnden Wasser der Jll und die weiter abliegenden Gebäude- komplexe.. Der Kaiser weilte im Gartensaale der Statthalterpalastes; mehrmals aber stieg er, jedesmal von dem Hurrah der Nahestehenden begrüßt, die Terrasse in den -Garten hinab. Von der Serenade wird der Kaiser nicht allzuviel gehört haben, die Musiker standen etwas weit ab und die Pianostellen gingen meist verloren. Hätten die sämmtlichen Musikcorps Zusammenwirken können, so hätte das gewiß einen groß­artigen Effect gemacht; die verschiedene Tonhöhe der Instrumente aber machte ein Zu- lammenwlrken unmöglich. Die Musikcorps der Fußtruppen, welche Instrumente hoher Stimmung haben, einschließlich der Jäger und des sächsischen Fußarttllerie-Regiments Nr. 12, spielten zunächst die Ouvertüre zu Euryanthe, dann brachten die Bayern und Badenser mit ihren tief gestimmten Instrumenten die Fantasie aus Carmen zur Aus- fuhrung und die sämmtlichen Trompetercorps mit Instrumenten hoher Stimmung, o cric' Feldartillerie, preußische Fußartillerie und Pionier?, bliesen den Fackeltanz Jtr. 2 von Meyerbeer. In ähnlicher Abwechselung folgten dann das Finale des ersten ^rres aus Lohengrin, der Siegesfestmarsch von Spontini und endlich unter Mit- lD-I#!Ill9rJaSmtIi^crc(5picireute die Retraite, Zapfenstreich und Gebet, letzteres die wirksamste Nummer der Serenade. Als diese geendet, da waren auch iie Lichter der

Stadt vielfach abgebrannt, aber lange nachher pulsirte in den Straßen ein lebhaftes Treiben, an welchem das Militär einen hervorragenden Antheil hatte. (Fr. Ztg.)

Lokale-.

Gießen, 11. September. Der hier am Sonntag im Cafö Leib concertirenden Capelle des 97. Regiments geht ein recht guter Ruf voraus; wie wir aus Frankfurter Blättern ersehen erntete dieselbe bei Gelegenheit des 25jährigen Stiftungsfestes im Zoologischen Garten in Frankfurt reichen Beifall. Es darf wohl auch für ihr Auf­treten an hiesigem Platze auf einen musikalischen Genuß gerechnet werden.

Gießen, 11. September. Die Leiche des sich in der Lahn ertränkten Kauf­manns B. wurde gestern Nachmittag geländet. An derselben waren keine Schuß­merkmale wahrzunehmen, so daß anzunehmen ist, die zwei abgegebenen Schüsse seien von dem Selbstmörder in die Luft abgefeuert worden.

Zur Gasfrage.

Gießen, 11. September 1886.

Die mit Feststellung des Werthes der hiesigen Gasanstalt betrauten Experten haben ihre Arbeit nunmehr abgeschlossen; bei dem hohen Interesse, welches die ganze Angelegenheit für unsere Stadt erhalten hat, geben wir im Nachstehenden eine kurze Wiederholung des bisherigen Verlaufes derselben und einen Auszug aus der uns gütigst mitgetheilten Arbeit der Experten.

Nach § 3 des von der Stadt Gießen im Jahre 1855 abgeschlossenen und von ihr mit Wirkung vom 1. October d. I. ab gekündigten Gasvertrages ist die Stadt verpflichtet, die Gasbeleuchtungsanstalt nach ihrem wirklichen Werthe als betriebbare Anstalt zu über­nehmen"; die Feststellung dieses Werthes aber erfolgt durch Experten.

Wie unseren Lesern bekannt, haben jedoch vor Bestellung der Experten die Stadt Gießen und der dermalige Inhaber der Gasanstalt, Herr Heß, zunächst einem nach Maß­gabe des Vertrages gebildeten Schiedsgericht die Frage unterbreitet,ob bei Feststellung des wirklichen Werthes der Gas.fabrik als betriebbarer Anstalt die Betriebsrente durch die Experten in Berücksichtigung gezogen werden solle." Diese Frage hat das aus den Herren Kanzler Dr. Gareis, Landgerichtsrath Dr. ©Urner und Landgerichtsrath Oppermann gebildete Schiedsgericht dahin entschieden,daß bei Ermittelung des wirklichen Werthes der Gasbeleuchtungsanstalt als betriebbarer Anstalt die ihr innewohnende Ertragsfähigkeit mit in Berücksichtigung zu ziehen sei, jedoch nicht nach Maßgabe der bisher thatsächlich daraus gezogenen, sondern nach Maßgabe der durch die Gasherstellungskosten, die Höhe 1886 ^scousums und die entsprechenden Preise bedingten Rente." (Berwaltungsblätter

Danach hat die Stadt Gießen den Director der Städtischen Gas- und Wasserwerke in Düsseldorf, Groh mann, Fabrikant Heß den Director der Frankfurter Gasgesellschaft, Schiele und Großh. Kreisamt den Kreisingenieur Gnauth in Gießen zu Experten ernannt. Dieselben haben zunächstübereinstimmend festgestellt, daß der vorerwähnte Schieds­spruch mit seinen Entscheidungsgründen die Richtschnur für ihre Arbeiten zu bilden hat.

Die Besprechung der im Einzelnen einzuhaltenden Gesichtspunkte und die Ver- glerchung der ermittelten Ziffern hat zu nachstehender, in durchgängiger Uebereinstim- mnng der Experten gewonnener, Feststellung des zu erhebenden Werthes geführt.

Nach dem Schiedsspruch istneben den übrigen Faktoren der Abschätzung- in Be- tracht zu ziehendie der Anstalt nach Maßgabe der durch die Gasherstellungskosten, die Höhe des Gasconsums und die entsprechenden Preise bedingten Rente innewohnende Ertragsfähigkeit". Nach Ansicht der Experten ist diese Ertragsfähigkeit, welche über­haupt nur annähernd zu berechnen ist, zu ermitteln aus einer für die Zeit nach Ueber- gang der Gasanstalt in anderen Besitz anzustellenden Betriebsrechnung, deren in an­gemessener Weise kapitalisirte Reineinnahme dann jenen Werth darstellt, den eine auf die Ertragsfähigkeit allein gegründete Schätzung ergeben würde, welcher Werth weiterhin kurzweg alsErtragswerth" bezeichnet werden soll. Diesem Werthe stehen gegenüber dieübrigen Faktoren der Abschätzung", welche die Experten in dem der­zeitigenBauwerth" der Anstalt zusammenfassen, ein Werth, welcher sich dadurch. ergibt, daß zunächst die Kosten einer derzeitigen Ncuherstellung der ganzen Anstalt be­rechnet werden und an diesem Neubauwerth mindernd in Abzug gebracht wird, was die einzelnen Gegenstände durch Abnützung und Alter an Werth verloren haben.

x . Wenn nach dem Inhalt des Schiedsspruchesdie Ertragsfähigkeit der Anstalt mit in Berücksichtigung zu ziehen" ist, nach dessen Entscheidungsgründen die Berück­sichtigung des künftig möglichen Ertragesauch nicht ausgeschlossen sein", die Er­hebung des Werthes der Gasanstalt sich aberkeineswegs auf das Gewinnmoment allein aufbauen", vielmehrdie der Anstalt innewohnende Ertragsfähigkeit neben den übrigen Faktoren" in Betracht kommen soll, so haben die Experten aus alledem das wenigstens als zweifellos annehmen zu müssen geglaubt, daß im vorliegenden Fall einer gewinnbringenden Anstalt der nach Maßgabe des Schiedsspruches zu ermittelnde Werth derselben zwischen demBauwerth" einerseits, und demErtragswerth" an­dererseits liegen müsse; weniger als denBauwerth" wird ein anständiger Käufer mcht bieten wollen, mehr als denErtragswerth" ein solider Käufer nicht bieten können.

200 775

44 250 JL 74 975 ,

III.X. Retortenöfen, Apparate, Gasbehälter, Rohrnetz, Straßen­laternen, Gasmesser rc............

Für Entscheidung der weiteren Frage, ob jener Schlußwerth näher an dem einen oder an dem anderen der beiden Grenzwerthe zu liegen habe, giebt der Schieds­spruch keinen Anhalt; ebensowenig ist es auch den Experten gelungen, diese Frag^ anders zu lösen, als indem sie dem Vorgang ähnlicher Schätzungen und der Hebung des gewöhnlichen Lebens folgend eine mechanische Ausgleichung dahin an­nahmen, daß jener Schlußwerth in der Mitte der beiden Grenzwerthe liegen, daS arithmetische Mittel aus beiden bilden solle."

Danach haben die Experten den derzeitigenBauwerth" int Einzelnen eingehend berechnet und denselben schließlich wie folgt zusammengestellt-.

Titel I. Grund und Boden, sammt Auffüllung rc.

II. Gebäude rc...........

Sonach Bauwerth zusammen 320000 JL

Set Bestimmung desErtragswerthes" der Gasanstalt sind die Experten vorzugsweise den Andeutungen gefolgt, welche die Entscheidungsgründe des Schiedsspruches dafür geben; sie haben zur Bemessung des künftigen Jahresreingewinnes zunächst eine Vetriebsrechnung aufgestellt, deren einzelne Ansätze, insoweit es sich nicht um allgemein gültige Ersahrungsziffern handelt, den örtlichen Verhältnissen entsprechen sollen, wie sich letztere nach dem Besitzwechsel der Gasanstalt etwa ergeben werden.

Bezüglich der Einnahmen war dabei in erster Linie zu untersuchen» ob die der­zeitigen GaSpreise auch in Zukunft werden festgehalten werden können ober nicht. Die Experten sind zu der Ueberzeugung gelangt,daß die derzeitigen Gießener Gaspreise bei Weiterbetrieb der Anstalt sich nicht werden halten lassen, daß vielmehr für den Verbrauch der Privaten eine Ermäßigung von 20o/o, und für Motoren eine solche um 25o/o nicht zu vermeiden sein wird, wogegen der Preis für die Straßenbeleuchtung auch in Zukunft als ein angemessener festzuhalten wäre."

Die Frage, ob für Gießcn in Zukunft eine Steigerung des Gesammtverbrauchs an Gas zu erwarten ist, haben die Experten in bescheidenem Umfang bejaht. Die Wahr­scheinlichkeit einer solchen Steigerung wird unterstützt durch die stetige Zunahme des Gas­verbrauchs in den letzten Jahren: 1883/4 507 000 cbm, 1884/5 537 000 cbm, 1885/6 566 000 cbm, durch die voraussichtliche Steigerung des Verbrauchs für Privatbeleuchtunq in tfolge ber oben entwickelten Preisermäßigung unb burch bie im Zuge unserer Beit liegenbe Zunahme bes Gasverbrauchs für Betriebszwecke.

. .Aüen weitergehenben Erwartungen auf einen zunehmenben Gasverbrauch steht aber emerieits bte in den letzten Jahren deutlich hervorgetretene Verlangsamung in der Be- volkerungszunahme Gießens, andererseits die Concurrenz des eleetrischen Lichtes entgegen. Wenn lchon nach dem heutigen Stand dieser Technik für Gießen höchstens der Abfall einiger größeren Abnebmer zu befürchten ist und auch dieser voraussichtlich zu einem guten Theil durch einen Mehrverbrauch an (allerdings billigerem) Gas für Motoren wieder ausge- 9"chen werden wird, so sind doch bei dem heutigen Gang unserer technischen Entwicklung gründliche Umwälzungen auch auf diesem Gebiet so wenig ausgeschlossen, daß die Experten geglaubt haben, die künftige Gewinnrechnung nicht nur möglichst vorsichtig aufstellen, sondern auT xwle l!L , Einleitung geschehen jeden einseitig überwiegenden Einfluß des darauf g-gründetenErtragswerthes" auf die Feststellung deswirklichen Werthes" ausschließew