*■%?
Bl.
Wr-
rJä
Kanlagei^ rS^®- -SMerstr. 20 2' ^bis. 5
101 'September
-U.
^dengasse 1. ' u vermiettzen. orbotilage 6. ®~iSirte§
‘‘»«l. Dc »LS** US?
Nr. 8 SS Donnerstag den IS Angnst 1W>.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. ^^^^^ljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brlngerlohn.
” Durch bie Post bezogen vrertchahrlich 2 Mark 50 Pf.
aajgj^aUUiJil ITWTIIIMIWM ■ 11W-WrrilE^T^auaiB^gE5^^jaUMaa3i»»AnMaBam8BmMgM&
AMtticher Hßsil.
Betreffend: Die Unterhaltung der Ortstafeln. Gießen, den 10- August 1886.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grobherzoglichen Bürgermeistereien des KreiseS.
Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, wiederholt an Erledigung unserer Verfügung vom 15. Juli 1886 — Gießener Anzeiger Nr. 164 — binnen 3 Tagen.
I. V.: v. Bechtold,
Neustadt 21. ~ lleinbewohnen, Zubehör und zuvemiethen . le 29.
Mr.______
rde, guteEin-
Mühlhausen.
nt Logts, ng-r) pr.
>■ I». ;u ieller.
>, 3. SM.
zeigen.
stehlt sich im
no-rE ,18
»••a
mstw ®t> [[en- 60 Erzählung tsetzung ) -7 Nt Pottr t ; dem See- jenfarb- — einer genossen M usRe'chart- - Am Fa- el. Zudem 5 Mstine
Mm urg und Ant« ting ir., n Alsfeld.
gut genährte erde rt angekauft, demehger, ;33-
An unsinr HS ass Jurist *"1 , 66eP«f Sonnig ;6en:
Politische Ueberficht.
Gießen, 11. August.
Die Kaiser-Zusammenkunft in Gastein hat, soweit sich aus den bis jetzt vorliegenden Stimmungs-Berichten übersehen läßt, in der europäischen Preffe eine ganz überwiegend sympathische Beurteilung gefunden. Ueber- einstimmend wird in den Preßbetrachtungen betont, wie in diesen alljährlichen Zusammenkünften zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joses immer wieder zunächst die beide Monarchen verbindende innige persönliche Freundschaft zum glücklichsten Ausdruck gelange und daß gerade die Zwanglosigkeit ihrer alljährlichen gegenseitigen Begrüßung ihrem Bündnisse in den Augen der Welt seine Festigkeit verleiht. Daneben heben jedoch die Blätter auch hervor, wie der heurigen Begegnung der beiden Herrscher die Gegenwart des Fürsten Bismarck ihr eigentliches Gepräge verleihe und daß hierdurch aller Welt bewiesen werden solle, daß Deutschland und Oesterreich keines anderen Bündnisses bedürften und sich auch allein stark genug fühlten, den Frieden zu erhalten.
Herr v. Schlözer, der preußische Gesandte beim Vatikan, hat seinen Sommer-Urlaub diesmal ungewöhnlich spät angetreten, denn er ist erst in vergangener Woche nach Deutschland zurückgekehrt. Allgemein wird angenommen, daß diese Verzögerung mit Verhandlungen über eine weitere Umgestaltung der Maigesetzgebung in Zusammenhang gestanden hat und daß eben deshalb Herr v. Schlözer genöthigt war, den Antritt .seines Urlaubes zu verschieben. Da nun der Gesandte jetzt endlich Rom verlassen hat, so kann man wohl annehmen, daß nunmehr die allgemeinen Grundzüge für die definitive Revision der Mat- gesetzgebung zwischen der preußischen Regierung vereinbart worden sind. Was Alles in den Rahmen dieser „endgiltigen" Revision gehören soll, entzieht sich vorläufig noch der weiteren Kenntnißnahme und es läßt sich daher auch über das mit einer gewissen Bestimmtheit auftretende Gerücht, wonach u. A. die Aufhebung des Reichsgesetzes gegen den Jesuitenorden beabsichtigt sei — welches Gerücht mit der kürzlich erfolgten Bestätigung des genannten Ordens in unverkennbarem Zusammenhänge steht — nichts sagen. Indessen darf man der Erwartung Ausdruck verleihen, daß trotz des gegenwärtigen guten Einvernehmens zwischen Preußen und dem Vatikan der Wiederetnzug der Mitglieder der „Gesell- schast Jesu" dem neuen deutschen Reiche erspart bleiben wird, denn eine solche . Concesston müßte von den bedenklichsten Folgen für das Ansehen der Staatsgewalt sein.
Mit der schon gemeldeten Verhaftung von 8 Socialdemokraten in Hamburg scheint die Polizei einen außerordentlich wichtigen Fang gelhan zu haben. Man glaubt, daß ihr hierdurch die Fäden zur Enthüllung der ganzen socialdemokratischen Bewegung in den Städten Hamburg, Altona, Harburg und Ottensen in die Hand gegeben worden sind und soll das beschlagnahmte Material ein so reichhaltiges sein, daß dem Vernehmen nach auf Grund desselben eine noch umfassendere Anklage zu erwarten steht, als in der Freiberger Affaire.
Die Machtstellung Frankreichs in Ostasten läßt offenbar noch immer viel, wenn nicht Alles, zu wünschen übrig. Immer und immer wieder verlangen die französischen Befehlshaber in Tongking und Anam Verstärkungen und dieses Verlangen setzt in den leitenden Pariser Kreisen um jo mehr in Verlegenheit, als der für 1886 bewilligte tongkingnesische Kreoit schon erschöpft ist. Die Unterschätzung der aufständischen Anamiten und Tongkingnesen rächt sich für Frankreich jetzt bitter. Nach dem Frieden mit China glaubte man in Paris, mit den in den Gegenden des Rothen Flusses hausenden Banden leicht fertig zu werden und beschloß die Zurückziehung eines Theiles der Occupations- Truppen, wie dies ja auch die Radikalen verlangten. Aber seither hat es sich mehr und mehr erwiesen, daß die in Tongking zurückgebliebenen französischen Truppen, die überdies durch Krankheiten arg mitgenommen werden, nicht genügten, um den Aufständischen die Spitze zu bieten; General Jamont, der gegenwärtig in Tongking und Anam commandirende General, verfügt über etwa 10,000 Mann verläßlicher Truppen, aber um dem Treiben der Jnsurgenten- Banden energisch ein Ende zu machen, müßte er über 50- bis 60,000 Mann verfügen können und in eine derartige Vermehrung der Streitkräfte in Tongking wird die französische Deputirtenkammer freilich schwerlich willigen. Außerdem beging aber die französische Negierung mit der Ernennung des ehemaligen Unterrichtsministers und Intimus Gambetta's, Paul Bert's, zum Civil-Gouver- neur in Tongking einen anderen schweren Fehler. Herr Bert ist den Anforderungen der militärischen Lage völlig fremd, steht mit seinen eigenen Resorm- plänen vereinsamt da, ohne die nothwendige enge Fühlung mit den maßgebenden militärischen Persönlichkeiten, und sieht somit seine AmtSthätigkeit auf die beschei- Lensteu bureaukratischen Grenzen beschränkt. Die Beruhigung Tongkings läßt
sich nach dem Urtheile aller Sachverständigen nicht aus civilem, sondern nur aus militärischem Wege erreichen und wenn diese Einsicht in den leitenden Pariser Kreisen nicht bald Platz greift, so erscheint die Herstellung geordneter Verhältnisse in diesem Lande noch in weite Ferne gerückt.
Die am Sonntag vorgenommenen Generalrathswahlen sind ganz überwiegend zu Gunsten der Republikaner ausgefallen, da 141 Republikaner der verschiedenen Schatttrungen und nur 33 Monarchisten gewählt wurden. Immerhin bedeuten auch die Stichwahlen für die Anhänger her Republik eine kleine Schlappe, denn sie verloren definitiv 6 Sitze. Da sie bereits im ersten Wahlgange 7 Sitze definitiv verloren, so ergiebt sich für die republikanische gartet bei den soeben beendigten Generalrathswahlen ein Gesammtverlust von
In Belgien grollt die anarchistische Bewegung noch immer nach. In Brüssel wurde vorige Woche ein Plakat, welches zur Anarchie ausforderte, massenhaft an die Mauern angeschlagen und am Sonntag fand daselbst eine Arbeiter-Kundgebung von offenbar socialistisch - anarchistischem Charakter statt. An ihr nahmen 1600 Personen Theil, welche mit einigen rothen Fahnen, unter dem Gesänge der Marseillaise, die Straßen durchzogen. Da die Behörden ihre Abordnungen getroffen hatten, wurde die,Ruhe nirgends gestört.
Der König von Griechenland ist am'Sonntag in Kopenhagen ein- getroff : urd von den Mitgliedern der Königsjamilie am Bahnhofe empfangen worden. Ob man hierin die Einleitung zu einer Wiederholung des vorjährigen fürstlichen Familientages in Kopenhagen zu erblicken hat, ist indessen mehr als zweifelhaft. Wenigstens ist noch nicht das Mindeste davon bekannt, daß das russische Kaiserpaar wiederum nach der dänischen Hauptstadt zu kommen beabsichtige und ebensowenig von der Absicht dieses oder jenes Mitgliedes der englischen Königsfamilie, nach Kopenhagen zu kommen. Der griechische Herrscher »eilt eben, wie alljährlich, so auch in diesem Sommer, am elterlichen Hose und wird er sich von Kopenhagen aus zum Antritte der schon angekündigten Kur nach Wiesbaden begeben.
Das neue conservative englische Cabinet hat kaum das Staatsruder in die Hand genommen und schon wirst die irische Frage abermals starke Schatten voraus. In Belfast, wo es in den letzten Monaten bereits zu blutigen Unruhen gekommen ist, zu denen die Reibungen zwischen Ocangisten und Nationalisten den Anlaß gaben, haben sich diese Unruhen soeben wiederholt. Nachdem schon am vorigen Mittwoch sich arge Schlägereien zwischen beiden Parteien entsponnen, erneuerten sich die Tumulte am Samstag und nahmen sie diesmal einen so drohenden Charakter an, daß Militär zur Unterstützung der Polizei eingreisen mußte. Zwischen der bewaffneten Macht und den Ruhestörern kam es mehrere Male zu heftigen Zusammenstößen und wurden hierbei gegen 50 Personen verwundet. Vielleicht, daß diese Vorgänge mit zur Beschleunigung der vom Cabinet Salisbury geplanten Verwaltungs- und Agrargesetzes für Irland beitragen.
Darmstadt, 9. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 19 enthält:
Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Beitritt der Staatsforstbeamlen zum Civildiener-Wittwen-Jnstitut betreffend.
Lelkgraphische Depesche«.
WES Megr. Tsr«ssporrdeirr - Butewu
Gastein, 10. August. Der österreichische Kaiser unternahm heute früh mit der Kaiserin einen Spaziergang in das Kötschachthal. Der deutsche Kaiser nahm Vormittags sein letztes Bad; Die Abreise erfolgt um Va2 Uhr, die Ankunft in Salzburg um 5 Uhr, von wo der Kaiser morgen Vs4 Uhr Nachmittags weiterreist. Kaiser Franz Joseph verläßt morgen früh 4 Uhr Gastein und trifft um V2II Uhr in IM ein. — Heute Vormittag stattete Herbert Bismarck dem Grafen Kalnoky euren Besuch ab. ,,, , r,
— Kaiser Wilhelm und Prinz Wilhelm sind heute Mittag IV2 Uhr m bestem Wohlsein von hier abgereist. Die Kaiserin von Oesterreich machte dem Kaiser heute Mittag einen Abschiedsbesuch. Kaiser Franz Joseph begab sich um 1 Uhr zum Karser Wilhelm und begleitete denselben zum Wagen. Beide Monarchen umarmten und küßten sich wiederholt. Ebenso herzlich war der Abschied Kaiser Franz Joseph s vom Prinzen Wilhelm. Eine dichtgedrängte Menschenmenge begrüßte den Kaiser mrt stürmischen Zurufen. t r‘
- Fürst Bismarck besuchte heute Vormittag den Grafen Kalnoky, welcher mit ihm nach dem Schweizerhause zurückkehrte und längere Zeit baselbst verblieb. Heute Nachmittag um 4 Uhr unternahmen beide Staatsmänner gemeinschaftlich einen zweistündigen Ausflug. Heute Abend 7Vr Uhr machte Kalnoky, der morgen früh 8 Uhr abreist, dem Fürsten Bismarck seinen Abschiedsbesuch.


