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Concentration, welche die englischen Operationen am Nil seit Jahr und Tag charakterisit, aber sie bedeutet vom strategischen Standpunkte aus einen schweren Fehler. Dongola bildet gewissermaßen die Aus- und Einfalls-Psorte des Sudan und es wird vielleicht nicht lange dauern, so wird man die Sudan-Rebellen von Dongola aus das Nilthal abwärts gegen Wady Halfa zufluthen sehen und ob die erbärmlichen egyptischm Truppen diesen Schlüssel zu Ober-Egypten einem Anpralle der Sudanesen gegenüber würden behaupten können, ist sehr fraglich.

Telegraphische Depeschen.

WoLst'S telegr. Torrefpondeirr - Varearr.

Berlin, 10. März. Reichstag. Berathung des Antrages Windthorst wegen Befreiung der Abgeordneten vom Zeugnißzmang.

Staatssecretär Bötticher erklärte, gegen die commissarische Berathung des Antrages zu der Untersuchung der Frage sei nichts einzuwenden, doch sei zweifellos, -atz eine einseitige Erklärung des Reichstags einflußlos sein müsse. Der Bundesrath habe zu dem Anträge noch keine Stellung genommen, dagegen sei die preußische Re­gierung einstimmig der Ansicht, daß der Verfassungsartikel 30 (Immunität der Ab­geordneten) die Mitglieder des Reichstags vom Zeugnißzwang nicht befreie, nur durch «in Gesetz könne eine andere Interpretation des Artikels beschlossen werden.

Der Antrag wird schließlich einer Geschäftsordnungs-Commission überwiesen.

Im Laufe der Debatte sprachen Windthorst, Bernuth, Hänel, Rein­baben für die Verweisung an die Commission, Hamm er st ein, Mal tzahn-Gültz für sofortige Ablehnung des Antrags.

Alsdann wurde der Antrag Moltke betreffend die Aenderung des Pensions- -esches an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen.

Der Antragsteller, sowie der Kriegsminister sprachen sich für eine Auseinander­haltung der Pensionsfrage und der Communalbesteuerungsfrage aus. Seitens der Liberalen wurde neue reichsgesetzliche Regelung der Besteuerungsfrage verlangt.

Nächste Sitzung morgen 1 Uhr.

Berlin, 10. März. Im Abgeordnetenhause wurde heute der Cultusetat bis einschließlich Ausgaben für die Universität Königsberg unverändert erledigt. Die Position für den altkatholischen Bischof führte eine lebhafte Debatte über die Benutzung der katholischen Kirchen durch die Altkatholiken, namentlich in Wiesbaden, herbei. Der Cultusminister legte die Schwierigkeiten in der Auseinandersetzung zwischen den Katholiken und den Altkatholiken in Wiesbaden dar. Die Regierung habe es an gutem Willen hierzu nicht fehlen lassen.

In der weiteren, auf allgemeine kirchliche Fragen ausgedehnten Debatte be­merkte Eynern, das Centrum versuche, indem es der gestrigen Erklärung Windthorst's zuwider, die Culturkampfschmerzen aus allen Winkeln hervorsuche, den Bischof Kopp wie die Curie zu terrorisiren. Schorlemer und Windthorst bestritten dies, wenn das Centrum auch den Frieden wolle, verzichte es doch nicht auf die Vorbringung einzelner Beschwerden. Windthorst verlangte Aufhebung des Altkatholikengesetzes.

Der Cultusminister erklärte noch, die Prüfungsordnung für die Candiduten des höheren Lehramtes, sowie die Ascension der Lehrer seien in Verhandlung, ebenso die Einsetzung der Prüfungscommission für Chemiker. Die Einführung eines Zwischen- examens für Juristen erwies sich unausführbar.

Söl«, 10. März. DieKöln. Volkszeitung" veröffentlicht die Antwort der preußischen Bischöfe auf das Schreiben des Papstes vom 6. Januar, worin dieselben danken für das den preußischen Katholiken ertheilte Lob und die Rothwendigkeit der bischöflichen Freiheit in der Kirchenverwaltung und Priestererziehung betonen.

Karlsruhe, 10. März. Bei dem Erbgroßherzog ist nach einer gut verbrachten Nacht das Fieber im Rückgang, die Gelenkaffection ist eine mäßige, die inneren Ver­änderungen sind theils im langsamen Rückgänge, theils stationär.

Paris, 10. März. DieAgence Havas" dementirt das Gerücht von der De- Mission des Finanzministers Carnot.

In Decazeville ist die Lage unverändert.

London, 10. März. Unterhaus. Der Antrag des Deputirten Dillwyn auf Entstaatlichung der Kirche im Fürstenthum Wales wurde mit 241 gegen 229 Stimmen abgelehnt. Der Schatzkanzler Harcourt hatte den Antrag bekämpft und dabei nament-- lich heroorgehoben, daß die kirchliche Frage im Fürstenthum Wales von der kirchlichen Frage in England überhaupt nicht getrennt werden könne und daß bezüglich der letzteren Gladstone während der jüngsten Parlamentswahlen erklärt habe, sie solle in diesem Parlamente nicht aufgeworfen ro erb eit

Venedig, 10. März. Gestern Nacht ist ein Arbeiter derStazione Maritima" an der Cholera gestorben.

Petersburg, 10. März. fTelegramm der nordischen Telegraphen agentur.^ Gutem Vernehmen nach sollen zunächst sämmtltche in Metalloaluta im Auslande emittirten russischen Anlehen und zwar in nachstehender Reihenfolge convertirt werden: Auswärtige Anleihe von 1877; 5proc. Consols von 1870, 1871, 1872, 1873, 1884; siebente 5proc. Anleihe von 1862, wahrscheinlich auch beide englisch-holländischen An­leihen. Nachher sollen drei innere Orientanlcthen convertirt werden.

Belgrad, 10. März. Der Delegirte zu den Friedensvcrhandlungen, Mija- towic, trifft heute Abend mit dem Friedensinstrument aus Bukarest hier ein. Särnrnt- liche Minister reisen in den nächsten Tagen nach Risch zu einem Ministerrathe.

Der österreichische Gesandte, Graf Khevenhüller-Metsch, wird heute Abend hier erwartet.

Der König stiftete unter beni NamenKönigin - Natalie - Erinnerungs- mebaille" eine Medaille für Frauen, welche sich in der Pflege der Verwundeten aus­gezeichnet haben.

Kouftautinopel, 10. März. Die Circularnote der Pforte vom 6. b. M. er­klärt, bk Türkei bleibe babei, Griechenlanb keinerlei Concessionen zu machen. Es könnten also auch über solche Concessionen gemäß den früheren Erklärungen der Pforte keine Verhandlungen stattfinden.

Neuester aus der deutschen Poiksrählung von 1885.

Es werden allmälig die Volkszählungs-Ergebnisse von immer mehr deutschen Staaten bekannt. Auch das Großherzogthum Hessen und das Herzogthum Braunschweig haben ihre vorläufigen Resultate veröffentlicht. Danach hat sich die Bevölkerung im Großherzogthum Hessen von 1880 bis 1885 von 936,340 auf 956,170, d. i. um 19,830 Personen, oder 2,12 pCt. vermehrt, während in der Periode von 1875 bis 1880 die Zunahme 52,122 Personen ober 5,89 pCt. betrug. Die Provinz Oberhessen hat von 1880 bis 1885 sogar um 1742 Personen ober 0,66pCt. abgenommen. Im.herzogthum Braunschweig ist bk Bevölkerung von 18801885 von 349,367 auf 372,580 Ein­wohner, mithin um 23,213, b. i. um 6,64pCt., gewachsen. Das Herzogthum Braun­schweig steht mithin in seiner Volkszunahme ganz nahe bem Königreich Sachsen, welches von 2,972,805 auf 3,179,168 Einwohner, d. i. um 206,363 Köpfe ober L,94pCt., gewachsen ist. In Preußen ist die Bevölkerung von 27,279,111 auf 28,314,032 Personen gestiegen und hat mithin um 1,034,921 Personen, d. i. um 3,79 pSt. -»genommen, in Württemberg von 1,971,118 auf 1,994,849, also um 23,731, d i. um 1,20 pCt., in Baden von 1,570,254 auf 1,600,839, also um 30,585 Köpfe, >. i. um 1,95 pCt.

Süddeutschland zeigt im Verhältniß zu dem Norddeutschlands eine weit geringere Zunahme; aber auch Preußen und Sachsen haben keine solche Zunahme wie in früheren Perioden aufzuweisen und in den einzelnen Landestheilen dieser Staaten haben große Verschiebungen stattgefunden. So haben unter den preußischen Provinzen Pommern und die Hohenzollernschen Lande «bgenommen, die übrigen Provinzen dagegen zu- -enommen.

Am stärksten war die Zunahme im Stadtkreise Berlin (17,22pCt.), in West­falen (7,80 pCt.), im Rheinlande (6,65pCt.) und in Sachsen (5,02pCt.), am geringsten in Westpreußen (0,15pCt.), Posen (0,68pCt.), Ostpreußen (l,29pCt.) und Schleswig- Holstein (2,05 pCt.). Unter den vier Bezirken, deren Bevölkerung gesunken ist, hat der Bezirk Köslin mit einer Abnahme um 3,22 pSt. die stärkste Verminderung erfahren;

ihm folgen Stralsund mit 2,73, Sigmaringen mit 1,35, Stettin mit 1,28 und Marien­werder mit 0,89pCt. Abnahme.

Während sich in Preußen die Bevölkerung vom Osten nach dem Westen der Monarchie verschiebt, zeigt auch das Königreich Sachsen ganz erhebliche Schwankungen in seinen Regierungsbezirken. Die Kreishauptmannschaft Leipzig hat in den letzten 5 Jahren um 9,31 pCt., die Kreishauptmannschaft Bautzen nur um 1,44 pCt. zuge­nommen und innerhalb der Kreishauptmannschaft Leipzig selbst kommen die größten Unterschiede vor. Während die Amtshauptmannschaft Leipzig um 20,88pCt. zunahm, hat die Amtshauptmannschaft Döbeln um 0,03pCt. abgenommen.

Lokale-.

Gießen, 11. März. Der März macht es mit seiner Kälte jeden Tag resp. jede Nacht toller. Das Thermometer zeigte vorgestern Nacht15°, gestern Nacht 9 und heute Nacht wieder 910° kalt im Freien. Daß bei dieser Kälte die Lahn wieder zum Eissport tauglich ist, wird uns von Sachverständigen versichert. Das Eis der Lahn ist am Bootshaus der Rudergesellschaft 11 und weiter hinauf am Schmall'schen Eis­hause 13 Ctm. stark, also tragfähig. Wer also Lust und Courage hat, ikann sich dem Schlittschuhlauf wieder widmen, vermeide jedoch die Gegend an dem Felsen resp. der Militär-Schwimmanstalt, damit ihm dort kein Unfall zustoße.

Gießen, 11. März. Seit 1845 haben wir keinen so anhaltend kalten Mär­gehabt. als der diesjährige. Damals hielt die Kälte, bis zu 1516° steigend, und bei einer dicken Schneedecke bis zum 24. an. Das Wild kam bis in die Dörfer; ein Reh lief hinter einem Wagen her und ließ sich fangen. Unser Storch hat klug gethan, seine Ankunft, die im vorigen Jahr am 27. Februar erfolgte, noch zu verschieben. B.

Universität- »Chronik.

Professor Dr. Räuber in Leipzig hat einen Ruf als ordentlicher Pro­fessor der Medicin nach der Universität Dorpat angenommen und wird mit Beginn des nächsten Semesters dort seine Vorlesungen eröffnen.

Professor Dr. Wichmann von der philosophischen Fakultät zu Leipzig hat einen Ruf als ordentlicher Professor am Polytechnikum in Darmstadt an­genommen.

Prioatdoccnt Lic. Dr. K- R. Gregory in Leipzig hat einen erneuten Ruf an die John Hopkins-Universität in Balttmore erhalten und gedenkt demselben im October n. I. zu folgen.

Der Breslauer Studentenschaft ist durch den Cultusminister der Dank des Kaisers für die durch den großen Fackelzug am 25jährigen Regierungsjubiläum kundgegebene Verehrung ausgesprochen worden.

Die Privatdocentcn Dr. R. Schubert unb Dr. L. Jeep finb zu außer­ordentlichen Professoren in der philosophischen Fakultät zu Königsberg ernannt worben.

Dem Professor a. D. Dr. Baumgarten in Rostock ist aus Anlaß seines 50jährigen Jubiläums als Doctor ber Philosophie von ber philosophischen Fakultät ein Erneuerungsbiplom zugegangen.

Vermischte-.

Darm stabt, 10. März. ^Hessischer Landeslehrer-Verein.) Die Tagesorbnung ber am 28. April in Offenbach stattfinbenben biesjährigen Delegirten-Versammlung des hessischen Landeslehrcr-Vereins ist folgende: Feststellung bes Jahresberichts für ben Lanbeslehrer - Verein, bes Lehrer - Waisenstistes unb bes Vereins provisorisch an- gestellter Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen; Rechnungsablagm pro 1885; Festsetzung bes Voranschlags pro 1886; Berathung unb Beschlußfassung über etwaige Anträge; Ergänzungswahl ber nach Art. 15 ber Statuten ausgeloosten Vorstanbsmitgliebern. Die Tagesorbnung der am folgenden Tage, 29. April, stattfindenden Generalversammlung des Landeslehrer-Dereins stellt sich wie folgt: Er­öffnung unb Begrüßung ber Versammlung, Verlesung bes Protokolls ber Delegirten- - Versammlung, Berathung unb Beschlußfassung über etwaige Anträge, Referat bes Herrn Lehrers Nuppel aus Dübelsheim über bas Thema:Anforberungen an die moberne Schule unb ihre Lehrer". Referat -es Herrn Lehrers Kahl aus Gießen über bie Frage:Kann bie Schule ben Erwartungen, welche gegenwärtig bezüglich der Besserung ber Moralität bes Volkes von ihr gehegt werben, entsprechend"

Darm stabt, 9. März. Gestern Abenb ereignete sich hier ein höchst beklagens- werther Unglücksfall. Zwei bekannte Persönlichkeiten, von' welchen bie Eine einen Eisbären barstellte, veranstalteten in verschiedenen Wirthschaften gegen Geldspenden Vorstellungen. Der Mann, welcher den Eisbären vorstellte, ein früherer Cigarren­arbeiter Namens Amend, stieg in ber WirtschaftZum Anker" auf einen Tisch, um sich ben Zuschauern besser zu zeigen, hierbei kam er einer Gasflamme zu nahe, seine aus Watte hergestellte Umhüllung fing Feuer unb im Nu staub ber Mann vom Kopf bis zu ben Füßen in Flammen. Trotzdem bie Gäste sofort bie brennenbe Umhüllung abrissen, wobei sich Einige selbst verbrannten, hatte ber Unglückliche doch solche furcht­bare Brandwunden davongetragen, daß er nach einigen Stunden im städtischen Hospital, wohin man ihn verbracht hatte, unter unsäglichen Schmerzen seinen Geist aufgab. Es erinnert dieser Vorfall an das vor mehreren Jahren bei einem Costümfest der Münchener Künstler vorgekommene Unglück, wo unter ähnlichen Umständen eine Anzahl von Künstlern, welche eine Eskimogruppe barstellten, durch Verbrennung um's Leben kamen.

Essen, 7. März. Am 3. bs. würbe von ber Krupp'schen Gußstahlfabrik bas zweite ber von ber königlich italienischen Regierung in Auftrag gegebenen Riesen­geschütze zum Schießplatz nach Meppen abgesandt. Dasselbe ist eine 40 Ctm.-Kanone, deren Rohr 14 M. lang ist unb 125,5 Tonnen wiegt. Bei einer Pulverlabung von 500 Kgr. schleubert ber Koloß eine Granate von 8001000 Kgr. Da die ungeheuere Last des Rohres auf einem verhältnißmäßig kleinen Raume zusammengebrängt ist, so mußten für ben Eisenbahntransport besondere Vorkehrungen getroffen werben. DaS Geschütz ruht auf zwei eigens für diesen Zweck gebauten Wagen, welche durch eine drehbare Brücke miteinander verbunden sind. Jeder Wagen hat 8 Achsen, ein eigenes Gewicht von 39 Tonnen unb eine Tragfähigkeit von 75 Tonnen. Zwischen ber Loco- motive unb bem ersten Kanonenwagen laufen zur größeren Sicherheit zwei unbelabene Wagen. Da ber Sonderzug, mit welchem bas Geschütz gefördert wirb, gewisse Eisen- hahnbrücken nicht passiren barf, so müssen bie von bemselben zu befahrenden Strecken mit besonderer Vorsicht gewählt werden.

sMärzlieb der armen Vöglein.) Friedrich Stolhe läßt in seiner neuesten Laterne" folgenbe Klage ber armen Frühlingssänger in Frankfurter Munbart er­tönen, hoffentlich wirb dieselbe außerhalb Frankfurt auch verstauben und den Bittenden recht viel verabreicht:* *)

Mir Dannefink un Meise Mir Harne nix zu beiße! Mir Hänfterling, mir graue, Mir Howe nix zu kaue! Mir Hänfterling, mir grine, Mir könne nix verdine! Mir Arnschele un Zippe, Mir hawe nix im Dippe! Ich bin die Lerch Tritt! Ach hält ich nor e Filie!

Ach geb merr nor e Räubche, Ich mach derr ääch e Käubche! Stiegelih, Stiegelitz!

Nor e bissi Hawergritz!

Ach ich aarmer bunter Tropp;

Wääßt De gar kään Distelkopp?

*) Bei dieser Gelegenheit möchten wir die Bitte an die mit dem Abschuß von schädlichen Vögeln" betrauten Personen richten, ihres Amtes bei diesem harten Wetter nicht so streng zu walten. Neben manchem hungernden unb frierenben Spatz wird wohl auch öfters eine Lerche ober ein Fink dem töbtenben Blei zum Opfer fallen, ohne daß der Schütze es wollte. D. Red.

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